Ein geschichtsträchtig höchst negativ und zudem positiv besetztes Datum

(Krefeld/Den Burg/NL, 11. September 2015) Fällt irgendjemanden beim Blick auf das Datum spornstreichs noch etwas ein? Vielleicht ja eher unter „nine eleven“? Genau! Es war jener 11.September 2001, als zwei entführte Verkehrsflugzeuge nacheinander in perfiden Terroranschlägen in die Twin Towers des New Yorker World Trade Centers flogen, eine dritte Maschine auf das Pentagon in Arlington (Virginia) und die vierte, die vermutlich das Regierungsgebäude in Washington D.C. treffen sollte, von todesmutigen Passagieren im Kampf mit den Terroristen in Shanksville (Pennsylvania/jeweils USA) zum Absturz gebracht worden. Alles in allem sind bei diesem terroristischen Massenmord etwa 3.000 Menschen unversehens mitten aus dem Leben gerissen worden. Ganz zu schweigen von dem Leid der Angehörigen, Freunde und Bekannten dieser Personen. Eine ganze Nation in Schockstarre, und ein Großteil der Anteil nehmenden Welt dazu. Den Anflug und Einschlag des zweiten Flugzeuges in „Big Apple“ habe ich damals zufällig live via Fernsehen auf n-tv gesehen. Irreal! Apokalyptisch! Wäre es nicht ein seriöser Nachrichtensender gewesen, hätte ich mich in einem Remake des us-amerikanischen Katastrophenfilms „Airport“ mit Burt Lancaster, Dean Martin und George Kennedy von 1970 gewähnt. Obwohl der gegen die blanke Realität noch geradezu harmlos und natürlich mit Happy End war.

Franz Beckenbauer wir heute Siebzig


Das gleiche Datum hat Jahrzehnte zuvor jedoch für Deutschland eine höchst positive, sporthistorische Bedeutung. Formulieren wir es mal im DLV-Deutsch: A Star was born, den sie später mit dem Attribut „Lichtgestalt“ schmückten. Wo immer er zu abendlicher Stunde auftritt, können die Schweinwerfer ausgeschaltet werden. Gemeint ist Franz Beckerbauer, „The Kaiser“, der Erfinder des Libero beim Fußball, der am 11.September 1945 in München-Giesing geboren wurde, mithin just heute das 70. Lebensjahr vollendet. „Willkommen im Klub!“, kann ich ihm als 44er Spätlese imaginär zurufen.  Der Mann ist in vielerlei Hinsicht eine lebende Legende. Es ist schier unmöglich, seine Lebensleistung nur annähernd zu beleuchten. Deshalb lassen wir es und überlassen dies den garantiert unzähligen Beiträgen in allen denkbaren Medien und bunten Blättern. Sein Bekanntheitsgrad dürfte hier zu Lande nahe 100 Prozent tendieren, vermutlich noch vor Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gäbe es ihn nicht, müsste er glatt erfunden werden. Legendär wie er selber seine vielen Sprüche mit Kultstatus. Wer nicht genug von ihm bekommen kann – einfach seinen Namen googeln. Innerhalb von 0,25 Sekunden hat man(n)/frau die Qual der Wahl aus 905.000 Ergebnissen oder Stoff für eine über Monate hinaus füllende Lektüre. Grob geschätzt.

Auf der gemeinsamen Suche nach der Form

Bei aller gebotenen Bescheidenheit, und nicht nur der, bin ich logischerweise Lichtjahre von dieser Lichtgestalt entfernt. Doch immerhin bewege ich mich in zweifacher Hinsicht in (un-)mittelbarer Nachbarschaft zum Datum. Denn am 9.9.99 habe ich mich als Wiederholungstäter zum dritten Mal getraut, und meine legitimierte seitherige Herzdame feiert alle Jahre wieder am 10. September Geburtstag. Diesmal den Sechzigsten. Und da wir eh reif für die Insel waren, gab es zwei triftige Gründe sich auf eine solche zu begeben. Nicht nach Mallorca, das 17., sondern Texel (Niederlande), das gefühlt 18. deutsche Bundesland. Folglich ist an netten Landsleuten in unserem Ferienpark in Den Burg kein Mangel. Allerdings kommt es noch besser. Ohne es vorher abgesprochen zu haben, stößt heute mein langjähriger Sportfreund Ralf Unger (*1947) mit Ehefrau Christine hinzu. Beide im Gegensatz zu uns Neu-Insulanern „alte Texelaner“. Abgesehen von seinen nützlichen touristischen Tipps können Ralf und ich uns auf die gemeinsame Suche nach der verlorenen Form für herbstliche Werfertage machen. Bei ihm ist es zumindest durch eine Schulter-OP erklärbar, bei mir eingedenk guter Zubringerleistungen in Bezug auf Kraft, Sprung und Sprint mehr so ein Rätsel.
Schaun mer mal, würde der Beckenbauer Franz jetzt sagen.

