Ein "kleines Luzerner Internationales" speziell für die Masters

(Luzern/Krefeld, 22. Juli 2020) Normalerweise finden in den Sommermonaten aufgrund der Hauptferienzeit kaum Wettkämpfe statt. Diesmal ist es anders. Monatelang lag wegen der Corona-Krise das Wettkampfgeschehen darnieder. Jetzt, wo wir uns langsam und vorsichtig aus dem „Lockdown“ wagen, suchen wir nach Startgelegenheiten. Besser noch: wir schaffen gleich selbst welche! So fanden auf der Luzerner Allmend am 3.Juli als Ersatz für „Spitzenleichtathletik“ das „Einladungsmeeting“ von swiss athletics und am 4.Juli ein internes Meeting statt. Da wollten die Masters des LC Luzern (LCL) nicht hintanstehen, sondern versuchten mit ihren Mitteln ein kleines Meeting auf die Beine zu stellen. Daraus wurde nun „Das kleine Luzerner Internationale“!

Je zehn Senioren/innen aus sechs Nationen und zwei Kontinenten am Start

Nun wird in der Leichtathletik vorwiegend Englisch gesprochen, und darum nenne ich den Anlass „International Lucerne Masters throws pentathlon". Zehn Männer sowie zehn Frauen aus sechs Nationen und zwei Kontinenten trafen sich am vorigen Samstag, 18. Juli, auf den Wurfanlagen des Stadions Allmend in Luzern. Das Kampfgericht bestand mehrheitlich aus verschiedenen  Trainingsgruppen des LCL  Als swiss-athletics-Schiedsrichter amtete Wurfspezialist Eric Bohner aus Bern. Corona-Vorschriften und wunderschönes Wetter begleiteten die zwanzig Protagonisten in ihren je fünf Disziplinen auf den Wurfanlagen, die hervorragende Leistungen gewohnt sind. Es sei in diesem Zusammenhang nur an Johannes Vetters weite Speerwürfe, aber auch an Nicole Zihlmanns Schweizer Hammerwurf-Rekord bei Spitzenleichtathletik 2017 respektive 2018 erinnert.

Marianne Maier kann auch Wurf-Fünfkampf

Der Sieg in der klassenübergreifenden „All-Star-Wertung“ ging bei den Seniorinnen mit 4.197 Punkten an Marianne Maier (*1942/W75) aus Österreich und bei den Senioren mit 3.707 Punkten an den Italiener Lorenzo Locati (*1955/M65) aus Monza, der zudem Mitglied beim gastgebenden Klub ist. Den Lesern vom Fach muss nicht großartig erklärt werden, dass die „Maierin“ zu eine der weltbesten Master-Leichtathletinnen aller Zeiten gehört. Sie ist mehrfache Welt- und Europameisterin, Welt- und Europarekordhalterin, vornehmlich im Siebenkampf, über die Hürden und im Kugelstoßen. Da es sich hier ausschließlich um Stoß und Wurf handelte, erzielte sie ihre herausragende Leistung folgerichtig in ihrer neuen Paradedisziplin Kugelstoßen. In Zahlen: 11,64m brachten der 77-jährigen Vorarlbergerin satte 1.289 Punkte ein.

Ein Wettbewerb ist kein Wunschkonzert

Dass ein Wettbewerb kein Wunschkonzert darstellt, musste W55-Hammerwurf-Europarekordlerin Connie Hodel (*1963/W55) vom TV Olten/CH erfahren, die im Gewichtwurf patzte und sich so ein ordentliches Gesamtresultat verbaute. Der mehrmaligen Masters Welt- und Europameisterin Mägy Duss (*1958/M60) gelang hingegen ein vielversprechender Wettkampf. Obwohl sich die Lokalmatadorin mit Verletzungen herumplagt, wurde sie hinter ihrer Landsfrau Margaritha Dähler-Stettler (*1947/W70) aus Bern bei 3.517 zu 3.696 Punkten Dritte.
Nach getanem fünfteiligen Werk genossen noch alle eine Pizza von der Accademia, wünschten und versprachen sich ein Wiedersehen bei der nächsten Auflage dieses Vielseitigkeitswettbewerbs der Fraktion Stoß/Wurf.

