"Knebelpakt" zwischen späterem EVAA-Präsidenten und dem DLV

Gemeinsame Absichtserklärung

Zur Zusammenarbeit zwischen den Vertretern des DLV in nationalen und internationalen Gremien des Sports und dem Deutschen Leichtathletik-Verband

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ist einer der bedeutsamsten und einflussreichsten Fachverbände im deutschen Sport und in den internationalen Fachverbänden.
Der Europäische Senioren Leichtathletik-Verband (EVAA) ist der derzeit anerkannt führende Regionalverband innerhalb der Welt-Masters-Bewegung und hat sich in jüngster Zeit durch Innovation und Fördermaßnahmen zum Wohle des Seniorensports ausgezeichnet, wobei Synergien im Dopingkampf besonders hervorzuheben sind.
Zur Förderung und Entwicklung der nationalen und der internationalen Leichtathletik unterstützt und fördert der Deutsche Leichtathletik-Verband aktiv die Kandidaturen von Vertretern des DLV für die nationalen und internationalen Gremien und macht von seinem Vorschlagsrecht zur Wahl oder zur Berufung Gebrauch.
Der vorgeschlagene DLV-Vertreter versteht sich, soweit es ihm die Aufgaben als Präsident des EVAA erlauben, als Botschafter der deutschen Leichtathletikbewegung. Er verpflichtet sich, unter Wahrung der Interessen des EVAA und dessen Mitglieder, zur Loyalität gegenüber dem Deutschen Leichtathletik-Verband und seinen Vertretern. Er verpflichtet sich zur Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachgremien und dem Präsidium des DLV, aus denen jeweils ein direkter Ansprechpartner benannt wird. Diese Ansprechpartner werden schriftlich benannt. Die Zusammenarbeit ist insbesondere gekennzeichnet durch eine gegenseitige Informationspflicht, soweit Informationen seitens des DLV oder des EVAA im Einzelfall nicht für vertraulich erklärt worden sind.
Der gewählte oder berufene Vertreter informiert den DLV über seinen jeweiligen Ansprechpartner über Beschlüsse des jeweiligen Gremiums, soweit die Informationen seitens des DLV oder des EVAA im Einzelfall nicht für vertraulich erklärt worden sind.
Der gewählte oder berufene Vertreter holt rechtzeitig vor einer Beschlussfassung die Stellungnahme des DLV ein, soweit dieser Beschluss Einfluss auf die direkten Interessen des DLV haben kann. Diese Stellungnahme bringt der Vertreter mit in die Beratung der internationalen Gremien ein, wobei er aber jederzeit zur Ausführung eines Mehrheitsbeschlusses verpflichtet ist.
Der Ansprechpartner des DLV informiert den gewählten oder berufenen Vertreter über die themenbezogenen Ergebnisse der Fachgremien oder des Präsidiums des DLV.
Der DLV eröffnet die Möglichkeit, Themen in die Fachgremien oder das Präsidium einzubringen.
Der DLV lädt bei Bedarf die gewählten und berufenen Vertreter zu den Sitzungen der jeweiligen Fachgremien oder des Präsidiums ein.

Darmstadt / Lausanne, 30.04.2012

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Kurt Kaschke                                                   Dr. Clemens Prokop

Fußnote unsererseits: Damals hieß die erst in 2014 umbenannte EMA noch EVAA.

