Medaillenspiegel gehört als Machtdemonstration der Großen abgeschafft

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Málaga/Darmstadt/Krefeld, 20. September 2018)
Spieglein, Spieglein an der Wand des Gästeklos der DLV-Geschäftsstelle auf der Alsfelder Straße in Darmstadt,wer ist...? Allerdings nicht der, in dem man sein mehr oder weniger ansehnliches Konterfei entdecken kann. Gemeint ist der unvermeidliche Medaillenspiegel nach internationalen Großereignissen wie zuletzt der Senioren-WM in Málaga. Den vielen Stammbesuchern von LAMPIS ist hinlänglich bekannt, dass wir ein vehementer, renitenter Gegner dieses ausgemachten Humbugs sind und uns dabei in prominenter Gesellschaft befinden. Nur ein Beispiel: Willi Lemke, ehedem streitbarer Fußball-Manager von Werder Bremen und UN-Sonderbotschafter für den Sport plädiert unmissverständlich für eine Abschaffung dieser „Machtdemonstration der großen und reichen Nationen".

Widerspiegelung eines Zerrbildes

Da gehen wir einen Schritt weiter. Denn es handelt sich um eine Widerspiegelung eines Zerrbildes. Das fängt schon mit dem Unsinn an, dass die Mehrzahl gewonnener goldener Plaketten der Maßstab für das so genannte Ranking darstellt. Zehn Goldene, eine Silberne und zwei Bronzene, in Summe 13, sind demnach mehr wert als in derselben Reihenfolge neun, neun, acht = 26. Schizophren, hirnrissig! Ganz zu schweigen, wenn schon denn schon, von einer Relativwertung nach Einwohner- und Meldezahl des jeweiligen Landes. Danach dürfte höchstwahrscheinlich die an 47.Position gelistete Insel Zypern mit je einer Gold- und Silbermedaille die erfolgreichste Nation gewesen sein.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den unter großem finanziellen Aufwand selber entsendenden Senioren/innen auch stets die Geldmeisterschaften der Betuchten und Bepelzten auf diesem Globus zu sein pflegen. Naheliegend, dass bei diesen Welttitelkämpfen auf dem alten Kontinent die Majorität der Teilnehmer/innen Europa aufgeboten hat. Davon haben allein sieben Länder mit Gastgeber Spanien (1.792) weit voraus an der Spitze über der Hälfte (4.196) aller Gemeldeten aus 101 Nationen (8.197) gestellt.
Noch Fragen! Dann bitte an den Arzt oder Apotheker des Vertrauens richten. Eine prima Adresse dafür wäre auch die neue WMA-Präsidentin Margit Jungmann aus Rehlingen, die gerade erst ein weichgespültes, rührseliges Interview in der Senioren-Spielecke auf der DLV-Netzseite gegeben hat. Die diversen Unzulänglichkeiten bei der WM kamen indes nicht vor. Wie denn auch? Wer brav fragt und nicht nachhakt, bekommt ebensolche Antworten.

Unsererseits bleiben wir der stringenten Linie treu

Wem es beliebt, der schaue sich den Medaillenspiegel herkömmlicher Art an. Verhindern können wir es eh nicht. Da ist freilich die eigene Findigkeit angesagt. Entgegen unserem sonstigen begnadeten Service werden wir jedoch verständlicherweise in konsequenter Verfolgung unserer stringenten Linie keine Verlinkung dahin vornehmen.

DAMM-Finale 2018 wird eine besondere Aufmerksamkeit zuteil

(Frankfurt/Baunatal/Krefeld, 19. September 2018) Schau an, schau an! Der guten alten Deutschen Altersklassen-Mannschaftsmeisterschaft (DAMM), neumodisch überflüssigerweise Team-DM Senioren genannt, wird bisweilen doch die verdiente Aufmerksamkeit zuteil. Jedenfalls vom Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) als überörtlichem Gastgeber des Endkampfes am kommenden Samstag in Baunatal. Der HLV berief zu diesem Ereignis gestern eigens zu einer Pressekonferenz an seinen Sitz in Frankfurt auf der berühmten Otto-Fleck-Schneise (dort residiert auch der all- und ohnmächtige DFB). Um dem ein wenig Lokalkolorit einzuhauchen, wurde dazu mit Kugelstoßer und Diskuswerfer Robert Ingenbleek (*1963) ein Protagonist vom M50-Team der LG Eder gebeten. Eine vortreffliche Wahl. Denn der Zwei-Meter-Hüne ist als Sozius einer großen Rechtsanwaltskanzlei weder auf den Kopf, noch auf den Mund gefallen.

