Meldung zur Senioren-DM ist keine Wünsch-dir-was-Veranstaltung

(Mönchengladbach/Krefeld, 27. Juni 2018) Es ist beileibe nicht so, dass die Themen für die Senioren-Leichtathletik, dazu noch vorwiegend, aber nicht ausschließlich herunter gebrochen auf Stoß/Wurf, auf den Bäumen wachsen und wie reife Früchte gepflückt werden könnten. Unserem Credo selbstverpflichtend folgend, jeden Tag in irgendeinem Fenster etwas Neues zur Information und Unterhaltung unserer vielen Stammbesucher zu veröffentlichen (Zitat: „Lampis gehört für mich zum Frühstück wie der Kaffee.“), diente gestern halt eine Glosse. Die löste einen Sturm im Wasserglas aus, deswegen brummte es zusätzlich in meinem E-Mail-Postfach. Die Argumentation, mal mehr oder weniger ausschweifend, war stets dieselbe. Bei der Meldung für die Senioren-DM über ladv.de würde automatisch auf die bessere Leistung aus dieser Saison oder dem Vorjahr zurückgegriffen.
Ein Impressum bieten die entgegen den bundesdeutschen Gepflogenheiten auf ihrer Netzseite nicht an. Nach meiner Kenntnis handelt es sich jedoch um eine Privatinitiative. Schön, dass es sie gibt, wie alles auf diesem Sektor zu begrüßen ist. Aber was, in Teufels Namen, haben die hochoffiziell mit Meldungen zu Deutschen Senioren-Meisterschaften zu tun?

Meldeverfahren laut Ausschreibung über eigenen Landesverband vorzunehmen

In der Ausschreibung zu der aktuellen Senioren-DM am kommenden Wochenende in Mönchengladbach ist auf dem Internet-Portal des veranstaltenden DLV unmissverständlich nachzulesen, dass die Meldung über den jeweils
eigenen Landesverband der Athleten/innen zu erfolgen hat. Das geschieht dann üblicherweise nach neuerer Zeitrechnung über das Verfahren LA.Net2. Und da wird neben den persönlichen Daten der Startwilligen die Qualifikationsleistung mit Datum und Ort der Handlung eingegeben. Nur im Zweifelsfalle die aus dem Vorjahr, wenn wegen Krankheit oder Verletzung (nochmals: das war ursprünglich als Ausnahmeregelung gedacht und keine Wünsch-dir-was-Veranstaltung) in der laufenden Saison die Norm bis zum Meldeschluss noch nicht erfüllt werden konnte. So einfach ist das. Aber gebe einem den kleinen Finger, dann nimmt er die ganze Hand. Und wenn schon ladv.de, ließe es sich technisch lösen, zunächst die Leistung aus dem Meisterschaftsjahr heranzuziehen.
Damit ist die Messe in dieser Angelegenheit für uns endgültig und unwiderruflich gelesen. Da es Blasphemie wäre, lassen wir den allseits bekannten Gruß jetzt weg. Doch abschließend besten Dank für die Steilvorlage mit Treffergarantie!

Was soll bloß dieser Schwachsinn mit der Vorjahresleistung zu melden?

Glosse

Neben der Spur

(Mönchengladbach/Krefeld, 26. Juni 2018)
Meldeleistungen sind Schall und Rauch. Insbesondere, wenn sie wie für die Deutschen Senioren-Meisterschaften von kommenden Freitag bis Sonntag im Rheydter Grenzlandstadion in Mönchengladbach zu gefühlt über 50 Prozent aus dem Vorjahr sind. Was, bitte schön, soll dieser honigblühende Schwachsinn? Es kann mir keiner allen Ernstes erzählen wollen, dass eben gut die Hälfte der 1.301 Startwilligen in der laufenden Freiluftsaison die Norm noch nicht erfüllt hat. Sie wollen schlicht mit der besseren Leistung melden. Das soll wohl einerseits als psychologische Kriegsführung herhalten, die Gegner einschüchtern zu wollen, dient andererseits als Pfeifen im Walde, sich selber Mut zu machen. Denn in aller Regel werden Senioren/innen von einem Jahr auf das nächste nicht besser. Außer sie heißen Andy Dittmar. Der biologische, bald 44-jährige „Wunderknabe“ aus Gotha stieß 2017 die Kugel in der M40 18,38m und heuer 18,39m.

