Vogel-Strauß-Manier: Allenthalben allerorten Friede, Freude, Eierkuchen

Kolumne

Moment mal

(Berlin/Darmstadt/Krefeld, 15. August 2018)
Gefühlt 99 Prozent der für Printmedien tätigen Sportjournalisten sind fußballaffin, haben ausschließlich das runde „Leder“ (heutzutage aus Kunststoff), das ins Eckige muss im Kopf. Einmal abgesehen von Nachrichten-Agenturen wie DPA und SID, wo tatsächlich Spezialisten ihr Handwerk betreiben. Oh Wunder – nun hatten die Erstgenannten im Zuge der European Champion Chips mit sieben Titelkämpfen in den zwei Städten Glasgow (Schottland) und Berlin auch die „Randsportart“ Leichtathletik mit den Europameisterschaften der Männer/Frauen hier zu Lande (wieder-)entdeckt. Kunststück: „König“ Fußball hatte auf der großen Bühne noch Sommerpause, und irgendwie mussten die Seiten der Zeitung ja gefüllt werden, da auch die Politik in Deutschland mit den Paralamentsferien zum allseits gefürchteten Sommerloch ihren maßgeblichen Beitrag leistete.

Landung bäuchlings von Johannes Vetter als Betriebsunfall deklariert

So ist inklusive eilfertig selbst ernannter Fachleute alles auf die einstmalige olympische Kernsportart losgelassen word
en, was sich in den Redaktionen nicht schnell genug in die Kantine verflüchtigen konnte. Unausbleibliche Folge: Der Strauß an Stilblüten wurde im Zuge der einwöchigen Berichterstattung plus gestriger Nachdreher stetig größer. Nur ein freilich besoders gravierendes Beispiel eines Pseudo-Experten der Rheinischen Post Düsseldorf, der selber einmal aktiver Wettkampfläufer gewesen ist. Er behandelte die Landung bäuchlings von Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter nach dem Abwurf allen Ernstes als Betriebsunfall. Dass der Schützling von Bundes- und Heimtrainer Boris Obergeföll geborener Henry diese besondere Abfangtechnik wie andere vor ihm von Weltrekordler Jan Zelezny aus Tschechien adaptiert hat, muss unseren fachkompetenten Lesern eigentlich nicht großartig erklärt werden.

Überschwängliche Fensterreden völlig unreflektiert übernommen

Natürlich wurden auch die überschwänglichen Fensterreden von DLV-Präsident Jürgen Kessing (hat der Verwaltungsmann überhaupt einen blassen Schimmer von der Leichtathletik?) und Chef-Trainer Cheik-Idriss Gonschinska völlig unreflektiert übernommen. Nachvollziehbar, dass die beiden nicht öffentlich die schmutzige Wäsche der wohlwollend gerechnet 40 „Rohrkrepierer“ im aufgeblähten 125-köpfigen deutschen Team waschen.
Bleibt allerdings inständig zu hoffen, dass sie das noch im stillen Kämmerlein tun werden. Zweifel sind allerdings nach all den trüben Erfahrungen der Vorjahre angebracht. Immer schön alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken. Vogel Strauß lässt schön grüßen! Fehl am Platze beim von Fördermitteln des Bundes abhängigen Hochleistungssport.
Hinweis auf einen weiteren neuen Beitrag von gestern Nachmittag im Fenster Ergebnisse.