Speerwurf-Favorit Johannes Vetter tat sich unerwartet schwer

(Tokio/Krefeld, 04. August 2021) Einen vollkommen unerwarteten, nicht für möglich gehaltenen erheblichen Hakler gab es bei der „Mission Gold“ des saisonalen Speerwurf-Überfliegers Johannes Vetter heute Nacht MESZ bei der Qualifikation (84,00m). Der 28-jährigen Weltbestenlisten-Erste (96,29m) benötigte drei Anläufe, um sich mit 85,64m das große Q zu sichern. Gewissermaßen vertauschte Rollen. Denn sein Teamkamerad Julian Weber entledigte sich dieser Pflichtaufgabe bei erheblich niedrigerem Ausgangswert (84,95m) souverän im ersten und mithin einzigen Versuch von 84,41m. Fürs Weiterkommen der besten Zwölf von insgesamt 32 Werfern aus zwei Gruppen waren übrigens 82,40m erforderlich. Et hätt noch immer jot jejange, pflegt das Kölsche Grundgesetz zu behaupten. Vorerst, bin ich geneigt anzufügen. Ganz so einfach dürfte es bei zuletzt sinkender Formkurve dann mit der vermeintlich zur Abholung bereit liegenden Goldmedaille nach diesem ernüchternden Zwischenspiel doch nicht werden.

„Könige der Athleten“ haben im Kaiserreich ihr Zweitagewerk aufgenommen

Die „Könige der Athleten“ haben heute im Kaiserreich Japan ihr Zweitagewerk im Zehnkampf  aufgenommen. Mit von Partie sind der amtierende Weltmeister Niklas Kaul und Kai Kazmirek. Beim Siebenkampf sind Caroline Schäfer und Vanessa Grimm dabei. Für Gesa Felicitas Krause geht es im Finale über 3.000 m Hindernis darum gehen, sich ihren Traum von einer Medaille zu erfüllen. Dazu muss sie allerdings gegen hochklassige Konkurrenz ein ganz dickes Brett bohren. Catarina Granz steht in einem der drei Triplefinals über 1.500m ebenfalls vor einer äußerst schweren Aufgabe, zunächst mal den Endlauf zu erreichen.
Bleibt noch nachzutragen, dass gestern beim Finale im Stabhochsprung die Trauben für die beiden deutschen Vertreter im wahren Wortsinne unerreichbar hoch hingen: 9. Oleg Zernikel, 11. Bo Kanda Lita Baehre (jeweils 5,70m). Wer sonst als Armand Duplantis aus Schweden wurde mit für ihn standesgemäßen 6,02m überlegen Olympiasieger. Danach ließ der 21-jährige Weltrekordhalter (6,18m) die Latte auf die neue Höchstmarke von 6,19m legen, die jedoch dreimal vergeblich attackierte.
Der Ergebnisspiegel mit dem weiteren Verlauf am heutigen Tage.

Malaiko Mihambo sprang im finalen sechsten Versuch zur Goldmedaille

(Tokio/Krefeld, 03. August 2021) Was für ein Finale furioso in einem Hitchcocktail für starke Nerven, den ein Dramaturg nicht spannender und faszinierender hätte gestalten können. Eben eine Hochglanz-Geschichte wie sie allein das wahre, pralle Leben zu schreiben vermag. Malaika „Engel“ Mihambo flog als drittletzte Athletin mit der schon sicheren Bronzemedaille (6,95m) in der Sporttasche im finalen letzten Versuch mit der neuen Saisonbestleistung (bisher 6,98m aus der Qualifikation) von exakt sieben Metern zu Gold, zum Olympiasieg  im Nationalstadion von Tokio. Unmittelbar nach ihr vermochten die mit 6.97m weitengleichen Ese Brume (Nigeria) und Brittney Reese aus den USA nicht mehr zu kontern. Und die junge Frau aus Heidelberg machte tatsächlich wahr, woran bis auf ihre bekennende, flammende Anhängerin, die weitspringende Doppel-Olympiasiegerin von 1992 in Barcelona (7,14m) und 2000 in Sydney (6,99m) Heike Drechsler, wohl nicht mehr so ganz viele geglaubt haben, gehofft schon.

