Sportsch(l)au: Wind und Wetter für die Abwehr von Krankheiten


(Köln/Krefeld, 30. Oktober 2019)
 Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ und anderen Publikationsmedien sowie seinem eigenen Internet-Portal an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 107. Kapitel zu diesem Themenkomplex, passt auch zu unserem gestrigen Beitrag. A.H.

Mensch und Natur gehören zusammen

Pauschal zu sagen, dass es gesünder sei unter freiem Himmel Sport zu treiben, stimmt nicht immer. Besonders die Umweltbedingungen spielen hier eine wesentliche Rolle. Neben diesen Faktoren ist auch die organisatorische Komponente nicht zu unterschätzen. So hat nicht jeder einen Trainingsparcour oder Trimm-dich-Pfad gleich um die Ecke. Wer also an Geräten oder mit Hilfsmitteln trainieren möchte, braucht eine geeignete Sportausrüstung. Anderenfalls ist er im Studio oder Verein besser aufgehoben. Hinzu kommt, dass trotz guter Vorhersagen Wetterumschwünge das Training im Freien schnell zu einer nasskalten Angelegenheit machen können.
Dennoch bietet der „Outdoor“-Sport einen klaren Vorteil, der drinnen nun einmal nicht simuliert werden kann: die Kraft und Wirkung der Natur. Bewegung im Freien ist nicht nur Training für die Muskeln, sondern wahrer Balsam für unsere Seele. Der Mensch und die Natur gehören zusammen. Hinzu kommt: Wer bei Wind und Wetter Sport treibt, aktiviert nicht nur das Herz-Kreislaufsystem, stärkt zudem das Immunsystem und kurbelt somit die Abwehr von Krankheiten an.

Infekt-Gefahr: Es gilt zur Abwehr das Immunsystem zu stärken

(Krefeld, 29. Oktober 2019) Zitieren wir in unserer bekannt fürsorglichen Art nicht wörtlich, aber inhaltlich-thematisch die im Volksmund „Rentner-Bravo“ genannte Apotheken Umschau (Auflage 9,3 Millionen). Denn wo man auch hinschaut und –hört, triefen und schniefen um uns herum schon die Nasen etlicher Mitbürger. Der Übergang vom Altweibersommer mit Temperaturstürzen in den nass-kühleren Herbst, dazu noch mit dem schon sehr bald drohenden November-Blues (mit dem Laub fällt auch die Stimmung), ist die klassische Zeit für Schnupfen, Erkältungen und schlimmstenfalls grippale Infekte. Davor gilt es sich zu schützen und dagegen zu wappnen. Schließlich ist vorsorgen stets besser als heilen. Gerade bei Sportlern und da obendrein bei älteren Menschen ist das Immunsystem stark beansprucht, deshalb geschwächt und anfällig für die leider unsichtbaren, indes allgegenwärtigen Krankheitskeime, die besonders auf Türklinken lauern.
Sieben Tipps in Schlagworten, die körpereigene Abwehr zu stärken: Hygiene, ballaststoffreiche Ernährung, viel trinken, Bewegung, ausreichend Schlaf, Entspannung, gute soziale Bindungen. Nicht zuletzt ist auch eine Grippeschutzimpfung ein weiteres probates Mittel. Dazu einfach mal den Arzt oder Apotheker des Vertrauens um Rat bitten.
Alle Verhaltensregeln im Detail entweder in der gedruckten Ausgabe vom 15.Oktober im Leitartikel „Fit für die Schnupfenzeit“ oder unter www.apotheken-Umschau.de.

Obacht: Ab heute ticken die Uhren wieder um eine Stunde anders

(Krefeld, die Republik und EU, 27. Oktober 2019) Reisen statt Rasen. Entschleunigung jedoch noch mal ganz anders. Wer diese Nacht mit der Deutschen Bundesbahn beispielsweise auf einer Fernreise von Oberstdorf nach List auf Sylt unterwegs war, der blieb um 3 Uhr irgendwo stehen (wobei ich nicht weiß, ob sie wenigstens bis zum nächsten Bahnhof weiterfahren). Da wurden nämlich die Uhren von der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) auf die Winter- oder Normalzeit (!) um eine Stunde zurückgestellt. Und die galt es abzufeiern. Da frage ich mich, was auf einem Flug von meinetwegen New York nach Amsterdam geschieht, wenn der Airbus A380 um drei Uhr in den europäischen Luftraum eindringt? Für 60 Minuten hängenbleiben geht nun einmal nicht. Das soll aber auch nur unterstreichen, was das für ein honigblühender Blödsinn ist, der nach allen Erfahrungen nix gebracht, nur Kosten, bei sensiblen Menschen Krankheiten verursacht (erst recht bei Haus- und Nutztieren) und sonst noch ein heilloses Durcheinander veranstaltet hat.