Christina Schwanitz begehrtes Foto-Objekt beim Jugend-Sportfest

(Düsseldorf/Krefeld, 22. November 2016) Ein Generationen übergreifendes, schon allein wegen der räumlichen Distanz vom Niederrhein nach Sachsen nicht alltägliches Gipfeltreffen einer aktuellen Werfer-Königin mit ganz viel talentiertem Nachwuchs erlebte vorigen Samstag die Leichtathletik-Halle im Arena-Sportpark der selbst ernannten Sportstadt Düsseldorf. Manch neutralem Beobachter, mehr noch den durch ein „Selfie“ mit und ein Autogramm von ihr zum Nutznießer gewordene Beteiligte, muss es fünf Wochen vor Heiligabend wie eine Bescherung vorgekommen sein. Denn das Mensch gewordene Christkind, die am 24.Dezember 1985 geborene Weltklasse-Kugelstoßerin Christina Schwanitz vom LV90 Erzgebirge, tauchte einer Erscheinung gleich in besagtem Sport-Tempel auf. Wie könnte es bei ihr anders sein – zum Training.
Was verschlug jedoch Schwanitz fern der Heimat an den Vater Rhein? Es fügte sich, dass sie als Bundeswehr-Angehörige in der Nähe der NRW-Landeshauptstadt einen Lehrgang zu absolvieren hatte und wollte die ihr vom Indoor-Meeting bekannten örtlichen Gegebenheiten zu einer Krafteinheit nutzen. Dass sie freilich in ein Wespennest von rund 500 „Kids“ beim 12. Jugend-Hallensportfest des SC Bayer 05 Uerdingen stoßen würde, konnte sie nicht ahnen.
Einmal als „Objekt der Begierde“ entdeckt, später noch durch den Hallensprecher in seiner Wirkung verstärkt, traten die genannten Mechanismen ein. Der goldige Wonneproppen ließ das alles freundlich lächelnd geschehen, schien das Bad in der Menge sogar irgendwie zu genießen. Die Gunst der Stunde ließ sich auch die zu größeren Hoffnungen Anlass gebende Hammerwerferin Sina Mai Holtjuijsen (*1996) vom ausrichtenden Klub nicht entgehen und suchte im Kraftraum den Kontakt zu Schwanitz für einen kleinen Plausch unter Gleichgesinnten auf, derweil ihr Vater Peter auf den Auslöser der Handy-Kamera drückte. Die Elfte der DLV-Bestenliste 2016 bei den Frauen (59,52m) war als Wettkampfrichterin im Einsatz. Abgesehen davon, der gleichen Zunft anzugehören, haben die beiden Frauen einen weiteren gemeinsamen Bezugspunkt in der abgelaufenen Freiluft-Saison – das Olympiastadion von Amsterdam in den Niederlanden. Die Kugelstoßerin wurde hier am 07.Juli mit der sich noch später als Saisonbestleistung herausstellenden Weite von 20,17 m Europameisterin, die Hammerwerferin, die neben der deutschen auch die niederländische Staatsbürgerschaft besitzt, zuvor am 19.Juni mit 57,67m Vizemeisterin bei den Nederlandse Kampioenschappen in der Frauen-Klasse.
Was lehrt uns das? Ein gemeinsamer Nenner lässt sich im Mikrokosmos Stoß/Wurf zumeist finden. Und sei es, dass Außenstehende wie wir sie aufspüren und ein bisschen Lesestoff daraus fabrizieren.

