Senioren-DM: Felix Mohr "nach seniler Bettflucht" zum Kugelstoß-Titel

(Leinefelde-Worbis/Krefeld, 13. Juli 2019) Wer erst einmal ein Dreivierteljahrhundert auf dem von der Last des Lebens gebeugten Rücken und sonst wo hat, der steht im dringenden Verdacht, an seniler Bettflucht zu leiden. Und so wurden gestern Morgen um 10 Uhr zum Auftakt der dreitägigen Deutschen Senioren-Meisterschaften der Ü35-Generation im thüringischen Leinefelde-Worbis die Kugelstoßer der M75 mit sieben Mann hoch nacheinander als Erste in den Ring gejagt. Allerdings sei nicht verschwiegen, dass das bei rechtzeitigem Aufstehen und Frühstücken sowie guter Vorbereitung eine treffliche Zeit für mit Kraft gepaarten Schnellkraft-Disziplinen ist.
Das stellte dann mal gleich Felix Mohr (*1943) von der LG Radolfzell unter Beweis, der seine bisherige Saisonbestleistung (11,06m) vom  48.Schwarzwälter Alterstreffen in Löffingen um satte 78 Zentimeter übertraf und mit 11,84m hoch überlegen den Titel gewann. Das war ihm bei der DM vor drei Jahren an selber Stelle mit 13,61m auch in der M70 gelungen. Damals allerdings nur mit einem Zentimeter Vorsprung vor dem Verfasser dieser Zeilen. Die nicht allein biologisch zu erklärende mittlerweile recht große Leistungseinbuße bei Felix hängt mit einer dazwischen liegenden heftigen Erkrankung zusammen. Schweres Eisen zum Krafttraining fasst er nicht mehr an.

Demmel Doppelsieger, Stein gewann immergrünes Diskus-Duell

Der klare Erfolg des Bodensee-Anrainers sollte symptomatisch für den weiteren Tagesverlauf bei Stoß und Wurf sein. Es setzten sich weitestgehend die erklärten Favoriten durch und das meist souverän mit oftmals pima Weiten. Wurf-Allrounder Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching gewann bei seinem anvisierten Meisterschafts-Vierkampf der M55 das Double von Kugel (15,30m) und Diskus (51,66m), warf die 1,5-Kilo-Scheibe sogar 2,14m weiter als eine Altersetage tiefer der fünf Jahre jüngere Helmut Maryniak (49,52m) vom 1.FC Passau.
Das immergrüne Diskus-Duell entschied Johann Stein (*1951) vom TV Werther in der M65 (11 Teilnehmer) mit 43,45 zu 41,40m gegen Gerd Sieben (*1950) vom ASC Dortmund  für sich. Der Wahl-Dortmunder aus Holzwickede hatte nach einer Zitterpartie von zunächst zwei ungültigen Versuchen sein Adrenalin schon verpulvert, blieb bei den 41,40m aus dem dritten Durchgang „hängen“.

Mussinghoff nach Kunstpause mit finalem Meisterstück

Auf andere Weise spannend ging es auch im selben Wettbewerb der M70 zu. Herbert Mussinghoff (*1949) vom Team Voreifel lag von Beginn an in Führung, die er im dritten Versuch auf 41,51m ausbaute. Die nahm er in den nächsten beiden Durchgängen aufgrund latenter Rückenbeschwerden zu einer Schaffenspause wahr, die der bis dahin schwache Richard Bauder (*1949) von der SU Neckarsulm in der fünften Runde mit 41,69m zum Führungswechsel nutzte. So hieß es für den ehemaligen Facharzt der Orthopädie, der auf Melde- und Ergebnislisten nicht mit seinem Doktor-Titel hausieren geht (ein eigenes Thema), nochmal im finalen Versuch nach dem Motto Sekt oder Selters ran ans Werk. Es sollte mit altersgemäß ausgezeichneten 43,28m vergorener Wein werden. Zum Wohle oder schlicht Prost, Herbert!
Über die verlinkte Ergebnisliste hinaus noch einige herausragende Siegerleistungen vom ersten Wettkampftag: M70, Hammer: Hermann Huppertsberg (*1945), DT Ronsdorf, 50,30m; M80, Kugel: Roland Heiler (*1938), LAG Obere Murg, 13,43m; Speer: Lothar Huchthausen (*1935), LG Altmark, 36,05m; M90, Kugel/Diskus/Speer: Franz Gries (*1928), LG Reischenau-Zusamtal, 8,86/19,09/16,79m.
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