Thomas Bach und das IOC trafen höchst umstrittene Entscheidung

Kolumne

Moment mal

(Lausanne/Tokio/Krefeld, 23. März 2020)
„Eier, wir brauchen Eier – Sie wissen was das heißt“, sagte dereinst Torwart-Titan Oliver Kahn im November 2003 nach der 0:2-Niederlage des FC Bayern gegen den FC Schalke 04 auf die Frage von Kommentator Tom Bartels. Da ausnahmslos Männer auf dem Platz standen, darf getrost davon ausgegangen werden, dass sie darüber körperlich in Wirklichkeit verfüg(t)en. Der Spruch war also symbolisch zu verstehen, stand für Mut, Mumm und unerschütterliches Selbstbewusstsein. Selten zuvor traf dieses berühmt gewordene Zitat so zu wie in den heutigen schweren Zeiten der die Welt erschütternden Corona-Pandemie. Und da gibt es fürwahr Elementareres als die vermeintlich herrlichste Nebensache auf diesem besch… Globus, die da Sport genannt wird.

Nicht das Ohr an den Spitzensportlern aus aller Welt

Der momentane Vordenker des hehren olympischen Gedankens hat es allem Anschein immer noch nicht begriffen. IOC-Präsident Thomas Bach eiert bar der symbolischen Eier weiter herum. Der 66-jährige Jurist und das von ihm geführte bis zu 115-köpfige Komitee der Gralshüter mit Feudalsitz im schweizerischen Lausanne am Genfersee haben sich gestern noch eine vierwöchige Bedenkzeit gegeben, ob sie für eine Verlegung der Olympischen Spiele vom 24.Juli bis 09. August 2020 in Tokio votieren sollen. Als ob sich das wirklich noch in ihren Händen hätten? Bloße Zeitschinderei und sonst nix! Das Ohr an den männlichen und weiblichen Athleten haben sie ganz offensichtlich nicht. Spitzensportler aus der ganzen Welt sprechen sich dafür aus, die Spiele in das nächste oder übernächste Jahr zu verlegen. Was bei der Olympiade, eben dem Vier-Jahres-Zyklus, auch leicht machbar wäre.

Eine gezielte Olympia-Vorbereitung nicht mehr möglich

Denn sie argumentieren völlig zu Recht, dass eine gezielte Vorbereitung bereits jetzt nicht mehr gewährleistet sei. Hinzu kommt die vollkommen unsichere Situation, ob die Pandemie bis dahin flächendeckend abgeklungen sein wird. Virologen gehen vielmehr davon aus, dass sie uns alle noch bis in den Sommer hinein im Würgegriff haben wird. Angeblich rund 80 Prozent harmlose Verläufe hin oder her. Das ändert jedoch nichts an den vernünftigen vorherrschenden restrektiven Einschränkungen jedweder Art.
Die Japaner selber, in deren Land wie fast überall der Kulminationspunkt dieser Seuche nicht mal erreicht ist, haben offenbar den Knall noch nicht gehört. Sie pilgerten am vorigen Samstag mit mehr als 50.000 Menschen zur Übergabe des Olympischen Feuers auf den Bahnhof von Sendai (siehe Link). Sorgloser und leichtfertiger geht’s nimmer mehr. Spätestens da hätte den IOC-Oberen ein Licht aufgehen müssen, ehe sie gestern ihre von Unzähligen nicht nachvollziehbare Entscheidung getroffen haben.