Europa verliert unter Kaschke an Bedeutung in der Senioren-Welt

Kommentar

Unter uns gesagt

(Perth/Krefeld, 31. Oktober 2016) Mag man nun zu CETA stehen wie man will, dieses Handelsabkommen und die Verhandlungen dazu haben klar und unmissverständlich gezeigt, dass und wie zerstritten Europa ist. Trotz EU, trotz Parlament, trotz Euro und was sonst noch so alles. Bevor es in Europa eine Einheit gibt, werden die Russen mit den Amerikanern womöglich zum zweiten Mal einen Nichtangriffspakt unterzeichnet haben…
Im Sport, und gerade bei den Leichtathletik-Senioren, ist Europa in den vergangenen vier Jahren nie als Einheit aufgetreten, hat zunehmend an Bedeutung und Einfluss eingebüßt. Da muss schon bis in die Amtsperioden des damaligen EVAA-Präsidenten Dieter Massin aus Ahlen zurückgeblättert werden, der ‚seine‘ Delegierten bei WMA-Versammlungen auf eine Einheit brachte, vorab zahllose Gespräche führte und bei Abstimmungen europäische Kandidaten favorisierte. Gleichwohl nicht auf Gedeih und Verderb. Qualität und Seriosität gaben im Zweifel stets den Ausschlag.
Wichtig war es Massin damals (und dabei wurde er vom Franzosen Jean Gracia, zwischenchenzeitlich IAAF-Generalsekretär, unterstützt), dass bei Bewerbungen von Städten für eine Stadion- oder Hallenmeisterschaft die aus Europa zunächst Priorität hatten. Denn, so das Credo von Massin, dann hatten neben den finanziell ‚Betuchten‘ auch die ‚Normalos‘ und nicht so begüterten Athleten/innen die Möglichkeit bei einer WM zu starten. Mithin wurde bei aller unvermeidlichen Masse mit überwiegend Sporttouristen auch weit mehr Klasse generiert.
Perth lehrte nun, dass dieser Massin‘sche Gedanke wieder Makulatur ist. Sein einst allzu voreilig als „Kronprinz“ gefeierter und im August 2012 bei der EM in Zittau gewählter Nachfolger Kurt Kaschke, der in Helikopter-Art zu Meisterschaften anreist (= mit Lärm einfliegen, Staub aufwirbeln und dann mit Lärm wieder abheben), lässt alles seinen ungesteuerten Lauf. Weder Treffen mit Delegierten, noch Gespräche mit seinen Mitgliedern, noch Vereinbarungen oder Empfehlungen.
So ist auch leicht zu erklären, warum in Perth mit Serge Beckers, einem kompetenten, erfahrenen, sprach- und wortgewandten Kandidaten, ein angesehener Fachmann die Wahl als WMA-Sekretär verlor und Göteborg als ausgewiesene Sportstadt mit dem Faustpfand als WM-und EM-Austragungsort der ‚Elite‘ herunterfiel.

 

Leichtathletik-Ikone "Phil" Raschker steigt 2017 wieder ins Geschehen ein

(Atlanta/Krefeld, 05. November 2016) Vermutlich wird sie auf den Ruf ihres offiziellen, höchst seltenen weiblichen Vornamens Philippa (Ableitung vom männlichen Philipp) nicht reagieren. Denn die Kurzform „Phil“ ist fast so etwas wie ihr eingetragenes Markenzeichen. Bietet allerdings bei größeren Menschenansammlungen durchaus Verwechselungspotenzial. Darauf hören nämlich bevorzugt Männer. Spontan fallen mir mit Promi-Faktor der ehemalige amerikanische Automobil-Rennfahrer Phil Hill, Formel-1-Weltmeister von 1961, und Pop-/Rock-Sänger Phil Collins ein. Wobei das von uns gemeinte Original die am 21. Februar 1947 in Hamburg geborene Leichtathletik-Ikone „Phil“ Raschker aus Atlanta in Georgia (USA) sehr treffend charakterisiert. Er, der Name Philippa, ist ein Symbol für Lebenskraft. Die scheint bei ihr geradezu unerschöpflich zu sein. Es übersteigt normal fassbare Dimensionen, was die zierlich wirkende Person in ihrer sportlichen Vita über Jahrzehnte hinweg festgeschrieben hat. Das die Tragweite am besten verdeutlichende Paradebeispiel: Die damalige Jung-Sechzigerin ging bei den Senioren-Weltmeisterschaften 2007 in Riccione an der italienischen Adriaküste zehnmal in der W60 an den Start und gewann zum Leidwesen der Konkurrenz alle zehn Titel.

