Meldelisten für Senioren-DM im Wurf-Fünfkampf sind veröffentlicht

(Zella-Mehlis/Darmstadt/Krefeld, 17. August 2017) Mit Stand gestern, 16.August, veröffentlicht der DLV auf seiner Netzseite in einer geordneten Unordnung eines krausen Durcheinanders von Altersklassen und Geschlecht die Meldelisten für die Deutschen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf. Gescheiter Service ist einfach nicht sein Ding, obwohl das im EDV-Zeitalter nun wahrlich kein Hexenwerk wäre. Prädikat: Erbärmlich!
Wie dem auch sei, haben 121 startwillige Senioren und 61 Seniorinnen, in Summe 182, für diesen Wettbewerb der (eigentlich) Vielseitigen der Fraktion Stoß/Wurf ihre mehr oder weniger noble Visitenkarte abgegeben. Das sind per Saldo 31 weniger als im Vorjahr (213) an gleicher Stelle. Meldestärkste Klasse ist bei den Männern die M60 mit 21 und den Frauen die W50 mit 17 Gemeldeten. Erfahrungsgemäß liegt die Teilnahmequote jedoch sehr hoch, betrug in 2016 geradezu märchenhafte 95 Prozent. Auf die personellen Feinheiten werden wir noch nächste Woche in einer kleinen Vorschau auf diese Titelkämpfe eingehen.
Vorab schon dies an Ungereimtheiten, die unser gelegentlicher Gastautor Dieter Krumm vom LAC Quelle Fürth im Interesse der Aktiven entdeckte: Darf der Ausschreibung ver- und getraut werden, starten d
ie M50 bis 65 sowie die W50 bis 65 nicht am 26., sondern am 27.August. Zudem wird der M65 in der Ausschreibung suggeriert, dass sie am Sonntag, den 28.August ans fünfteilige Werk gehen muss. Das ist jedoch ein Montag, an dem die Meisterschaften bereits passé sind. Prädikat siehe oben! Das Objekt der Begierde (Meldeliste) befindet sich, natürlich auch für Schaulustige, unter diesem Link.
Redaktionelle Anmerkung (17 Uhr): Wohl auf  die E-Mail von Dieter Krumm an den DLV wurden mittlerweile die falschen Angaben heimlich, still und leise richtiggestellt.

Auflösung unseres kleinen WM-Quiz' "Wer weiß denn so was?"

(London/Ahlen/Krefeld, 16. August 2017) Klären wir noch unser kleines WM-Quiz unter dem Motto „Wer weiß denn so was?“ auf. Der ehemalige Weltklasse-Zehnkämpfer und Silbermedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele von 1996 in Atlanta, Frank Busemann (8.706 Punkte), sagte als Experte in der ARD bei „Halbzeit“, ergo fünf Disziplinen, dass es historisch wäre, wenn zwei deutsche Zehnkämpfer Edelmetall holen würden. Bekanntlich gelang es diesmal Rico Freimuth (Zweiter) und Kai Kaczmirek (Dritter). Aber zuvor? Aufgrund der gütigen Mithilfe eines ausgewiesenen Fachmannes wie EVAA-/EMA Ehrenpräsident Dieter Massin (im Bild) aus Ahlen in Westfalen und eigener Recherchen decken wir beide Varianten ab: Olympia und Weltmeisterschaften. Im Übrigen hat Massin eine besondere Beziehung zu denKönigen der Athleten". Er hob 1992 bei der LG Ahlen nach dem österreichischen Vorbild von Ex-Zehnkämpfer Georg Werthner bereits 1984 in Linz/A den Jedermann-Zehnkampf aus der Taufe. Der feierte 1996 mit 436 (!) Teilnehmern sein Rekord-Meldeergebnis. Dazu mag beigetragen haben, dass der frische gebackene Olympia-Zweite Frank Busemann eine Autogrammstunde gegeben hat. 21 Jahre danach sind sie in diesem Beitrag quasi als Intimkenner der Mehrkampf-Szene wieder vereint.