"Zeitumstellung" sollte ursprünglich ab 2021 Vergangenheit sein

Auf diesen Trichter sind immerhin – man lese und staune – auch die hohen Damen und Herren bei der Europäischen Union (EU) im belgischen Brüssel gekommen. Nach einem Votum von 4,6 Millionen EU-Bürgern haben sich mit überwältigender Mehrheit von 84 Prozent für die Abschaffung der zweimaligen jährlichen „Zeitumstellung“ (die Zeit ist was sie ist, lässt sich nicht umstellen, allenfalls die Uhr) entschieden. Dem sollte mit einer letztmaligen Durchführung im März und Oktober 2020 Rechnung getragen werden. Denkste! Nun verzögert sie sich bis voraussichtlich 2021. Zweifel sind angebracht. Dazu in sinngemäßer Wiedergabe eine konfuse Verlautbarung vom zur EU weggelobten ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU): Er habe seinerzeit den Vorschlag mitgetragen, wäre aber persönlich nicht traurig, wenn es mit der Abschaffung nicht klappt. Geht’s noch?
Was für ein Rumgeeiere. Hanebüchen! Der Mann ist allen Anschein nach weder Fisch noch Fleisch. Wie wär's mit einem Rentenantrag? Das Alter dazu hätte er, ist kürzlich 66 geworden. Über die Politik(er)-Verdrossenheit sollte sich nun wirklich niemand mehr wundern.

Beim DLV gehört einiges auf den Prüfstand um DM-Ausrichter zu finden

Kolumne

Moment Mal

(Darmstadt/München/Krefeld, 28. Oktober 2019)
In Zeiten wo der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt mit immer mehr Regularien für die Durchführung einer Meisterschaft in Erscheinung tritt, wird es zwangsläufig zunehmend schwieriger einen adäquaten Ausrichter zu finden. Der schlagende Beweis, dass alle fünf großen nationalen Titelkämpfe der Senioren/innen für 2020 noch vakant sind (wir berichteten). Ein potentieller Veranstalter muss sich heute mit mehr als 20 Seiten Anforderungsprofil und einem von lokaler Werbung befreiten Stadion auseinandersetzen, wofür schließlich Verträge bestehen. Zudem erwartet der Dachverband, dass auf Kosten der Organisatoren mehrere DLV-Funktionäre eingeladen werden. Des Weiteren müssen ihm Räumlichkeiten oder Plätze für die Vermarktung seiner Sponsorenartikel zur Verfügung gestellt werden.

Absurdes Anforderungsprofil am Bedarf vorbei

Wenn man sich das verkürzte Anforderungsprofil der so genannten „Team-DM Senioren“ vom 27.Mai 2011 auf der Verbandsnetzseite anschaut, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Für die Abwicklung dieser Mannschaftsmeisterschaften, wie zuletzt das DAMM-Finale 2019 im Münchner Dantestadion, sind unter anderem 90 Hürden plus zwei Transportwagen, 16 Startblöcke mit Lautsprecher, eine Speerwurfanlage, acht Rundbahnen und zwei Räume zur Dopingkontrolle erforderlich. Hürdenlauf ist bei der DAMM so wenig im Programm wie Speerwurf. Startblöcke mit Lautsprecher waren de facto ebenso nicht erforderlich wie acht Rundbahnen (das Dantestadion hat derer sieben). Wofür werden zwei Räume für Dopingkontrollen benötigt, wenn mangels „Fahnder“ ohnehin keine Proben entnommen worden sind? Schattenboxen als pure Drohgebärde.

Keimzelle der Senioren-Bewegung fehlt die Wertschätzung

Die Wertschätzung seitens des Verbandes für die DAMM, immerhin die Keimzelle der Senioren-Bewegung in der Leichtathletik mit nunmehr 47-jähriger Tradition, kann man an der Nichtanwesenheit eines offiziellen DLV-Vertreters messen. Selbst der Nachfolger von Margit Jungmann (Rehlingen) als Vorsitzender des Bundesausschuss‘ Senioren, Ralf Hafermann aus Ohrdruf in Thüringen, glänzte durch Abwesenheit. Mit ihm der im Vorfeld für die Siegerehrung angekündigte neue bayrische „Landesfürst“ Gerhard Neubauer aus München. Allerdings ist er bei seinem mit dem Fahrrad zu absolvierenden Quasi-Heimspiel zumindest zwischendurch gesehen worden. Für die Honoratioren jeglicher Couleur mit Lokalkolorit stand womöglich auch noch die gleichzeitige Eröffnung des weltberühmten Oktoberfestes auf dem Tagesprogramm.