Phil und Heinz: „Ein goldiges und sportliches Paar“

Rein sportlich betrachtet ist es allerdings um diese Ausnahmeathletin ruhiger, richtiger: still geworden. Die letzten Wettkämpfe absolvierte sie im Oktober 2013, also vor nunmehr vollen drei Jahren, bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Porto Alegre (Brasilien) mit sechsmal Gold sowie je einmal Silber und Bronze. Für ihre Abstinenz gab es allerdings einen gewichtigen Grund: Sie pendelte im Drei-Monats-Takt ständig zwischen Atlanta und Hamburg, sammelte als Nebeneffekt ordentlich Freiflug-Meilen, um ihre betagte Mutter zu besuchen und pflegen, die im April dieses Jahres 95-jährig verstarb. Die ständigen Trips hatten freilich einen weiteren Nebeneffekt. Phil konnte ihren für die LG Alster Nord startenden „Herzbuben“ Heinz Keck (*1941) aus Osnabrück häufiger sehen, mit dem sie seit Neujahr 2011 in Freundschaft verbandelt ist und überwiegend eine nahezu täglich gepflegte Fernbeziehung via Skype führt. Sogar das „Hamburger Abendblatt“ widmete den beiden 2012 im Wonnemonat Mai eine große Story unter dem Titel „Ein goldiges und sportliches Paar“.

Als Au-pair-Mädchen in die USA

Wie das seinerzeit in Mode war, um als Teenager die große weite Welt zu entdecken, ging „Phil“ 1967 als 20-jährige eigentlich nur für ein halbes Jahr als Au-pair-Mädchen in die USA. Daraus sollte indes durch verschiedene Lebensumstände eine unendliche Geschichte werden. Vornehmlich dadurch, dass sie ihren späteren Mann kennen und lieben lernte. Die Ehe endete indes nach zehn Jahren vor dem Scheidungsrichter. Da jedem Ende auch ein neuer Anfang inne zu wohnen pflegt, begann sie 1980 wieder mit der Leichtathletik. Die hatte sie schon als Schülerin und Jugendliche beim Hamburger SV (HSV) ausgeübt, deren Ehrenmitglied sie mittlerweile ist. Es ist beileibe keine Übertreibung, sie als Pionierin des Stabhochsprungs der Frauen in den USA zu bezeichnen. Durch ihre Bemühungen und Leistungen wurde er im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten hoffähig gemacht. Bereits 47-jährig sprang sie im Mai 1994 mit 3,38 amerikanischen Rekord. Wohlgemerkt: Nicht in der W45, sondern der offenen Klasse. Ein Jahr später vertrat sie ihre Wahlheimat in dieser Disziplin beim A-Länderkampf in Gateshead gegen Gastgeber Großbritannien.

Eine märchenhaft anmutende Erfolgsgeschichte

Schier unmöglich, alle ihre Erfolge und Auszeichnungen im Detail Revue passieren zu lassen. Auch das würde eine „Never ending Story“. Deshalb kurz und knackig in Schlaglichtern: Unter ihrem nach der Scheidung wieder angenommenen Familiennamen Raschker gewann Eileen Philippa, genannt „Phil“, seit 1980 sagenhafte 350 amerikanische Meisterschaften, stellte rund 200 nationale Rekorde auf, von denen derzeit noch 27 in ihrem Besitz sind, sie häufte bei den Seniorinnen 85 Weltmeistertitel an, stellte ungezählte AK-Weltrekorde auf, wovon noch acht Gültigkeit haben. Die herausragenden Auszeichnungen: 1997 wurde sie in die „Hall of Fame“ der US-Leichtathleitk, 2005 in die für alle Sportarten in den USA aufgenommen, 2003 und 2007 war sie jeweils unter den fünf Nominierten für die Wahl zum „Sportler des Jahres“ in den USA, unterlag 2003 denkbar knapp keinem Geringeren als Schwimm-Superstar und „Goldfisch“ Michael Phelps, und „last but not least“ wurde die Alleskönnerin 2007 im mondänen Monte Carlo (Monaco) zum „Best Master oft he Year“ gekürt. Beinahe müßig zu erwähnen, dass eine wie sie mit dem Eintrag bei Wikipedia auch den medialen digitalen Ritterschlag erfahren hat.
Diesem Energiebündel der Marke ewiges Multitalent kann getrost und ohne charmanten Schmäh das Etikett als bis dato weltbeste Senioren-Leichtathletin aller Zeiten angeheftet werden. Freuen wir uns also alle miteinander darauf, dass sie 2017, dann in der W70, wieder an den Start gehen und die Szene gehörig aufmischen wird. Letzteres dürfte keine allzu kühne Prognose sein. Dazu ist sie auch im „falschen“ Trikot bei ihren Wurzeln ein bisschen eine von uns, was sie obendrein gerne selber dokumentiert (siehe Foto) und die Kenntnis überholten deutschen Regelwerks (wir berichteten) unterstreicht.