Anlaufprobleme auch diesmal ein höchst lästiger Verbündeter
 
Bekenne freimütig, dass ich eingedenk der latenten Anlaufprobleme von Mihambo über die gesamte Saison gesehen und dem von einem Senioren-Sprinter verliehenen Spitznamen „Vor dem Balken“ ebenfalls zu den Skeptikern gehört habe. Und die Brettfindungslotterie blieb der 28-jährigen Kurpfälzerin auch diesmal ein höchst lästiger Verbündeter. Den 20 Zentimeter breiten Balken bis auf einige Millimeter stets voll auszureizen ist eine Kunst, die keine/r kann. Aber was die zweimalige Deutsche Sportlerin des Jahres, dem nun vermutlich das Triple nach 2019 und 2020 folgen dürfte, meist so an nicht gemessener Weite ungewollt abschenkt, sucht in der Weltspitze ihresgleichen. Selbst bei ihrem Siegessprung waren es 19,5 Zentimeter, berührte sie den Balken so gerade mit der Schuhspitze, nutzte also die Katapultwirkung abermals nicht aus.

Was wäre gewesen, wenn...?

Wo wäre sie bloß hingeflogen, wenn der Versuch richtig gegessen hätte? Dann wäre womöglich auch ihre absolute Bestleistung von 7,30m bei ihrem weltmeisterlichen Sprung von 2019 in Doha (Katar) in Gefahr gewesen. Leider nur Konjunktiv. Doch was im heute, hier und jetzt zählt ist der Olympiasieg. Dazu noch die Chronologie der sechs Versuche: 6,83m (16,5 cm vor dem Plastilin), 6,95m (- 12,7), 6,78m (- 20,6), ungültig (+ 9,2), ungültig (+ 4,6), 7,00m (-19,5). Und zu guter Letzt noch ein Superlativ: Die Allesgewinnerin mit den prickelnden Initialen M.M. einer ge- und berühmten, noblen deutschen Sektmarke (Matheus Müller aus Eltville im Rheingau) vereinigt aktuell alle vier möglichen Titel unter freiem Himmel von national, über Europa, der Welt und nunmehr Olympia auf sich. Mehr geht nicht. Ob sie sich darauf ein Gläschen dieser oder einer anderen Marke gegönnt hat, ist (noch) nicht überliefert. – Das vollständige Wettkampfprotokoll.

Speerwerferin Christin Hussong mit Ach und Krach weiter

Eine weitere weibliche Medaillenhoffnung aus der „Bunten Republik Deutschland“ (O-Ton Udo Lindenberg) tat sich außerordenlich schwer. Christin Hussong überstand mit für sie mäßigen 61,68m und noch grottigeren Würfen von 59,19 sowie 58,06m mit Ach und Krach als Elfte die Qualifkation. Die pure Verzweiflung war der Weltbestenlisten-Zweiten (69,19m) regelrecht ins Gesicht geschrieben.
Der deutsche Rest bis auf den sich als Fünftem des dritten 1.500-m-Vorlaufs in 3:36,61 Minuten direkt für eines der Triplefinals qualifizierenden Robert Farken war noch mehr Asche auf die jeweiligen Häupter. Unsererseits küren wir als Sportouristen des Tages 200-m-Sprinter Steven Müller, der in beschämenden 21,08 Sekunden den 40. Gesamtrang von 48 Gestarteten belegte. 
– Alle Ergebnisse von heute Vormittag Ortszeit.