LAMPIS wieder Leit- und Leidmedium für den DLV

Und noch etwas lässt das breit aufliegende Senioren-Herz kurzeitig höher schlagen. Die Plakatierung für den DAMM-Endkampf erfolgt erstmals nicht nach dem bisherigen, von uns mit konstanter Bosheit immer wieder beanstandeten Muster bei allen Senioren-Meisterschaften mit „Jugend forscht“ irgendwelcher blutjungen Mädels und Jungs aus dem U16-Segment. Der 59-jährige Weltklasse-Dreispringer Wolfgang Knabe vom OSC Damme dient(e) als Modell. Fürwahr ein fotogener Knabe. Das links oben in der Ecke mit #TrueAthletes mal wieder amerikanisiert wird, darüber sehen wir ausnahmsweise strahlend lächelnd hinweg. Vielmehr freuen wir uns darüber, dass unser steter Tropfen in dieser Sache den Granitstein namens DLV höhlte.
Soviel Eigenlob muss nach dem Motto „Tue Gutes und rede/schreibe darüber“ schon sein.

Wurf-Fünfkampf: Ein Punkt entschied in der W60 über Sekt und Selters

(Málaga/Krefeld, 16. September 2018) Öfter mal was Neues. Bei all dem Staffelgedöns über 4 x 100 und 4 x 400 Meter von M/W 35 bis endlos mussten am gestrigen Schlusstag der Senioren-Weltmeisterschaften in Málaga noch in drei Klassen die Wurf-Fünfkämpferinnen ran sowie solche, die sich dafür halten. Nahezu nirgendwo sonst ist das Leistungsgefälle größer als in diesem Vielseitigkeitswettbewerb. Allerdings gab es in der W60 einen Titel-Zweikampf auf ganz hohem Niveau. Entschieden wurde er um die sprichwörtliche Haaresbreite. Der geneigte Betrachter lese und staune: Ein winziger Punkt entschied über Sekt oder Selters. Beides prickelnd. Aber das edlere Getränk, so es denn zur Verfügung stand, blieb der Weltrekordhalterin (4.727 Punkte) Carol Finsrud aus den USA vorbehalten. Das fortgeschrittene US-Girl hatte mit 4.609 zu 4.608 Punkten das glücklichere Ende vor der Niederländerin Tiny Hellendorn für sich. Ginge es hier nicht um die vermeintlich herrlichste Nebensache der Welt, den Sport, könnte aus Sicht der Masters-Athletin aus dem westlichen Nachbarland von Tragik gesprochen werden. Denn machen wir uns nix vor, dass hier auch ein nur minimaler Messfehler den Ausgang beeinflusst haben kann.

Verkappte, verhinderte und echte deutsche Medaillengewinner

Es gab auch noch Medaillen für verkappte, verhinderte und echte deutsche Teilnehmerinnen. Die ausschließliche Ungarin Erika Mészáros-Fändrich (*1961) vom TV Heppenheim, verheiratet mit Günther Fändrich, bei einer Senioren-DM seit 2017 nicht mehr startberechtigt, durfte aufgrund einer aberwitzigen internationalen Regel für Deutschland als Dritte der W55 mit 4.125 Punkten die Bronzemedaille gewinnen. Eigentlich hätte im aufgeplusterten DLV-Begleittross dem Strichmännlein für den Medaillenspiegel dabei der Bleistift aus der Hand fallen müssen. Diesen abwegigen Nationalitäten-Misch-Masch erkläre mal einer an der nächsten Straßenecke Hans Mustermann und Lieschen Müller. Klarer Fall, dass sie gleich die Grüne Minna anrufen würden. Der DLV macht's möglich.
Die in Bayern lebende, mit Klaus Volkheimer verheiratete und für den TSV Grafing hier zu Lande startende Margarethe Tomanek (*1949) gewann in der W65 mit 4.013 Punkten den WM-Titel für ihr Heimatland Belgien. Die Weltrekordlerin der W55 (4.581) schlug dabei in einem immergrünen Duell die Beinahe-Siebzigerin Eva Nohl (*1948) vom TSV Langenzenn, die bei ihren 3.869 Punkten nicht ihren besten Tag erwischte. – Mit diesem Link geht es zu allen Resultaten des finalen WM-Tages.

