Verbandsnetzseite war der Tod von Peter Speckens keine Zeile wert

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Übach-Pa
lenberg/Krefeld, 13. November 2019) Als ob es keine drängenden Themen geben würde, die den Talenten von gestern und vorgestern unter den Nägel brennen würden. Beispielsweise, dass nach dem Rahmenterminplan 2020 offiziell die fünf großen nationalen Meisterschaften der Ü35-Generation noch vakant sind. Kein öffentlicher Aufruf, kein flammender Appell an potentielle Ausrichter. Auch ansonsten ruht in der Senioren-Spielecke auf der DLV-Netzseite unter leichtathletik.de seit fast einem geschlagenen Monat still der See. Der letzte Beitrag datiert vom 16.Oktober 2019 mit dem opulenten, episch breiten sportlichen Abgesang auf Guido Müller (*1938) vom TSV Vaterstetten. Gerade so, als sei er für immer von uns gegangen.

Diese Ignoranz ist herz-, gefühl-, instinkt-, geschmack- und stillos!

Einem anderen Giganten der Masters-Szene, den dieses Schicksal tatsächlich ereilt hat, der bekommt nicht mal einen kleinen Nachruf von ein paar Zeilen, um wenigstens eine breitere, daran interessierte Öffentlichkeit (dies vermögen wir allein mit unserem Nischenengagement bei rund 1.500 Lesern leider nicht zu leisten) von zumindest nominell rund 400.000 Senioren/innen aufmerksam zu machen. Dabei hat die am 09.November 2019 im Alter von 84 Jahren verstorbene Werfer-Legende Peter Speckens (*28.05.1935) aus Übach-Palenberg bei Aachen den Ruhm und das Ansehen der deutschen Senioren-Leichtathletik über Jahrzehnte hinweg als bis zuletzt weltweit erfolgreichster aktiver Wurf-Allrounder gemehrt. Mit seinen insgesamt 37 EM- und 47 WM-Titeln, ganz zu schweigen von den mindestens doppelt so vielen Silber- und Bronzemedaillen, hat sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) indes liebend gerne beim für ihn ach so wichtigen Medaillenspiegel geschmückt. Und nicht zu vergessen: Der Gentleman in kurzen Hosen kam zu 91 (!) nationalen Meisterehren, war zudem Deutschlands Senioren-Leichtathlet der Jahre 2006 und 2012.
Diese Ignoranz ist dem tadellosen, allseits - auch bei Offiziellen - beliebten Sportsmann und feinen Menschen Peter Speckens gegenüber schlechterdings eine Schande zum Fremdschämen. Kurzum: Herz-, gefühl-, instinkt-, geschmack- und stillos!

Dauer(b)renner Herbert E.Müller läuft heute in ein neues Jahrzehnt

(Grevenbroich/Dormagen/Krefeld, 12. November 2019) Freud‘ und Leid oder umgekehrt liegen mitunter dicht beisammen. Nicht unbedingt für einen selber, jedoch in der Außenwahrnehmung. Dies wird in Erinnerung unserer jüngsten Berichterstattung im weiteren Verlauf deutlich. Völlig unbeeindruckt davon wird er als bekennender regelmäßiger Besucher von Lampis auch nicht geblieben sein, der ausgesprochen sympathische und empathische Herbert E.Müller (*12.11.1929) aus Grevenbroich. Der für seinen Stammverein TSV Bayer Dormagen startende Dauer(b)renner läuft als so genannter Quereinsteiger seit rund drei Jahrzehnten von 100 bis 3.000 Meter durch die verschiedenen Altersklassen von Erfolg zu Erfolg. Wer zählt, außer ihm, die Titel, Medaillen und deutschen Senioren-Rekorde? Da kann ein Statistiker, erst recht ein Chronist, schnell mal den Über- und Durchblick verlieren.

