"Just do it" und "Nutze jeden Vorteil" lässt sich völlig neu interpretieren

Kolumne

Moment mal

(Beaverton/Düsseldorf/Darmstadt/Krefeld, 07. Oktober 2019)
„Just do it“ (Tu es einfach) und „Nutze jeden Vorteil“: Diese beiden Werbebotschaften in englischer und deutscher Sprache des Sportartikel-Giganten Nike lassen sich – böswillig, aber auch tatsächlich – völlig neu interpretieren. Denn sie sind durch das umstrittene „Nike Oregon Projekt“ (NOP)  ins Zwielicht geraten. Die viel- und jetzt auch von uns zitierte, mit Hauptmantel in Düsseldorf herausgegebene Rheinische Post berichtete vorige Woche in dem fünfspaltigen Beitrag „Just do it“ mit eingeblocktem großen Foto des inzwischen für vier Jahre gesperrten NOP-Cheftrainers Alberto Salazar, dass der Geld- und Titelgeber „um die Doping-Praktiken gewusst haben soll“, sie demzufolge indirekt mitfinanziert habe.

„Rentenvertrag“ bis 2028 fällt dem DLV jetzt auf die Füße
 
Das würde jetzt auch dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gehörig und schmerzhaft auf die Füße fallen, gerät er in Erklärungs- und Handlungsnot. Schließlich schloss er noch unter dem im November 2017 ausgeschiedenen Präsidenten Clemens Prokop Anfang September 2015 mit dem Sportartikel-Krösus aus Beaverton im US-Bundesstaat Oregon einen nach den Wettbewerbsrichtlinien eigentlich sittenwidrigen „Rentenvertrag“ bis 2028 (siehe Link) als Ausrüstungssponsor mit all‘ den damit verbundenen „Nebengeräuschen“ über die Marketing-Tochter DLM, die überteuerte Sportbekleidung minderwertiger Qualität aus Billiglohnländern unter anderem an Senioren-Leichtathleten verhökert..

Wie will der Dachverband aus der Zwickmühle elegant ’rauskommen?
 
Und was nun, wie kommt der Dach- und Fachverband aus der Zwickmühle möglichst elegant ‘raus? Wie will der DLV das der Öffentlichkeit, weiteren Sponsoren und vor allem seiner von ihm geförderten Spitzenathleten halbwegs plausibel vermitteln, dass er einerseits – völlig zur Recht – einen vehementen, stringenten Kampf gegen Doping führt, andererseits sich von (s)einem Hauptsponsor finanziell und in Naturalien bedienen lässt, der just auf dem Sektor übel ins Gerede gekommen ist? Ein Ding der Unmöglichkeit!
Es steht also zu befürchten, dass die Verantwortlichen in Darmstadt um den neuen Präsidenten Jürgen Kessing das mangels Alternativen nach dem Drei-Affen-Prinzip aussitzen werden, dass irgendwann schon Gras über die Sache wachsen wird. Über die Rinderseuche, Vogelpest und was da sonst noch so alles kreuchte wie fleuchte spricht auch heutzutage auch keiner mehr.