Dreisprung-Ikone Willie Banks überreichte Kristin Pudenz die Sonnenblumen

Es darf wohl im Nachhinein betrachtet als gutes Omen gewertet werden, das 20 Minuten vor der Weitsprung-Entscheidung die Ehrung im Diskuswurf der Frauen vorgenommen wurde und Kristin Pudenz ihre Silbermedaille verliehen bekam. Den kleinen Strauß mit Sonnenblumen wurde ihr vom US-amerikanischen IOC-Mitglied Willie Banks überreicht. Die mit diesem bekannten Namen dennoch nichts anzufangen wissen: Der inzwischen stark fortgeschrittene 65-jährige US-Boy war dereinst mit 17,97m zwei Jahre lang Weltrekordhalter im Dreispung und hat sich vorher die Qualifikation seiner Nachfolger angeschaut, dabei einen mit 16,69m (17. von 31) ziemlich enttäuschenden Max Heß gesehen. Banks galt zu seiner Zeit als der Spaßvogel der Leichtathletik. Er war auch als Animateur der Erfinder des rhythmischen Klatschens zunächst in den Sprungwettbewerben. Für mich war es eine große Freude, ihn anlässlich der Senioren-Weltmeisterschaften 2007 in Riccione persönlich kennen zu lernen und mit ihm zusammen auf einem Erinnerungsfoto „verewigt“ zu werden. Es fügte sich nämlich, dass die Siegerehrungen im Dreisprung, den er in der M50 mit 13,10m gewann, und die im Kugelstoßen der M60 mit mir als Drittplatziertem unmittelbar hintereinander stattfanden.
Bei der heutigen Abendveranstaltung ab 12.10 Uhr MESZ sind noch Hürdensprinter Gregor Traber und 5.000-m-Läufer Mohamed Mohumed in den Vorläufen im Einsatz sowie Bo Kanda Lita Baehre und Oleg Zernikel im Stabhochsprung-Finale.

Wechselbad der Gefühle von und mit Weitspringer Fabian Heinle

(Tokio/Krefeld, 02. August 2021) Für ein Wechselbad der Gefühle sorgte heute Nacht MESZ Weitspringer Fabian Heinle bei der einzigen Entscheidung mit deutscher Beteiligung bei den Leichtathletik-Wettbewerben in Tokio. Nach dem überraschenden Weiterkommen als Zehnter der Qualifikation mit Saisonbestleistung von 7,96m (vorher 7,82m) wurde der Schwabe auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Er belegte mit ernüchternden 7,62m den Platz, den er schon vorher mit einem gültigen Sprung sicher hatte: den zwölften. Allerdings hingen die Trauben diesmal zwangsläufig höher. Um unter die ersten Acht zu kommen hätte er blanke acht Meter springen müssen. Angeblich haben Heinle Adduktorenprobleme an der vollen Entfaltung seines Leistungsvermögens gehindert. Heldenhaft und ganz hartes „Holz“ Made in Germany, dass er damit drei Sprünge (5,18; 7,57; 7,62m) absolvieren und auf eigenen Beinen das Stadion verlassen konnte.

Ein deutsches Terzett heute Mittag mit Final-Beteiligung

Bei Qualifikationen und Vorläufen waren noch vier Läuferinnen und ein Hammerwerfer im mehr oder weniger erfolgreichen Einsatz (siehe herausgefilterte Ergebnisse unten). Heute geht es in der dortigen Abend-Veranstaltung mit diesem Quintett im quer- und längst gestreiften Nationaltrikot (Einheitsdesign des Ausrüsters für alle vertraglich gebundenen Länder) weiter: 12:25 Uhr (MESZ): 200-m-Triplefinals mit Lisa Maria Kwayie; 13:00 Uhr Diskuswurf-Finale mit Kristin Pudenz, Marike Steinacker, Claudina Vita (da sollte es doch wenigstens eine unter die besten Acht schaffen); 13:35 Uhr: Triplefinals über 400 m Hürden mit Carolina Krafzik.