DLV-Vize Matthias Reick musste eine neuerliche Schlappe hinnehmen

(Krefeld/Peking, 21. August 2015) „Was wollen Reick?“, würde vermutlich der Kult gewordene ehemalige Fußball-Trainer Giovanni Trappatoni aus Bella Italia fragen. Die Antwort liefern wir: Am Amte hängt's, zum Amte drängt’s. Aber was um Himmels willen und in Teufels Namen zieht DLV-Vizepräsident Matthias Reick (im Bild) aus Achim bei Bremen mit aller Macht in das Cross Country Committee des Weltverbandes IAAF? Der Mann ist national für den Bereich Allgemeine Leichtathletik (Breitensport) zuständig, mithin auch für die Senioren/innen. Nach dem untauglichen Versuch von vor vier Jahren in Daegu (Südkorea) in diesen Ausschuss zu gelangen, schmierte er nunmehr beim IAAF-Kongress in Peking erneut ab. Beim ersten Wahlgang erhielt er lediglich 48, beim zweiten nur noch 44 von insgesamt 207 Delegierten-Stimmen. Ob wie dereinst beim ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer seine eigene darunter war, vermögen wir nicht zu konstatieren. Aber zumindest dies, dass Asien, abgesehen von einer feudalen Dienstreise nach Gutsherrenart als KdF-Maßnahme (= Kosten der Firma respektive aller angeblich 850.000 Mitglieder des Dachverbandes), kein gutes Pflaster für ihn darstellt. Das eint den „Vize“ mit seinem „Steuermann“ Clemens Prokop, der bei der Council-Kandidatur zweimal ähnlich deutlich Schiffbruch erlitt (wir berichteten).
Vielleicht probiert es Reick 2019 ja noch einmal. Auf dem Jahrmarkt und im Vorkampf zu technischen Disziplinen hat man schließlich auch drei Versuche. Das sollte Pöstchenjägern ebenfalls zugestanden werden.

Deutsche Sprak, schwere Sprak: Zwei schöne Stilblüten gepflückt

(Krefeld/Lyon, 11. August 2015) Deutsche Sprak, schwere Sprak, lautet eine geflügeltes Wort aus Fremder Mund. Englisch ist offenbar auch nicht so "easy" aus Fremder Mund oder Tastatur. Es passt allerdings trefflich zu der Diskussion bei der Regionalsitzung der EMA/EVAA während der Senioren-WM in Lyon (wir berichteten) hinsichtlich - hier - Qualität und Quantität der Verbandsnetzseite. Da ist nunmehr in einer fett geschriebenen Überschrift zu lesen: Judges und Volenteers – the heard of the Championship. Wie bitte? Heard ist die Ableitung von hear, bedeutet soviel wie hören, hörte, vernahm, gehört. Vielmehr müsste es durch „heart“ für Herz ersetzt werden. Dann macht es Sinn. Kann, muss aber kein simpler Schreibfehler sein. Andererseits ist es bezeichnend, dass der „Black-Forest-Teacher“ Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald in seinem Präsidium mittlerweile dermaßen isoliert ist, dass ihn niemand auf diesen Fauxpas aufmerksam macht.
Noch eine Stilblüte gefällig? Herzlich gerne! Der Chef-Legastheniker in der Senioren-Spielecke des DLV-Portals schreibt zum wiederholten Male mit konstanter Bosheit „Gewichtswurf“. Und das ist kein Tippfehler. Er weiß es einfach nicht besser, obendrein ist "Meister Flunker" unbelehrbar. Die Disziplin nennt sich Gewichtwurf. Es heißt ja auch nicht Speerswurf, Hammerswurf und Kugelsstoßen. Wohl Diskuswurf. Aber das aus der Antike stammende Sportgerät nennt sich eben Diskus. Noch ein zusätzlicher, kostenfreier Nachhilfeunterricht: Es gibt auch Zierfische dieses Namens. Nicht Gewichtwurf, sondern Diskus.
Host mi (das ist jetzt bayrisch)? Vermutlich nicht (siehe unbelehrbar)!