Als „Stubenältester“ Medaillenschwemme mit Staffel-Weltrekord gekrönt

Zuletzt gewann der seinerzeit 89-Jährige bei den Stadion-Europameisterschaften der Ü35-Generation im September 2019 an der norditalienischen Adriaküste oberhalb der Lagunenstadt Venedig als „Stubenältester“ der M85 in fünf Einzelrennen von 100 bis 1.500 Meter drei Titel sowie je einmal Silber und Bronze. Das Gesamtkunstwerk auf zwei Beinen multipliziert sich mal vier, wurde gemeinsam mit seinen drei deutschen Staffelkameraden durch einen neuen Weltrekord über 4x400 Meter gekrönt. Geteilte Freude fand in dem konkreten Falle vierfach ihren Widerhall. Das nennt sich dann Gemeinschaftserlebnis, landestypisch begossen mit Vino Rosso (Rotwein) bei Pizza und Pasta. 
Nach diesem in der Leichtathletik branchenüblichen Aufwärmprogramm kommen wir zum eigentlichen voluminösen Ereignis. Pfiffige, aufmerksame Schnellrechner werden es anhand des Geburtsdatums bereits entdeckt haben, dass der Mann mit dem griffigen, geläufigen altdeutschen Nachnamen heute einen stolzen Jubeltag feiern darf und sein 90.Lebensjahr vollendet. Das für sich gesehen ist selbst in unserer aufgrund vieler Faktoren linear immer älter werdenden Gesellschaft ja schon eine stramme Leistung.

Alt zu werden ist nicht nur eine Gnade

Wobei auch der Deutsche Senioren-Leichtathlet des Jahres 2017 das wie viele seiner 90-jährigen Alterskollegen aus dem Sport, unlängst erst Richard Rzehak (*13.Oktober 1929) aus Erlangen, nicht allein den Genen und mithin einer günstigen Veranlagung zuschreibt. Alt zu werden ist eben nicht nur eine Gnade der Natur in Gestalt der Eltern, sondern in hohem Maße ein Verdienst mit allem was dazu gehört. Und das ist nicht zuletzt körperliche Betätigung. Wie ein Jung-Neunziger kommt dieser Müller jedenfalls von seinem ganzen Habitus und vor allem seinem weit überdurchschnittlichen Leistungsvermögen nicht daher.
Mehr über ihn in einem Beitrag von uns mit der Verlinkung eines bemerkenswerten, groß angelegten, mehrseitigen Artikels im angesehenen Wochenmagazin „Die Zeit“.

Werfer-Ikone Peter Speckens gestern Mittag für immer von uns gegangen

(Übach-Palenberg/Krefeld, 10. November 2019) Auf ganz bestimmte Exklusiv-Meldungen würde ich trotz meiner fast 75 Lenze ungebrochen vorhandenem journalistischen Ehrgeiz liebend gerne verzichten. Und auf diese Hiobsbotschaft sicherlich diejenigen ebenfalls, die ihn ein wenig näher gekannt und deshalb zwangsläufig ob seiner warmherzigen, unprätentiösen Persönlichkeit außerordentlich geschätzt haben. Da schließe ich mich ein, der mir ohne jede Übertreibung sportlich und menschlich ein großes, unerreichbares Vorbild war. Manch eine/r aus dem nahe 100 Teilnehmer starken Feld und im Organisationsbüro der Offenen NRW-Senioren-Winterwurf-Meisterschaften gestern in Leichlingen wird sich gewundert haben, weshalb Werfer-Ikone Peter Speckens (*28.05.1935) vom SV Rot-Weiß Schlafhorst in Übach-Palenberg bei Aachen seine Meldung im Hammerwurf mit dem abholbereiten Titel nicht wahrgenommen hat.
All jene und vor allem die durch den frühen Tod von zwei Söhnen eh schon geschrumpfte Familie werden ihn fortan auf Dauer schmerzlich vermissen. Der Grandseigneur der Senioren-Leichtathletik, mit seiner nationalen und internationalen Titelsammlung bis dahin weltweit erfolgreichste aktive Wurf-Allrounder, ist gestern Mittag um 15.40 Uhr im Aachener Klinikum sanft für immer eingeschlafen, ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben.

Schlaganfall kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Die dramatische Vorgeschichte dazu: Bis vor gut einer Woche war der körperlich und geistig fitte 84-Jährige noch putzmunter, bester Dinge, voller Tatendrang und Pläne. Er hatte schon mit seinem engsten Sportfreund Jürgen Dannenberg (*1949) von der ASG Elsdorf, mit dem er zusammen seit 2005 alle internationalen Wettkämpfe bereist, über die organisatorische Gestaltung der nächstjährigen Senioren-WM im kanadischen Toronto (20.Juli bis 01.August) gefachsimpelt. Das hat Peter auch gegenüber Lampis (siehe Verlinkung) als sein großes sportliches Nahziel genannt, da er die erste Stadion-WM dieser Art 1975 an selber Stelle schlichtweg aus Unkenntnis verpasst hatte. Doch es sollte, wie nunmehr schon bekannt, anders kommen. Vorigen Sonntag erlitt der Mann mit dem verpflichtenden Kürzel PS in seinem schmucken Eigenheim wie ein Blitz aus heiterem Himmel einen Schlaganfall, fiel ins Koma, wurde durch Maschinen am Leben gehalten, die gestern in Anwesenheit seiner Tochter Martina aufgrund einer Patientenverfügung letztlich nach seinem Wunsch abgestellt worden sind.

