Hammerwerfer Ralf Jossa ragte am gestrigen zweiten DM-Tag heraus

(Leinefelde-Worbis/Krefeld, 14. Juli 2019) Diesmal heißt nach unserem gestrigen kleinen Vauxpas, dafür mit einem eigenen Beitrag (siehe Fenster „Ergebnisse“), bei der Berichterstattung von den Deutschen Senioren-Meisterschaften in Leinefelde-Worbis das Motto Damen zuerst. Da muss allerdings bei viel Hausmannskost, oftmals – nicht nur in den unteren und oberen Altersetagen – quantitativ dünn besetzten Feldern, eine Anleihe bei der Spannung und den bekannten größeren älteren Protagonistinnen genommen werden. Da seien vorneweg Ingrid Holzknecht (W75), Anne Chatrine Rühlow (W 80) und Lotte Leiß (W85) erwähnt.

Häufig knappe Entscheidungen bei den Seniorinnen

Ein Zentimeter-Duell um den Titel im Kugelstoßen lieferten sich auf freilich für die W35 schwachem Niveau Sabine Rumpf von der LSG Goldener Grund und Mareike Becker vom LAC Lübeck. Das entschied bei schlechterer Serie die Hessin aus Niederselters mit 11,98 zu 11,97m gegen das Nordlicht zu ihren Gunsten. Das ist aus Sicht der ersten Verliererin bitter. Wobei ich aus eigener Erfahrung nicht über des Kaisers Bart fabuliere. Noch einen fürs Phrasenschwein: So ist er nun mal, der Sport.
Relativ gesehen noch k
napper ging es beim fast dreimal so weiten Speerwurf der W55 zu. Susanne Strohm vom SV Stuttgarter Kickers hatte bei ähnlich stabilen Serien mit je sechs gültigen Versuchen mit 33,96 zu 33,94m das bessere Ende vor Angela Müller vom Dresdner SC für sich. Wer es etwas genauer wissen will, der überzeuge sich in der verlinkten Ergebnisliste, dass es viele weitere enge Entscheidungen um Titel und Medaillen gab. Eines auf recht ordentlichem Level sei noch genannt. Carmen Hildebrand vom Ohrdrufer LV in Thüringen, Schützling vom landesinternen Volkshelden" Andy Dittmar, verwies im Kugelstoßen der W50 mit 13,20m die Rheinländerin Barbara Gähling (13,11m) von der LT DSHS Köln auf den zweiten Platz.
Bei der „Krone der Schöpfung“ muss nicht lange nach dem werfenden Vorzeige-Senior des zweiten Wettkampftages gesucht werden. Diese von uns vergebene inoffiziöse Auszeichnung gebührt Ralf Jossa (im Bild) vom SV Herzberg, der im Hammerwurf der M50 bei seinem hoch überlegenen Erfolg glänzende 66,35m warf. Der 53-jährige Harzer hätte auch mit dem 1,26kg schwereren Männer-Gerät alle Klassen bis M35 abwärts gewonnen.

Möhring machte Demmel einen Strich durch die vierfache Rechnung
 
Norbert Demmel (M55) vom TSV Unterhaching war nach seinem Double mit Kugel und Diskus beim Speerwurf noch auf dem Weg zu vier DM-Titeln in den vier klassischen Stoß-/Wurf-Disziplinen. Dieses wohl einmalige Kunststück war vor ziemlich genau 30 Jahren bei der DM 1989 in Scheeßel (Niedersachsen) „König“ Richard Rzehak (*1929) vom SC Preußen Erlangen mit vier grandiosen Einzelleistungen in der M60 gelungen: Kugel 14,43m, Diskus 52,32m, Speer 53,08m, Hammer 56,42m. Dabei bleibt es auch. Demmel konnte mit dem Speer bei 49,59 zu 49,45m gegenüber Joachim Pohl vom MTV Herrenhausen noch so gerade in der Spur bleiben. Doch beim Hammerwurf zog er gegen Rüdiger Möhring vom TSV Bergedorf mit 50,44 zu 51,81m recht deutlich den Kürzeren. Das ist freilich jammern auf schwindelerregend hohem Leistungsvermögen.

Zwei Große der Zunft: Richard Rzehak und Peter Speckens
 
Salto rückwärts zu Rzehak. Der Neunziger in Lauerstellung (Sonntag, 13.Oktober) war auch diesmal noch, respektive nach der Auszeit in 2018 wieder dabei. Mit dem Hammer, seiner Schokoladenübung, war er in der M90 buchstäblich konkurrenzlos, kämpfte mit sich selber und dem deutschen Rekord (23,89m). Der blieb ihm indes wie schon bei den „Bayerischen“ (22,61m) mit 21,23m erneut verwehrt. Für seine noch erstaunliche Wettkampfhärte spricht indes, dass er sie nach einer Art Steigerungslauf im finalen sechsten Versuch erzielte. Es sei ihm gegönnt, dass er den „Bock“ noch umstößt. Es ist ja noch reichlich Saison bis in den Herbst hinein übrig.
Verneigen wir uns auf dieser Welle und an dieser Stelle symbolisch vor dem weltweit erfolgreichsten noch aktiven Werfer. Peter Speckens (*1935) vom SV Rot-Weiß Schlafhorst bei Aachen entschied in der ihm einzig noch verbliebenen Bastion Hammerwurf die Auseinandersetzung mit seinem gleichaltrigen Dauer-Antipoden Lothar Huchthausen von der LG Altmark mit 39,01 zu 36,71m klar für sich.