Olympischer Größenwahn auch bei Öffentlich-Rechtlichen von ARD + ZDF

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Pyeongchang/Krefeld, 09. Februar 2018)  
Schauen wir dem Zeitgeschehen entsprechend über den eigenen Tellerrand, zumal es schlussendlich jeden betrifft. Es geht schon wieder los. Der ganz normale Wahnsinn nämlich. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten betreiben wie stets bei sportlichen Großereignissen den haarsträubenden Gigantismus auf unser aller Kosten, dem Gebührenzahler, zwei eigenständige Teams mit allem Drum und Dran zu entsenden. Das ist selbstverständlich bei den heute (MESZ 12 Uhr, Ortszeit 20 Uhr) offiziell mit der Eröffnungsfeier beginnenden Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeonchang nicht anders. Die ARD, bei denen wir angeblich in der ersten Reihe sitzen, warten mit 56 Koordinatoren, Moderatoren, Kommentatoren, Regisseuren, Technikern Redakteuren sowie den Experten Kati Wilhelm (Biathlon), Dieter Thoma (Skispringen), Maria Höfl-Riesch (Ski alpin) und Peter Schlickenrieder (Ski-Langlauf) auf. Das ZDF, bei dem wir gleichermaßen angeblich besser sehen würden, ist mit 48 Personen vor Ort des Geschehens. Allerdings sind deren Fachleute, die sie selbstverständlich auch haben (zum Beispiel Sven Fischer, Biathlon, oder Toni Innauer, Skispringen) nicht über die ZDF-Schiene akkreditiert worden. Keinen blassen Schimmer, wieso?

Ein Fall für den Bundesrechnungshof

Dieses doppelt-gemoppelt mit fliegendem täglichen Wechsel, derweil die anderen pausieren, ist für Normaldenkende schlechterdings nicht nachvollziehbar. Die Qualität wird jedenfalls durch den überflüssigen Konkurrenzkampf derselben Systeme nicht gesteigert. Vollkommen klar, dass bei den stundenlangen Übertragungen nicht ein bestimmtes Programm, egal jetzt welches, ständig mit Wintersport berieselt werden kann. Aber da hätte auf die Anhängsel One und ZDFneo ausgewichen werden können. Der Bundesrechnungshof sollte sich dieser hemmungslosen Geldvernichtung einmal annehmen und ihr fortan einen Riegel vorschieben. Da könnten als salomonische Lösung gemeinsame Teams von ARD und ZDF entsandt werden. Das halbiert den kostenträchtigen Aufwand und wäre zugleich eine Verdoppelung der Qualität beim auserlesenen Personal. Und: Außerdem ruht während der olympischen Spiele nicht das übrige Sportgeschehen in Deutschland und der großen weiten Welt.

EUROSPORT der ultimative Tipp zu Curling in Dauerschleife
 
Wem die öffentlich-rechtlichen Quälgeister, da gibt es auf beiden Seiten einige Kandidaten, zu sehr auf die Nerven gehen, der hat als nimmersatter Sportenthusiast die Alternative zum deutschsprachigen Programm des Spartensenders EUROSPORT zu zappen. Da ist federführend der kompetente, wortgewandte und schlagfertige Chef-Kommentator Sigi Heinrich mit seinem flotten Mundwerk bei seinen 13.Olympischen Spielen (Sommer mitgerechnet) am Mikrofon. Übrigens zudem der ultimative Tipp, wenn Erstes oder Zweites während anderer Entscheidungen mal wieder stundenlang den Hausfrauen- und Hausmännersport mit
Bügeleisen" und Schrubber, sie nennen es Curling, übertragen. Sie fegten bereits gestern los und hören wahrscheinlich erst nach der Schlussfeier auf. Das ist neben Unterwasser-Rugby (kein Quatsch, obschon sehr schräg) so ziemlich das Exotischste, was die vielfältige Sportpalette zu bieten hat. Ohne jemanden zu nahe treten zu wollen sind Polo und Cricket Volkssport dagegen.

110.000 Kondome für 2.900 Sportler/innen

Das geflügelte Wort zum olympischen Gedanken „Völker aller Länder vereinigt euch“ bekommt in Südkorea zwar keine gänzlich neue, aber noch einmal buchstäblich tiefergehende Bedeutung. Dieter Thoma wusste gestern am Rande der Qualifikation vom Skispringen von der Normalschanze im Gespräch mit Moderatorin Jessy Wellmer beizutragen, dass die Organisatoren 110.000 Kondome im Olympischen Dorf  für die 2.900 Sportler/innen aus 92 Nationen zur Verfügung stellen. Macht pro Kopf 38 Verhüterlis. Verkneifen wir uns weitere Rechenkunststücke. Allerdings könnte das bei aller Vor- und Fürsorge nach dem Motto „Gib Aids keine Chance“ auch als Anstiftung zum Verfall von Sitte und Moral interpretiert werden. Schließlich sind die allermeisten Athleten/innen in festen Beziehungen, gar schon Mütter und Väter mit zum Teil mehreren Kindern. Wie der 28-jährige deutsche Fahnenträger Eric Frenzel. Der Nordisch-Kombinierer, ein bekennender Familienmensch, wird sich bei den Gummis allerdings nicht bedienen müssen und wollen. Ganz abgesehen davon, dass er seine Frau und seinen bereits zehnjährigen Stammhalter, Stubenältester eines Trios, dabei hat.

15.000 Eier für 109 Norweger
 
Noch eine Schmonzette, die zur Potenzsteigerung trefflich zum Thema passt. Der Koch des 109 köpfigen norwegischen Teams bestellte für die Extraverpflegung außerhalb der Mensa 1.500 Eier, bekam jedoch aufgrund eines Übersetzungsfehlers 15.000 angeliefert. Der Großunternehmer in Sachen Eiern ließ jedoch Gnade vor Recht walten und packte den Überhang wieder in den Lieferwagen. Hart kochen und zu buntbemalten Ostereiern verarbeiten. Beim Discounter um die Ecke liegen sie hier zu Lande schon in den Regalen.
Die bis zum 25.Februar andauerenden Winterspiele mit 102 Entscheidungen in 15 Sportarten sind seit 13.43 Uhr MESZ eröffnet. Schaun mer mal, wie viel verbrannte Erde und vor sich hinrottende Wettkampfstätten heuer zurückbleiben. Sotschi 2014 in Putin-Land ist noch in sehr unangenehmer Erinnerung und wird immer noch aufgearbeitet. Dabei scheut sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach nicht, sich ohne jede Not mittelbar ebenfalls die Finger am dreckigen Dopingsumpf schmutzig zu machen.
Quo vadis (Wohin gehst du), Olympia?