Ein fast "vergessener" Tag und was die Nation aktuell bewegt

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Glosse

Neben der Spur

(Krefeld, 17. Juni 2014)
Da war doch mal was beim Blick auf das Datum? Richtig! Der „Tag der Deutschen Einheit“. Die haben wir fast 25 Jahre und feiern ihn seither am 03. Oktober. Das hat zwar nur im sehr übertragenen Sinne mit Senioren-Leichtathletik zu tun (von wegen gemeinsamer Wettkämpfe mit unseren Brüdern und Schwestern aus den längst nicht mehr neuen Bundesländern), geht uns aber alle an. Wie viele von uns die aktuell laufende Fußball-WM im fernen, feucht-heißen Brasilien, wo im Herbst 2013 die südamerikanischen Meisterschaften der "ewigen Talente" ab 35 Jahren mit internationaler Beteiligung stattfanden. Plakativ WM genannt. Porto Alegre ist übrigens für einen Teil der Elitekicker und solchen die sich dafür halten auch Spielort. Konkret morgen die Partie Australien gegen die furios gestarteten Niederländer (5:1 gegen Noch-Weltmeister Spanien). Einen genialen Start haben gestern Abend „unsere Jungs“ beim 4:0 über die gedemütigten Portugiesen um den zum Winzling degradierten Superstar Cristiano Ronaldo ebenfalls auf den Rasen gezaubert. Es fügte sich nahtlos ins Mosaik ein, dass der ARD-Kommentator Gerd Gottlob war. Da wurde der Name gewissermaßen zum Programm. Wobei wir allerdings nicht gleich von einem göttlichen Spiel sprechen und den Tag vor dem Abend loben sollten. Es war lediglich ein, freilich, außerordentlich gelungener Auftakt.

Hans-Peter Briegel vom Leichtathleten zum Fußball-Europameister

Was das mit unserer geliebten Sportart zu tun hat? Streng genommen nullkommanix. Doch halt! Zumindest die männliche Fraktion hat häufig eine große Affinität zum Fußball, wurde/wird bei größeren Klubs statt stupide Runden zu drehen gelegentlich zum Aufwärmen der Fußball ins Spiel gebracht. Aufgrund der latenten Verletzungsgefahr meist nicht gerne von Trainern gesehen, doch bei dem kollektiven Wunsch und Willen einer Gruppe nur schwerlich zu verhindern. Gruppendynamik eben. „Et is noch fast immer jot jejange“, würde jetzt der aus Köln stammende Kugelstoßer Hans Josef „Jupp“ Weitz sagen. Er hat als spät berufener Werfer auch zunächst lange im Verein gekickt.
Aber es gibt bekanntere Beispiele, sogar ein berühmt gewordenes Exemplar. Hans-Peter Briegel (*11.10.1955) aus Kaiserslautern, 1,88 m groß, bestes Kampfgewicht 89 Kilogramm, Abwehrrecke, Markenzeichen „Die Walz aus der Pfalz“, 72 Länderspiele zwischen 1979 und 1986, Europameister 1980. Was in Vergessenheit geriet, die heutige Generation überhaupt nicht weiß, dass Briegel seine sportliche Laufbahn als Leichtathlet im Trikot des TV Rodenbach begann, Deutscher A-Jugend-Meister im Weit- und Dreisprung war, dazu 1972 Deutscher Meister im Fünfkampf in Rheinhausen, mit mir als Berichterstatter für die Rheinische Post Krefeld live vor Ort. Da war allerdings noch nicht absehbar, was aus Briegel mal werden würde.

Beim Zweiten gibt’s ordentlich was auf die Ohren
 
Es gibt auch einige Leichtathleten die am Mikrofon einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt endeten. Nicht immer zum Wohle des Konsumenten vor dem Pantoffelkino. Bei dem Zweiten soll man angeblich besser sehen. Doch mit dem Hören ist es so eine Sache. Bei mir läuft der ehemalige Langstreckler unter Ohrenkrankheit mit neun Buchstaben: Poschmann, mit Vornamen Wolf-Dieter, von seinen Kollegen, die ihn mögen, zärtlich-liebevoll „Poschi“ geheißen. Bei Leichtathletik-Übertragungen, insbesondere Stoß und Wurf, ist er nur sehr schwer bis gar nicht zu ertragen. Aber erst Fußball, das ist für ihn offen- und ohrenkundig völlig suspekt. Grauselig sein Kommentar zur Partie Schweiz – Ecuador (2:1), schlicht zum Ab- oder Umschalten, so man eine Alternative gehabt hätte. Nur eine Kotz-, pardon, Kostprobe, der Platz würde für alle nicht reichen: Das 1:1 der Eidgenossen war für ihn im ersten verbalen Anlauf der Anschlusstreffer. Kann passieren. Aber dann die tief schürfende, geradezu elementare und fundamentale Erkenntnis, dass der Ausgleich ganz wichtig gewesen sei. Danke, Herr P. aus M., das musste uns dummen Menschen an der Glotze ja unbedingt mal gesagt werden.
Fragt vorsorglich euren Arzt oder Apotheker, ob weitere Hörproben dieses Phrasendreschers mit einem Überschuss an Fachmangel gesundheitlich unbedenklich sind oder womöglich akute Tinnitusgefahr bestehen könnte.