Sportsch(l)au: Vorurteile über Zucker als Killer und süßes Gift

(Köln/Krefeld, 16. August 2018)  Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“, anderen Publikationsmedien sowie seiner eigenen Netzseite an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 98. Kapitel zu diesem Themenkomplex, das wir wegen des Umfanges in drei Appetithäppchen aufteilen werden. A.H.

Ein neuer Gesundheitsschreck war schnell gefunden

Bekannt als süße Sünde, heimlicher Killer oder garantiert gesundheitsgefährdend hat der Zucker zurzeit einen mehr als schweren Stand. Noch bis vor Kurzem war Fett der Übeltäter Nummer 1 und galt oftmals als Verursacher von allerlei Beschwerden. Dann traten die guten Fettsäuren Omega 3 und Omega 6, mitsamt ihrem positiven Einfluss auf Cholesterin und die Regeneration, auf den Plan. Die Einstellung änderte sich.
Doch ein neuer Gesundheitsschreck war schnell gefunden: das Kohlenhydrat und davon besonders der Zucker, zuckerfrei zu Leben wird zum neuen Trend, und allzu oft liest man in den Medien „vom süßen Gift“! Welchen Stellenwert dieses „süße Gift“ in unserem Leben einnimmt, zeigt sich deutlich im pro Kopf Verbrauch. So verbraucht ein Europäer durchschnittlich 103 Gramm reinen Zucker am Tag, das sind 37,8 Kilogramm im Jahr. Das entspricht ungefähr einer halben Schubkarre und liegt damit deutlich über der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von sechs Teelöffeln (25g/Tag)! Doch was ist dran an der Gefahr durch Zucker? 

Warum brauchen wir Zucker?

Zucker ist für unseren Körper als Energiequelle unersetzlich und auch lecker. Er dient uns in Form von Glukose als größter Energielieferant, als Nährstoff für unser Gehirn, als Signalträger und unterstützt darüber hinaus die Reparatur der Zellen. Meist nehmen wir Zucker in Form von Kohlenhydraten zu uns. Diese werden im Laufe ihres Weges durch den Körper zu Glukose aufgespalten und gelangen dann in unser Blut. Damit die Zellen unseres Körpers den Zucker überhaupt aufnehmen können, braucht es einen Botenstoff: Das Insulin. Dieses Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und dient dem Zucker als Schlüssel, es öffnet die Zellen für die Glukose. Je höher also der Glukosegehalt im Blut desto höher die Insulinkonzentration. Durch eine Erhöhung der Insulinkonzentration versucht der Körper den Zucker so schnell wie möglich in die Zelle zu bringen und zu verwerten.

Zucker ist nicht gleich Zucker

Hier wird in Einfachzucker (Monosaccharide), Zweifachzucker (Disaccharide), Mehrfachzucker (Oligosaccharide) und Vielfachzucker (Polysaccharide) unterschieden. Die Namen resultieren aus der Anzahl der Zuckermoleküle, aus denen der Zucker gebildet wird. Zusätzlich geben sie uns darüber Auskunft, wie schnell sie den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Einfachzucker (wie etwa Glukose), ist vor allem in industriell verarbeiteten Produkten wie Süßigkeiten, Milchprodukten, Backwaren oder Tiefkühlprodukten enthalten. Sie lassen den Blutzucker sehr schnell ansteigen, ähnlich schnell fällt er aber auch wieder ab. Die Folge ein bohrendes Hungergefühl oder Heißhunger. Je schneller der Blutzuckerspiegel dabei sinkt, umso intensiver ist dieses Gefühl, das im Gehirn durch Unterzuckerung entsteht. Gerade morgens sorgen eine ausgewogene Mahlzeit mit leckeren Kohlenhydraten (zum Beispiel Haferflocken) für einen energiereichen Tag und ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl.
(Wird mit Hinweis auf diesen Beitrag fortgesetzt.)

