Deutsche Handballer treten bei der EM nicht als Kulturverleugner auf

Kolumne

Moment mal

(Trondheim/Malmö/Wien/Krefeld, 18. Januar 2020)
Schau’n wir mal über den Zaun. Denn gerade Leichtathleten sind häufig sportlich vielseitig interessiert und talentiert, nicht nur an „König Fußball“. Bisweilen sogar „Wanderer zwischen den Welten“. Ein besonders prominentes Beispiel aus diesen beiden Lagern ist Hans-Peter Briegel (*1955) aus Kaiserslautern, „die Walz aus der Pfalz“. Der war als Jugendlicher erfolgreicher Weit-, Dreispringer und Mehrkämpfer, gewann 1972 bei den Deutschen Jugend-Mehrkampf-Meisterschaften in Rheinhausen (ich war als Berichterstatter für die Rheinische Post live dabei) den Titel im Fünfkampf. Seinerzeit Durchgangsstation als erster Tag des Zehnkampfes. Briegel wechselte später zum Fußball, brachte es als 1,88m großer Abwehrrecke von vermutlich über 90 Kilogramm Abtropfgewicht auf 72 Länderspiele und den EM-Titel 1980.
Soweit das Vorspiel zum Handball und einer erfreulichen Begleiterscheinung der momentan laufenden Europameisterschaft der Männer in Norwegen, Schweden und Österreich. Die DHB-Auswahl hat sich und ihr Land bislang nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. Darunter eine derbe und herbe Lehrstunde gegen Spanien, die einem sportlichen Offenbarungseid sehr nahe kam. Aber sie tritt wenigstens nicht als Kulturverleugner auf, die am Rande der Bande deswegen jeden Vorteil nutzt. Einige schon. Denn beim professionellen Handballsport ist national wie international Werbung am Mann erlaubt.

Spieler als bewegliche Litfaßsäulen

Insbesondere das Team von Bundestrainer Christian Prokop tritt als bewegliche Litfaßsäule neben dem (deutschen) Ausrüstungssponsor Kempa mit vielen weiteren Trikotsponsoren auf. Da ist vorne noch so eben Platz für den Bundesadler auf der Herzseite. Rückwärtig der Spielername und die –nummer, oftmals nach eigener Wahl und nicht wie ehedem durchnummeriert anhand der Kaderanzahl mit der 1 angefangen beim Stammtorhüter. Andreas Wolff, der noch nicht allzu viele Bälle an die Finger bekam (außer beim Herausholen aus dem Netz), bevorzugt die 33. Heute Abend (ab 20.15 Uhr live im ZDF) wartet Kroatien als nächste Nagelprobe auf dem sehr beschwerlichen Weg ins Halbfinale.
Kommen wir jedoch nach diesem langen Dreisprung-Anlauf zum Wesentlichen: Der Trainingsanzug und die Shirts werden vom Schriftzug „DEUTSCHLAND“ geziert. Gut zu wissen, dass es das in Zeiten der allgemeinen Vergermanisierung auch noch gibt. Hoffähig ist es allemal, am Wiedererkennungswert scheitert es auch nicht. Leider sind es vornehmlich die schlechten Beispiele, die allenthalben und allerorten Schule machen.

Gewichtwurf nicht im Programm der Winterwurf-DM in Erfurt

(Erfurt/Krefeld, 17. Januar 2020) Obwohl Ausschreibung und Zeitplan für die Winterwurf-DM der Senioren/innen vom 28.Februar bis 01.März 2020 in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt noch nicht heraus sind, müssen wir die bei den Hammerwerfern/innen geweckten Begehrlichten mit dem äußerst artverwandten Gewichtwurf als Zweitdisziplin eine Illusion nehmen. Aus absolut zuverlässiger Quelle haben wir erfahren, dass der als Kann-Bestimmung ab 2020 neu ins meisterliche Wettkampf-Programm eingeführte Gewichtwurf bei dieser DM nicht zur Austragung gelangen wird.
Durchaus nachvollziehbar, da aufgrund des Fußballspiels Rot-Weiß Erfurt gegen den Berliner AK am 01.März, 13.30 Uhr, das Steigerwaldstadion nicht zur Verfügung steht. Diskus- und Speerwurf müssen deshalb schon ins sechs Kilometer entfernte Stadion Essener Straße ausgelagert werden, der Hammerwurf findet auf dem Wurfplatz neben der Leichtathletik-Arena statt (wir berichteten). Hinzu kommt, dass füglich bezweifelt werden darf, dass die Wurf-Wettbewerbe schon Freitag beginnen. Der war stets dem Solo für Geher in der Halle vorbehalten. Obendrein gibt es ein massives Kampfrichter-Problem, wurde bereits Verstärkung aus Mittelfranken angefordert. Ausgang (noch) höchst ungewiss.
Das sind halt die Schattenseiten, dass die Erfurter mal wieder dankenswerter als "Feuerwehr" dieser vom latenten Ausfall bedrohten Titelkämpfe in die Bresche gesprungen sind. Für Kompromisse und etwaige organisatorischen Engpässe sollte daher jede/r Aktive Verständnis aufbringen.