Diskuswerfer Helmut Maryniak warf mit 54,61m Weltjahresbestweite

(Erding/Krefeld, 21. Juli 2020) Auf konstant hoher Leistungsstufe dreht sich weiterhin Diskuswurf-Spezialist Helmut Maryniak (im Bild) vom LAC Passau durch den Ring. Der 52-Jährige übertraf beim Meeting „Auf geht’s“ in Erding als Alleinunterhalter der M50 in einer recht stabilen Serie von vier gültigen Versuchen im fünften Durchgang mit 54,61m seine vorherige Saisonbestleistung (54,08m) von der Winterwurf-DM 2020 in Erfurt um 53 Zentimeter. Nicht nur das. Mit dieser Steigerung eroberte sich der Niederbayer zugleich die Weltjahresbestleistung vom US-Amerikaner Eric Cole zurück, der ihn zwischenzeitlich mit 54,40m übertroffen hatte. „Glücklicherweise finde ich langsam wieder in den Wettkampfmodus und die Automatismen zurück“, meinte er. „Ich hoffe, dass jetzt der Knoten geplatzt ist und noch ein bisschen was kommt.“ Das nennt sich dann wohl jammern auf prächtigem Niveau.
Gleichwohl mutmaßen wir, da er sich buchstäblich an der Quelle befand, dass er sich nach getanem erfolgreichem Werk ein „Erdinger Weißbier“ gegönnt hat. Natürlich alkoholfrei. Schließlich hatte er noch eine rund 160 Kilometer lange Heimfahrt vor sich.
Den großen Wust an weiteren Ergebnissen vom vergangenen Wochenende überantworten wird der Datenbank von ladv.de.

Julia Ritter kam mit 17,76m gestärkt aus der Zwangspause zurück

(Neustädt/Krefeld, 14. Juni 2020) Wenngleich sein dereinst hell strahlender Stern sich seit geraumer Zeit im Sinkflug befindet, ist der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl (*1990) aus Leipzig normalerweise nicht zum Nulltarif zu haben. Die Corona-bedingte Zwangspause und der in Absprache mit Organisator Heiko Wendorf zum Auftakt einer Dreier-Serie daraus einen Kader-Wettkampf etablierende Bundestrainer Sven Lang machten es gestern beim 4.Neustädter Kugel-Cup in dem Thüringer 300-Seelen-Dorf möglich. Das – vorgefertigte – Banner auf der ambulanten Anlage am Angelheim „Weltklasse im Kugelstoßen“ war allerdings spätestens nach der verletzungsbedingten, kurzfristen Absage von 22,22-m-Drehstoßer Bob Bertemes aus Luxembourg Makulatur. Storl gehört jedenfalls nicht mehr oder, netter formuliert, noch nicht wieder dazu. Der 29-jährige Sachse stand in diesem schlussendlich rein deutschen Kräftemessen nicht mal im Mittelpunkt des Interesses, kommt auch in dem Beitrag auf der DLV-Netzseite lediglich buchstäblich als Randnotiz vor.

Fromme Lügen im Vorspann verbreitet

Dicker machte Freitag die „Thüringer Allgemeine“ in einem als Online- und Papierversion erschienenen Interview unter der beziehungsreichen, zunächst allerdings verwirrenden Überschrift „Wie ein guter Whysky“ mit dem David der ehedem ein Goliath war auf. Da wurden allerdings von Autor Dirk Pille (für seinen Namen kann er nix) bereits im Vorspann fromme Lügen verbreitet. Storl habe seit 2011 in jedem Jahr bei allen internationalen Höhenpunkten der Hallen- und Freiluftsaison eine Medaille gewonnen. Das wolle er auch mit dann 30 Jahren bei den auf 2021 verschobenen Olympischen Spielen in Tokio fortsetzen. Wie bitte? Diese Serie ist jedoch bei ihm als Siebter der Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro bereits abgerissen, ein Jahr später 2017 bei der WM in London kam er als Zehnter nicht mal ins Finale! Soweit zu den Falschmeldungen, die selbstverständlich nicht der hünenhafte nationale Jung-Senior der M30 zu verantworten hat, ihm bei der Lektüre dieser Etikettenschwindel jedoch vermutlich ausgesprochen sauer aufgestoßen sein dürfte.

„Dinosaurier des Kugelstoßens“ ungetrübt zuversichtlich

Doch sein Blick in die nähere Zukunft ist ungetrübt optimistisch. „Für einen Kugelstoßer kommt doch das beste Alter noch. Das ist wie bei einem guten Whysky“, lautete eine seiner Antworten. Hätten wir das mit der hochprozentigen Überschrift also auch geklärt. Seine grenzenlose Zuversicht zu teilen, ist indes eine völlig andere Sache. Die gestrige Tagesbestweite von 20,24m und vier Versuche unter 20m bis 19,51m abwärts geben dazu bei dem „Dinosaurier des Kugelstoßens“ (O-Ton Sportkommentator Mark Huster wegen der antiquierten Technik) wenig bis überhaupt keinen Anlass. Damit lag er im Schnitt gut über zwei Meter unter seiner absoluten Bestleistung von 22,20m. Also liegt er bei gerade 90 Prozent seines früheren Leistungsvermögens oder andersherum ausgedrückt zehn Prozent darunter. Das ist ein Menge Holz. Skeptiker, wozu ich mich frank und frei bekenne, befürchten, dass er seinen Zenit längst überschritten hat, die 22 Meter vorne für sich nicht mehr auf einer Anzeige zu sehen bekommt.