Wenn man(n) schon kein Glück hat, kommt bisweilen noch Pech hinzu

(Zella-Mehlis/Krefeld, 30. August 2016) Wenn man(n) schon kein Glück hat, kommt bisweilen zu allem Überdruss noch Pech hinzu. Davon weiß nun auch Ed-Burke-Bezwinger Hermann Albrecht, seither in Anlehnung an Film-Haudrauf Arnold „Arnie“ Schwarzenegger „Herminator“ genannt, ein garstig Lied zu singen. Der 76-jährige Wurf-Allrounder aus Satteldorf im Nordosten von Baden-Württemberg hatte eine Horror-Anfahrt ins nicht einmal sonderlich weit, 225 Kilometer entfernte Zella-Mehlis in Thüringen hinter sich. Bei Brüllhitze verbrachte er in Höhe Würzburg gefühlte Stunden im Stau. Völlig gerädert kam er auf den vier Rädern seines Wohnmobils am Ort der Handlung der Deutschen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf mit reichlich Verzug an.
Noch dermaßen unter Strom stehend, fand er zunächst nicht in den Schlaf. Irgendwann ist er dann doch aus Übermüdung mehr so in Ohnmacht gefallen, als normal eingeschlafen zu sein. Im Rückblick meinte er, dass es allenfalls vier Stunden gewesen sind. Schlimmer, dass die eminent wichtige Tiefschlafphase gefehlt hat, in der sich auch der Muskeltonus verändert. Aber das müsste beim Besuch unserer Seite den vielen ausgewiesenen Fachmännern und -frauen eigentlich nicht erläutert werden, haben die sportlichen Folgen von Schlafentzug vermutlich schon selber erlebt.

Denkbar schlechte Voraussetzungen für Höchstleistungen
 
Nicht gerade pralle Voraussetzungen, um ausgeruht und guter Dinge Höchstleistungen vollbringen zu wollen/können. Und das Dilemma nahm ungebremst seinen weiteren Verlauf. Nach entsprechender Vorbereitung Samstagmorgen pünktlich um 8 Uhr zum Einwerfen an der Hammerwurf-Anlage erschienen (Beginn laut Zeitplan 08.30 Uhr), verhieß der allzu gestrenge Kampfrichter, dass gewartet werden müsse, da er noch keine Wettkampfliste habe. Ein höchst seltsames Argument bei allesamt eine Startnummer tragenden Athleten. Die Folge: 35-minütiges Verharren in Untätigkeit bei schon beträchtlichen Temperaturen. Und als verspätet die Liste eintraf, wurde zum Nachteil der Aktiven auf die Tube gedrückt, gab es entgegen den Regeln lediglich einen Probeversuch. All das in Summe, setzte der eh leicht neben sich stehende Hermann beim ersten Durchgang den Hammer bei der Drehung auf den Ringboden auf, schlug das Gerät bei etwa 36 Meter ein. Sich seiner Sache sicher, wollte der Routinier diese Weite nicht aktenkundig machen. Fatal! Durchgang zwei gelang zwar, war sauber gestanden und landete kurz vor der 50-Meter-Linie. Doch in einer Art „Blackout“ verließ Hermann vor, statt hinter der Mittelmarkierung das Rund. Hart, aber gerecht lautete die Ansage „ungültig“. Nun musste es der im Mehrkampf finale dritte Versuch richten. Das Gerät landete jedoch bei etwa 47 Meter auf der linken Seite knapp neben dem Sektor auf. Das bei einem Rechtshänder. Ergo dreimal o.g.V. = ohne gültigen Versuch. Der Kandidat hatte null Punkte. Und das ausgerechnet in seiner Paradedisziplin. Ein Tag zum Vergessen. Der deutsche Fünfkampf-Rekordhalter der M75 (4.955 Punkte) packte daraufhin die „Geigen“ ein und trat die Heimreise an. Dass ihm laut Online-Ergebnisliste zu Unrecht noch drei Ungültige im anschließenden Kugelstoßen angedichtet wurden, haben wir bereits aufgeklärt.

