Mit kühlem Kopf und heißen Herzen lief "Coco" Klosterhalfen zu Bronze

(Doha//Krefeld, 06. Oktober 2019) Viel Licht verbreiteten, aber auch einen langen Schatten warfen die deutschen Leichtathleten gestern am vorletzten Tag der Weltmeisterschaften in Doha unter Beteiligung an drei Vorentscheidungen und zwei Finals. Dabei bewahrte Mittel- und Langstrecklerin Konstanze Klosterhalfen vom TSV Bayer 04 Leverkusen bei dem auf ihre Person eingeströmten Trubel kühlen Kopf und ein heißes Kämpferherz. Die 22-Jährige sorgte als Dritte im 5.000-m-Endlauf mit Bronze in 14:28,43 Minuten, nahe ihrem deutschen Rekord (14:26,76), für metallenen Glanz, brach als beste Europäerin und weißhäutige Läuferin in die scheinbar schier übermächtige Phalanx aus Kenia und Äthiopien ein. In einem steten Steigerungslauf einer Art Ausscheidungsrennen bei zuletzt rasantem Tempo ging die sich ohne eigene Führungsarbeit zu leisten taktisch sehr klug verhaltende Wahl-Leverkusenerin jede  Verschärfung ungerührt mit. Erst in einem begeisternden Tribünenspurt auf der Zielgeraden mussten sie zwei afrikanischen Gegnerinnen den Vortritt lassen. Eine grandiose Darbietung von „Coco“, wie sie im Freundeskreis genannt wird.

Nach Teil-Debakel in der Qualifikation Speerwurf-Quartett halbiert
 
Und nun zur matten, nicht ihrer Seite der Medaille. Das hoch vorgewettete DLV-Quartett im Speerwurf der Männer wurde in der Qualifikation (84m) halbiert und zieht nur noch als Duo ins heutige Finale ein. Titelverteidiger Johannes Vetter (LG Offenburg) mit der Tagesbestweite von 89,35m und Julian Weber (84,20) vom USC Mainz mit geschenktem Startplatz vom außer Form geratenen Bernhard Seifert (SBL 89,06m) vom SC Potsdam entledigten sich der Aufgabe souverän gleich im ersten Versuch. Was dagegen Europameister Andreas Hofmann (MTG Mannheim) und Olympiasieger Thomas Röhler (LC Jena) in der zweiten Gruppe ablieferten, spottete jeder Beschreibung und ähnelte stark einer Bankrotterklärung, dass der Betrachter des Live-Streams im Internet seinen Augen nicht zu trauen glaubte. Hofmann (SBL 89,65m) wurde in Summe 20. mit 80,06m, Röhler (SBL 86,99m) mit 79,23m 23. des 31-köpfigen Feldes. Daraus schafften lediglich sieben die geforderte Weite, wurde bis Platz zwölf abwärts zwischen 83,86 und 82,26m aufgefüllt. Auch davon waren sie reichlich entfernt. Zurück bleibt Rat- und Fassungslosigkeit. Nicht allein bei den selbstverständlich restlos enttäuschten und niedergeschlagenen „Gestrandeten“ mit dem Germany-Trikot.

Maleika Mihambo mit einem Sicherheitssprung 6,98m weit

Eine blitzsaubere Pflicht legte standesgemäß als Weltjahresbeste Weitspringerin Maleika Mihambo (LG Kurpfalz) hin. Mit einem Sicherheitssprung drei Zentimeter vor dem Balken landete sie nach 6,98m in der Grube und zeigte der mitqualifizierten Konkurrenz wie hoch heute ab 18.15 Uhr im Khalifa International Stadium unter Labor-Bedingungen (kein Wind stört den Anlauf) die Trauben oder landesgemäß die Feigen hängen werden. Wenn die taffe, in sich ruhende 25-Jährige mal so richtig das Brett und den Absprung trifft, dürfte ihr Hausrekord von 7,16m Makulatur sein. Aber ohne gleich zu unken, wollen wir es andererseits auch nicht verschreien. Die Kür beginnt auch für sie bei null.
Cindy Rohleder vom SV Halle zog als Zweite des vierten Vorlaufes über 100m Hürden in der Saisonbestzeit von 12,76 Sekunden in eines der heutigen Drittelfinals ein. Derweil blieb der gestrige Schlussakt der 4x100-m-Staffel der Frauen (Kwayie, Kwadwo, Wessoly, Lückenkemper)  vorbehalten. Mit 42,82 Sekunden ins Finale geduselt, rannten die vier Damen diesmal vom Ungemach Chinas (VL 42,36) profitierend als Fünfte 42,48. Das ist von der Zeit unstreitig ein Fortschritt. Was dem Quartett um Schwadroneurin Gina Lückenkemper und im Idealfall auch einigen Offiziellen beim DLV zu denken geben sollte, dass die beschauliche, vorwiegende Wintersport-Nation Schweiz mit Landesrekord von 42,18 drei Zehntel schneller auf Rang vier einlief.  

Slapstick-Einlage der chinesischen Sprintstaffel

Aber noch ein Schmonzette, die sich nicht treffend schildern lässt, sondern man(n)/frau sie besser gesehen haben sollte. Nach verhauenem letzten Wechsel versuchten die Chinesinnen zu retten, was nicht mehr zu retten war. Beide zurück zur Wechselmarke. Aber wo befand die sich bloß? Dann konnten sie sich nicht über die Position der Standübergabe einigen. Als Krönung hat nur noch gefehlt, dass die dritte Läuferin auch noch den Schlusspart übernommen hätte. Schließlich kamen sie irgendwann nach über einer Minute noch ins Ziel. Den achten Platz für die eh überflüssige Nationenwertung konnten sie mit ihrer erheiternden Slapstick-Einlage allerdings nicht verbuchen, wurden letztlich disqualifiziert. Eine Gardinenpredigt der Offiziellen wird bestenfalls vermutlich die Folge sein.
Als bekennender Kugelstoßer der lupenreinen Amateurklasse unter 100 Kilo Lebendgewicht mit 1.160 Wettkämpfen in rund einem halben Jahrhundert habe ich mir mit sehr gemischten gefühlten das Finale der zwölf Kolosse bis 155kg Körpergewicht angeschaut. Was mag bei denen so alles auf dem Speiseplan stehen? Dabei lasse ich es indes bewenden, ehe ich mir noch die Tastaturfinger verbrenne. – Jede Menge mehr Informationen unter www.iaaf.org.