Stendal springt als neue Heimat des Senioren-Mehrkampfs ein

(Stendal, 31. Mai 2015)Diskussion- und Informationsbedarf beim "Stendaler Hanse-Cup". Bei einer Expertenrunde anlässlich der dritten Auflage dieses Mehrkampf-Meetings, gewissermaßen dem Götzis für Senioren/Innen, trafen sich gestern Abend Athleten/innen, Trainer, Betreuer und Kampfrichter zu einer von Organisationschef Siegfried „Siggi“ Wille, EVAA/EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin (Ahlen) und LVP-Vizepräsident Dieter Tisch (Ludwigshafen) geleiteten Podiusmdiskussion. Dabei ging es sowohl um die Zukunft dieser Veranstaltung als auch über die des Senioren-Mehrkampfs überhaupt. "Die Zukunft unseres Hanse-Cups ist gesichert", verkündete Siggi Wille nicht ohne Stolz, nachdem der Hauptsponsor, die Kreissparkasse Stendal, die Zusammenarbeit mit dem ausrichtenden Stendaler LV  im Rahmen des Empfangs beim Oberbürgermeister und Schirmherrn Klaus Schotz verlängert hatte. "Es geht uns auch um die Zukunft des Mehrkampfs in Deutschland", so Dieter Tisch. Der 67-jährige Pfälzer hat, sollte die DM im Senioren-Mehrkampf vom DLV gestrichen werden, einen Plan in der Schublade, um den Fünfkampf (Männer wie Frauen) in Stendal zu integrieren. "Wir sind bereit", so unisono die Stendaler. Sehr zur Freude von Dieter Massin, der während seiner Amtszeit beim DLV 1995 die DM Mehrkampf für die Senioren/innen eingeführt hatte.
Resümee der "Stendaler Runde": die Hansestadt in Sachsen-Anhalt wird zur neuen Heimat des Senioren-Mehrkampfs. Und dahinter stehen Fachleute, die sich mit Herzblut und großem Engagement für die Leichtathletik der Ü-30-Generation einsetzen.

Ein Haufen "toller Hunde" entwickelte Zusammengehörigkeitsgefühl

(Krefeld/Latsch, 20. April 2015) Wer kann schon im fortgeschrittenen Alter zwischen 53 und 70 Jahren, von einer Kegeltour mit Besäufnis bis der Arzt kommt einmal abgesehen, auf die Erfahrung eines intensiven Gemeinschaftserlebnisses über die Dauer von einer Woche zurückgreifen? Obendrein eines nahezu per Zufallsgenerator zusammen gewürfelten Haufens „toller Hunde“, der sich bestenfalls von Wettkämpfen mehr oder weniger flüchtig „kannte“. Manchmal auch nur vom Namen. Ein unschätzbarer Vorteil: es handelte sich ausnahmslos um Werfer, die von Gemüt und Geblüt alle irgendwie gleich oder zumindest sehr ähnlich ticken, sich gemeinhin auf Anhieb verstehen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Eine Woche, wenngleich feudal im Hotel Tanja Sonnenhof in der Kugelgasse, welch launige Fügung, von Latsch in Südtirol „kaserniert“ zu sein, gemeinsam neben Frühstück und Abendessen zwischendrin noch täglich zwei Trainingseinheiten zu je 2,5 bis drei Stunden zu absolvieren, ist dann freilich noch mal eine andere Hausnummer.
Schicken wir es voraus, dass sich die achtköpfige Gruppe plus des Mannes mit Zuckerbrot und Peitsche, Alwin J(osef). Wagner, prächtig verstanden und prima miteinander harmoniert hat. Trotz der breiten Altersstruktur und des nicht allein daraus resultierenden unterschiedlichen Leistungsvermögens. Nicht alles vermögen da schwerere/leichtere Gerätegewichte auszugleichen. Ein drei Kilogramm schwerer Medizinball, Farbe blau, wiegt nun einmal für jeden drei Kilo. Egal, ob er selber 88 oder 133 Kilo auf die Waage bringt. Ersteres gehört zu Herbert Mussinghoff (M65), letzteres zu unserem Koloss aus Thüringen, Uwe Heimrich (M55).