Willi Holdorf und Hans-Joachim Walde das erste Medaillen-Doppel

Zu 1) Das überhaupt erste Medaillen-Doppel waren 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio Willi Holdorf (7.887) als „Goldjunge“ und der im April 2013 verstorbene Hans-Joachim Walde (7.809) als Dritter. Vier Jahre später 1968 in Mexiko City rückte Walde (8.111) einen Rang vor, wurde hinter dem US-Amerikaner Bill Toomey (8.193) und vor seinem Landsmann Kurt Bendlin (8.064) Zweiter. Danach trat eine längere Pause ein, ehe es bei den Spielen 1984 in Los Angeles abermals Silber und Bronze gab. Der Brite Daley Thompson (8.798) gewann vor dem bundesdeutschen Terzett Jürgen Hingsen (8.673), Siegfried Wentz (8.412) und Guido Kratschmer (8.326).
Zu 2) Ein Jahr zuvor bei den 1.Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1983 im finnischen Helsinki waren ebenfalls Thompson (8.666), Hingsen (8.561) und Wentz (8.478) vorn, Vierter wurde seinerzeit der für die DDR startende Uwe Freimuth (8.433), der Vater von Rico. Der Apfel fällt also nicht weit vom Ross. Mithin hat sich das vermeintlich historische Ereignis auf Anhieb auch hier erledigt,  Herr Busemann. Aber wer weiß selbst in seinem Fachgebiet schon alles? Niemand!

Torsten Voss und Siegfried Wentz als gemischtes Doppel aus Ost und West

Einen haben wir allerdings noch. Gewissermaßen eine Gemeinschaftsproduktion aus Deutschland Ost und West. Bei den Weltmeisterschaften 1987 in Rom gewann Torsten Voss aus der DDR mit 8.680 Punkten den Titel vor Siegfried Wentz (8.461). Übrigens war die DDR, wie schon 1983, die erfolgreichste Nation. Nun höre ich förmlich den Aufschrei unter den Lampis-Lesern: Aber unter welchen Voraussetzungen. Papperlapapp. Möge nur ja keiner annehmen, allen anderen hätte ihr Fleisch ausschließlich beim Metzger gekauft. Da wurde bei den Sp(r)itzen-Nationen ordentlich mit „weißen Koteletts“ nachgeholfen. Noch von der ehemaligen DDR profitierend, wurde Deutschland bei der ersten gemeinsamen WM 1991 in Tokio Dritter hinter den USA und der Sowjetunion. Das waren noch Zeiten.
Hätten wir das gleich mitgeklärt.

Deutsche Leichtathleten die großen Verlierer der WM 2017

Kommentar

Nebenbei bemerkt


(London/Krefeld, 14. August 2017)
Mit der deutschen Leichtathletik geht es immer weiter bergab. Nach vier Gold-, zwei Silbermedaillen und einer Bronzenen vor vier Jahren in Moskau folgten zwei Jahre später bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking zwei Gold-, drei Silber- und drei Bronzemedaillen. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio gab es nur noch drei Medaillen: Zweimal Gold (Speer und Diskus) sowie Bronze im Diskuswurf. Jeweils durch die Herren der Schöpfung. Fehlanzeige beim gemeinhin schöneren Geschlecht.
Ein ambitioniertes deutsches Team, wie angeblich schon lange nicht mehr, sollte in der britischen Millionen-Metropole am Start sein. So verlautete es jedenfalls vollmundig vor dem Abflug zur WM 2017 in London von den Verantwortlichen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Aber bis zum vorletzten Tag sprang für die 71 deutschen Teilnehmer/innen lediglich eine Silbermedaille durch die ohnehin hoch gehandelte Siebenkämpferin Carolin Schäfer heraus. Nach der geringen Medaillenausbeute betonte DLV-Präsident Clemens Prokop eilfertig: „Ich wehre mich dagegen, dass man die sportliche Bilanz in der Auswertung der Medaillen vornimmt. Die Bilanz wird aus einer Vielfalt von Aspekten gezogen, da gibt es viele, die außerhalb von Medaillen Freude bereiten.“ Da hätte er ein bisschen genauer hinschauen und nicht über alles den Mantel der Nächstenliebe decken sollen. Ungeachtet dessen werden sie sich jetzt in Darmstadt wieder gegenseitig auf die Schultern klopfen.