Auf Anhieb den "Hausrekord" um 14 Zentimeter verbessert

Dass jemand, in dem konkrete Falle eine, auch buchstäblich gestärkt aus einer unfreiwilligen Auszeit mit allerlei Einschränkungen zurückzukommen vermag, bewies auf höchst eindrucksvolle Weise Drehstoßerin Julia Ritter vom TV Wattenscheid. Der 22-jährige Schützling von Trainer Miroslaw „Miro“ Jasinski verbesserte nach langer Wettkampf-Abstinenz den „Hausrekord“ von 17,62 um 14 Zentimeter auf 17,76m. Bereits in der diesjährigen Hallensaison war sie mit 17,57m auf einem sehr guten Weg, den sie nunmehr auf Anhieb bestätigte. Respekt und sportliche Anerkennung!

„Kronprinz“ Steven Richter brillierte bei der U18 mit 21,08m

Auch Storls designierter nationaler „Kronprinz“ Steven Richter (*2003) vom LV 90 Erzgebirge stahl dem Ex-Weltmeister die Schau. Abermals. Der 17-Jährige drehte sich mit der 5-Kilo-Kugel der U18 nach den inoffiziösen vorwöchigen 21,62m vom Trainingswettkampf in Leipzig (Storl 20,45m) erstmals mit 21,08m über die international wertvolle 21-m-Marke. Was beweist, dass sich sein Heimtrainer Sven Lang im „zweiten Bildungsweg“ die Drehstoß-Technik draufgeschafft haben muss. Seinen einstigen Parade-Schützling darauf umzustellen war vor Jahren, aus welchen Gründen auch immer, schlussendlich gescheitert. Vermutlich aus Ungeduld des an sich begnadeten Bewegungstalents, das ginge von jetzt auf gleich.

NADA rückte mit fünf Personen an

Was es sonst noch gab? Da einigen Athleten/innen dem Doping-Kontrollpool angehören, rückte die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) aus Bonn mit Personen an. Dies Prozedere ließ sich natürlich nicht auf einem Dixi-Klo auf dem Platz regeln, fand im nahegelegenen Gemeinschaftshaus statt. Das auf Kommando Müssen-müssen verzögerte so manche Siegerehrung. Dabei gab es für alle Aktiven neben Urkunden und Medaillen für die drei Erstplatzierten eine Tragetasche mit Präsenten (übrigens auch für alle Trainer und Offiziellen). Darunter ein Glas mit gesponsertem Manuka-Honig. Der überhaupt edelste und teuerste Nektar auf diesem breitgefächerten Gebiet. Nicht allein deshalb fanden alle Beteiligten sehr lobende Worte über das Sport- und Familienfest im Wohlfühl-Ambiente, blieben die meisten noch einige Zeit nach Beendigung zum Fachsimpeln untereinander beisammen. Mehr Wertschätzung geht nicht! Ein Geburtstag, runder dazu, war auch noch zu feiern. Dominik Lewin (*1980) vom LV 90 Erzgebirge wurde Vierzig. Abschließend noch ein Hinweis auf eine Zusammenfassung des Meetings heute Abend ab 19 Uhr im MDR-Fernsehen. – Alle Resultate unter diesem Link.