Vogel-Strauß-Manier: Allenthalben allerorten Friede, Freude, Eierkuchen

Kolumne

Moment mal

(Berlin/Darmstadt/Krefeld, 15. August 2018)
Gefühlt 99 Prozent der für Printmedien tätigen Sportjournalisten sind fußballaffin, haben ausschließlich das runde „Leder“ (heutzutage aus Kunststoff), das ins Eckige muss im Kopf. Einmal abgesehen von Nachrichten-Agenturen wie DPA und SID, wo tatsächlich Spezialisten ihr Handwerk betreiben. Oh Wunder – nun hatten die Erstgenannten im Zuge der European Champion Chips mit sieben Titelkämpfen in den zwei Städten Glasgow (Schottland) und Berlin auch die „Randsportart“ Leichtathletik mit den Europameisterschaften der Männer/Frauen hier zu Lande (wieder-)entdeckt. Kunststück: „König“ Fußball hatte auf der großen Bühne noch Sommerpause, und irgendwie mussten die Seiten der Zeitung ja gefüllt werden, da auch die Politik in Deutschland mit den Paralamentsferien zum allseits gefürchteten Sommerloch ihren maßgeblichen Beitrag leistete.

Landung bäuchlings von Johannes Vetter als Betriebsunfall deklariert

So ist inklusive eilfertig selbst ernannter Fachleute alles auf die einstmalige olympische Kernsportart losgelassen word
en, was sich in den Redaktionen nicht schnell genug in die Kantine verflüchtigen konnte. Unausbleibliche Folge: Der Strauß an Stilblüten wurde im Zuge der einwöchigen Berichterstattung plus gestriger Nachdreher stetig größer. Nur ein freilich besoders gravierendes Beispiel eines Pseudo-Experten der Rheinischen Post Düsseldorf, der selber einmal aktiver Wettkampfläufer gewesen ist. Er behandelte die Landung bäuchlings von Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter nach dem Abwurf allen Ernstes als Betriebsunfall. Dass der Schützling von Bundes- und Heimtrainer Boris Obergeföll geborener Henry diese besondere Abfangtechnik wie andere vor ihm von Weltrekordler Jan Zelezny aus Tschechien adaptiert hat, muss unseren fachkompetenten Lesern eigentlich nicht großartig erklärt werden.

Überschwängliche Fensterreden völlig unreflektiert übernommen

Natürlich wurden auch die überschwänglichen Fensterreden von DLV-Präsident Jürgen Kessing (hat der Verwaltungsmann überhaupt einen blassen Schimmer von der Leichtathletik?) und Chef-Trainer Cheik-Idriss Gonschinska völlig unreflektiert übernommen. Nachvollziehbar, dass die beiden nicht öffentlich die schmutzige Wäsche der wohlwollend gerechnet 40 „Rohrkrepierer“ im aufgeblähten 125-köpfigen deutschen Team waschen.
Bleibt allerdings inständig zu hoffen, dass sie das noch im stillen Kämmerlein tun werden. Zweifel sind allerdings nach all den trüben Erfahrungen der Vorjahre angebracht. Immer schön alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken. Vogel Strauß lässt schön grüßen! Fehl am Platze beim von Fördermitteln des Bundes abhängigen Hochleistungssport.
Hinweis auf einen weiteren neuen Beitrag von gestern Nachmittag im Fenster Ergebnisse.

Reine Erfolgsbilanz an Medaillen kann sich durchaus sehen lassen

Kommentar
 
Unter uns gesagt

(Berlin/Darmstadt/Krefeld, 13. August 2018) Vorausgeschickt, um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen: Per Saldo kann sich die reine Erfolgsbilanz der deutschen Leichtathleten bei den Europameisterschaften der Männer/Frauen im Berliner Olympiastadion absolut sehen lassen. Mit sechs Titeln, sieben Silber- und sechs Bronzemedaillen lag die Ausbeute sogar über der EM von vor zwei Jahren (5/4/7) im niederländischen Amsterdam. Das wiegt nicht nur nach nackten Zahlen mehr, sondern auch relativ gesehen. Denn 2016 hingen die Trauben längst nicht so hoch, da wegen der noch bevorstehen Olympischen Spiele in Rio de Janeiro viele Nationen ihre Spitzenkönner bei den kontinentalen Meisterschaften von Europa nicht an den Start gebracht haben.