Deutsche Reisegruppe der Marke „hilflos und verzweifelt“

Für mich konnte der „Medaillen-Samstag“ am vorletzten Tag die schwache DLV-Bilanz nicht mehr retten, allenfalls einige der tiefen Wunden lindern helfen. Viele der Athleten/innen erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen und Hoffnungen nicht, schafften zum saisonalen Höhepunkt allzu selten eine Jahresbestleistung oder gar eine persönliche Bestmarke. Ganz zu schweigen von einem deutschen Rekord. Zu der deutschen Reisegruppe „hilflos und verzweifelt“ gehörten vor allem die früheren Weltmeister Raphael Holzdeppe im Stabhochsprung und David Storl im Kugelstoßen. Aber auch die Ergebnisse der beiden Diskuswerferinnen Julia Harting und Anna Rüh sowie Sprinter Julian Reus und die hochgelobte 4x100m-Staffel der Männer mit einem anfängerhaften letzten Wechsel, Martin Wierig im Diskuswerfen, Julian Howard im Weitsprung, Mathias Bühler über 110m Hürden, Christin Hussong im Speerwurf, Jackie Baumann über 400m Hürden, Silke Spiegelburg im Stabhochsprung, Alexandra Wester im Weitsprung, Sara Gambetta im Kugelstoßen, Richard Ringer über 5000 Meter, Konstanze Klosterhalfen über 1500 Meter und Susen Küster im Hammerwerfen boten enttäuschende bis indiskutable Vorstellungen. Es gab schlechterdings zu viele (Total-)Ausfälle. Alle genannten Athleten kamen beim Saisonhöhepunkt nicht annähernd an ihre Vorleistungen heran oder nicht einmal in die Wertung (Holzdeppe, Wierig). Hätte Johannes Vetter nicht den Titel im Speerwerfen gewonnen, wären die Mehrkämpfer/innen nicht im Soll gewesen und hätte Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz nicht überrascht, wäre die Bilanz vollends hinter den keineswegs übertriebenen Ansprüchen zurückgeblieben.

Drittschwächste Bilanz der WM-Historie

Mein durch Fakten belegtes Fazit: Selten zuvor  stand es so schlecht bei einer WM um ein deutsches Leichtathletik-Team. Das Allzeit-Tief liegt bei dreimal Edelmetall – 1987 in Rom. 2003 ging einmal Silber und dreimal Bronze auf das Medaillen-Konto. Nunmehr in London gab es fünf Plaketten. Das drittschwächste Ergebnis der bisherigen 16 Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Deshalb gehören „unsere“ vermeintlichen Spitzenathleten zu den großen Verlierern von London.
Aber es muss ganz allgemein die Frage gestellt werden, was mit dem deutschen Sport los ist? Ganz so schlecht wie sie teilweise gemacht wird, ist die Spitzensportförderung nun auch wieder nicht. Und früher war diesbezüglich längst nicht alles besser. Dennoch sind wir neben der Leichtathletik auch im Gewichtheben, Fechten, Rudern und Schwimmer meilenweit von einstiger Klasse entfernt.
Quo vadis, deutscher Sport?

Ü35-EM: Nicht jeder ausgerufene Sieger war tatsächlich der Schnellste

(Aarhus/Göttingen/Krefeld, 15. August 2017) Verletzungsbedingt konnte ich an den Wettkämpfen bei den Senioren-Europameisterschaften in Aarhus nicht teilnehmen und musste mich deshalb auf das Zuschauen beschränken. Als Zuschauer fielen mir Dinge auf, die ich als Aktiver wahrscheinlich nicht wahrgenommen hätte. Im Folgenden die auffälligsten Gegebenheiten.

1.) Genauigkeit der Zeitmessung bei Läufen von 200 bis 400 Meter und den 4x400m-Staffeln:
Garantie oder Suggestion?

