Online-Ergebnisliste der Hallen-WM eine absolute Zumutung

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Kolumne

Das Wort am Sonntag

 (Krefeld, 30. März 2014) Nun haben wir –  ansonsten keineswegs armen – Daheimgebliebenen es bald geschafft, uns tag-täglich durch den wahr gewordenen Alptraum einer Online-Ergebnisliste zu wurschteln. Der Internet-Auftritt der Hallen-Weltmeisterschaften mit Winterwurf vom 25. bis 30. März 2014 im ungarischen Budapest ist zumindest in dieser Hinsicht erbärmlich. Und das ist noch durchaus charmant formuliert. Hat der bekennende Freund der Statistik, und damit könnten speziell in der Leichtathletik ganze Autobahnabschnitte asphaltiert werden, nach schier endloser Suche das Objekt seiner Begierde gefunden, erwartet ihn staubtrockene Hausmannskost in jeglicher Beziehung. Keine Hinweise in der Kopfleiste der jeweiligen Disziplin/Altersklasse auf die Welt- und Europarekorde. Insofern auch keine direktes Erkennen, so denn einer aufgestellt wurde. Beispielsweise von Karl-Heinz Marg mit 14,48 m im Kugelstoßen der M 75. Ferner gibt es nur das nackte Endergebnis, fehlen in den technischen Disziplinen die Höhen und Weiten der jeweiligen Versuche. Mithin kann der Außenstehende bei gleicher Höhe/Weite von zwei Athleten/innen nicht nachvollziehen, was über Sekt oder Selters (siehe Kugelstoßen M 65)  oder die glanzvollere Farbe der Medaille entschied.
Völlig zu Recht beklagen wir uns über die öffentliche Wahrnehmung der Senioren-Leichtathletik. Aber, mal Hand aufs Herz, welche/r lokale Sportredakteur/in in Kleinkleckersdorf soll da noch durchsteigen? Völlig illusorisch und von ihm nicht zu leisten, jedes Ergebnis zunächst auf eine globale oder kontinentale Bestmarke abzuklopfen. Zumal er/sie in aller Regel gar nicht wüsste, an welcher Stelle die entsprechenden Rekordlisten zu finden sind. Abgesehen davon, dass im hektischen Tagesgeschäft, vor allem für die Montagsausgabe, schlichtweg die Zeit fehlen würde. Andererseits wäre es doch toll, wenn unser fiktiver Redakteur seine Geschichte über Hans Mustermann mit einem Weltrekord aufmachen könnte.

WMA-Vizepräsidentin Jungmann gefordert

Kurzum: Es besteht dringender Handlungsbedarf, dass nicht jedes Lokale Organisationskomitee (LOC) einer internationalen Meisterschaft in Sachen Online-Ergebnisliste sein eigenes ungenießbares Süppchen der Marke „Hauptsache billig“ köchelt. Dabei gibt es doch vorzeigenswerte Programme, wie zum Beispiel von Fidal Servizi aus Italien. Das wäre eine dankbare Aufgabe für unsere multifunktionale Ehrenamtsperle Margit Jungmann aus Rehlingen, die in ihrer Dreifaltigkeit als Bundesausschuss-Vorsitzende Senioren, WMA-Vizepräsidentin und Mitglied des Masterskomitee der IAAF in der schönen Stadt an der blauen Donau so eine Art von anderen (wer jetzt eigentlich?) bezahlten Urlaub macht. Obendrein fiele es in ihren Zuständigkeitsbereich als „Vize“ des Senioren-Weltverbandes. Mach et, Margit! Viele werden es dir/ihnen danken. Garantiert. Denn diese gequirlte Unzulänglichkeit regt(e) nicht nur den Verfasser dieser Zeilen auf. Siehe oben.

Eine Entscheidung zum Fremdschämen

Der ehemalige Sportchef einer renommierten Tageszeitung pflegte dereinst ein wenig abgehoben zu sagen: „Wenn es bei uns bislang nicht im Blatt stand, hat es eben noch nicht statt gefunden.“ Das galt, zum besseren Verständnis, wenn er der medialen Konkurrenz gnadenlos hinterher gehoppelt war. Diesen kecken Spruch machen wir uns jetzt auch zu eigen, kommen mangels unseres Erscheinens in der Baustellenphase auf die dubiose „Wahl“ zum Senioren-Leichtathleten des Jahres 2013 zurück. Aus gerade genannten Gründen halten wir uns kürzer, als wir es zeitnah getan hätten. Es konnte eigentlich nur einen geben, dem diese Auszeichnung gebührt hätte: Stabhochsprung-Überflieger Wolfgang Ritte (*1953) aus Moers. Die vermeintliche Fachjury entschied sich jedoch mit angeblich einem Wertungspunkt mehr für Multi-Mittel- und Langstreckler Klemens Wittig (M 75) aus Dortmund, der die gesamte Palette von 800 Meter bis Marathon und Crosslauf abdeckt. Wohl gemerkt, dass ich absolut nichts gegen den Dauerbrenner unter den Dauerrennern aus Lüdenscheid Süd (steht vor Dortmund) habe, den ich bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses nicht einmal vom Namen kannte. Aber diese Entscheidung der „Experten“ ist zum Fremdschämen. Da hat so manche/r die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und sein Mütchen an Ritte gekühlt, der sich als ehemals außerordentlich engagierter Seniorensprecher bei den Offiziellen häufiger in die Nesseln setzte. Aus ihrer eingeschränkten Sicht, versteht sich. Geradezu absurd, dass DLV-Referatsleiter Jörg Erdmann auf der privaten amerikanischen Netzseite von Ken Stone in englischer Sprache weitschweifig den untauglichen Versuch einer Rechtfertigung unternahm, statt in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite Flagge zu zeigen. Offenbar wollte er in Feigheit vor dem Feind einer öffentlichen Diskussion aus dem Wege gehen. Tatsache ist jedenfalls, dass Wolfgang Ritte anlässlich der Hallen-DM in Erfurt ein Kondolenzbuch hätte auslegen können, ob der unzähligen „Beileidsbekundungen“, dass er derartig ausgetrickst wurde. Wie übrigens schon bei der nicht vorgenommenen Nominierung zum „World Best Master of the Year 2013“. Diese Chance wurde freilich auch mit anderen denkbaren Kandidaten vollends verpasst.
In diesem Sinne einen gelungenen Start in die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) sowie eine ereignis- und erlebnisreiche 14. Kalenderwoche!