Schönen Gruß unserer Verwandten: Nicht nur Affen äffen alles nach

Glosse

 

Neben der Spur


(Darmstadt/Izmir/Krefeld, 22. August 2014)  
Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, das bestimmte Begriffe beim DLV respektive der handelnden Personen des Bundesausschusses Senioren auf dem Index stehen. Stabhochsprung-Überflieger Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen, derzeit nebst Ehefrau Ute und Sohn Thomas in Izmir im wonnevollen Einsatz, darf herzlich gerne und immer und immer wieder Weltrekorde aufstellen. Aber es handelt sich dann, bitte sehr, zugleich lediglich um eine deutsche Bestleistung. Die Begründung des Oberstatistikers dafür ist dermaßen albern, dass wir sie gar nicht erst nennen. Das ließe sich auch nonchalant unter Haarspalterei und Wortklauberei abhaken. Tun wir aber nicht. Neuere, nicht neueste Erfindung, dass Senioren/innen nicht ganz schlicht und einfach einen Länderkampf ausgetragen können. Das Ding heißt nach Lesart des Verbandes, wie jüngst auf dessen Netzseite in der Überschrift zu erfahren war, Senioren-Challenge.
Wie bitte? Zufällig wusste ich es, da es häufiger beim Tennis bei zweit- bis drittklassigen Turnieren hinter der ATP- und WTA-Tour vorkommt. Dennoch habe ich vorsorglich noch einmal bei Herrn Langenscheidt nachgesehen. Dort gibt es gleich 14 verschiedene, indes artverwandte (Be-)Deutungen für Challenge. An der Spitze wird „Herausforderung“ genannt. Alle sind jedoch meilenweit von Länderkampf entfernt. Selbst der ganz zuletzt aufgeführte „Wettbewerb“. Aber, oh Wunder, im Text des besagten Beitrages fällt doch das vermeintlich böse Unwort, ist vom „traditionellen Senioren-Länderkampf“ die Rede. Warum nicht gleich so, und vor allem auch als Arbeitstitel? Dann hätte es direkt jede/r verstanden, ohne irgendwelche analogen oder digitalen Übersetzungen bemühen zu müssen, die einen zu allem Überfluss auf die falsche Fährte schicken. Das würde freilich nicht mit dem Markenzeichen des DLV korrespondieren. Danach muss es nicht zwingend besser und verständlicher sein, sondern hauptsächlich anders. Bevorzugt anglizistisch. Das kommt mutmaßlich chic und modern gewandet daher. Nicht nur Affen äffen alles nach. Unsere lieben Verwandten lassen schön grüßen!
Ansonsten überschlagen sie sich momentan in der gemeinhin höchst unzulänglich gepflegten Senioren-Spielecke die Ereignisse. In dem gestrigen Beitrag des Chef-Literaten Karl-Heinz „Flunker“ Flucke (im Bild) wird das staunende, daheim gebliebene Leichtathletik-Völkchen gewahr, dass die Senioren-EM in Izmir Freitag (also heute) mit einer kleinen Eröffnungsfeier und den Mehrkämpfen (die ersten Ergebnisse sind bei Online-Stellung diese Glosse bereits übermittelt) beginnt. Später wird der selbst ernannte Baron von Münchhausen (das Flunker ist nämlich seine Erfindung in Zusammenhang mit einer hochgradig einfältigen April-Scherz-Retourkutsche) förmlich, bezeichnet sich in der dritten Person, siezt sich vermutlich selber. Da heißt es in seinem laut Autorenzeile eigenen Machwerk im Originalwortlaut: „Mit den ,EM-News’ wird Karl-Heinz Flucke regelmäßig auf dieser Seite über die Europameisterschaften in Izmir berichten.“ Vornehm geht die Welt zu Grunde. Darüber hinaus freuen wir uns geradezu narrisch, dass er für die täglichen Wetterberichte und Wasserstandmeldungen („Ihr müsst gaaanz viel trinken“; wir zu Hause offenbar auch) seinen Urlaub auf Verbandskosten unterbricht.
Allerdings hat er in der speziellen Beziehung ernsthafte Konkurrenz bekommen. Es gibt ein wahrscheinlich von der EVAA in Auftrag gegebenes ärztliches Bulletin namens „Medical system and warnings“. Danach sollen die Athleten während der Wettkämpfe 0,5 bis 1 Liter Wasser trinken. Das dürfte nicht nur, das ist für die Mehrkämpfer definitiv zu wenig. Für den Fall, dass doch jemand bei der Brüllhitze kollabiert, stehen insgesamt 112 Sanitäter in Bereitschaft. Wie beruhigend. Es folgen weitere nützliche Tipps, darunter die, für etwaige Überführungen ins Hospital den Pass und die Kreditkarte mitzuführen. Ach ja: Für diesen hoffentlich nie eintretenden Notfall soll vorher unbedingt der eigenen Delegation Bescheid gegeben werden, damit die nicht womöglich irgendwann eine Vermisstenanzeige veranlasst. Das könnte bei einer Ohnmacht allerdings schwierig werden. Alle drei genannten Punkte.
Da schreibe ich nicht über des Kaisers Bart. Nach einem lebensbedrohlichen Sportunfall bei der Hallen-EM 1999 in Malmö hatte ich ein längeren Filmriss und bin erst im Klinikum der schwedischen Hafenstadt nach über einer Stunde erwacht. Glücklicherweise schaute ich dabei in das vertraute Gesicht des damaligen deutschen Delegationsleiters Dieter Massin, der mich trotz einer Krankenhausphobie begleitet hatte und nach ärztlicher Anweisung auf mich einreden sollte wie ein Wanderprediger. Hat er auch gemacht. Bis es mir zu bunt oder wieder wohler wurde.  
Bleibt den etwa 200 deutschen Sportkameraden/innen vor Ort im riesigen, schattenfreien Atatürk-Stadion und den Nebenschauplätzen Hals- und Beinbruch zu wünschen! Allen anderen selbstverständlich auch.