Langhürdler Luke Campbell lief persönliche Bestzeit

Bleibt unsererseits noch nachzutragen, dass sich gestern Abend Ortszeit die drei deutschen Langhürdler in den Triplefinals über 400m Hürden prächtig schlugen. Insbesondere Luke Campbell, der als Fünfter des zweiten Laufes und Elfter der Gesamtwertung mit 48,62 Sekunden persönliche Bestzeit lief. Constantin Preis wurde in 49,10 Sekunden 17. und Joshua Abuaku (49,93) 23. des Klassements.
Ergebnisse der heutigen Morgen-Veranstaltung: 200m (31 Starterinnen), 2. Vorlauf: 4.Lisa Maria Kwayie 23,14 (für Drittelfinals qualifiziert), 4. VL: 5. Jessica-Bianca Wessely 23,41 (als Gesamt-32. ausgeschieden);  1.500m (45); 1. Vorlauf: 15. Hanna Klein 4:14,83 Minuten (als Gesamt-39. ausgeschieden), 9. Caterina Granz 4:06,22 Minuten/Saisonbestzeit (über Zeitschnellsten-Regelung für Triplefinale qualifziert); Hammerwurf-Qualifikation (31): 21. Tristan Schwandke 73,77m (ausgeschieden). – Alle Resultate.

Kristin Pudenz gewann überraschend Silber im Diskuswurf

(Tokio/Krefeld, 02. August 2021; 16:20 Uhr) Dereinst sang Dalida „Am Tag als der Regen kam“. Lang ersehnt, heißt erfleht wie die weiteren Textzeilen besagen war er allerdings heute Abend gegen etwa 20:30 Uhr Ortszeit in Tokio nicht. Denn der sintflutartige Wolkenguss setzte während des zweiten Durchganges im Diskuswurf-Finale und der Triplefinals über 400 m Hürden der Frauen ein. Die Langhürdlerinnen wurden dadurch gejagt. Wenngleich nicht sehr spaßig, vermittelten zumindest die Spikes unter den Schuhsohlen ein wenig Bodenhaftung. Aber nicht den Hauch einer Chance hatten die kreiselnden Mädels in dem schon im trockenen Zustand als sehr glatt, indes noch einigermaßen beherrschbar bezeichneten Betonuntergrund. Erst viel zu spät nach bereits vier Stürzen gleich nach dem Eindrehen des Fußes wurde der Wettbewerb unterbrochen und nach Abklingen der himmlischen Naturdusche fortgesetzt. Fairerweise durften die vier Zwangsverunglückten ihren Versuch wiederholen. Darunter Marike Steinacker, die sich mit 62,02m einen Platz im Finale der besten Acht sicherte, woran Claudine Vita als Neunte mit 61,80m knapp scheiterte.

Persönliche Bestweite im Stadion zum saisonalen Höhepunkt

Unbehelligt davon blieb Kristin Pudenz. Die Potsdamerin schuf sich bereits zum Auftakt mit 63,07m eine glänzende Ausgangsposition, die sie im zweiten Versuch mit 65,34m und einem zwischenzeitlichen dritten Platz ausbaute. Auch die Zwangspause vermochte der im westfälischen Herford geborenen 28-Jährigen nichts anzuhaben. Ganz im Gegenteil: Im fünften Durchgang holte sie mit der persönlichen Bestleistung von 66,86m (bisher 66,31m) zu ihrem großen Schlag aus und verbesserte sich hinter der führenden, schlanken und ranken, wie eine Hochspringerin anmutenden US-Amerikanerin Vallerie Allmann (68,98m) auf den zweiten Platz. Das versetzte sie zudem in die komfortable Lage, dass sie ihn Umkehr der Reihenfolge den finalen sechsten Versuch als vorletzte Werferin bestreiten durfte.

