Lampis einmal mehr Leit- und Leidmedium in Personalunion

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 03 . August 2014)
Es sei an die Kolumne vom 20. Juli und den kleinen Nachdreher vom nächsten Tag erinnert. Da war von den drei modernen Sprachregelungen zum guten alten Seniorensprecher die Rede. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte auf seiner offiziellen Verbandsnetzseite als dritte Variante „Aktivenvertreter/in“ beigesteuert. Nun halten wir mitnichten jeden vom DLV fabrizierten Schwachsinn nach, auf den wir ihn indirekt aufmerksam gemacht haben. Da hätten wir verdammt viel zu tun. Allerdings können – und wollen wir auch – nicht verhindern, dass uns irgendein nettes Vögelchen etwas zuträllert. Diesmal sogar aus höchst exponierten Kreisen, was im Innenverhältnis, so es denn bekannt würde, das Vögelchen, als Nestbeschmutzer ge- und bewertet werden könnte. Doch nach einem ungeschriebenen journalistischen Gesetz gewähren wir unseren Informanten selbstverständlich Vertrauensschutz. Den „Maulwurf“ aus dem Kommentar von gestern eingeschlossen, versteht sich. Also Nachfragen jedweder Art sind vergebliche Liebesmüh, zu was und von wem auch immer.
Nun jedoch zur Aufhellung des bis hierhin noch ein wenig nebulösen Vorganges. Wenn man unter www.leichtathletik.de die verschlungenen Pfade Verband, Kontakt, Bundesausschüsse und schlussendlich Senioren anklickt, erfährt der staunende Betrachter, dass Alfred Hermes und Lidia Zentner nun nicht mehr „Aktivenvertreter/in“, sondern „Athletensprecher/in“ sind. Lampis erneut und zum ungezählten Male Leit- und Leidmedium in Personalunion. Aber wir helfen gerne. Irgendwann stellt sich allerdings die Honorarfrage. Der DLV lässt sich schließlich auch jede Handreichung fürstlich bezahlen. Veranstalter können ein traurig’ und garstig Lied davon singen. Uns mit dem inzwischen 5. Werfermeeting eingeschlossen. Aber das Thema werden wir, so es nötig werden sollte, noch gebührend und gehörig ausschlachten. Nicht nur juristisch, auch öffentlich. Versprochen!

Brite Perriss Wilkins geht bei der EM als Blender in den Ring

Wenden wir uns im zweiten Teil der „Predigt“ noch unserem originären Anliegen zu. Der Brite Perriss Wilkins (*1967) taucht in der mutmaßlichen Teilnehmerliste nach Altersklassen und Disziplinen der Senioren-EM in Izmir im Diskuswurf der M45 mit einer Meldeleistung von 66,64 m auf. Donnerwetter! Dazu sei ergänzend erwähnt, dass der viermalige Olympiasieger Al Oerter (*1936) aus den USA  mit 66,12 m als offizieller Weltrekord-Inhaber der M45 geführt wird, aufgestellt am 28. März 1982 in Westfield (USA). Die soll der Insulaner von einer breiteren Öffentlichkeit völlig unbemerkt verbessert haben? Schwer vorstellbar, geradezu unglaublich. Stimmt auch nicht, wie unsere Recherche ergab. Wilkins, längst nicht so bekannt wie sein us-amerikanischer Nachnamensvetter Mac Wilkins (*1950; Bestleistung 70,86 m aus 1980, damals Weltrekord), warf jene 66,64 m am 30. August 1998 in Stanford (England). Das war seinerzeit britischer Rekord, ist bald schlappe 16 Jahre her und entspricht logischerweise nicht seinem heutigen Leistungsvermögen. Zumal er sich garantiert nicht mehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch, eine ungewollte englische Erfindung, ernähren wird, das womöglich einen anabolen Nebeneffekt hatte. Helmut Maryniak (*1968) vom 1.FC Passau, der sich jüngst und mithin aktuell auf 48,04 m verbesserte (wir berichteten), sollte also in aller Ruhe und Gelassenheit das gemeinsame Einwerfen abwarten, ehe er sich in vorauseilendem Gehorsam vor Ehrfurcht in die sündhaft teure Sporthose des ausländischen DLV-Sponsors macht.
In diesem Sinne auch allen anderen ruhig Blut, einen zauberhaften Sonntag und eine nicht weniger schöne neue (Arbeits-)Woche!