Hermann ebnete ungewollt den Weg für unverhofftes Edelmetall

Des‘ einen Leid, der anderen Freud. Es gab zwei „Nachrücker“, die unverhofft zu Silber (3.699) und Bronze kamen, der Drittplatzierte (3.179) überhaupt zu Edelmetall. Das nennt sich „Gunst der Stunde“. Und der eine starke Vorstellung abliefernde Günter Fändrich (4.635) konnte seinen Titel völlig unbeschwert in die Scheuer fahren. Das wirkte sich garantiert nicht nachteilig auf seine Leistungen aus. Allerdings hatte der Jung-Fünfundsiebziger im Wettkampfbüro erst mal eine Odyssee zu überstehen. Denn seine Frau Erika, die später überlegen mit 4.017 Punkten die W55 gewann, und er tauchten nicht in der Meldeliste auf. Bei der Recherche stellte sich schließlich heraus, dass dieses starke gemischte Doppel versehentlich von ihrem Verein TV Heppenheim für die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften am 10.September 2016 an gleicher Stelle gemeldet wurde. Letztendlich durften sie ohne die erkleckliche, an modernes Raubrittertum grenzende Nachmeldegebühr von 100 Euro – pro Person, versteht sich – an ihr fünfteiliges Werk gehen.

Ein Mix von guter Geldanlage und Fehlinvestition

Anders bei Klaus Volkheimer (*1944) und seiner Lebensgefährtin Margarete Tomanek (*1949) von der LG Ebersberg-Grafing in Oberbayern. Der fürs Administrative zuständige Klaus hätte besser den ultimativen Aufruf auf Lampis gelesen. So verdaddelte er jedoch den Meldeschluss und musste 200 Euro auf den Tisch des Herrn zur Minderung der latent klammen Finanzlage des DLV legen. Bei seiner Herzdame eine gute Geldanlage, die sich überlegen gegen Eva Nohl durchsetzte (wir berichteten), indes bei ihm eine glatte Fehlinvestition. Er produzierte tatsächlich, anders als Hermann Albrecht, in zwei Disziplinen mit Diskus und Gerätegewicht ausnahmslos Fahrkarten, endete abgeschlagen auf dem 18. und vorletzten Platz (1.923).
Es lag also ohne ein derartiges doppeltes Missgeschick wahrhaftig noch einer hinter ihm (1.691). Das unterstreicht die Feststellung in unserer DM-Vorschau, dass die Bandbreite zwischen Könnern und Spaß-an-der-Freud-Teilnehmern gewaltig sein wird. Dabei war die Diskrepanz in der M70 mit 2.369 Zählern noch nicht einmal die größte. Die M75 hatten mit einer Differenz von 2.485 und die M80 mit 2.796 Punkten noch Negativeres zu bieten. Da stellt sich dann schon die Frage, ob Sportabzeichen-Niveau und weniger etwas auf einer Deutschen Meisterschaft zu suchen hat? Die Antwort lautet eindeutig „Nein“!