Kollektiver Jubel auf der Trainer-/Teilnehmertribüne

So konnte die Deutsche Meisterin mit bangen Augen und sicherlich bibbernden Herzens mitansehen, wie sich die höher gehandelten Yaimé Perez (65,72m) aus Kuba und die große, unberechenbare, divenhafte Sandra Perkovic (65,01m) aus Kroatien, die oftmals auch auf der letzten Rille noch „zaubert“, vergeblich an ihrer vorgelegten Silberspur abarbeiteten. Danach fiel verständlicherweise die Spannung ab, zimmerte Pudenz die Scheibe im letzten Versuch rechts oben ins Netz. Nicht mal ein Schönheitsfehler, sondern lediglich für die Statistik. Natürlich kollektiver Jubel bei ihr und den paar Landsleuten auf der Trainer-/Teilnehmertribüne. Diese Medaille hat einen ganz besonderen Glanz, da sie so gut wie niemand auf der Rechnung gehabt haben dürfte. Und lassen wir es noch mal auf der Zunge zergehen: Den „Hausrekord“ warf sie zum wichtigsten Zeitpunkt der Saison in einem Stadion und auf keiner begünstigenden Segelwiese. Tusch, Applaus, Chapeau und sportliche Anerkennung eines ehedem kugelstoßenden Sportjournalisten !!! – Das Wettkampfprotokoll.

Carolina Krafzik blieb erneut unter 55 Sekunden

Tragen wir noch nach, dass Carolina Krafzik aus Sindelfingen in der Regenschlacht auf kletschnasser Bahn im ersten Triplefinale über 400 m Hürden eine prima Vorstellung bot. Als Vierte in 54,96 Sekunden blieb sie  in ihrer noch jungen Laufbahn auf dieser Distanz zum dritten Mal unter 55 Sekunden. Die bislang absolute Bestzeit lief sie an selber Stelle im Vorlauf (54,72) vor zwei Tagen. Das spricht auch für ihre Tempohärte und schnelle Regeneration.
Das hätte sicherlich auch Lisa Maria Kwayie gerne über sich sagen lassen. Daraus wurde allerdings der berühmte Satz mit x. Sie bildete in Summe nach den drei Triplefinals über 200m in 23,42 Sekunden das Schlusslicht, kam an ihre 23,14 aus dem Vorlauf von heute Morgen Ortszeit nicht heran. – Alle Ergebnisse des heutigen vierten Tages der Leichtathletik.

Bei der Übertragung der ARD gab’s ordenlich was auf die Ohren

Noch dies: Bei der Fernseh-Übertragung in der ARD, bei der wir Konsumenten ja angeblich in der ersten Reihe sitzen (sollten), gab’s ordentlich was auf die Ohren. Das mit den Schwadroneuren Ralf „Sortierer“ Scholt und Wilfried Hark ohnehin schon poetischste Reporter-Duo des Senders überbot sich gegenseitig in jargonhaften Formulierungen. Das sollte wohl sehr flott und jugendlich für die U20 rüberkommen. Es saßen jedoch noch ein paar ältere Semester an den Bildschirmen. „Kostproben“ erspare ich jetzt meiner geschätzten Leserschaft.         

Kugelstoßerin Sara Gambetta sorgte für die erste Endkampf-Platzierung

(Tokio/Krefeld, 01. August 2021) Wer hätte das gedacht? Die sonst so ruhig und gelassen, beinahe stoisch wirkende Kugelstoßerin Sara Gambetta (im Bild) vom SV Halle ging als bislang nicht gekanntes Temperamtsbündel regelrecht aus sich heraus. Nicht zu vergleichen mit der extrovertierten, schrillen, vor jedem Versuch einen Veitstanz aufführenden, sich als „Hallo wach“ regelrecht anbrüllenden schwergewichtigen US-Amerikanerin Raven Saunders. Aber immerhin war von der 28-jährigen Hallenserin über die Außenmikrofone im Livestream der Internet-Übertragung ein deutlich vernehmbares, ausgesprochen entschlossenes „Come on“ zu vernehmen. Es half und war auch vonnöten. Die Rückenstoß-Interpretin steigerte mit 18,88m ihre persönliche Bestleistung um zwei Zentimeter und buchte damit drei weitere Versuche der Kür des Finales der besten Acht. Danach war allerdings beim Schützling von Trainer und Ex-Kugelstoßer René Sack (PBL 19,84m) verständlicherweise ein wenig die Luft ’raus, vermochte sie sich nicht mehr auf die erhoffte 19 vor dem Komma zu verbessern und wurde letztlich Achte.