Medizinball spielte eine zentrale Rolle

Und wie schon im Beitrag „Kleiner Zwischenfall überschattete den Trainingsauftakt“ vom 14. April 2015 erwähnt, sollte der Medizinball auch im weiteren Verlauf eine zentrale Rolle zur Mehrung der allgemeinen Fitness, Koordination und Beweglichkeit spielen. Geradezu verblüffend, wie viele verschiedene, sich bei insgesamt acht Trainingseinheiten kaum wiederholende Übungen unser „Quälix II“ auf seiner kunterbunten Palette hatte. Dabei bestand unserer Truppe schließlich nicht aus heurigen Hasen. Allerdings sind die meisten seit Eintritt in den Seniorenbereich Autodidakten wider Willen, wandeln mehr schlecht als recht auf ausgetretenen, alt her gebrachten Pfaden irgendwie vor sich hin. Erschwerend kommt häufig noch hinzu, im heimatlichen Verein keinen Trainingspartner aus dem eigenen Beritt an seiner Seite zu haben.
Selbst beim Krafttraining kamen Elemente aufs Tapet, die für den einen oder anderen gänzlich neu oder schon wieder in Vergessenheit geraten waren. Der einhellige Tenor war schlussendlich, viele Impulse und Anregungen für seine künftige Trainingsgestaltung mitgenommen zu haben und vor allem fortan beherzigen zu wollen. Bereits in den paar Tagen waren Fortschritte bei Standards, wie zum Beispiel Rückwärtsschocken mit der Kugel, zu verzeichnen, obwohl der Akku – welch widersinniges Wortspiel – zunehmend leerer wurde. Denn bei unserem illustren Kreis handelte es sich auch im besten Leistungssportalter ausnahmslos um lupenreine Amateure, die nach Feierabend bestenfalls drei-, viermal wöchentlich trainiert haben. Für die Mehrheit von uns war ein Trainingsaufenthalt absolutes Neuland oder lag „Lichtjahre“ zurück. Beispielsweise bei mir, das weiß ich ganz genau, 1980 mit  Bayer Uerdingen unter Leitung der Trainer-Legenden Norbert Pixken und Manfred Knickenberg.

Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger

Da bei uns genötigten Alleinunterhaltern allenthalben die Mechanisierung der Fehler gepflegt wird, stand selbstverständlich die allmorgendliche (Wieder-)Erlernung oder Verbesserung der Technik mit Kugel und Diskus auf dem prall gefüllten Stundenplan. Ein ausgesprochener Glücksfall, dafür mit Alwin nicht nur einen ehemaligen Weltklasse-Diskuswerfer, sondern zudem langjährigen ehemaligen hessischen Landestrainer und aktuellen Coach der Leichtathleten aus Melsungen zur Verfügung gehabt zu haben, der nach jedem Versuch entsprechende Korrekturen vornahm sowie Tipps und Hinweise gab. Natürlich konnte nicht alles auf Anhieb umgesetzt werden. Aber eben doch manches. Allemal hilfreich, dass die Schwachstellen postwendend mit zwei geschulten Augen analysiert wurden und sie hoffentlich irgendwann in naher Zukunft abgestellt werden können. Es wird interessant sein, den Saisonverlauf der acht Probanden zu verfolgen. Wunder sind allerdings von jetzt auf gleich nicht zu erwarten. Letztlich kann die starke, ungewohnte Beanspruchung nicht mit der Bekleidung abgelegt werden und muss erst durch den Übergang in den normalen Rhythmus allmählich sacken.

