Bei diesem Wahlprozedere sind dem Zufall Tür und Tor geöffnet

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Krefeld, 08. Dezember 2018)
Auszeichnungen pflegen stets bei denjenigen umstritten zu sein, die sie nicht erhalten. Allerdings war die Enttäuschung von Sprint-Ass Ingrid Meier (*1947) vom LAC Quelle Fürth bei objektiver Betrachtung nachvollziehbar, bei der Wahl zu den Senioren-Leichtathleten des Jahres 2017 lediglich den vierten Platz belegt zu haben. Diese offenkundige, schreiende Ungerechtigkeit ist schlicht dem unausgegorenen System geschuldet.
Der federführende Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) lässt den Bundesausschuss Senioren eine Vorauswahl treffen, danach entscheiden die Leser in einer Online-Abstimmung über Sieger und Platzierte. Eingedenk sehr schwacher Beteiligung (im Vorjahr rund 700 von etwa 405.000 Senioren/innen) sind dem Zufall Tür und Tor geöffnet, gibt die bessere Lobbyarbeit der Nominierten letzten Endes den Ausschlag. Schließlich dürfen auch die Kameraden aus dem Schachklub, dem Taubenzüchterverein, dem Stammtisch und der mehr oder weniger großen Nachbarschaft für einen abstimmen. So man(n)/frau noch werktätig ist, selbstverständlich auch die lieben Arbeitskollegen.

Größerer Bekanntenkreis ausschlaggebend für den Ausgang

Und doch reichten „Bei Jugend forscht“ des zusammen 153 Jahre alten Duos Herbert E.Müller (*1929) vom TSV Bayer Dormagen vergleichsweise überschaubare 169 und Ulrike Hiltscher (*1952) von der LG Neiße gar nur 154 Stimmchen zum Erfolg. Natürlich können die „Auserwählten“ nichts für das unzulängliche Verfahren. Damit wirklich glücklich zu werden, steht indes auf einem anderen Blatt. Bei der Wahl zu „Deutschlands Sportlern und Mannschaft des Jahres“ (siehe gestrigen Beitrag) dürfen ausschließlich berufsständisch organisierte Sportjournalisten ihre Stimmen abgeben. Warum bei den Senioren/innen nicht nur Leichtathleten, die bei der Abgabe ihre Startpass-Nummer angeben müssen? Das hätte die Beteiligung 2017 zwar vermutlich halbiert. Aber es würde zumindest fortan nicht mehr die bessere Lobbyarbeit und der größere Bekanntenkreis ausschlaggebend für den Ausgang sein.

Zahl der Nominierten wurde diesmal halbiert

Immerhin hat der DLV für 2018 der Verwässerung Einhalt geboten. Statt wie im Vorjahr zehn, hat er diesmal lediglich je fünf Kandidaten zur Wahl gestellt. Aus Werfer-Sicht höchst erfreulich, dass sich die Wurf-Allrounder Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching und Lothar Huchthausen (*1935) von der LG Altmark darunter befinden. Bedeutet andererseits auch die Qual der Wahl und der gesplitteten Gunstverteilung, minimiert zwangsläufig die Chancen (siehe Wahlbeteiligung).
Mehr dazu unter diesem Link, und hiermit geht’s zum Wahlergebnis 2017.