DLV beantragte beim Amtsgericht Verlegung morgiger Urteilsverkündung

(Darmstadt/Berlin/Erfurt/Krefeld, 15. Januar 2020) „Also noch mal eine Hängepartie. Hoffentlich die unwiderruflich letzte in dieser Angelegenheit.“ So lautete unser Schlusssatz im Beitrag vom 08.Dezember 2019 zur vom italienisch-stämmigen Sprinter Daniele Biffi (*1972) von TopFit Berlin und seinem Anwalt Gerald Kornisch schon lange anhängigen Klage vor dem Amtsgericht (AG) Darmstadt zum Ausländerstartrecht. Darüber haben wir im Verfahrensverlauf mehrfach und ausführlich berichtet, ohne das jetzt an dieser Stelle in Schlaglichtern alles zu rekapitulieren. Und eigentlich sollte es zumindest erstinstanzlich morgen ein Ende geben, war vom AG die Urteilsverkündung der Verhandlung vom 05.Dezember 2019 anberaumt worden. Das Wort „eigentlich“ verheißt bereits Ungemach. Stimmt! Denn der Beklagte Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat eine Verlegung dieses Termins auf die letzte Februar-Woche beantragt.

Entsprechende Personenkreis sollte vorsorglich zur Hallen-DM melden

Offenbar unter dem Hintergrund, dass der DLV-Verbandsrat am 21.Februar 2020 tagt und das Thema zum DM-Startrecht von EU-Senioren/innen mit Lebensmittelpunkt hier zu Lande, deutschem Verein und Startpass noch einmal diskutieren will. Unter Umständen, unsere Interpretation, um doch noch auf dem letzten Drücker einen Vergleich anzustreben. Denn ein erstinstanzliches Urteil birgt nun einmal, so oder so, stets die Gefahr der Berufung, mit abermals ungewissem Ausgang für die eine wie andere Seite der Prozessgegner.
Und die Moral von der Geschicht‘: Da am 21.Februar der Meldeschluss verstrichen sein wird, es aber auf Wiedereinsetzung in die vorigen Stand (also alte Regelung vor der Abschaffung in 2017) hinauslaufen könnte, sollte der in Frage kommende Personenkreis mit Norm (!) vorsorglich für die Hallen-DM mit Winterwurf vom 28.Februar bis 01.März 2020 in Erfurt seine Teilnahme-Erklärung zu den jeweiligen Wettbewerben abgeben. Für alle Fälle ersatzweise außerhalb der Wertung. Das ist natürlich auch für Staffel-Besetzungen relevant.

DLV erntete viel Spott und Häme für seine lausige "Informationspolitik"

(Düsseldorf/Darmstadt/Krefeld, 16. Januar 2020) Wenn viele Gleichgesinnte auf überschaubarem Raum unter dem Dach einer Leichtathletik-Halle zusammenkommen, wie jüngst bei den Offenen NRW-Seniorenmeisterschaften in Düsseldorf, dann brodelt bei Gesprächen mit oder ohne Kaffee die Gerüchteküche und blüht der Flachs. Jede Menge Spott und Häme erntete verdientermaßen der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) für seine langatmige, oftmals erst auf Nachfrage oder unseren virtuellen Zuruf zustande gekommene – welch hehres Wort in dem Zusammenhang – Informationspolitik. Stichwort: Hallen- und Winterwurf-DM 2020 der Ü35-Generation. Lampis-Leser wussten auch diesmal nicht nur mehr, sondern es vor allem deutlich eher! Das brachte uns viel rhetorisches Schulterklopfen ein.