Petrus, Platzmeister Dieter Kofler und Hotel sorgen für Wohlfühlambiente

Bleiben noch einige nicht unwesentliche Begleitumstände zu erwähnen. Wenn Engel, und sei es mit einem B davor, reisen, pflegt gewöhnlich auch der vermeintliche Wettergott Petrus mitzuspielen. Tat er dann auch. Bis auf ein bisschen Nieselregen am Freitagvormittag schaute die Sonne bei Temperaturen bis zu 25 Grad im Schatten unseren munteren, schweißtreibenden Aktionen strahlend lächelnd zu. Ein Kleinod für die sehr sportive Marktgemeinde Latsch, in der sich vor allem Spitzenleichtathleten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland (unter anderem vom 28. April bis 12. Mai 2015 Kugelstoß-Doppelweltmeister David Storl mit seinem Heim- und Bundestrainer Sven Lang) die Klinke in die Hand geben, ist Platzmeister Dieter Kofler, der unsere Wünsche erfüllte, ehe wir sie überhaupt geäußert hatten. Und zu guter Letzt darf unser Domizil auf Zeit, die gemütliche, im Südtiroler Stil eingerichtete Athletenherberge nicht vergessen werden. Hotelier Hans Tappeiner und seine älteste von drei Töchtern, Tanja, vermittelten mit ihrem verbindlichen, aufgeschlossenen Wesen ausgesprochenes Wohlfühlambiente. Den Rest besorgten erlesene Speisen sowie Getränke aus Küche, Keller und Zapfhahn. Wo Storl satt wird, reichte es für uns allemal.
Da an dieser Stelle schon ziemlich viel Blei, um die gute alte Zeitungssprache herkömmlicher Gutenberg’schen Druckkunst zu verwenden, geflossen ist, heben wir uns den krönenden Abschluss für den morgigen Beitrag im Fenster „Ergebnisse“ auf. Den bildete Samstag ein vierstündiger Spezial-Mehrkampf unter Wettkampfbedingungen mit geselligem Ausklang bei abendlicher Siegerehrung mit ein paar Gläsern Gerstenkaltschale. 

Wagner klagt: "DLV schweigt und sitzt das Problem aus!"

(Melsungen, 15. März 2015) Fortsetzung von gestern, dritter und folglich letzter Teil der Trilogie.
Auch Mädchen gefährden permanent ihre Gesundheit, wenn sie appetitzügelnde Hormone zu sich nehmen, um sich im Aussehen einem Model anzupassen. Dies kann zu Aggressionen bis hin zu Wahnvorstellungen führen. Abschreckend wirkt auch der Hinweis, dass Mädchen und Frauen bei der Einnahme von Anabolika männlicher werden. Dabei können sich ihre Busen zurückbilden und die Haare bis zur Glatze ausfallen. Wenn dann noch mein Hinweis kommt, dass Barthaare wachsen und auch der Kehlkopf, so dass sie eine tiefe Stimme bekommen, gibt es von allen Zuhörern Kopfschütteln und nur abfällige Bemerkungen.

Haarsträubende Untersuchungsergebnisse

Dass aber Jugendliche sehr stark gefährdet sind, beweist das Ergebnis folgender Untersuchung, wo ihnen folgende zwei Fragen gestellt worden sind:
1.) Ich gebe dir eine die Leistung steigernde Substanz, die auf der Dopingliste steht und verspreche dir viele Siege. Außerdem garantiere ich dir, dass du nicht entdeckt wirst. Würdest du diese Substanz einnehmen?
98 Prozent der Jugendlichen antworteten mit „Ja“.

Noch interessanter ist das Ergebnis der zweiten Frage:
2.) Ich biete dir ein leistungssteigerndes Präparat an, das ebenfalls auf der Dopingliste steht, und du wirst in den nächsten fünf Jahren alle Wettkämpfe gewinnen. Allerdings wirst du mit etwa 30 Jahren an den Nebenwirkungen dieser Substanz sterben. Würdest du trotzdem diese Substanz einnehmen?
Mehr als 50 Prozent sagten „Ja“!

Keine Aufklärung über die Risiken

Als ich an den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften teilnahm, wurde ich nie gewissenhaft über die Risiken und Nebenwirkungen von Doping informiert und schon gar nicht aufgeklärt. Wenn man danach fragte, wurde alles verharmlost oder ganz verschwiegen. Heute sind sich die Doper darüber im Klaren, dass sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit irreparable Schäden davontragen werden. Sie nehmen bewusst in Kauf, dass sie am Ende ihrer Karriere einen teilweise zerstörten Körper haben und einige der durch Nebenwirkungen entstandenen Beeinträchtigungen unter Umständen bis zum – frühzeitiger herbei geführten – Lebensende fortbestehen. Manchmal kommt es noch Jahre später zu schweren gesundheitlichen Folgeschäden. Aber Dopingsünder lassen sich nicht belehren. Sie sind nicht
einsichtig, weil sie der Meinung sind, sie wären den Dopingfahndern mindestens einen Schritt voraus. So kommt es vor, dass erst zehn Jahre später, wenn die alten Proben erneut auf Doping untersucht werden, positive Ergebnisse herauskommen. Der Athlet wird dann disqualifiziert und der nächste rückt nach. Aber der wurde damals nicht kontrolliert.
Es wäre zu begrüßen, dass eine wissenschaftliche Studie über die Doping-Opfer in der damaligen Bundesrepublik Deutschland (BRD) erstellt wird. Allein in meinem Bekanntenkreis sind viele Athleten an Krebs oder Herzleiden erkrankt oder bereits an dieser heimtückischen Krankheit sowie an plötzlichem Herzversagen verstorben.
Als Prof. Helmut Digel, der frühere DLV-Präsident, auf die Sportsysteme der DDR und der BRD angesprochen wurde, antwortete er zutreffend: “In der DDR wurde systematisch und menschenverachtend gedopt, in der Bundesrepublik war es menschenverachtend.”