"Karajan unter den Trainern" Norbert Pixken wird heute Achtzig

(Pattaya/Krefeld, 18. September 2018) Als Maestro Herbert von Karajan noch den Dirigentenstab zelebrierte und Leichtathletik-Cheftrainer Norbert Pixken (*18.09.1938) als Sportlehrer des FC Bayer 05 Uerdingen und des Uerdinger Bayerwerks mit seinen 10.000 Arbeitnehmern, vornehmlich für die Auszubildenden, des Werksschutzes und der firmeneigenen Feuerwehr, tätig war, wurde er vom damals monatlich erscheinenden Magazin „Sport und Fitness“ in einer doppelseitigen, bebilderten Geschichte mit der Überschrift „Der Karajan unter den Trainern“ geadelt. Keineswegs eine charmante Übertreibung. Mit Superlativen sollte gerade im Sportjournalismus sehr behutsam umgegangen werden, sonst gehen sie einem schneller aus, als einem lieb sein kann. Aber nach meinen 30 Jahre zwischen 1970 und 2000 andauernden hautnahen Beobachtungen als professioneller Berichterstatter sowie unmittelbaren Erfahrungen als aktiver Leichtathlet, zähle ich den gebürtigen Krefelder in dieser Sportart zu den wenigen Trainer-Legenden hier zu Lande.

Hervorstechende Gabe das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche

Er beherrschte das Instrumentarium von Zuckerbrot und Peitsche wie kaum ein Zweiter. Natürlich hatte auch er einen ausgeklügelten Plan, wenn er vor- und nachmittags zum zweimal täglich mehrstündigen Dienst am Menschen im Stadion Löschenhofweg im Krefelder Stadtteil Uerdingen erschien. Aber beim Individualtraining mit seinen Spitzenathleten vermochte er sich blitzschnell auf deren aktuelle Verfassung einzustellen und umzudisponieren. Fraglos neben seiner großen Fachkompetenz durch die nahezu gesamte breite Disziplin-Palette eine hervorstechende Gabe von ihm.

Weltklasse-Zehnkämpfer Jürgen Hingsen war sein Paradeschützling

Besonders gefragt war sie bei seinem Parade-Schützling Jürgen Hingsen (*1958), den er als 16-Jährigen entdeckte, forderte, förderte und zu einem Weltklassen-Athleten entwickelte, der dreimal den Weltrekord im Zehnkampf verbesserte. Die letzte Steigerung auf 8.832 Punkte von 1984 ist 34 Jahre später immer noch deutscher Rekord.  Denn der „Turm“, wie er wegen seiner zwei Meter Körpergröße von seinen Klubkameraden genannt wurde, war ein „Sensibelchen“, längst nicht so robust, wie es seine imposante Statur mit um die 100 Kilo Gewicht vermuten ließ. Da war er gefordert, der Karajan unter den Trainern, seinen Musterschüler stets bei Laune zu halten und auf Touren zu bringen. Als oftmaliger Augenzeuge weiß ich das aus eigener Anschauung und nicht vom Hören sagen.

Pralles Trainerleben mit Anekdoten gepflastert

Es ließe sich noch so manche Anekdote aus dem prallen Trainerleben von „Nöppi“, sein Spitzname, berichten. Die würden unseren Stammbesuchern aus manchem Beitrag (einen davon haben wir verlinkt) über ihn an dieser Stelle freilich sehr bekannt vorkommen. Sei noch erwähnt, dass der Junggeselle Norbert Pixken seit seiner Pensionierung im Milleniumsjahr 2000 in Pattaya rund 150 Kilometer von Bangok (Thailand) entfernt in einer Eigentumswohnung im 23.Stock eines Hoteltraktes lebt. Als Sonnenanbeter vornehmlich aus klimatischen Gründen.
Ein Blick auf das obige Datum hinter seinem Namen verheißt, dass er heute sein 80. Lebensjahr vollendet. Bleibt noch ein herzlicher Glückwunsch in die Ferne, lieber Norbert!  
Das nostalgische Foto zeigt Oberbürgermeister Dieter Pützhofen, Jürgen Hingsen und Norbert Pixken (von links) 1984 bei der Verleihung des Wappenteller, der höchsten Auszeichnung im Krefelder Sport.