Dachverband mehr Verhinderer als Förderer

Alles in allem betrachtet stellt sich schon die Frage, wofür  der DLV außer seiner Patenschaft zur Abwicklung einer Deutschen Mannschaftsmeisterschaft überhaupt noch benötigt wird?  Denn obendrein treibt er den im Obligo stehenden Verein am Ort der Handlung, diesmal die LG Stadtwerke München, letztendlich nur auf Kosten, die eine finanzielle Deckelung unmöglich machen und mithin unweigerlich in die roten Zahlen eines Zuschussgeschäftes führen. Die Startgelder vermögen die vielen „Nebengeräusche“ nicht abzusichern.
Kurzum: Es ist nicht weiter verwunderlich, dass es außerordentlich schwierig ist, noch Klubs im Zusammenwirken mit den Landesverbänden zu finden, die sich all den Risiken und Nebenwirkungen aussetzen wollen. Da gehört zuerst beim DLV so einiges auf den Prüfstand, Hürden und Hemmnisse zu beseitigen.
Ein frommer Wunsch bei der dort vorherrschenden Totengräber-Mentalität was die Senioren/innen im Allgemeinen und die DAMM im Besonderen angeht.

Verbannung russischer Masters aus vielerlei Gründen nicht haltbar

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Beaverton/Oregon, Monte Carlo, Krefeld, 26. Oktober 2019) Vor einigen Jahren startete das amerikanische Sportartikel-Unternehmen NIKE ein ehrgeiziges Programm: Das NIKE Oregon Project (NOP). Es war ein Maßnahmenkatalog, der unter ‚besonderen‘ Bedingungen Läufer zu optimalen Leistungen bringen sollte. Der geistige Vater dieses von NIKE finanzierten Projekts war Alberto Salazar, einst selbst erfolgreicher Langstreckenläufer der USA. Unter seiner Leitung trainierten unter anderem Mo Farah (GBR), Galen Rupp (USA) oder auch Sifan Hassan (NED) und sammelten Medaillen und Rekorde. Bei den jüngsten Weltmeisterschaften der IAAF in Doha (Katar) wurde Alberto Salazar für vier Jahre gesperrt, das NOP wurde unmittelbar danach von NIKE beendet.


Trotz massiver Vergehen „lediglich“ zwei Sperren ausgesprochen

Die Doping-Anschuldigungen waren zu massiv, und zu viele Kronzeugen bestätigten die Ermittlungen. Auch der NOP-Arzt Jeffrey Brown wurde für vier Jahre gesperrt. Das war es denn auch. Keine Kollektivstrafen, keine Sperren für Athleten, keine Sanktionen gegen NIKE oder den nationalen Verband, obwohl es Kronzeugen gibt, die den Wahrheitsgehalt zu den Dopinghandlungen bestätigen können. Insgesamt gab es NUR zwei zeitlich begrenzte Sperren. Mehr nicht!

Konsequenteres Handeln der IAAF bis hin zur ungerechten Sippenhaftung

Wesentlich konsequenter handelte der Leichtathletik-Weltverband IAAF mit Sitz in Monte Carlo vor Jahren, als systematisches Doping in Russland nachgewiesen wurde. Athleten wie auch Offizielle sind ohne Zeitangaben gesperrt worden. Auch der nationale Verband wurde gesperrt. Später lockerte die IAAF die Sanktionen, und Athleten konnten unter neutraler Flagge (ANA = Authorized Neutral Athlete) starten. Zurück blieb bei den Sanktionen aber eine große Anzahl international startwilliger, meist leistungsstarker Masters-Athleten, die überhaupt keine Chance haben, ihre Sauberkeit nachzuweisen.
Damit begann ein Kapitel von Ungerechtigkeit und Unfairness. Warum wurden die Senioren in Sippenhaftung genommen? Was haben die Seniorenverbände World Masters Athletics (WMA) und European Masters Athletics (WMA) dagegen unternommen? Im Juni 2018 (!) hat der russische Mastersverband den EMA-Präsidenten Kurt Kaschke als regional zuständigen kontinentalen Vertreter angeschrieben. Keine Reaktion!

WMA und EMA verharren in verantwortungsloser Untätigkeit

Ist der europäische Senioren-Verband nicht verpflichtet Klarheit zu schaffen und zumindest dem russischen Mastersverband zu antworten? Was hat die EMA (und auch die WMA) getan, um den russischen Masters, die in keinem Kontrollpool der Welt sind, zu helfen? Nicht einmal eine Antwort bekamen die Russen; das ist verantwortungslos und zynisch den Athleten gegenüber, die sie gewählt und ihnen ihr Vertrauen geschenkt haben.

Momentan starten in der Leichtathletik nur ausgelesene Sportler aus Russland. Ironischerweise vermutet die interessierte Sportwelt, dass deren Starts nur möglich geworden sind, weil diese russischen Athleten uniforme NIKE-Ausrüstung tragen. Dass es bei den innerhalb der Leichtathletik-Verbände in Sippenhaftung genommenen russischen Masters auch anders geht, haben unter Flagge der Internationalen Masters Games Association (IMGA) erst unlängst die European Masters Games (EMG) im italienischen Turin bewiesen. Da durften sie starten und 96 von ihnen haben es dankend wahrgenommen (wir berichteten).
Daran sollten sich IAAF, WMA und EMA im Sinne willkürlich ausgegrenzter Sportler der Ü35-Generation mal ein leuchtendes Beispiel nehmen und die Verbannung schleunigst aufheben.