Eingedenk der Aufregung erlitt Ehefrau Irmgard einen Herzinfarkt

Und da ein Unglück selten allein kommt, hat Peters Ehefrau Irmgard eingedenk der ganzen Aufregung vorigen Montag einen Herzinfarkt erlitten, benötigt momentan dementsprechend Ruhe, kann sich um all die ohnehin äußerst belastenden Formalitäten nicht kümmern.
Da sicherlich viele Leichtathleten speziell aus dem westdeutschen Raum den trotz seiner überragenden Erfolge geerdeten, bodenständigen und liebenswürdigen Sportler die letzte Ehre erweisen wollen, schon mal mit Einverständnis von Frau Speckens einige Vorabinformation: Es erfolgt zunächst eine Feuerbestattung und Urnenbeisetzung innerhalb der verbliebenen Familie mit der Witwe, Tochter, vier Enkeln und einem Urenkel. Den öffentlichen Termin und Ort der Abschiedsfeier werden wir in dieser Nachrichten-Rubrik alsbald bekannt geben.

Persönlicher Nachruf zum Tode meines Sportfreundes Peter Speckens

(Übach-Palenberg/Krefeld, 11. November 2019) Offen gestanden fällt es mir ungeheuer schwer, auf dieser Welle und an dieser Stelle im unmittelbaren Anschluss auf den Nachruf zum Tod der – und das ist in verklärter Ehrerbietung kein schmückender Superlativ – nun nicht mehr lebenden Werfer-Legende Peter Speckens profan zur Tagesordnung überzugehen. Das noch obendrein an einem inoffiziösen rheinischen Feiertag, dem Elften im Elften mit Karnevalserwachen um 11:11 Uhr. Erwähnt ist es hiermit dennoch. Aber das war’s auch schon. Was indes folgt, ist aus meiner privaten Sicht ein persönlicher Nachruf auf den verstorbenen langjährigen Sportfreund, den ich geachtet, geschätzt, ja, nahezu verehrt habe, der für mich gewissermaßen Leitbildcharakter hatte.

Über die gemeinsame Werferei hinaus „Brüder im Geiste“

Denn ich war ihm weit über die gemeinsame Leidenschaft der Werferei hinaus verbunden. So was, das in diesem Zusammenhang gerne und allgemein verständlich als „Bruder im Geiste“ bezeichnet wird. Mehr noch: Obwohl uns altersmäßig lediglich neuneinhalb Jahre trennten, was im oberen Alterssegment gefühlt noch zusammenschrumpft, war er für mich ein väterlicher Freund. Auf seinen bisweilen in Anspruch genommen Rat konnte ich mich hundertprozentig verlassen. Insbesondere dann, wenn ich bei meiner journalistischen Tätigkeit auf LAMPIS gelegentlich nicht in der Sache, jedoch der für Betrachter allzu markigen Wortwahl rhetorisch übers Ziel hinaus geschossen bin. Da fungierte er als ausgleichendes Element, als Leitlinie bei der einem Schütze-Geborenen meist nicht vorhandenen diplomatischen Ader des stets frank und frei von der Leber weg.

Schlaue (Binsen-)Weisheiten sind wenig hilfreich

Es gibt viele schlaue (Binsen-)Weisheiten. Nur zwei prägnante Beispiele: „Der Tod gehört zum Leben“ und „Das Leben ist endlich“. Das wissen wir alle, seit wir den Kindesbeinen entwachsen sind und uns damit irgendwann zwangsläufig unmittelbar auseinander setzen mussten. Aber es zu fassen und begreifen, wenn ein Mensch stirbt, der einem sehr nahe gestanden hat, das hat eine völlige andere Dimension und Tragweite. Bei einer vorangegangenen längeren schweren Krankheit kann man sich mit dem Gedanken eines Ablebens zumindest schon beschäftigen. Oftmals wird der Tod sogar als Erlösung für alle direkt Beteiligten angesehen. Ein Trost, ein Anker, der einen in der Trauer stützt und ein wenig Halt geben kann.

