Hubert Berger: Ein kreativer Kopf mit mannigfaltigen Talenten

(Lagerlechfeld/Krefeld, 21. Oktober 2021) Hand aufs Herz: Wer kennt selbst lieb gewordene, langjährige Sportkameraden weiblich wie männlich außerhalb der gemeinsamen Leidenschaft Senioren-Leichtathletik schon richtig? Zu welchen ein wenig tiefer schürfenden Gesprächen reicht es nach dem Wettkampf bei Kaffee und Kuchen in der Cafeteria? Selbst bei mir, der ich obendrein von meiner DNA nun einmal ein journalistisches Interesse an handelnden Personen habe, muss ich bis auf mein engstes Umfeld mit jenen, mit denen mich mehr als Kameradschaft beim gemeinsamen Hobby verbindet, passen. Hättet ihr es gewusst, welch interessante, facettenreiche Vita der erfolgreiche Diskuswerfer Hubert Berger (im Bild) vom TSV Schwabmünchen hat? Das dürfte bereits bei seinem Wohnort Lagerlechfeld im schwäbischen Landkreis Augsburg anfangen, der mit einem Fliegerhorst auch eine historische Rolle im 2.Weltkrieg spielte.

Als A-Jugendlicher bei den Profis des FC Augsburg vorgespielt

Auch diese nicht einmal kleine Geschichte kann nicht unter dem Anspruch antreten, den Menschen Hubert Berger bis in alle Winkel zu be- und auszuleuchten. Es geht schlicht um ein paar Schlaglichter dieses gestandenen Mannsbildes für nicht alle, aber doch viele Fälle. Ein bisschen Privates vorweg: Der inzwischen 67-jährige umtriebige Macher misst 1,85 Meter, bringt austrainiert 88 Kilogramm auf die Waage, ist verheiratet, hat einen 35-jährigen Sohn und eine Schwiegertochter. Aber (noch) kein Enkelkind. Er kann aber als Großonkel eines Zöglings im Babyalter schon mal ein bisschen Opa üben. Was später noch eine Rolle spielen wird. Beruflich machte er eine Ausbildung als Werkzeugmacher für die Autoindustrie. Bei seinem außer der Leichtathletik auch fußballerischen Talent wäre es fast dort gelandet, spielte als A-Jugendlicher bei den Profis des FC Augsburg vor. Inzwischen ist bekannt, dass das von den Initialen leibhaftige HB-Männchen seiner ersten sportlichen Liebe treu geblieben ist, neben des Gewinns vieler nationaler Titel, auch im Wurf-Fünfkampf, zweimal Senioren-Weltmeister wurde.

Leipziger Buchmesse 2013 hat ihn fasziniert und berauscht
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Das sah, zwangsläufig im Zeitraffer beschrieben, bei seinem Erwerb für das tägliche Brot ganz anders aus. Er hat(te) einen großen Hang zum Geschichtenschreiber, wie er es selber bescheiden in symphatischer Untertreibung anstelle von Autor oder Schriftsteller nennt, gründete einen Sportverlag, gab zunächst Bücher für Dritte heraus. Mit einem Ausstellungsstand auf der Leipziger Buchmesse 2013 erfüllte er sich einen Jugendtraum, stellte dort vier gebundene Werke vor und hielt Lesestunden für einen erlauchten Kreis von Managern von DAX-Unternehmen. „Die gesamte Atmosphäre und das Fluidum der Messe hat mich fasziniert und regelrecht berauscht“, erinnert sich Hubert  noch acht Jahre später.

Autobiografischer Roman "Das Schweigen der Hämmer" zum Einstieg

Allen Anschein nach auch inspiriert. Damals noch unter dem doppelsinnigen Pseudonym Theo Retisch gab er im Februar 2015 im eigenen Verlag sein Erstlingswerk heraus, einen Roman mit autobiografischen Zügen „Doping – oder das Schweigen der Hämmer“. Nicht theoretisch, sondern praktisch beteiligte sich der Deutsche Junioren-Meister im Diskuswurf seinerzeit nicht an der Schluckerei verbotener, damals noch im Training und Wettkampf unkontrollierter Substanzen. Damit sägte er sich selbst die Karriereleiter ab. Da ich diese Phase als Späteinsteiger in die Leichtathletik ebenfalls als Verweigerer hautnah erlebt habe, galt in der Szene der Spruch „No dope, no hope“.

Eine kleine Fahrrad-Manufaktur als zweites berufliches Standbein

Und noch mal ein radikaler Schnitt. Seine mannigfaltigen Talente lenkte der Amateur-Leichtathlet gebliebene Schwabe mit dem klassischen dreifaltigen Attribut „Haus gebaut, Baum gepflanzt, Sohn gezeugt" (die Reihenfolge ist uns nicht überliefert) in andere Bahnen. Für ein weiteres berufliches Standbein, einer kleinen Fahrrad-Manufaktur mit maßgeschneiderten Rädern unter dem Namen „Berger Bike“, kam ihm sein Ausbildungsberuf zustatten. Fertigen lässt er nach seinen Entwürfen bei einer Firma in Münster, die während Corona nicht schnell genug mit der Auftragsabwicklung nachkam und immer noch kommt.

Babygraphie: Als Großonkel in die Rolle eines Säuglings geschlüpft

Doch der kreative Denker und Dichter brauchte noch mehr Beschäftigung. Und damit wären wir beim eigentlichen, gestern angekündigten Thema passend zur Frankfurter Buchmesse und dem Großonkel. Mit seinem jüngsten, seinem mittlerweile achten Kopf- und Handwerk auf bedrucktem Papier schrieb Hubert B. aus L. eine Babygraphie mit dem Titel: „Luis – ,Das erste ist das Schwerste‘ – Die ersten zwölf Monate aus der Sicht eines Neugeborenen“.
Richtiger: Wie sich der Autor nach seinen gleichwohl intensiven Beobachtungen die Sicht seines Großneffen vorstellt. Er zitiert jenen Luis in der Anreißmeldung auf der Rückseite des Buchcovers: „Nur weil ich nicht sprechen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich euch nicht verstehe.“ Und weiter lautet es werberisch für diese Lektüre zu überschaubaren 7,99 Euro: Ein „Muss“ für alle Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, die wissen wollen, wie viele Missverständnisse das tägliche Leben eines unterschätzten Babys bereithält und die selbst zum „Baby-Versteher“ werden wollen.
Da ich es gelesen habe, wie vier weitere Bücher aus der unterhaltsamen, amüsanten „Feder“ meines Sportkameraden mit derselben Neigung der Schreiberei, kann ich versichern, dass es auch für allen anderen ein kurzweiliges Lesevergnügen auf 199 Seiten ist.
Mehr davon vom Geschichtenschreiber Hubert Berger beim Verlag Book on Demand.