Sportsch(l)au: Top-Mythen zu freien Radikalen

(Köln/Krefeld, 06. Juni 2014) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 51. Kapitel zu diesem Themenkomplex. A.H.
„Bei unzähligen chemischen Prozessen im Körper entstehen partnerlose Sauerstoff-Effekte, die frei im Leib herumschwirren. Wenn nun Teile dieser so genannten freien Radikale in Kontakt mit Geweben des Körpers kommen, stehlen sie den Gewebemolekülen ein Elektron, um selbst wieder ein stabiles ganzes Molekül zu werden. Sie verändern und schädigen damit die Gewebemoleküle wie auch ganze Körperzellen. Da das angegriffene Molekül in der Folge selbst zum freien Radikal wird, beginnt eine „zerstörerische“ Kettenreaktion.
Ein gesunder Körper verfügt in der Regel über eigene Antioxidantien, wie zum Beispiel Vitamin A, C, E, Flavonoide, Polyphenole, Coenzym 10 und andere, die ein Elektron an freie Radikale abgeben und sie auf diese Weise entschärfen. Alterungsprozesse können dadurch sogar in umgekehrter Richtung beeinflusst werden – „Anti-Aging“ ist hier das Zauberwort.
Beim Sport werden vermehrt freie Radikale gebildet. Aber laut vielen Forschungsergebnissen sind diese lediglich bei besonders intensiven sportlichen Tätigkeiten mit einer entsprechend erhöhten Sauerstoffaufnahme zu erwarten – im Hochleistungssport bis zu 600 Prozent mehr. Doch selbst bei derartig hohen Belastungen entwickelt der Körper insbesondere durch Ausdauertraining eine Anpassungsfähigkeit gegenüber freien Radikalen über eine Zunahme antioxidativer Enzyme. Also macht die Dosis auch hier das Gift…
Auf die Einnahme von Radikalfängerpräparaten sollte vor dem Sport verzichtet werden. Denn sonst stellt der Körper seine eigene Produktion ein.“