Verein Deutsche Sprache kürt den Sprachpanscher des Jahres 2018

Kolumne

Moment mal

(Dortmund/Krefeld, 13. Juli 2018)
Hoffentlich sind alle Abergläubischen am heutigen Freitag, den 13. mit dem richtigen Bein vorweg aus dem Bett aufgestanden. Allerdings erfordert es bei Paaren jedweder Couleur schon gewisser artistischer Fertigkeiten, auf der linken Seite des Doppelbettes zu schlafen und mit dem rechten Bein voran aufzustehen. Oder umgekehrt. Aber das ist nicht unser eigentliches Thema des Tages, könnte indes mit „Pech gehabt“ noch Bedeutung erlangen. Denn: Alljährlich wählen die rund 35.000 Mitglieder vom Verein Deutsche Sprache (VDS) mit Sitz in Dortmund den „Sprachpanscher des Jahres“. Dabei errang auf Vorschlag von LAMPIS der DLV mit seinem Anglizismus-Schwachsinn und unsäglichem Denglisch-Misch-Masch 2015 einen unrühmlichen zweiten Platz. Obwohl er davon in seiner tumben Einfältigkeit nicht ablässt, gehört er diesmal nicht zu den fünf Nominierten.

DFB als größter Sportverband der Welt unter den fünf Nominierten

Das sind als herausragende sprachliche Kulturverleugner: 1) Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für seine WM-Parolen „BEST NEVER REST und „UNITED BY FOOTBALL“. Die DFB-Elf landete bekanntlich nach der Vorrunde verdientermaßen auf der Resterampe und ist derzeit damit beschäftigt, den großen Scherbenhaufen zusammenzukehren. 2) Der Lebensmittel-Discounter Lidl, der in seinen deutschen Filialen mit palettenweise peinlichem Angeberdenglisch „Mum’s fashion, color is beautiful, you’ve got the power“ wirbt. 3) C & A gibt sich als Textilverkäufer völlig losgelöst mit „Hello sunshine/hello smile“,
Sisterlove/Swing into Spring“, „Wear the change“. 4) Bei der Landeszentrale für politische Bildung Niedersachsen tragen von drei aktuellen Projekten alle drei englische Bezeichnungen: „Spot on. Demokratie auf der Spur“, „Map the gap“ und „Let’s play Germany“. Gewissermaßen „Germany“ als Bundesstaat der USA. 5) Der Leitspruch „Ingenuity for Life“ der Siemens AG soll wohl an den Erfindergeist von Werner von Siemens erinnern, der sich ob solch sprachlicher Klimmzüge höchstwahrscheinlich nur geschämt hätte.

Reihenfolge ist keine Rangfolge

Die Reihenfolge ist selbstverständlich keine Rangfolge. Als ehedem Vorschlagender mit späterer vorderer Platzierung des auserkorenen DLV habe ich mit der jüngsten Ausgabe des VDS-Magazins „Sprachnachrichten“ auch einen Stimmzettel erhalten. Natürlich verrate ich jetzt an dieser Stelle nicht, für wen ich votiere. Nur so viel, dass ich aufgrund meiner Affinität zur herrlichsten Nebensache dieser stetig schnöder werdenden Welt sportlich wählen werde...