Positiv: Zehn persönliche und 15 saisonale Bestleistungen

Dennoch sind die Verantwortlichen beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt sehr gut beraten, sich vom Glanz des 19-fachen Edelmetalls nicht restlos blenden zu lassen. Ehe einmal mehr der branchenübliche hausinterne Verdrängungswettbewerb stattfindet, sei an die allzu vollmundige vorherige Aussage von DLV-Cheftrainer und –Lautsprecher Cheik-Idriss Gonschinska „von einer sehr engagierten deutschen Mannschaft, die um jeden Zentimeter kämpfen wird“ erinnert. Dazu schlicht und ergreifend knallharte Fakten. Wobei wird das mit 125 Athleten/innen wie ein Heißluftballon aufgeblasene Team lediglich am eigenen Leistungsvermögen, also den Saisonbestleistungen der weiblichen und männlichen Protagonisten, gemessen haben. Dies sollte legitim und erlaubt sein. Das Positive zuerst: Es sind in der jeweiligen Stunde der Wahrheit, dabei nicht stets zwingend europäisches Spitzenniveau erreicht zu haben, insgesamt zehn persönliche Bestleistungen auf- respektive eingestellt worden. Dazu noch 15 saisonale „Hausrekorde“. Prima, keine Frage.

Ausfallquote beträgt dagegen viel zu hohe 31,25 Prozent

Aber nun zu der matten Kehrseite des siebentägigen Geschehens bei Lauf, Sprung und Stoß/Wurf. Es waren in Summe 40 (24 Männer, 16 Frauen) mehr oder minder schwere Ausfälle zu beklagen. Das ließe sich selbstverständlich mit den dazugehörigen Namen erhärten, würde jedoch viel zu lang geraten. Linear sind das schmerzliche 31,25 Prozent! Was den Schluss zulässt, dass Gonschinska bei allem von ihm berufsmäßig auszustrahlenden Optimismus ein hoffnungsloser Fantast ist. Der Mann mit einem gut dotierten Direktoren-Gehalt ist ja nicht auf den Mund gefallen. Auf der breiten rhetorischen Klaviatur hätte es noch ein paar Töne zwischen Utopie und Realitätsnähe gegeben.

Banal und fatal: Zuletzt drei tollen Tage ließen jegliche öffentliche Kritik verstummen

Beim medialen Getöse ob der zuletzt drei tollen Tage mit allein zehn der 19 Plaketten wurde dann  blitzschnell in den Chor träge machender Zufriedenheit eingestimmt. Ebenso banal wie fatal. Freitagmittag um 14.50 Uhr vor dem Medaillenrausch hatte ARD-Moderator Claus Lufen nahezu wörtlich gesagt: „Später haben wir noch die beiden erfolgreichen Hürdensprinterinnen (gemeint waren Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder, die Redaktion) zu Gast aus einer DLV-Mannschaft, für die es bisher nicht wirklich gut lief.“ Der traurige Rest (siehe oben) ist später beim Resümee einfach in Bausch und Bogen ohne jeden Anflug von auch nur leiser Kritik unter den Tisch gekehrt worden. Die zugestanden prächtigen Erfolge machten alles andere ja nicht um ein Jota besser.
Überhaupt werden sich aktive Leichtathleten unter den Lesern/Fernsehzuschauern mächtig gewundert haben, was da so von vermeintlicher geballter Fachkompetenz im analogen und digitalen Blätterwald  geschrieben stand sowie bei den Übertragungen von ARD, ZDF und EUROSPORT frei Haus ins Pantoffelkino geliefert wurde. Wenigstens hat Letzteres bis auf die etatmäßigen Gebühren nichts gekostet.

Ein Fauxpas der DLV-Geschäftsstelle mit Wiederholungscharakter

(Darmstadt/Krefeld, 14. August 2018) Wenden wir uns nach einer Woche gaaanz großer Leichtathletik der deutschen Eliteklasse und solchen, die von den Verantwortlichen dafür gehalten wurden (siehe gestrigen Kommentar) wieder den Sorgen, Beschwerden und Kümmernissen der Talente von gestern sowie vorgestern zu. Nun wird es LAMPIS-Stammbesucher nicht weiter überraschen, dass unsere Gastautoren und unser kleines, zumeist solo besetztes Redaktionsteam völlig zu Recht ein ausgesprochen ambivalentes Verhältnis zum DLV haben. Aber wie soll sich das zum Besseren wenden, Guten ist eh eine schiere Unmöglichkeit, wenn stetig neue Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten auf dem Silbertablett serviert werden? Diesmal sogar ein Fauxpas mit Wiederholungscharakter des originalgetreu selben fehlerhaften Sachverhalts! Einen neuerlichen Lapsus, wir wussten lediglich noch nicht welchen (hellsehen können wir leider nicht), haben wir praktisch vorangekündigt (siehe blau eingefärbte Verlinkung).