Schlimmste aller Nachrichten traf wie ein Keulenschlag

Aber hier. Peter „Der Große“ Speckens ist, wie gestern bereits beschrieben, einem Blitz aus heiterem Himmel gleich bei scheinbar bester Gesundheit und geistiger Frische mitten aus dem Leben gerissen worden. Diese schlimmste aller denkbaren Nachrichten erreichte meine Frau Elke und mich gestern bei einem Cappuccino in der Golfclub-Gastronomie auf der Krefelder Galopprennbahn. Jürgen Dannenberg hatte bei ansonsten eher seltenen derartigen Kontakten auf der Mailbox meines Handys um Rückruf gebeten. Da beschlich uns schon ein komisches Gefühl, dass irgendetwas mit Peter Speckens sein könnte. Es sollte der Super-GAU sein, der uns sinnbildlich wie ein Keulenschlag traf. Das muss nicht weiter geschildert werden, hat jeder schon nachvollziehbar leidvoll erlebt.

Ein Gentleman wie er im Buche stand vor seinem letzten Weg

Eigentlich sollte Peter Speckens wie zu meinem „Sechzigsten“ Anfang Dezember 2004 in der Altbierstube des Parkhotels Krefelder Hof zu den Gästen aus Anlass der baldigen Vollendung meines 75. Lebensjahres gehören. Stattdessen wird nicht er mir die Freude seines Besuches, sondern ich ihm die Ehre bei der Abschiedsfeier auf seinem ultimativ letzten Weg erweisen: Dem Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, dem im positiven Sinne für sich einnehmenden, von ihm begeisterten Menschenfänger, der bis Dato berühmteste Sohn von Übach-Palenberg, dem Weltmann, der über das Sportliche hinaus auch als ehemaliger Werksleiter der großen Maschinenfabrik Schlafhorst die ganze Welt bereiste.
So schmerzlich dieser Abschied für seine Witwe Irmgard, seine Tochter Martina, die übrige Familie, Verwandte, Freunde, engere Bekannte und die unzähligen Sportkameraden rund um den Globus, so sie es erfahren, auch ist, mag es ein Trost sein, dass er nicht hat leiden müssen und bis zu seiner bewusst wahrgenommenen letzten Sekunde ein prall gefülltes, abwechslungsreiches, interessantes und spannendes Leben geführt hat. Ein solch bewegungsaktives, stattliches Mannsbild als Pflegefall womöglich im Rollstuhl übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Das ist ihm und seinem nahen Umfeld erspart geblieben. So es überhaupt einen „schönen Tod“ geben kann, war das einer aus dieser Kategorie.

Noch keine offiziellen Resultate vom LVN von "NRW Open" im Winterwurf

(Leichlingen/Krefeld, 10. November 2019) Es gab schon Zeiten, da war der Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) mit den von ihm federführend organisierten Veranstaltungen schneller mit der Ergebnisübermittlung. Bislang (08:45 Uhr) auf seiner Netzseite Fehlanzeige von den Offenen NRW-Senioren-Winterwurf-Meisterschaften gestern im Sportzentrum Balker Aue in Leichlingen. Wenn wir mal wieder den Pfadfinder spielen und über die Dörfer gehen, tun sich unter laportal.net höchst lückenhafte Resultate auf, obendrein in der scheußlichen Grafik und dem handelsüblichen SELTEC-Wirrwarr. Eine Zumutung ohnegleichen. Immerhin komplett scheinen die Ergebnisse vom Wurf-Fünfkampf (dort fälschlich Werferfünfkampf genannt) zu sein. Der stellte allerdings lediglich einen Rahmenwettbewerb dar. Um Meisterehren ging es in den klassischen Langwürfen Diskus, Speer und Hammer.

Klaus Kynast zum Saisonkehraus mit einem „Viertausender“

Indes sei nicht verschwiegen, was uns bereits bekannt geworden ist. Die beste Leistung im Vielseitigkeitswettbewerb der Werfer erzielte erwartungsgemäß der für den ASC Dortmund startenden Hagener Klaus Kynast (*1949; im Bild) mit 4.082 Punkten in der M70. Ein veritables Pfund zum ultimativen Saisonkehraus bei den angekündigt gemischten Witterungsverhältnissen. Herausragend seine 17,71m im Gewichtwurf, wofür er satte 1.035 Punkte einheimste. Bis auf seine Achillesferse Speerwurf lagen die drei übrigen Disziplinen sehr ausgewogen im 800er-Bereich. Ein wahrer Wurf-Allrounder eben mit nur einer Schwachstelle. „Insgesamt waren es gute Bedingungen für die Jahreszeit“, beschreibt es der 70-jährige Westfale selber, der den lieben langen Tag im Einsatz an den fünf verschiedenen Geräten (siehe auch unsere Cartoons in der Dachleiste) war.