Einstige Leichtathletik-Großmacht hängt auch ohne Norovirus am Tropf

Glosse

Neben der Spur

(London/Krefeld, 10. August 2017)
Na, prima: Jetzt hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) endlich den Sündenbock für das bisher meist enttäuschende bis klägliche Abschneiden seiner Spitzenathleten bei den Weltmeisterschaften der Männer/Frauen in London gefunden. Der allenthalben, also nicht nur bei den Germanen/innen, in den Teamhotels grassierende Norovirus soll es sein. Das sei keine normale WM, erklärte der Leitende Direktor Sport (unter dem Titel „Direktor“ machen sie beim DLV gar nix, damit können sie den Bürgersteig vor ihrer Geschäftsstelle auf der Alsfelder Straße in Darmstadt pflastern), Idriss Gondschinska, im Brustton der Überzeugung. Sieben Aktive wären davon betroffen. Die Namen unterliegen strengster Geheimhaltung. Von wegen ärztlicher Schweigepflicht. Dann dürfte er, Gondschinska, sie genau genommen auch nicht kennen. Selbst bei schweren Verletzungen wird da weniger zimperlich reagiert und bereitwillig Auskunft gegeben. Wie ist es denn da um die ärztliche Schweigepflicht bestellt? Lächerlich! Stümperhaft! Schlecht vorbereitet, der ach so wichtige Mann. Aber das hat bei diesem Dach- und Fachverband ja schon System.

Grausamer Sprachenmix

Ungeachtet der sicherlich nicht zu unterschätzenden Problematik hofft die nominelle Führungspersönlichkeit auf weitere Spitzenergebnisse. Also Plural. Welche will er denn da bislang alle gesehen haben? Und im nächsten Zug wird er selbstverständlich ganz der – abzulehnenden – Tradition mit dem US-amerikanischen Hauptsponsor verhaftet Denglish: Original-Zitat laut DLV-Netzseite: „Viele unserer Peak Performer starten am Ende der Wettbewerbe.“ Wie bitte? Einfach grausam! Abgesehen von solch belämmertem Misch-Masch, den nur sechs Prozent über ein fehlerfreies Englisch verfügenden Deutschen verstehen, – wenn er sich da mal nicht gründlich irrt. Nicht auszudenken, wenn nach den bislang häufig trüben Erfahrungen (gestern Abend erst 5.000-m-Läufer Richard Ringer, der sich für seine dürftige Darbietung bei den Fernsehzuschauern der ARD entschuldigte und es nicht auf den ominösen Virus schob) auch noch die hoch gehandelten Speerwerfer, die Top drei der Welt, und Zehnkämpfer in Nähe der Themse „abschiffen“. Es ist ein bisschen so wie bei den Schwimmern. Da ist der DSV, ihr Verband, schon froh, wenn bei Großereignissen keiner vor dem Ertrinken gerettet werden musste.

Mehr als Schadensbegrenzung kann es nicht werden

Brechen wir ganz bewusst und aus purer Gemeinheit mit unseren sonstigen Gepflogenheiten, schielen auf den momentanen Medaillenspiegel: Deutschland liegt nach einer Woche in der Zwischenbilanz mit sieben weiteren Nationen auf einem geteilten19.Rang, solche „Giganten“ wie Bahrain, Venezuela, Norwegen, Belgien, Griechenland, um nur einige zu nennen, derweil vor uns.
Klar, abgerechnet wird erst am Schluss. Aber die einstige Leichtathletik-Großmacht hängt so oder so am Tropf. Und das nicht erst seit dem Ausbruch des Norovirus‘, von dem 90 Prozent (in Worten: Neunzig) nicht betroffen sind. Bei dem was eventuell noch kommt, kann es sich allenfalls um Schadensbegrenzung handeln. Mehr nicht!