Hermann Albrecht erzielte quasi in einem Rutsch vier deutsche Rekorde

(Ludwigsburg-Oßweil/Krefeld, 16. Juli 2020) Ein bisschen fremd, rein sportlich gesehen, ging Hermann Albrecht (*06.04.1940; im Bild) von der SpVgg. Satteldorf. Der Jung-Achtziger startete für den VfL Waiblingen bei einer Veranstaltung im Rasenkraftsport (RKS) in Ludwigsburg-Oßweil mit dem sehr seltsamen, geradezu hanebüchenen Arbeitstitel Corona Test-Wettkampf. Es wurde jedoch nicht auf die neue Geißel der Menschheit getestet, sondern es handelte sich vielmehr um den klassischen Dreikampf aus Hammer-, Gewichtwurf (unter RKS-Bedingungen) und Steinstoßen. Der „Herminator“ erzielte dabei in der Altersklasse 6 (ab 80 Jahre) und Klasse bis 80 Kilo Körpergewicht (er brachte lediglich 70,4 kg auf die Waage) nicht weniger als drei deutsche Senioren-Rekorde. Als da wären 48,91m im Hammerwurf für die Leichtathletik (bisher er selber mit 47,90m als noch 79-Jähriger in der M80 bei der Winterwurf-DM 2020 in Erfurt) und im RKS, 25,85m im Gewichtwurf im RKS und 2.713 Punkte im Dreikampf. Der wurde komplettiert durch 10,99m im Steinstoßen (siehe Ergebnisliste).
Hermann schlüpft Samstag wieder in sein Satteldorfer Trikot, geht beim Wurf-Fünfkampf in Osnabrück an den Start. Obwohl dort laut ohnehin sehr dürftiger, hemdsärmeliger Ausschreibung heute 00:00 Uhr erst Meldeschluss gewesen wäre, wurde inzwischen ein Hinweis geschaltet, dass die wegen Corona reduzierten Teilnehmerfelder bereits gefüllt sind. Nachfragen ergo zwecklos. Haben wir das mit unserem ausgeprägten Helfersyndrom bei der Gelegenheit gleich mit geklärt, hätten uns die gestrige Werbebotschaft im Fenster Nachrichten getrost schenken können.

Hermann Albrecht steigerte den deutschen Hammerwurf-Rekord der M80

(Erfurt/Krefeld, 29. Februar 2020) Machen wir es kurz und knackig, da ja in der Kürze vermeintlich die Würze liegen soll. Mitunter jedoch leichter gesagt, als getan ist (siehe Nachrichten zum Thema Magnesiaverbot, das hoffentlich nicht auch im Diskuswurf durchgesetzt werden soll, da Grashalme Schaden nehmen könnten). Nun aber ohne einen bloßen Abklatsch derErgebnisliste wie anderswo und die Fußnote  „Deutsche Bestleistung bzw. Deutschen Altersklassenrekord“ (worin, bitte schön, liegt der Unterschied, außer in der hirntoten Lesart des DLV?). Lassen wir aus unserem originären Bereich Stoß und Wurf den fortgeschrittenen Semestern den verdienten Vortritt. Denn hier gab es tatsächlich einen Deutschen Rekord im Hammerwurf der M80.

Weltrekord scheint nicht außerhalb der Reichweite

Der ist dem Achtziger in Lauerstellung Hermann Albrecht (*06.04.1940) von der Spvgg. Satteldorf bei seinem lediglich national zulässigen Debüt in der M80 mit dem 3-Kilo-Gerät gelungen. Der relativ knapp noch 79-jährige Württemberger verbesserte bei seinem überlegenen Erfolg in dem neunköpfigen Teilnehmerfeld mit 47,90m im zwe
iten Versuch die nicht ganz fünf Jahre alte nationale Bestmarke (46,60m) von Waldemar Villhauer (*1935) vom AC Neulußheim um 1,30m. Dabei beließ es der „Ed-Burke-Bezwinger“ der Winterwurf-WM von 2012 im finnischen Jyväskylä und verzichtete auf die weiteren vier Durchgänge. Den nächsten Schlag behält er sich vor, wenn er demnächst ein echter Achtziger ist. Der Europa- und zugleich Weltrekord von 49,53m scheint nicht außerhalb seiner Reichweite zu liegen. Die kontinentale Bestweite von 50,64m in der M75 hat der „Herminator“ unverändert seit Mai 2015 in seinem Besitz.

Richard Rzehak mit finalem Versuch zum Titel

Zwei Altersetagen höher in der M90 ging auf seine Überredungskünste und seines Fahrdienstes
hin entgegen der ursprünglichen Absicht „Werfer-König“ Richard Rzehak (*1929) vom SC Erlangen in den Ring. Keineswegs als einsamer Wolf, sondern in einem nominell echten Medaillenkampf mit zwei friedlichen Kontrahenten. Mehr waren es in der halb so alten M45 auch nicht. Der Mann mit den verpflichtenden Initialen RR (= Rolls Royce) gewann mit 19,39m schlussendlich mit 1,22m Vorsprung, machte allerdings erst im finalen Versuch den Erfolg vor Emil Bölling (18,17m) perfekt. Das spricht für seine guten Nerven, Gelassenheit und Wettkampfhärte.
Alle weiteren Resultate unter diesem Link.