Diskuswerfer Robert Harting bei der WM problemlos durch die "Quali"

(London/Krefeld, 05. August 2017) Fangen wir mit dem Positiven zum Auftakt der Weltmeisterschaften der Männer/Frauen gestern Abend vor 60.000 Zuschauern im einstigen Olympiastadion von London an. Diskuswurf-Allesgewinner Robert Harting aus Berlin entledigte sich souverän der Qualifikation (64,50m) und zieht in die Entscheidung heute Abend (20.25 Uhr) ein. Der bald 33-jährige Routinier übertraf als letzter Werfer der A-Gruppe auf Anhieb mit 65,32m locker die plakative gelbe Linie auf dem Rasen. Enttäuschend hingegen das Abschneiden des „ewigen Talents“ Martin Wierig, der in der zweiten Gruppe ausnahmslos Fahrkarten produzierte. Bei der Auffüllung auf die besten Zwölf hätten 63,24m fürs Weiterkommen gereicht. Keine Herkulus-Aufgabe für den 30-jährigen Magdeburger bei einer Saisonbestleistung von 65,54m. Aber wenigstens in deren Nähe sollte man(n)/frau bei einem internationalen Großereignis schon kommen, besser noch darüber hinaus. Genau das ist der Sinn und Zweck der Übung, den viele deutsche Spitzenathleten noch nicht erkannt haben und sich bereits an den Normen abarbeiten, zum Zeitpunkt X körperlich und mental ausgebrannt sind.

Nichts Neues bei Julian Reus

Sprinter Julian Reus darf als Paradebeispiel dafür herhalten. Immer wieder dieselbe Leier, wenn links und rechts neben ihm andere Kaliber auftauchen als in der heimischen Wohlfühlatmosphäre in der Provinz. Da pflegt beim 29-jährigen Wahl-Wattenscheider die Muskulatur zuzumachen und der Kopf gleicht mit. Keiner hat von ihm über 100 Meter Wunderdinge erwartet, aber mehr als jene 10,25 Sekunden (Saisonbestzeit 10,10) als Sechster seines Vorlaufs und das Aus in der ersten Runde schon. Als Blaupause dazu darf  Weitspringer Julian Howard aus Karlsruhe herhalten. Bei einer „Bauern-Olympiade“ in Oberteuringen (nie gehört) sprang er 8,15m, in der Weltmetropole London blieben davon noch  7,72m übrig. Und Aus die Maus! Bei einer Qualifikationsweite von 8,05m hätten es letztlich nur 7,92m sein müssen. So war es der 22. Platz. Ab nach Hause mit der Touristenklasse. Reus muss allerdings noch die Staffel laufen. Eine Alternative zu ihm leider Fehlanzeige.

„Stabi“ Lisa Ryzih empfahl sich für höhere Weihen…

Die nicht allzu weite Heimreise müssen nach der Stabhochsprung-Ausscheidung auch „Heulsuse“ Silke Spiegelburg (14. mit 4,35m). die sich diesmal nicht über den abonnierten vierten Platz grämen muss, und die internationale „Praktikantin“ Friedeline Petershofen (20. mit 4,20m) antreten. Die noch 21-jährige stand freilich auf keiner ernsthaften Rechnung. Lisa Ryzih gleichwohl, die sich mit einer blitzsauberen Darbietung über 4,55m als Zweite des qualifizierten Zwöflerfeldes für höhere Weihen empfahl. Vielleicht gar einer Medaille hinter der Favoritin und Weltjahresbesten Ekatarini Stefanidi aus Griechenland?
Ungeachtet aller bereits in jungen Jahren vorhandenen Klasse vermag ich nicht in die Jubelgesänge über Mittelstrecklerin Konstanze Klosterhalfen einzustimmen. Bei einem Gewicht von 47 Kilo und einer Körpergröße von 1,74m würde ich mir als Großvater Sorgen um ihre Gesundheit machen. Heid Klums Next-Top-Models sind Schwergewichte dagegen. Erstaunlich genug, wo dieser „Hungerhaken“ die Kraft hernimmt. Als Sechste des dritten Vorlaufes über 1.500 m (4:03,60) in einem taktisch nicht sehr klugen Rennen kam sie eine Runde weiter. Das gelang im Lauf zuvor mit ebenfalls dem sechsten Rang der Direktqualifizierung auch Hanna Klein (4:09,32).

…und was leistet der doppelte Ex-Weltmeister David Storl?

Heute (11 Uhr) wird die parallel in zwei Gruppen ausgetragenen Kugelstoß-Qualifikation der Männer schon Fingerzeige dafür liefern, ob bei den 21,87m des doppelten Ex-Weltmeisters David Storl im Kuschelambiente des von Andy Dittmar organisierten Gothaer Schlossmeetings tatsächlich der vielzitierte gordischen Knoten gelöst worden ist. Die zunächst geforderten 20,75m sollten für den 27-jährigen Sachsen indes kein Problem darstellen. Bevorzugterweise in der Kräfte und vor allem Nerven sparenden Version des ersten Versuchs.
Alle möglichen Details auf der Netzseite des Weltverbandes IAAF.