Alte Führungscrew in der Fußleiste noch nicht ausgetauscht

In der Einladung für das Finale der Team-DM Senioren/innen am 22.September in Baunatal stand im Brief noch die alte Führungscrew mit dem einstigen Präsidenten Clemens Prokop an der Spitze. Die ist bekanntlich seit Mitte November 2017, also fast neun Monaten, nicht mehr in Amt und Würden. Unser Gastautor, DAMM-Experte und unermüdlicher –Ranglistenersteller Dieter Krumm vom  LAC Quelle Fürth mailte daraufhin die Wettkampforganisation in der DLV-Geschäftsstelle und zur Kenntnisnahme die Vorsitzende des Bundesausschuss‘ Senioren, Margit Jungmann an.

Doch selbst die Korrektur auf „Zuruf“ missriet

Auf diesen „Zuruf“ erfolgte auch eine Korrektur. Doch die geänderte Fußleiste wurde in die Rangliste der M50 zwischen Platz drei und vier gesetzt. Dämlicher geht’s eigentlich nimmer mehr. Eigentlich. Denn bei diesem Verband mit einer Ansammlung von festangestellten Dilettanten ist absolut nichts unmöglich. Wenn es sich um ein Unternehmen im normalen Geschäftsleben handeln würde, hätte es längst den schweren, ultimativen Gang zum Konkursrichter antreten müssen.
Gut oder in diesem konkreten Falle schade, dass ein Verband nicht Pleite machen kann. Eine interessante Rechtsfrage, wer dafür gerade stehen müsste? Ein Fall für den neuen Seniorensprecher Heiko Wendorf, einen studierten Wirtschaftsjuristen aus Eisenach in Thüringen. Er liest uns regelmäßig und wird es womöglich nachliefern.

Gesa-Felicitas Krause stürmte mit brillanter Taktik zur Titelverteidigung

(Berlin/Krefeld, 13. August 2018) Ende gut, alles gut? Jein! Immerhin gab‘s beim seit Freitag einsetzenden medaillenträchtigen Endspurt der zahlenmäßig riesigen deutschen Nationalmannschaft gestern Abend beim Finale der Leichtathletik-Europameisterschaften vor rund 40.000 Zuschauern im häufig durch das Publikum bebenden Berliner Olympiastadion noch je einmal Gold und Silber. Gesa-Felicitas Krause (im Bild; Foto: EA), die Pech-Marie der vorjährigen WM in London, stürmte in einer taktisch brillanten Meisterleistung  mit einem furiosen Finish ab kurz vor dem letzten Wassergraben in der neuen Saisonbestzeit von 9:19,80 Minuten (vorher 9:33,51) zur Goldmedaille über 3.000 m Hindernis. Die überaus sympathische, aufgeweckte 26-Jährige avancierte damit zugleich als einzige aus dem seinerzeit deutschen Quintett (noch Cindy Roleder, Christina Schwanitz, David Storl und Max Heß), die ihren Titel von der EM 2016 in Amsterdam verteidigen konnte. Das verdient ebenfalls mit einem kurzen „Bravo“ zusätzlichen Respekt und Anerkennung! Durch die heimische rosarote Brille betrachtet sorgte im vorletzten Wettbewerb der einwöchigen kontinentalen Titelkämpfe in der Bundeshauptstadt die deutsche 4x100-m-Staffel der Frauen für den erfolgreichen Schlusspunkt. Das Quartett Lisa Marie Kwayie, Gina Lückenkemper, Tatjana Pinto und Rebekka Haase lief in der Saisonbestzeit von 42,23 Sekunden hinter Großbritannien (41,88) und den Niederlanden (42,15) auf den Bronzerang.  

