Mit vier Medaillen gestern ein deutscher Damen-Tag bei der EM

(Berlin/Krefeld, 11. August 2018) Aus isolierter deutscher Sicht betrachtet war gestern Abend im mit laut ARD-Aussage rund 50.000 Zuschauern endlich einmal sehr gut gefüllten Berliner Olympiastadion Damen-Tag. Je einmal Gold und Silber sowie zweimal Bronze war die veritable Ausbeute des erfolgreichen Quartetts in vier verschiedenen Disziplin aus dem Bereich Wurf, Sprung (zwei) und Mehrkampf, dazu mit prächtigen Leistungen. Anders hätte es auch nicht funktioniert. Tusch, Applaus, Chapeau von dieser Welle und an dieser Stelle! Und das zumindest rein körperlich definiert stärkere Geschlecht? Es fügte den ohnehin schon reichlich eingehandelten Nackenschlägen (gilt allerdings insgesamt mit Frauen) weitere ausgesprochen derbe und herbe hinzu. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, der nur noch vom Ruhm vergangener Tage zehrt, scheiterte dreimal an der selbst gewählten Anfangshöhe von 5,51m, und der in dieser Saison ebenfalls nicht in die einstige Erfolgsspur findende Dreispringer Max Heß machte als 15. der Qualifkation mit für ihn lausigen 16,32m den vorzeitigen Abflug.

Gregor Traber Fünfter im Hürdensprint, Timo Benitz Siebter über 1.500 m

Für Schadensbegrenzung, Ehrenrettung wäre schamlos übertrieben, sorgte vorneweg Hürdensprinter Gregor Traber als Fünfter in 13,46 Sekunden. Der 25-jährige Tübinger hatte als Zweiter seines Drittelfinals in 13,26 (SBL) eine blitzsauberes Rennen über 110 Meter mit zehn Hürden dazwischen abgeliefert. Leider fehlten ihm knapp 2,5 Stunden später im Endlauf die Frische, Sprint- und Kraftausdauer, um daran annähernd anzuknüpfen. Denn Bronze (13,34) wäre für ihn nicht außer Reichweite gewesen. Einigermaßen passabel zog sich zum Ausklang der Abendveranstaltung  Timo Benitz als Siebter des 1.500-m-Finales in 3:39,28 Minuten aus der Affäre. Blamabel der Auftritt von Homiyu Tefaye als 13. und Letzter weit abgeschlagener des Feldes in 3:47,83.

Mit 67,90 Meter gleich ein Schocker zum Auftakt


Speerwerferin Kristin Hussong durchbrach den deutschen Bann von David Storl, Christina Schwanitz und Johannes Vetter) als jeweils Qualifikationsbeste (sie 67,39m) in der Entscheidung wieder die Nummer 1 zu sein. Die 24-jährige Blondine schoc
kte die Konkurrenz und wohl auch sich selber gleich im ersten Versuch mit einer neuerlichen persönlichen Bestleistung und dem Meisterschaftsrekord von 67,90m. Damit war die Messe vorzeitig gelesen. Die staunende und geschockte Konkurrenz hatte das Nachsehen, wies bereits die Zweitplatzierte einen satten Rückstand von 6,05 Meter auf. Einen überlegeneren Erfolg, Männer eingeschlossen, hat es bislang im Wurfbereich nicht gegeben. Das könnte heute Abend allenfalls durch die turmhoch überlegene, extrovertierte, den Diskuswurf zelebrierende  Kroatin Sandra Perkovic getoppt werden. Noch eine Duplizität mit deutschem Hintergrund: Steffi Nerius gewann vor neun Jahren an selber Stellen bei den Weltmeisterschaften mit 67,30m die Goldmedaille. Das war zum krönenden Abschluss ihrer Karriere. Für die im zarten Speewerferinnen-Alter befindliche Hussong kann da noch einiges kommen. Die nächsten Großereignisse mit der WM 2019 und den Olympischen Spielen stehen bereits vor der Türe.

Dreisprung-Nervenkitzel für Kristin Gierisch mit Silber belohnt

In einer außerordentlich spannenden sowie für Athletinnen und Zuschauer nervenzerrenden Dreisprung-Konkurrenz machte Kristin Gierisch das, was sich stets als probates Mittel erweist: Gleich mal im ersten Durchgang mit der für sie persönlichen Bestleistung von 14,45 m eine Duftmarke zu setzen. Wenngleich ein bis dahin noch langer Weg, sollte sich das als Silbersprung erweisen. Gerade mal einen Zentimeter vor der Spanierin Ana Peleteiro, die sich im finalen sechsten Versuch auf 14,44m steigerte. Neele Eckhardt musste sich nach der Saisonbestleistung  von 14,33m in der Qualifikation mit dem zehnten Platz (14,01m) bescheiden. Acht Zentimeter fehlten am Einzug unter die besten Acht.

Marie-Laurene Jungfleisch und Carolin Schäfer jeweils auf dem Bronzerang

Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch nahm bis 1,96m (SBL eingestellt) alle fünf Höhen im ersten Anlauf. Das sicherte ihr aufgrund der Mehrversuchsregel den Bronzerang und ihre erste Medaille auf internationalem Parkett. Diese Plakette ließ sich Vize-Weltmeisterin Carolin Schäfer in einem kontrollierten abschließenden 800-m-Lauf des Siebenkampfes nicht mehr entreißen, den sie mit der Saisonbestleistung von 6.602 Punkten beendete. Überschattet wurde der Kehraus beim Zwei-Tage-Werk der Mehrkämpferinnen durch einen Autounfall, den die bis dahin gut auf Kurs liegenden Louisa Grauvogel und Mareike Arendt beim Shuttle-Service nach der Vormittagsveranstaltung ins Hotel erlitten. Glück im Pech, dass nach einer Untersuchung im Krankenhaus diagnostiziert werden konnte, dass beide keine ernsthaften Verletzungen erlitten haben.
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