Es hat schon weitaus positivere "Tage der Deutschen Einheit" gegeben

Einwurf aus der Mitte
 
(Krefeld und die Republik, 03. Oktober 2017)
 Es hat schon positivere „Tage der Deutschen Einheit" gegeben, als den heutigen von 2017, 28 Jahre nach dem Mauerfall. Und das nicht nur wegen der allgemeinen globalen Gemengelage mit  Kriegen, Terror, Flüchtlingsströmen und etlichen Despoten als Staatschefs, die ihr unheilvolles Zepter schwingen. Auch im Innenverhältnis hapert es an allen Ecken und Enden, knirscht es mächtig im Gebälk. Geld schießt keine Tore, Geld lässt auch nicht automatisch zusammenwachsen, was historisch gesehen (schließlich war die DDR eine Laune der Siegermächte) zusammen gehört. Die Schere zwischen Ost und West driftet trotz der Milliarden jährlich mit Beteiligung der Bevölkerung (Solidaritätszuschlag) und vieler „blühenden Landschaften“ in Form traumhaft schön sanierter Städte wie beispielsweise Dresden (hier kenne ich als „Wessi“ vor- und nachher)  immer weiter auseinander.

Negative Grundstimmung und häufig fehlender Perspektive schlechter Nährboden

Leider auch in allzu vielen Köpfen. Das haben erst jüngst die Bundestagswahlen unter Beweis gestellt, bei der die stark rechtsextrem angehauchte AfD, die sich als „Alternative für Deutschland“ versteht, sich von Kabarettisten und Satirikern aber ganz andere Übersetzungen gefallen lassen muss (schenken wir uns jetzt), vielerorts im Osten zur Mehrheitspartei empor gehievt wurde. Ein fatales Signal. Eine miesepetrige Grundstimmung und häufig fehlende Perspektiven sind ein denkbar schlechter Nährboden. Freilich auch eigener Ideen- und Antriebslosigkeit der älteren Generation, der fast alles vom einstigen Arbeiter-, Bauern- und Unrechtsstaat vorgekaut wurde. Die weit überwiegende Euphorie von einst beim Mauerfall ist längst verflogen. Aber was ist eigentlich mit der Generation um Kugelstoß-Ass David Storl (*27.07.1990) aus Rochlitz in Sachsen, die in einem (wieder-)vereinigten Vaterland aufgewachsen ist?

Sport eine Insel der Glückseligen?

Wie auch immer, scheint der Sport und hier insbesondere die Senioren-Leichtathletik eine Insel der Glückseligen zu sein. Berührungsängste oder Vorbehalte untereinander sind meiner natürlich nicht allumfassenden Kenntnis  nach eher die Ausnahme. Aus eigener Anschauung und Erfahrung kann ich weitestgehend konstatieren, dass zumindest die Werfer/innen nahezu im Gleichklang ticken. Da könnte ich einige sehr persönliche zwischenmenschliche Beziehungen weit über das gemeinsame Hobby hinaus mit Ross und Reiter nennen. Allenfalls einige ältere Kampfrichter  können (oder wollen) ihre DDR-Vergangenheit nicht leugnen, legen schon mal einen völlig unangemessenen Stasi- oder NVA-Ton an den Tag. Ein probates Mittel dagegen ist ihnen mit einer klaren, unmissverständlichen Erwiderung  die Stirn zu bieten. Da werden die gaaanz kleinlaut. Und hier fabuliere ich nicht über Walter Ulbrichts Bart, sondern hab‘s probiert, und es hat funktioniert. Womit keineswegs behauptet werden soll, dass der Osten ein Alleinstellungsmerkmal für „Betonköppe“ aller Art hat. Die gibt es flächendeckend, treten vermehrt bei Dachverbänden auf…

Ohne die „neuen“ Bundesländer sähe es bei Meisterschaften düster aus

Die „blühenden Landschaften“ sind auch auf dem Veranstaltungsgebiet vorhanden. Ohne die längst nicht mehr neuen Bundesländer könnten wir auf dem Meisterschaftssektor der Senioren/innen alle miteinander unsere Siebensachen getrost im Schrank lassen. Allein auf 2017 bezogen: Hallen-DM mit Winterwurf in Erfurt (Thüringen), Stadion-DM in Zittau (Sachsen), Wurffünfkampf-DM mit Langstaffeln in Zella-Mehlis (Thüringen) und nur eine Woche später die Mehrkampf-DM ebenfalls an diesem Ort. Habe ich noch etwas vergessen? Allein die Team-DM, ehedem DAMM, ist noch eine West-Domäne, fand das bundesweite Finale erneut in Kevelaer am linken Niederrhein statt. Dieser klassische Mannschaftswettbewerb ist aber auch die Keimzelle der leichtathletischen Senioren-Bewegung in der früheren Bundesrepublik, die in der ehemaligen DDR nur ein Schattendasein führte. Da wurde gerade noch die zweite Reihe der Männer/Frauen mit den „Kleinen (Ost-)Deutschen Meisterschaften“ in einer Pseudo-Aktion bedacht.

Nebenbei ein Feiertag für Stoß und Wurf

Werden wir unserer ursächlichen Intension gemäß abschließend noch einen Tick sportlicher. Dieser Feiertag ist auch sehr beliebt für landauf, landab eigens der Spezies von Stoß und Wurf gewidmeter Veranstaltungen. Das entspringt wohl auch der Tatsache, dass die Schwerathleten unter den Leichtathleten eher bei 15 als bei 28 Grad ihre Wohlfühl- und Betriebstemperatur beim dennoch schweißtreibenden Handwerk haben.