Spitzenverbände WMA und EMA vernachlässigen ihr Sorgfaltspflicht

(Torun/Krefeld, 08. Januar 2020) Geben wir mangels anderer Gremien in Geschäftsführung ohne Auftrag wieder mal das Kontrollorgan für die ihre Sorgfaltspflicht sträflich vernachlässigenden Spitzenverbände. Der Senioren-Weltverband World Masters Athletics (WMA) teilt am 05.Dezember 2019 auf seiner Netzseite in einer allzu dürren Nachricht mit, dass Sandris Lindbergs (M35) aus Lettland bei der Hallen-WM 2019 im polnischen Torun des Dopings überführt worden ist, seine gewonnenen Medaillen (zunächst 1. im Speer- und 2. im Diskuswurf) zurückgeben müsse und rückwirkend vom 24.März 2019 an bis 23.März 2023 für vier Jahre gesperrt sei. Folgerichtig wurde er jeweils aus der Ergebnisliste gelöscht, gibt es entsprechende Nachrücker.

Auf welche Substanz und Dosis getestet?

So weit, so gut respektive schlecht. Allerdings wurde es unterlassen mitzuteilen, auf welche Substanz er positiv getestet worden ist und um welche Dosis es sich handelte. Beides ist jedoch aus Gründen der Transparenz und Abschreckung (eben was so alles entdeckt werden kann) zwingend vorgeschrieben.
Eine weiteres Versäumnis, dass dies offenbar im Innenverhältnis nicht an die European Masters Athletics (EMA) weitergemeldet wurde. Denn die schweigt sich auf ihrem Internet-Portal nach mehr als einem Monat immer noch über den Vorgang aus. Schließlich ist Lettland Mitgliedsverband der EMA. Noch insofern von Belang, als jeweils Europäer nachrücken. Darunter mit Christoph Bischlager (2. mit dem Diskus) sowie  Dominik Lewin und Carsten Novak (1. und 2. mit dem Speer) drei Deutsche, dazu zwei Polen. Wenn sie nicht regelmäßig die WMA-Seite verfolgen, wissen sie noch nichts von ihrem zweifelhaften Glück einer nachträglichen Aufwertung. Der Spaß ist schlussendlich nicht derselbe, eventuell auf dem Postwege die verdiente Anerkennung mit dem entsprechenden Edelmetall zu erhalten.

"Fall Oleg Kramar" auch nicht restlos bereinigt

Und da wir gerade schon beim Großreinemachen sind:  Die WMA führt unter „suspendierte Athleten“ Lindbergs noch nicht (weshalb?), jedoch den Hochspringer Oleg Kramar (M55) aus der Ukraine. Der wiederum ist  bei der Hallen-EM 2016 in Ancona (Italien) positiv getestet und durch eine riesige Schlampigkeit von EMA-Präsident Kurt Kaschke (im Bild) anschließend erst nach rund 1,5 Jahren viel zu spät aus dem Sportverkehr gezogen worden (wir berichteten mehrfach). Dennoch ist er weiterhin unverdrossen als Vize-Weltmeister der Stadion-WM von 2016 in Perth gelistet (siehe Seite 192). Es darf gemutmaßt werden, dass Angel Diaz Granillo (Guatemala) als zuvor Dritter und Terry Parks (USA) als ehedem Vierter ebenfalls ob der Aufstockung ihrer Platzierungen ahnungslos sind.
Jetzt muss es „nur“ noch bis zu WMA-Präsidentin Margit Jungmann aus Rehlingen und Kaschke mit kosmopolitischem Dreifach-Wohnsitz (Lissabon, Freudenstadt, Gütersloh) gelangen. Lampis wird womöglich nicht zu deren allmorgendlichen Pflichtlektüre gehören.