Es gibt bereits Bewerber für Hallen-/Winterwurf-DM 2021 und 2022

Tragen wir gleich noch am Rande der Bande aufgeschnappte Neuigkeiten von allgemeingültigem Interesse bei. Der in der Landeshauptstadt vorrangig als aktiver Kugelstoßer anwesende DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf aus Eisenach in Thüringen plauderte auch ein bisschen aus seinem sportlichen Nähkästchen. Der Wirtschaftsanwalt ließ durch die Blume verlauten, dass es für die kommenden beiden Jahre bereits Bewerber für die Hallen- und Winterwurf-DM geben würde. Da die jedoch die Verbandsgremien auf eine „belastbare Absichtserklärung“ (so das grauselige DLV-Amtsdeutsch von David Deister) hin noch nicht passiert haben, behielt Wendorf die Schauplätze der möglichen Handlung für sich. Das ist bei aller Neugier nachvollziehbar und zu respektieren.

Würfel bei Leserwahl zu Senioren-Leichtathleten 2019 sind gefallen
 
Genügen wir im Sinne unserer verehrten Leserschaft noch der Chronistenpflicht und weisen vorsorglich auf eine Veröffentlichung der lediglich sehr sporadisch gepflegten Senioren-Spielecke (nur sechs Beiträge in den letzten drei Monaten; siehe Informationspolitik)  auf der Verbandsnetzseite hin. Besagter Deister ließ wissen, dass im „Glücksspiel“ zum fragwürdigen Prozedere einer Leserwahl bei geringer Beteiligung (deshalb werden nur Prozentzahlen genannt; von was aber?) zu den Senioren-Leichtathleten des Jahres 2019 die Würfel gefallen sind. Eine Doublette schenken wir uns. Mehr dazu unter diesem Link. Unsererseits machen wir jedoch auf eine Kolumne zum Thema von 2018 aufmerksam, die getrost als Blaupause herhalten kann. Das verhindert selbstverständlich nicht, dass wir den gewählten Auserwählten der Fraktion Lauf unseren aufrichtigen Glückwunsch zollen.

Ausnahme-Senior Andy Dittmar stieß zum Saisonauftakt 17,65 Meter

(Erfurt/Krefeld, 14. Januar 2014) Wenn er mit sich und seiner Leistung im Reinen ist, wollen wir unsererseits nicht nach dem viel zitierten Haar in der Suppe suchen. Es wäre auch jammern auf verdammt hohem Niveau für einen Kugelstoßer der M45, der schier unerlässlich mit schöner Regelmäßigkeit seit Jahren als saisonale Bestleistung eine 18 vor dem Komma zu schreiben pflegt. Darauf könnte es auch heuer selbst bei auch für ihn allmählich biologisch gesehen dünner werdender Luft wieder hinauslaufen. Andy Dittmar (*1974; im Bild) von BiG Gotha stieß Samstag beim 11.TLV-Hallenmeeting in seinem „sportlichen Wohnzimmer“ der Erfurter Leichtathletik-Arena am Steigerwaldstadion als gewissermaßen konkurrenzloser, überlegener Sieger der Männer-Klasse zum Auftakt 17,65m.

Lediglich 21 Zentimeter kürzer als im Vorjahr

Das war bei der 10. Auflage im Vorjahr mit 17,86 m nur unwesentlich weiter, damals jedoch deutscher Hallenrekord der M45 (zuvor Tilman Northoff mit 17,36m). Den schraubte er im weiteren Verlauf  noch auf 18,08m (Stadion-BL 18,23m in 2019). Ein realistisches Ziel für den Mann mit dem langen Haltbarkeitsdatum, die nationale Bestmarke unter dem Hallendach noch einmal zu überbieten?
„Dieses Ergebnis stimmt mich sehr optimistisch und positiv, da ich erst ziemlich spät ins Wintertraining eingestiegen bin, bei bislang lediglich rund 150 Stößen auf Technik gegen die Wand noch die Sicherheit fehlt“, lautet seine Momentaufnahme. Ein Mehr an Maximalkraft sowie Stabilität wird er bei den weiteren Gelegenheiten in besagtem Wohnzimmer im Rahmen der Thüringer Hallenmeisterschaften (25./26.Januar) als Titelverteidiger bei den Männern und der Senioren-Hallen-DM (28.Februar. – 01.März) in die Waagschale werfen können.
Das sind die beiden wichtigsten
Durchlauferhitzer" zur Vorbereitung auf die Hallen-EM vom 15. bis 21.März 2020 im portugiesischen Braga.