Verbannung: Russische Masters-Leichtathleten haben keine Lobby

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Monte Carlo/Freudenstadt/Rehlingen/Krefeld, 02. Dezember 2017)
Wo bleibt Ihr Einsatz, Frau Jungmann, Herr Kaschke?
„Kollektivstrafen sind das Letzte und ein Zeichen der eigenen Unfähigkeit“, soll dereinst ein französischer Politiker zum Zeitpunkt des umfangreichsten Ost-West-Konflikts gesagt haben. Die Politiker im Osten hat’s nicht gestört, die Bevölkerung dort aber vehement getroffen. Nicht anders sieht es derzeit mit der Bann-Entscheidung des eh seit geraumer Zeit arg ins Gerede gekommenen Weltverbandes IAAF aus, alle russischen Leichtathleten von internationalen Meisterschaften und Spielen auszuschließen. Mit dem Feigenblatt versehen, wenn „Sauberkeit“ nachgewiesen werden kann. Nach wie vor ist ein Staatsdoping in Russland nicht bewiesen, und der uralte Grundsatz „in dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten/Unschuldsvermutung) sollte auch den hohen Herren in der Glücksspielzentrale Monte Carlo bekannt sein.

Unschuldsvermutung wird außer Kraft gesetzt

Genau die Unschuldsvermutung trifft bei den russischen Masters zu. Sie gehören nicht zum „Kontroll-Pool“, haben nicht die Spur einer Chance ihre Sauberkeit nachzuweisen/zu beweisen. Sie, die russischen Masters, aber werden vom Kollektiv-Bannstrahl der IAAF getroffen und sind  mithin ebenfalls von internationalen Großereignissen ihrer Zunft ausgeschlossen. Und was machen die beiden globalen und kontinentalen Dachorganisation WMA und EMA? Das, was am Besten beherrschen: Nichts!
Im Gegenteil: Reisekönig Kurt Kaschke (im Bild) aus Freudenstadt, dessentwegen eine Umbenennung in EMMA ( =
European Miles and More Association) geboten erschiene, konnte 2015 nicht schnell genug im vorauseilenden Gehorsam die Suspendierung der Russen verkünden, zeitlich noch vor der WMA. Denn wenn‘s um Verlautbarungen anderer geht, kann er, der ungekrönte Delegierungs-Weltmeister, ganz fix sein (sonst nicht sein Ding), da er ja keine Verantwortung dafür zu übernehmen braucht. Unlängst war er wieder vorschnell dabei, bis ihn dann die Realität einholte und Russen bei den „Baltic Open“ in Estland an den Start gingen (wir berichteten mehrfach). Seither ist der Schwarzwald in Nebel gehüllt, versucht K.K. alles unter den Teppich zu kehren.

Was du nicht willst, füge auch keinem Dritten zu

Warum kein Einsatz pro russische Masters, Herr Kaschke? Sie, die russischen Masters haben bekanntlich keine Chance ihre Lauterkeit zu beweisen. Warum keine Ausnahme pro Russen, zumal die Masters bei der IAAF ja doch keine Rolle (mehr) spielen? Und wo bleibt die WMA-Vize Margit Jungmann (im Bild) aus Rehlingen? Sie könnte sich doch mit ihrem Bruder im Geiste kurzschließen und endlich auch mal etwas Produktives auf den Markt bringen. Zudem stelle man sich vor, wenn die IAAF 2005, dem Jahr des deutschen Super-GAUs bei den Senioren (DAMM in Lübeck mit 50% positiver Dopingfälle bei vier Kontrollen) die Reißleine gezogen hätte und die deutschen Masters kollektiv ausgeschlossen hätte. Zumal der seinerzeitige DLV-Präsident Clemens Prokop vor dem höchsten politischen Sportgremium in Berlin, voreilig und völlig desinformiert, bekannt machte, dass 80 % der deutschen Senioren gedopt seien.
Jungmann und Kaschke bleiben indes ihrer Linie treu, verharren in Stillschweigen. Denn wer nicht die Stimme erhebt um Stimmung zu machen, kann sich selbst im Zweifelsfalle auch nicht den Mund verbrennen.