Lijiao Gong wurde ihrem Namen gerecht und ließ es krachen

Schittegal! Eine tolle Leistung zum ultimativen Saisonhöhepunkt hin. Ganz nebenbei betätigte sich die anscheinend „kühle Blonde“ aus Sachsen-Anhalt als Eisbrecherin. Ja, fürwahr: Denn sie bescherte heute der übergroßen deutschen Leichtathletik-Mannschaft zur sehr gewöhnungsbedürftigen Finalzeit ab 10:35 Uhr (03:35 Uhr MESZ) die überhaupt erste Endkampf-Platzierung. Sei der Chronistenpflicht genügend nicht verschwiegen, dass die favorisierte, von Beginn an führende Chinesin Lijiao Gong insbesondere in den beiden letzten Durchgängen mächtig auf den Gong schlug und mit persönlicher Bestleistung von 20,58m überlegen vor Saunders (19,79m) und dem 36-jährigen Kugelstoß-Urgestein Valerie Adams (19,62m) aus Neuseeland gewann. Das wird die langjährige Mitstreiterin Christina Schwanitz noch mal zusätzlich grämen.  – Das vollständige Wettkampf-Protokoll.  

Malaika Mihambo erlöste sich und die Nation mit 6,98 Meter

Und was es sonst noch in den Vorentscheidungen durch die heimische Brille betrachtet gab? Die Nation darf aufatmen, soweit sie an der einstigen olympischen Kernsportart interessiert ist. Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo bekam ihre latenten saisonalen Anlaufprobleme nicht vollends, aber einigermaßen in den Griff. Für die Erlösung sorgte sie dann nach 6,64m (-18,7cm vor dem Plastilin) und 6,56m (-4,9) im dritten Durchgang mit der neuen Jahresbestleistung von 6,98m (bisher 6,92m). Selbst da „verschenkte“ sie auf dem 20 Zentimeter breiten Absprungbalken bei wenig Brettberührung noch 16,5 cm. Also flog sie  7,14m weit. Mit ihr übertrafen weitere sieben Springerinnen die geforderte Qualifikationsweite von 6,75m, absolut  ein bisschen weiter lediglich die Serbin Ivana Spanovic (7,00m). Aufgefüllt wurde bis zum zwölften Platz bis 6,60m abwärts. Leider noch zu viel für Maryse Luzolo, die mit 6,54m im Gesamtklassement 15. von 30 Teilnehmerinnen wurde.  

Gesa Felicitas Krause souverän ins Hindernis-Finale

Neben Mihambo stach auch die zweite heimische Trumpfkarte. Gesa Felicitas Krause wurde in ihrem sehr dosierten und kontrollierten zweiten Vorlauf über 3.000m Hindernis in 9:19,62 Minuten Zweite, schaffte damit den Direkteinzug in den Endlauf. Den verpassten auch über die Zeitschnellsten-Regelung Elena Burkhardt (17. in 9:30,64) und Lea Meyer (22. In 9:33,00) unter den insgesamt 41 Hindernisläuferinnen mehr oder weniger deutlich. Für Platz 15 sind 9:26,11 nötig gewesen.
Die imaginäre Hürde war erwartungsgemäß auch für das gerade noch 20-jährige „Küken“ Samantha Borutta (*07.08.2000) in der Hammerwurf-Ausscheidung zu hoch. Für den zwölften Platz (71,68m) hätte sie schon ihre altersgemäß formidable Bestleistung von 71,08m übertreffen müssen. Per Saldo waren es 67,38m und der 24. Rang des 31-köpfigen Feldes in zwei Gruppen.
Ebenfalls vor einer unlösbaren Aufgabe stand Marvin Schlegel in seinem der insgesamt fünf Vorläufe über 400 Meter. Was in die Ergebnisliste eingeht sind 46,39 Sekunden und der 35. Platz unter 48 Viertelmeilern. – Die Resultate aller morgendlichen Wettbewerbe.