Mit der elektrischen Zeitmessung wird eine Exaktheit der Messergebnisse von 1/100 sec. garantiert. Kaum jemand scheint das infrage zu stellen. Leider sieht die Realität anders aus. Voraussetzung für oben genannte Messgenauigkeit sind Startblöcke mit integrierten Schallgebern. Diese waren in Aarhus jedoch nicht vorhanden. Das bedeutet, dass der die elektrische Zeitmessung auslösende Schall der Startpistole die Läufer/innen - aufgrund des allgemein bekannten physikalischen Phänomens der Schallverzögerung - später erreicht. Schall breitet sich bekanntlich in allen Materialien und Medien mit einer bestimmten Geschwindigkeit aus, in 20°C warmer Luft mit etwa 340 m/s. Den Schall empfängt ein von der Schallquelle entfernter Empfänger demnach mit einer der Entfernung entsprechenden zeitlichen Verzögerung. Diese Schallverzögerungen verfälschen insbesondere bei den Laufwettbewerben von 200 bis 400 Meter und den 4x400m-Staffeln eindeutig die Ergebnisse: Nicht selten ist nicht der als Erster ins Ziel kommende Läufer der Zeitschnellste und damit der eigentliche Sieger, sondern ein anderer. Nachstehende Tabelle macht die Zeitverzögerung des Schalls zu den einzelnen Bahnen deutlich. In Aarhus hatte der Starter eine Position, die ungünstiger kaum sein kann. Nämlich 10 Meter hinter der Ziellinie auf Bahn 8 (was im Übrigen auch dort bei der EM 2004 bereits der Fall war). 

Zeitverzögerungen 
∆t des Startsignals auf den Bahnen 1 – 8

 

200

m

400

m

4 x

400m

Bahn

Entfern.

∆t

Entfern.

∆t

Entfern.

∆t

 

[m]

[1/100 s]

[m]

[1/100 s]

[m]

[1/100 s]

1

14

4,1

14

4,1

x

x

2

16

4,7

19

5,6

22

6,5

3

19

5,6

26

7,6

33

9,7

4

22

6,5

33

9,7

43

12,6

5

25

7,4

39

11,5

52

15,3

6

28

8,2

46

13,5

60

17,6

7

31

9,1

53

15,6

67

19,7

8

34

10,0

60

17,6

73

21,5

Ein fiktives Beispiel im 400-m-auf

Man stelle sich vor, der Läufer auf Bahn 2 kommt als Erster, also Sieger ins Ziel. Der Läufer auf Bahn 8 erreicht als Zweiter das Ziel mit einem Zeitrückstand von 10/100 s. Der Läufer auf Bahn 8 konnte den Schall des Startschusses (aufgrund der Entfernung von 60m) erst nach einer Verzögerung von 
17,6/100 s wahrnehmen, also 17,6/100 s nach dem Start der Zeitmessung. Der Läufer auf Bahn 2 konnte den Startschuss allerding erheblich früher, nämlich bereits nach 5,6/100 s wahrnehmen. Der Zeitvorteil des Läufers auf Bahn 2 beim Start gegenüber jenem auf Bahn 8 beträgt demnach 17,6/100 s – 5,6/100 s = 12/100 s. Da die elektronisch ermittelte Zeitdifferenz jedoch mit 10/100 s ausgewiesen wurde, war der auf Bahn 8 gelaufene Langsprinter um 12/100 –10/100 s = 2/100 s schneller – und hätte als Sieger proklamiert werden müssen  (falls nicht noch einer schneller gewesen wäre).
An diesem fiktiven Beispiel wird deutlich, dass die Ergebnisse von Aarhus keineswegs alle korrekt sind wie es die elektrische Zeitmessung suggeriert. Ganz sicher waren nicht alle zu Europameistern gekürten Akteure/innen und Staffeln die tatsächlich Besten. Das ist nicht nur ärgerlich für die Athleten/innen, sondern auch nicht einer EM würdig. Elektrische Zeitmessung ist bei den genannten Strecken nur dann zuverlässig und genau, wenn in die Startblöcke Schallgeber integriert sind und das darf man von einer EM erwarten. Eine entsprechende Regelung durch den europäischen Senioren-Verband European Masters Athletics (EMA) ist daher längst überfällig. Sofern man sich Startblöcke mit Schallgebern nicht leisten kann, gibt es nur noch die Möglichkeit, die Laufzeiten durch die berechneten Zeitverzögerungen zu „Echtzeiten“ zu verrechnen. Im digitalen Zeitalter wäre das weder ein Problem noch ein Mehraufwand an Zeit. Dem steht allerdings entgegen, dass wir alle genau den/die als Sieger/in sehen wollen, der/die als Erste/r das Ziel erreicht. Quintessenz: Es führt kein Weg an Startblöcken mit Schallgebern vorbei.