Allgemeiner Appell zur Aufarbeitung 

Ich appelliere an meine Kollegen von damals, von denen ich weiß, dass sie gedopt oder von der Dopingproblematik gewusst haben, dass sie endlich die Wahrheit sagen und zu der Dopingvergangenheit stehen. Wir müssen diese Dopingvergangenheit in der BRD aufarbeiten und unsere Kinder und Enkel davor warnen. Gebt endlich zu, dass gelogen, betrogen, manipuliert und geschwiegen wurde! Auch die Politiker und Funktionäre könnten zur Aufklärung der bundesdeutschen Dopingvergangenheit beitragen. Vor allem Professor Dr. Armin Klümper.
Aber selbst nach meinen Interviews im Fernsehen und in vielen Presseorganen gab es  keine Reaktion vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Die Zeiten haben sich nicht verändert. Wie schon vor 35 Jahren ist Schweigen angesagt und damit auch ein Aussitzen dieses Problems. Dort wird einfach gewartet, bis sich die Empörung in der Öffentlichkeit gelegt hat und Gras über die Sache gewachsen ist.

 

Verein Deutsche Sprache geißelte kulturelle Selbstverleugnung des DLV

(Dortmund/Krefeld, 19. März 2015) Da Eigenlob bekanntlich stinkt, übernehme ich als langjähriger Kollege aus ehemaligen gemeinsamen Zeiten bei der Rheinischen Post in Krefeld diesen Part. Als Freier Sportjournalist hat Axel Hermanns insbesondere bei der Eishockey-Berichterstattung für viele renommierte Tageszeitungen querbeet durch die Republik, den „Kicker“, „Sportkurier“, für Nachrichten-Agenturen, Funk und Fernsehen gearbeitet, war Co-Autor mehrerer Eishockey-Bücher. Die Affinität und nicht zuletzt das Fachwissen für die schnellste Mannschaftssportart der Welt erklärt sich dadurch, dass er selber als Schüler und Jugendlicher für den ursprünglichen Krefelder EV von 1936 die Schlittschuhe geschnürt hat. Den über 55 Jahre alten Spieler-Pass hütet er wie ein Kleinod.  Aber selbst als alter Fahrensmann in Sachen Sportjournalismus hat der bekennende Kugelstoßer es als eine Art medialen Ritterschlag empfunden, dass ein Beitrag von ihm in der neuesten Ausgabe der Sprachnachrichten vom Verein Deutsche Sprache in der Rubrik Denglish unter dem Titel Für eine Handvoll Dollar publiziert wurde, angereichert durch ein mehrspaltiges Farbfoto, das Ariane Friedrich, Robert Harting und Verena Sailer im verpönten GERMANY-Trikot zeigt. Vergessen wir dabei nicht, dass die Weichen durch EMA-/EVAA-Ehrenpräsident Dieter Massin als VDS-Mitglied, in diesem Falle Verein Deutsche Sprache und nicht Verband Deutscher Sportjournalisten, dem Hermanns angehört, gestellt wurden. Nachfolgend der Text dazu: 
Ein durch den bedruckten und digitalen Blätterwald transportierter Aufschrei der Empörung ging 2012 durch unser einig Vaterland. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte sich – vermutlich dem Diktat seines US-amerikanischen Ausrüstungssponsors folgend – tatsächlich als einzige Dachorganisation des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in einem Akt der „kulturellen Selbstverleugnung“ erdreistet, seine Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen 2012 in London mit dem Schriftzug GERMANY statt Deutschland auflaufen zu lassen. Und das in Verbindung sowie unmittelbare Nähe zum Hoheitszeichen, dem Bundesadler, der nun plötzlich über Germany „kreisen“ durfte. Aber dieses Thema verschwand so schnell aus den Schlagzeilen, wie es da hinein geschwappt war. Getreu dem richtigen Leben bei wirklichen Geißeln der Menschheit wie HIV, Rinderseuche, Vogelgrippe, Ebola und was sonst noch alles. Gerade so, als würde es das nicht mehr geben.
Dabei trat der DLV völlig ungerührt bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau (Russland) und den –Europameisterschaften 2014 in Zürich (Schweiz) in der Außendarstellung weiterhin als GERMANY auf den Plan. Und wird dies dem Vernehmen nach für die Dauer des bis 2016 reichenden Olympiazyklus’ tun. Denn solange läuft bestimmt nicht nur für eine Handvoll Dollar der Vertrag mit dem finanzkräftigen Vermarkter aus den USA. Ein handfester Skandal ist, dass das Bundesministerium des Innern (BMI) diesem schändlichen Treiben tatenlos zusieht und darauf verweist, dass die Sportverbände in ihren Handlungen autark seien. Wo bleibt da die gesellschaftspolitische Verantwortung des Staates?
Die Leichtathletik-Senioren/innen, die mitgliederstärkste Fraktion im DLV, geben sich damit jedoch nicht zufrieden. Sie wollen bei internationalen Starts nicht in ein Trikot mit der Aufschrift GERMANY gezwungen werden, hoben Sengida (= Senioren gegen Internationalisierung der Altersklassentrikots) aus der Taufe und wehren sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Indirekt haben sie einen höchst prominenten Fürsprecher. Wenngleich in anderem Zusammenhang sagte unlängst Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich einer Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin: „Wir alle sind Deutschland!“
Wer wollte dem ernsthaft widersprechen?!