Eindimensionale Mickey-Mouse-Beiträge in der DLV-Senioren-Spielecke

(Málaga/Krefeld, 16. September 2018) Unmittelbar bevor die 23.Senioren-Weltmeisterschaften im spanischen Màlaga an der Costa del Sol in Andalusien begonnen haben, ließen wir wissen, dass unsere Berichterstattung mangels eigenem Korrespondenten vor Ort auf kleiner Flamme köcheln würde. Daraus ist im Verlaufe der 13-tägigen Titelkämpfe dann doch ein bisschen mehr geworden. Der Hauptgrund: Die Mickey-Mouse-Botschaften in der Senioren-Spielecke auf der DLV-Netzseite gingen uns gehörig gegen den Strich. Getreu dem Motto der schon nach dem 2.Weltkrieg verpönten und seit der Wiedervereinigung endgültig gestrichenen ersten Strophe der Nationalhymne „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt…“ wurde von diesem literarischen Terzett um Öffentlichkeitsarbeiterin Bettina Daniela Schardt  lediglich von den Medaillen-Erfolgen der Germanen/innen geschrieben. Und das zu allem Überdruss einem Börsenbericht gleich mit der bloßen Aneinanderreihung von den Resultaten der mit Edelmetall geschmückten Aktiven.

Selbst Europa- und Weltrekorde anderer Athleten wurden schlichtweg totgeschwiegen

Selbst Europa- und Weltrekorde von Athleten/innen anderer Nationen wurden schlichtweg totgeschwiegen, als hätte es sie nicht gegeben!
Oder sollte ich da bei der zugegebenermaßen flüchtigen, oberflächlichen Draufsicht von Überschriften und Zwischenüberschriften etwas übersehen haben? Gut, vom Bajuwaren Norbert Demmel vom TSV Unterhaching schon. Wenn manche auch etwas anderes behaupten, gehört der Freistaat Bayern schließlich zu einem der 16 Bundesländer. Aber da waren allein bei Stoß und Wurf insgesamt vier globale Bestmarken durch Marianne Maier (Kugel, dazu im Siebenkampf) aus Österreich, Evaun Williams (Wurf-Fünfkampf) aus Großbritannien und Arild Busterud (Gewichtwurf, Wurf-Fünfkampf) aus Norwegen sowie die außerordentlich weltrekordnahe europäische Höchstleistung von Maria Slok Hansen aus Dänemark ebenfalls im Vielseitigkeitswettbewerb der Werfer/innen. Ausnahmslos Fehlanzeige, in besagter Senioren-Spielecke! Eindimensional! Deutschland, Deutschland… Ach, das hatten wir ja bereits.

Nachbetrachtung unserer Korrespondentin morgen im „Flurfunk“

Damit sie uns nicht auch noch irgendwann in den nächsten Tagen in einer

 „Nachbetrachtung“ vorbehaltlos beweihräuchern wie toll doch diese WM gewesen ist, haben wir Vorsorge getroffen. Diese Replik war ehedem der am 31.August 2018 ausgeschiedenen BAS-Vorsitzenden Margit Jungmann (sie wird morgen offiziell als neue WMA-Präsidentin inthronisiert) vorbehalten., als das obige Un-Wort noch nicht im Duden stand (kein Scherz!). Unsererseits haben wir vorsichtshalber noch eine Korrespondentin vom Fach ausfindig gemacht, die in Málaga hautnah am Puls der Zeit und des Geschehens war. Deren Erlebnisse und Erkenntnisse werden morgen im Laufe des Tages in unserer Klatsch-und-Tratsch-Spalte „Flurfunk“ nach zu betrachten sein.