2.) Informationseinrichtungen im Stadion

Zuschauer wollen ausreichend informiert sein und nicht ständig über Weiten, Höhen, Startaufstellungen beziehungsweise Bahnverteilung et cetera rätseln und spekulieren müssen. Im Hauptstadion wurden diese Anforderungen in keiner Weise erfüllt. Von der Tribüne aus – und hier befanden sich cirka 80 Prozent der Zuschauer - waren die Werte sowohl auf den digitalen Anzeigegeräten der Gegengeraden (Weitsprung) als auch in den Segmenten (Wurfanlagen, Hoch- und Stabhochsprung) nicht oder nur bedingt zu erkennen. Der Sprecher hat zwar die Startaufstellung bei den Läufen durchgesagt, aber verstehen konnte das wegen der miserablen Akustik wohl kaum jemand. Dabei verfügt das Stadion über modernste digitale Anzeigetafeln über den beiden Kurvenbereichen. Die allerdings wurden nur für Werbung genutzt. Gegen Werbung hat wahrscheinlich niemand etwas, schließlich generiert sie Einnahmen, mit der zum Teil die Veranstaltung finanziert werden muss. Andererseits verpufft der Werbeeffekt durch eine gewisse „Ermüdung“, wenn das Publikum permanent mit den (hier nur wenigen) Werbebotschaften berieselt wird, weil niemand mehr hinschaut. Für Werbung hätte noch hinreichend Zeit zur Verfügung gestanden, wenn die sportbezogenen Informationen zwischendurch auf den beiden großen Anzeigetafeln erschienen wären. Permanentberieselung ist bekannterweise werbepsychologisch kontraproduktiv. Die Unzufriedenheit bei den zuschauenden Sportlern und deren Anhang war entsprechend deutlich wahrnehmbar.
Bei internationalen Meisterschaften dürfen die Teilnehmer und Zuschauer erwarten, dass die zuständigen Vergabegremien diese Dinge zuverlässig regeln respektive einfordern.
Redaktionelle Hinweise: Stammbesuchern von LAMPIS muss unser Gastautor Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen nicht näher vorgestellt werden. Für alle anderen: Der 73-Jährige ist der wohl kompletteste Zehnkämpfer im Senioren-Bereich, hielt oder hält die Weltrekorde von der M50 bis 70. 
Diesen für das Fenster Flurfunk gedachten Beitrag stellen wir zunächst in die unsere Seite aufmachende Nachrichtenspalte.

Nur einer kam durch: Johannes Vetter gewann WM-Titel im Speerwurf

Mein WM-Logbuch

(London/Krefeld, 13. August 2017)
Anders als bei den allzu wenigen Germanen/innen gibt es querbeet die Athleten/innen, die zum absoluten Saisonhöhepunkt in Bestform sind. Dazu bedarf es lediglich eines Blickes in die Ergebnislisten dieser Weltmeisterschaften in London mit den vielen SB und PB’s hinter den Leistungen. Gleich zwei von Weltrekordler (98,48m) Jan Zelezný trainierte Tschechen verdarben gestern Abend vor abermals 60.000 Zuschauern im ausverkauften Haus auf diese Weise den ohnehin allzu kühnen Traum von einem lupenreinen deutschen Podest der Speerwerfer, die bis dahin als Triumvirat die Weltjahresbestenliste anführten. Doch einer kam durch. Der Klassenprimus (94,44m) Johannes Vetter gewann in einem „Start-Ziel-Sieg“ mit der griffigen Weite von 89,89m und einem hauchdünnen Vorsprung von 16 Zentimetern oder gerade mal einem Unterschied von 0,178 Prozent den WM-Titel. Noch knapper verpasste der im letzten Durchgang vom Bronze-Platz verdrängte Thomas Röhler mit 88,26 zu 88,32m Edelmetall. Die Tschechen als Spielverderber. So ist sie, die herrlichste Nebensache der Welt. Es wäre ja auch stinklangweilig, wenn immer alles nach der Papierform abliefe. Die gestrauchelten Favoriten werden das freilich anders sehen.
Keine Hauptrolle bei der Entscheidungsfindung war in dem hochklassigen Wettbewerb dem Dritten im schwarz-rot-goldenen Bunde beschieden. Andreas Hofmann schaffte es mit 83,76m im zweiten Versuch so gerade ins Finale der besten Acht. Da verlieb der Kraftprotz auch, wenngleich er bis zur letzten Patrone kämpfte und im finalen sechsten Durchgang noch einmal 22 Zentimeter zulegte.