Doping: Wagner-Festspiele der etwas anderen Art zweiter Akt

(Melsungen, 14. März 2015) Nachdem ich öffentlich zugab, dass der damalige Bundestrainer Karlheinz Steinmetz mir zum Anabolika-Doping geraten hatte und mir selbst die Tabletten besorgte, dementierte er diese Anschuldigung und ging gerichtlich gegen mich vor. Weil die DLV-Diskus-Kaderathleten, die ich als Zeugen benannte, keine Aussage machten, verlor ich einige Prozesse. Zu meiner Überraschung äußerte sich im Sommer 2013 der sechsfache deutsche Diskuswurfmeister Hein-Direck Neu (Wiesbaden) und räumte in einem Presse-Interview ein, dass er mit Steinmetz regelmäßig zu Professor Klümper nach Freiburg gefahren sei, wo er reichlich mit Dopingspritzen und Tabletten versorgt wurde. Er hätte sich gewundert, dass die Krankenkasse das alles bezahlte. Aber dieses Geständnis kam für mich leider 30 Jahre zu spät.

Steinmetz wurde die Zwielichtigkeit attestiert

Obwohl Karlheinz Steinmetz wegen meiner Aussagen mehrfach vor Gericht ging und Einstweilige Verfügungen zunächst durchsetzen konnte, weil meine Zeugen plötzlich nicht mehr Zeugen sein wollten, unterlag er später sowohl gegen mich als auch gegen Brigitte Berendonk. Das Landgericht führte aus, dass Berendonk den Nachweis der Richtigkeit der von ihr publizierten Behauptungen erbracht habe. Steinmetz hatte sämtliche Beschuldigungen von mir, die auch Berendonks Buch „Doping Dokumente – von der Forschung zum Betrug“ nachzulesen waren, ständig als unwahr zurückgewiesen. Das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ berichtete in der Ausgabe vom 28. Dezember 1992 wie folgt: „So verlor Diskuswurf-Bundestrainer Karlheinz Steinmetz nicht nur drei Prozesse in Heidelberg und Kassel, sondern ebenso seinen Posten als Bundestrainer. Obendrein musste er 10.000 DM Schadenersatz an Berendonk und ihren Verlag bezahlen. Nun ermittelt auch noch die Staatsanwaltschaft wegen "Falschaussage vor Gericht". Letztlich musste Steinmetz zugeben, dass er gelogen hatte. Aber er traf verbandsintern auf milde gestimmte Richter. Er wurde von einer unabhängigen Juristen-Kommission, die zur Überprüfung von dopingbelasteten Trainern aus Ost und West eingesetzt war, zur Weiterbeschäftigung empfohlen. Dabei hatte wenige Tage zuvor das Landgericht Heidelberg festgestellt: "Sein gesamtes Verhalten rechtfertigt den Vorwurf ein ,Doping-Experte’ zu sein." Seit einigen Jahren ist er als Trainer in China tätig. Pikanterweise vom damaligen NOK (mittlerweile im DOSB aufgegangen) als Entwicklungshelfer entsandt...


