Sportlich Weltreisende Ilse Pleuger tritt ihre ultimativ letzte Reise an

(Kiel/Krefeld, 23. September 2020) Ohne darüber Buch zu führen, schreibe und veröffentliche ich gefühlt mehr Nachrufe über bekannte (Senioren-)Leichtathleten, als Laudationen runder Geburtstage im fortgeschrittenen Alter in diesem Bereich. Dieser Einstieg verheißt es bereits, um was es geht. Kugelstoßerin und Diskuswerferin Ilse Pleuger (*19.November 1923 in Kiel) ist vergangenen Samstag in ihrer Geburtsstadt an der „Waterkant“ fast 97-jährig im Beisein ihrer beiden Töchter friedlich für immer eingeschlafen. Fraglos ein strammes Alter, dazu bei ihr in einem auch sportlich erfüllten, nun einmal für alle endlichen Leben. Und doch ist es speziell für die Angehörigen stets zu früh, wenn ein geliebter Mensch gehen muss. Die Verstorbene (im Bild) war bereits seit 1997 Witwe, hinterlässt in direkter Linie zwei sehr erwachsene Kinder im Alter von 70 und 66 Jahren.

Eine der fünf Hauptpersonen im Dokumentarfilm „Herbstgold“
 
Selbst bei wesentlich jüngeren Generationen wird es bei dem Namen Ilse Pleuger klingeln. Sie war eine der fünf Protagonisten zwischen Achtzig und Hundert aus der Leichtathletik in dem viel beachteten, mehrfach auf Festivals preisgekrönten und mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ versehenen 94-minütigen Dokumentarfilm „Herbstgold“ von Regisseur und Drehbuch-Autor Jan Tenhaven. Er feierte seine Weltpremiere am 04.Mai 2010 im kanadischen Toronto. Manche unserer Leser werden ihn entweder im Kino oder irgendwann später beim NDR, WDR oder auf dem Kulturkanal Arte (sie waren Co-Produzenten) gesehen haben. Jedenfalls haben wir auf LAMPIS seinerzeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Werbetrommel gerührt. Denn seriöse Beiträge über Senioren-Sportler, dazu in dieser Ausführlichkeit von Spielfilmlänge, waren damals mehr die Ausnahme als die Regel.

Verbriefter O-Ton: „Mit der Murmel stoße ich nicht“

Als 52 Jahre lang (1966 – 2018) aktiver Kugelstoßer hatte ich das große Vergnügen der sehr aufgeweckten, aufgeschlossenen und außerordentlich amüsant plaudernden Sportkameradin bei nationalen wie internationalen Wettkämpfen persönlich zu begegnen. Als für das obere weibliche Alterssegment die 2-Kilo-Kugel eingeführt wurde, sagte sie bei irgendeiner Gelegenheit zu mir: „Mit der Murmel stoße ich nicht. Das hat mit Kugelstoßen nichts mehr zu tun.“ Sprach‘s und hielt sich konsequent daran, so manche Titel und Medaillen in den Wind schießend. Ein ausführliches Porträt mit Foto und Statistikteil hat Bernd Rehpenning dem nunmehr erloschenen Nordlicht mit der zwischenzeitlichen Wahlheimat Duisburg auf seinem Internet-Portal results-model2010 gewidmet.
Wann oder wo die ehedem Weltreisende in Sachen Sport ihre ultimativ letzte Reise antreten wird, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.