Nur einer kam durch: Johannes Vetter gewann WM-Titel im Speerwurf

Mein WM-Logbuch

(London/Krefeld, 13. August 2017)
Anders als bei den allzu wenigen Germanen/innen gibt es querbeet die Athleten/innen, die zum absoluten Saisonhöhepunkt in Bestform sind. Dazu bedarf es lediglich eines Blickes in die Ergebnislisten dieser Weltmeisterschaften in London mit den vielen SB und PB’s hinter den Leistungen. Gleich zwei von Weltrekordler (98,48m) Jan Zelezný trainierte Tschechen verdarben gestern Abend vor abermals 60.000 Zuschauern im ausverkauften Haus auf diese Weise den ohnehin allzu kühnen Traum von einem lupenreinen deutschen Podest der Speerwerfer, die bis dahin als Triumvirat die Weltjahresbestenliste anführten. Doch einer kam durch. Der Klassenprimus (94,44m) Johannes Vetter gewann in einem „Start-Ziel-Sieg“ mit der griffigen Weite von 89,89m und einem hauchdünnen Vorsprung von 16 Zentimetern oder gerade mal einem Unterschied von 0,178 Prozent den WM-Titel. Noch knapper verpasste der im letzten Durchgang vom Bronze-Platz verdrängte Thomas Röhler mit 88,26 zu 88,32m Edelmetall. Die Tschechen als Spielverderber. So ist sie, die herrlichste Nebensache der Welt. Es wäre ja auch stinklangweilig, wenn immer alles nach der Papierform abliefe. Die gestrauchelten Favoriten werden das freilich anders sehen.
Keine Hauptrolle bei der Entscheidungsfindung war in dem hochklassigen Wettbewerb dem Dritten im schwarz-rot-goldenen Bunde beschieden. Andreas Hofmann schaffte es mit 83,76m im zweiten Versuch so gerade ins Finale der besten Acht. Da verlieb der Kraftprotz auch, wenngleich er bis zur letzten Patrone kämpfte und im finalen sechsten Durchgang noch einmal 22 Zentimeter zulegte.

Ab zum Neurologen: „Hirntote“ Zeitplan-Verunstalter und ZDF-Programmplaner

Für ein kapitales Ärgernis sorgte der „hirntote“ Zeitplan-Verunstalter der IAAF, dessen Namen uns leider nicht bekannt ist. Er brachte das an Genialität kaum zu überbietende Kunststück fertig (erkenne sie, die Ironie!), das 5.000-m-Finale mit dem arroganten britischen Volkshelden Mo Farah, der zur Enttäuschung der Massen letztlich „nur“ Zweiter wurde, fünf Minuten nach dem Speerwurf beginnen zu lassen. Also kreuzten die Rundendreher zwölfmal den Anlauf der Speerwerfer und umgekehrt. Aber selbstverständlich mussten die Langstreckler nie für die Techniker inne halten. Dabei war es zum Glück einen Bummelrennen, sodass sich das 14köpfige Feld nicht weit auseinander zog. Dennoch: Despektierlicher kann bei dieser in Stein gemeißelten uralten „Regel“ Lauf vor Sprung und Wurf die letztgenannte Spezies nicht behandelt werden. Abgesehen von der gestörten Konzentration wurde ihr auch eine größere Aufmerksamkeit des Publikums verwehrt. Gleich mit zum Neurologen oder besser direkt in die
Klapsmühle" kann der Programmplaner des ZDF, mit dem man angeblich besser sieht, geschickt werden. Der ließ während des Speerwurf-Finales für geschlagene 15 Minuten zum „Heute-Journal“ schalten. Eine dramaturgische Glanzleistung (siehe oben). EUROSPORT war keine Alternative, da sie nicht über eigene Kameras verfügen und auf das von der BBC gelieferte internationale Bild angewiesen sind. Und die hielten natürlich immer hübsch auf den 5.000-m-Lauf mit ihrem aus Somalia stammenden, nicht unumstrittenen Exil-Briten, der sich latenter, bislang unbewiesener Doping-Vorwürfe ausgesetzt sieht.

Pamela Dutkiewicz stürmte mit Konstanz zu Bronze

Eigentlich habe ich keine realistische Chance, aber dafür werde ich alles geben. Das könnte das Motto der ausgesprochen gut aussehenden und sich bei Interviews glänzend „verkaufenden“ Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz gewesen sein. Die noch 25-jährige Wahl-Wattenscheiderin stürmte in verblüffender Konstanz über 12,74 und 12,71 in 12,72 Sekunden zu Bronze über 100 m Hürden, sprang mithin glänzend für die verletzte Cindy Roleder in die Bresche. Sie räumte frank und frei ein, von einer Medaille nicht einmal geträumt zu haben. Der Final-Einzug sei ihr erklärtes Ziel gewesen.
Plastischer dürften dagegen die Medaillenträume der beiden deutschen Zehnkämpfer gewesen sein. Denn sie übernachteten nach dem ersten Tag auf den Plätzen zwei und drei. Und da sie sich im zweiten Abschnitt des Zwei-Tage-Werkes keine Blöße mehr gaben, durften Rico Freimuth (2. mit 8.564 Punkten) und Kai Kazmirek (3. mit 8.488 P./SB) zusammen mit dem erfolgreichen Franzosen Kevin Mayer (8.768 P./WJB) sowie den anderen verbliebenen „Königen der Athleten“ des stark dezimierten ursprünglichen Feldes (14 Ausfälle, darunter Mathias Brugger) auf die verdiente Ehrenrunde gehen.

Kein weiteres Edelmetall am Schlusstag in Sicht
 
Ende gut, alles gut aus deutscher Sicht? Eher nicht! Wobei noch der heutige Schlusstag aussteht. Aber da ist bei realistischer Einschätzung in den Konkurrenzen mit Beteiligung heimischer Athleten/innen kein Edelmetall zu erwarten. Es sei denn irgendeine/r würde über sich sinnbildlich hinauswachsen. Schön wär’s.