Wer dopt, steht mit einem Bein im Grab“

Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH), sagte der Süddeutschen Zeitung, dass Kader-Athleten mindestens bis zum Jahr 2004 Dopingmittel von ihren offiziellen Trainern bekommen hätten. In Sachen Doping hatte ich in meiner aktiven Zeit schon alles gesagt. In den letzten Jahren meldete ich mich nur noch zu Wort, weil ich als Mahner und Aufklärer tätig sein wollte. Für mich gefährdet Doping nicht nur den Sport, der ohne die Achtung von Regeln seinen Sinn und Reiz verliert. Es widerspricht auch dem Fairplay sowie der Chancengleichheit, weil das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird. Obendrein gefährdet Doping vor allem die Gesundheit und damit auch das Leben. Wer sich dopt, der steht heute schon mit einem Bein im Grab.
15 Jahre lang war ich in Hessen als Kadertrainer für das Kugelstoßen und Diskuswerfen verantwortlich. Ich habe meine Athleten immer vor der Einnahme von Dopingmitteln gewarnt. Einmal wurde ich gefragt, welche Menge man einnehmen müsste, um deutscher Meister im Kugelstoßen oder Diskuswerfen zu werden. Ich bin mir sicher, dass dieser Jugendliche alles getan hätte, um einmal im Rampenlicht zu stehen. Ich wies ihn ganz gezielt auf die Nebenwirkungen und Spätfolgen hin. Er hängte seine Kugelstoßschuhe an den berühmten Nagel. In meiner Zeit als HLV-Vizepräsident führte Hessen zu Beginn der neunziger Jahre als einziger Landesverband auf mein Betreiben Doping-Kontrollen bei den Landesmeisterschaften ein und war somit ein Vorreiter für die anderen Landesverbände.
Weil Sport eine außergewöhnliche pädagogische Bedeutung hat, die immer wieder in den Schulen unter Beweis gestellt wird, wies ich in Vorträgen im Leistungskurs Sport sowie vor den Studierenden der hessischen Polizei immer wieder auf die Gefahren des Dopings hin. Nur im Leistungssport müssen junge Menschen fürchten, dass sie bei Dopingkontrollen erwischt werden. Im Breiten- und Freizeitsport gibt es keine Kontrollen. Deshalb muss auch hier auf die gesundheitlichen Risiken und etwaige Spätfolgen aufmerksam gemacht werden.

Mahner und Aufklärer in Sachen Doping


Ich weiß, dass viele Jungen einen muskulösen Körper besitzen möchten und deshalb ihre Muskeln aufpumpen. Obwohl der illegale Handel gegen das Arzneimittelgesetz verstößt und eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren nach sich zieht, lassen sich viele Jugendliche nicht davon abschrecken und besorgen sich anabole Steroide und selbst Wachstumshormone. Genaue Zahlen über die jungen Anabolika-Konsumenten gibt es nicht. Aber Fachleute schätzen, dass jeder zehnte jugendliche Kraftsportler zu Pillen und Spritzen greift und sich kaum um die Risiken schert. Mein Hinweis, dass ein schneller Muskelaufbau mit Anabolika bei den Jungen dazu führen kann, dass sie nicht mehr weiter wachsen oder ihre Hoden sich zurückbilden und sich Brüste ausprägen, versetzt manchen Zuhörer in Schrecken. Wenn ich dann noch ausführe, dassAkne, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Leber- und Nierenschäden drohen, habe ich viele überzeugt, die mit den Gedanken spielten, Anabolika auszuprobieren. - Wird mit dem dritten und letzten Akt fortgesetzt!