Ab zum Neurologen: „Hirntote“ Zeitplan-Verunstalter und ZDF-Programmplaner

Für ein kapitales Ärgernis sorgte der „hirntote“ Zeitplan-Verunstalter der IAAF, dessen Namen uns leider nicht bekannt ist. Er brachte das an Genialität kaum zu überbietende Kunststück fertig (erkenne sie, die Ironie!), das 5.000-m-Finale mit dem arroganten britischen Volkshelden Mo Farah, der zur Enttäuschung der Massen letztlich „nur“ Zweiter wurde, fünf Minuten nach dem Speerwurf beginnen zu lassen. Also kreuzten die Rundendreher zwölfmal den Anlauf der Speerwerfer und umgekehrt. Aber selbstverständlich mussten die Langstreckler nie für die Techniker inne halten. Dabei war es zum Glück einen Bummelrennen, sodass sich das 14köpfige Feld nicht weit auseinander zog. Dennoch: Despektierlicher kann bei dieser in Stein gemeißelten uralten „Regel“ Lauf vor Sprung und Wurf die letztgenannte Spezies nicht behandelt werden. Abgesehen von der gestörten Konzentration wurde ihr auch eine größere Aufmerksamkeit des Publikums verwehrt. Gleich mit zum Neurologen oder besser direkt in die
Klapsmühle" kann der Programmplaner des ZDF, mit dem man angeblich besser sieht, geschickt werden. Der ließ während des Speerwurf-Finales für geschlagene 15 Minuten zum „Heute-Journal“ schalten. Eine dramaturgische Glanzleistung (siehe oben). EUROSPORT war keine Alternative, da sie nicht über eigene Kameras verfügen und auf das von der BBC gelieferte internationale Bild angewiesen sind. Und die hielten natürlich immer hübsch auf den 5.000-m-Lauf mit ihrem aus Somalia stammenden, nicht unumstrittenen Exil-Briten, der sich latenter, bislang unbewiesener Doping-Vorwürfe ausgesetzt sieht.

Pamela Dutkiewicz stürmte mit Konstanz zu Bronze

Eigentlich habe ich keine realistische Chance, aber dafür werde ich alles geben. Das könnte das Motto der ausgesprochen gut aussehenden und sich bei Interviews glänzend „verkaufenden“ Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz gewesen sein. Die noch 25-jährige Wahl-Wattenscheiderin stürmte in verblüffender Konstanz über 12,74 und 12,71 in 12,72 Sekunden zu Bronze über 100 m Hürden, sprang mithin glänzend für die verletzte Cindy Roleder in die Bresche. Sie räumte frank und frei ein, von einer Medaille nicht einmal geträumt zu haben. Der Final-Einzug sei ihr erklärtes Ziel gewesen.
Plastischer dürften dagegen die Medaillenträume der beiden deutschen Zehnkämpfer gewesen sein. Denn sie übernachteten nach dem ersten Tag auf den Plätzen zwei und drei. Und da sie sich im zweiten Abschnitt des Zwei-Tage-Werkes keine Blöße mehr gaben, durften Rico Freimuth (2. mit 8.564 Punkten) und Kai Kazmirek (3. mit 8.488 P./SB) zusammen mit dem erfolgreichen Franzosen Kevin Mayer (8.768 P./WJB) sowie den anderen verbliebenen „Königen der Athleten“ des stark dezimierten ursprünglichen Feldes (14 Ausfälle, darunter Mathias Brugger) auf die verdiente Ehrenrunde gehen.

Kein weiteres Edelmetall am Schlusstag in Sicht
 
Ende gut, alles gut aus deutscher Sicht? Eher nicht! Wobei noch der heutige Schlusstag aussteht. Aber da ist bei realistischer Einschätzung in den Konkurrenzen mit Beteiligung heimischer Athleten/innen kein Edelmetall zu erwarten. Es sei denn irgendeine/r würde über sich sinnbildlich hinauswachsen. Schön wär’s.