Senioren-WM: Erlebnisse und Gedanken eines genervten Hammerwerfers

(Krefeld/München/Lyon, 17. August 2015) Entsprechend den Regularien fanden sich bei der Senioren-WM in Lyon die Hammerwerfer der Altersklasse M70 aufgewärmt komplett um 10.15 Uhr, somit die geforderten 45 Minuten vor dem angesetzten Wettkampfbeginn, im Callroom ein. Erfahrungsgemäß dauert die Anwesenheitsüberprüfung und Startnummernkontrolle keine zehn Minuten. Soweit die Theorie. Tatsächlich aber verbrachten wir dort 50 Minuten, bis der zuständige Kampfrichter erschien, um uns zur Wurfanlange auf dem Nebenplatz zu führen. Damit erstreckte sich die Zeitspanne zwischen dem Ende des Aufwärmens und dem Einwerfen auf nahezu eine Stunde. Welche Auswirkungen dies auf die Wettkampfleistungen haben kann, braucht hier nicht vertieft zu werden. Das ist der Leistungskiller schlechthin!
Wie kam es zu dieser Verzögerung? Der erste Hammerwurfwettbewerb an diesem Tag war für 8.30 Uhr angesetzt. Da aber die Athleten selbst zu diesem Zeitpunkt immer noch vor dem verschlossenen Callroom standen, war es unvermeidlich, dass die ersten Wettkampfwürfe erst gegen 9.00 Uhr erfolgen konnten. Ob es einer französischen Nonchalance oder einem gesteigerten Schlafbedürfnis geschuldet war, dass der Callroom nicht wie notwendig bereits um 7.45 Uhr besetzt worden ist, ließ sich nicht klären.
Zusätzlich kommt der Zeitplangestalter ins Spiel. Für diese erste Gruppe hatte er realistische 90 Minuten eingeplant, für die nachfolgende, zahlenmäßig identische Gruppe dagegen nur 60 Minuten. Somit war es unvermeidlich, dass die anfängliche Verzögerung und der zu knapp angesetzte Zeitraum voll zu Lasten der dritten Gruppe, der Hammerwerfer der M70, gehen musste. Da an diesem Tag nur noch die Altersklasse der M75 ihren Wettbewerb zu absolvieren hatte, wäre dem Zeitplaner jegliche zeitliche Option offen gestanden.
Zwei Schlussfolgerungen liegen also nahe:
1. Um die Unwägbarkeiten beim Hammerwurf abzufedern, wie zum Beispiel ein sich im Schutzgitter verfangenes Wurfgerät, dass dort in acht Metern Höhe aufwändig entfernt werden muss, bedarf es im Zeitplan immer eines zeitlichen Puffers.
2.  Der für  Werfer überflüssige Callroom ist abzuschaffen.
Dass diese Forderung bei einem Teil der Funktionäre bereits angekommen ist, bewies der DLV. Hat er doch bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften 2015 in Zittau mit diesem Unfug Schluss gemacht und die Überprüfung der Teilnehmer an den Wettkampfort verlegt. Es sollte ihm gelingen, die daraus resultierenden positiven Erfahrungen in das internationale Regelwerk einfließen zu lassen. Eine simple Anordnung durch das Lokale Organisationskomitee (LOC) würde jedoch vermutlich genügen. Das hat in Zittau ja auch funktioniert.

Kaschke will mit Muskelfaserriss über 100 m an den Start gegangen sein

(Krefeld/Lyon/ 10. August 2015) Gemeinhin kommentieren wir keine eigenen Kolumnen, Glossen und Kommentare. Aber die gestrige Glosse über den beschämenden, den Ruf der Senioren-Leichtathletik (be-)schädigenden Auftritt von Kurt Kaschke, der als EMA-Präsident schließlich eine Vorbildfunktion hat respektive haben sollte, hat ein Stürmchen im Wasserglas ausgelöst. Zunächst sei jedem das verbriefte Grundrecht seiner eigenen Meinung über alles Mögliche zugestanden, mag er sie noch so exklusiv haben. Uns allerdings auch. Peinlich war jedoch nicht unser Beitrag, sondern der Auftritt von Kaschke. Immer schön das Prinzip von Ursache und Wirkung im Auge haben. K.K. hat für die Ursache, wir haben für die Wirkung darauf gesorgt.
Aber noch etwas Aufhellendes. Dem Vernehmen nach will der 60-Jährige mit einem Muskelfaserriss im linken Oberschenkel an den Start über 100 Meter gegangen sein und dies womöglich noch über 300 m Hürden tun. Einmal davon abgesehen, dass diese Selbstdiagnose (?) restlos überzogen sein dürfte (mit einem Faserriss kann man allenfalls noch humpeln), weiß das niemand, der lediglich die Online-Ergebnisliste zur Verfügung hat und jene unter Sportabzeichen-Niveau liegenden indiskutablen 21,52 Sekunden sieht. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass noch ein paar Exoten auf der Kurzstrecke unterwegs waren, die Kaschke Gesellschaft leisteten. Was es freilich keinen Deut besser macht. Der Letztplatzierte der M65, ebenfalls ein Deutscher, erreichte nach 46,62 Sekunden, das Schlusslicht der M85 in 82,81 Sekunden (Siegerzeit 16,66 sec.!) die Lichtschranke.
Wie ihre Vorgänger wird auch diese Senioren-WM von allzu vielen Sporttouristen verwässert und verunglimpft. Das gilt freilich für alle Disziplinen.