Ein herzzerreißender Ausstand von Hammerwerferin Katrin Klaas

Begeben wir uns wieder in unser selbstbestimmtes Hauptelement von Stoß und Wurf. Wenngleich fernab von Edelmetall, bot Hammerwerferin Katrin Klaas zum Kehraus ihrer 13 Jahre lang währenden Karriere im DLV-Team eine veritable Abschiedsvorstellung und jede Menge Nervenstärke dazu. Es dauerte nämlich nach einem ungültigen Auftaktversuch ins Netz, nach folgenden 66,49m (Neunte) bis zum dritten Durchgang, ehe sie ihre Feinjustierung gefunden hatte. Mit der Jahresbestleistung von 70,66m sicherte die 34-jährige Polizeibeamtin aus Frankfurt noch das Ticket für den Endkampf. Da sattelte sie im fünften Versuch (71,50m) noch mal 84 Zentimeter drauf. Mehr ging nicht. Der letzte Wurf fand nicht den sehr schmalen Ausgang durch die Schutzvorrichtung und landete mit Schmackes abermals im Netz. Anschließend wurde diese zierliche, 1,68 Meter große und lediglich 70 Kilogramm leichte, obendrein hübsche Frau, die figürlich so gar nicht wie eine Hammerwerferin aussieht, wie der unmittelbare Anschauungsunterricht zeigte, von ihren Emotionen überwältigt. Sie brachte das nicht geschauspielerte und dennoch bühnenreife Kunststück fertig, vor Wehmut und Freude gleichzeitig zu lächeln und weinen. Schlichtweg super authentisch, diese herzzerreißende Hessin.
Und bringen wir noch die begonnene kleine Spielerei zu Ende. Speerwurf-Europameisterin Kristin Hussong behält mit 6,05 Meter den inoffiziösen Rekord, mit dem größten Vorsprung der Fraktion Stoß/Wurf gewonnen zu haben. Lediglich mit einem Meisterschaftsrekord vermochte die polnische Hammerwurf-Wallküre Anita Wlodarczyk (Vorsprung 4,16m) gleichzuziehen.

Klosterhalfen und Burkhard wussten auch ohne Medaillen zu überzeugen

Schauen wir der Chronistenpflicht entsprechend noch ein weiteres und letztes Mal in diesem Zusammenhang  über den eigenen Tellerrand hinaus. Die ausgesprochen magere, fast schon dürre Konstanze Klosterhalfen (als ihr Großvater würde ich mir ernsthafte Sorgen um sie machen) lief mit einer strammen Verbesserung der Saisonbestzeit auf 15:03,73 Minuten (bisher 15:19,93) auf Platz vier über 5.000 Meter. Undankbar war er diesmal nicht, da zu Bronze 6,1 Sekunden fehlten. Elena Burkhard drückte gar als beachtliche Sechste über 3.000 Meter Hindernis in 9:29,76 Minuten ihre persönliche Bestzeit um annähernd fünf Sekunden.

Pech gesellte sich zu fehlendem Glück und Können

Obwohl es natürlich ungeheures Pech war, passt es irgendwie zum maßlos traurigen Abschneiden der deutschen Sprinter, dass sich auf Finalkurs über 4 x 100 Meter liegend Schlussläufer Lucas Jakubczyk aus Berlin kurz nach dem Stabwechsel mit Julian Reus am linken Wadenansatz vermutlich einen Muskelriss oder –faserriss zuzog, wie vom Blitz gefällt stürzte und Reus mitriss. Beide wurden minutenlang am Ort des Geschehens behandelt. Reus gab per Handzeichen schon bald Entwarnung. Als jedoch  der schwer gezeichnete Jakubczyk hernach von Kopf bis Fuß bandagiert aus eigener Kraft den Innenraum verließ, hatte es was von „Die Mumie kehrt zurück“.
Um es hier und jetzt nicht wieder ausufern zu lassen, werden wir auf LAMPIS im Laufe des Tages noch eine Analyse veröffentlichen, verweisen vorab auf die fürwahr grandiose Internet-Präsenz des Dachverbandes European Athletics (EA). So geht es glücklicherweise eben auch. Noch ein bisschen Weihrauch in eigener Mission: Bei nach nunmehr 52 Jahren ungebrochenem Spaß an der Sache und veröffentlichten Schreibe, habe ich liebend gerne für jede Menge Text meine Tastaturfinger und angewachsene Festplatte bemüht. Und da ich mich selbstverständlich nicht für den elektronischen Schredder ins Zeug lege, sondern informieren möchte und tunlichst dabei zu unterhalten gedenke, freue ich mich sehr über die bis in die sozialen Medien schwappende ausnahmslos positive Resonanz auf meine EM-Berichterstattung.
Danke dafür und bis später!