„Lex Specialis“ wird schamlos zweckentfremdet

Vergegenwärtigen wir uns, dass es eine „Lex Specialis“ bei den Senioren/innen ist, die es sonst nirgends gibt. Beispiel die DM der Männer/Frauen: „
Nachfolgende Mindestleistungen müssen in der Freiluftsaison 2018 bis zum Meldeschlusstermin erbracht sein.“ Es  war für die Ü35-Generation als Ausnahmeregelung gedacht, mit der Vorjahresleistung melden zu dürfen. Nämlich für den Fall des Falles, dass wegen Verletzung oder Krankheit die Norm in der laufenden Saison noch nicht erbracht werden konnte, der- oder diejenige bis zur Meisterschaft aber wieder fit geworden ist. Darauf gilt es sich zurück zu besinnen. Diese wie ein Bazillus um sich greifende Unsitte (siehe oben) ist durch einen entsprechenden Passus in der Ausschreibung ein Riegel vorzuschieben. Wer die Qualifikationsleistung im Meisterschaftsjahr bereits erbracht hat, muss auch damit melden. Basta! Punkt! Aus!
Und vergessen wir eines nicht: Abgerechnet „wird auf’m Platz!“, entscheiden im direkten Vergleich die Tagesform und das bessere Nervenkostüm unter den Assen über Sekt und Selters. Die, mit Verlaub, „Hinterbänkler“, können sich die beschriebenen Kinkerlitzchen eh sparen.
Noch Fragen? Dann bitte beim Arzt oder Apotheker des Vertrauens stellen!

NK: Sina Mai Holthuijsen sorgte für eine Wachablösung im Hammerwurf

(Utrecht/Krefeld, 24. Juni 2018) Wenden wir uns aus gegebenem Anlass einer Seniorin von übermorgen zu, die gestern eine Seniorin von heute bezwungen hat. Die Tochter von Lampis-Gründervater Peter Holthuijsen, ein gebürtiger Niederländer mit über 20-jährigem Wohnsitz in Erkelenz, und seiner deutschen Ehefrau Christa hat für eine Wachablösung und einen Generationenwechsel gesorgt. Die Deutsch-Niederländerin Sina Mai Holthuijsen (*1996) vom AV Unitas Sittard und SC Bayer 05 Uerdingen schlug bei den Niederländischen Meisterschaften (NK) der Männer/Frauen in Utrecht die favorisierte Hammerwurf-Abonnementsmeisterin Wendy Kohlhaas (*1980) aus Groningen. Insofern schon eine mittelprächtige  Überraschung, als Kohlhaas erst vor drei Wochen mit ihren 38 Lenzen bei den NK Masters in Gouda bei ihrem Titelgewinn in der W35 mit 63,04m bis auf 1,10m an ihre persönliche Bestleistung von 64,14m herangekommen war.

Krasser Leistungseinbruch von Koolhaas ebnete den Weg

Doch sie erlebte in Utrecht eine kapitale Leistungseinbuße, die sich aus der Ferne zwangsläufig einer schlüssigen Beurteilung entzieht, kam in ihrem besten Versuch über 58,83m nicht hinaus. Dagegen wie aus einem Guss „Sientje“, wie ihr Vater sie nennt, die mit einer geradezu verblüffenden Konstanz und technischen Sicherheit ihrer vier Drehungen eine Traumserie hinlegte: 61,55, 59,28, 61,71, 62,04, 61,59 und 62,14m oder 6:0 gegen die diesmal nicht so wendige Wendy. Dazu das Meisterstück im finalen letzten Durchgang mit neuer Saisonbestleistung (bisher 61,51m), lediglich 24 Zentimeter unter dem niederländischen U23-Rekord der hübschen 21jährigen Studentin. Durch ihren Multi-Kulti-Status dürfen zur Familie auch die beiden Klubs sowie die Trainer Michel Leinders (Sittard) und Helmut Penert (Uerdingen) sowie die Heimatgemeinde Erkelenz mitfeiern. Wenn das mal keine geteilte Freude ist?!
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Senioren-DM 2018 relativ "tief im Westen" erfährt starken Zuspruch

(Mönchengladbach/Krefeld, 25. Juni 2018) Normalerweise finden Meisterschaften in Nähe der geografischen Zipfel unserer Republik, die da wären List auf Sylt (Nord), Görlitz (Ost), Oberstdorf (Süd) und Selfkant (West), nicht den ganz großen Zuspruch. Paradebeispiel sind die vorjährigen Titelkämpfe in Zittau im Drei-Länder-Eck Deutschland – Polen – Tschechien mit 999 Gemeldeten zur Senioren-DM. Vergessen wir getrost und haken es als künstlerische Freiheit ab, wenn der in Göttingen geborene Barde Helmut Grönemeyer in der Hymne an seine einstige Heimatstadt Bochum von „tief im Westen“ singt. Bis zur Gemeinde Selfkant unmittelbar an der niederländischen Grenze sind es noch satte126 Kilometer. Da bietet das Rheydter Grenzlandstadion in Mönchengladbach als Austragungsort der Deutschen Senioren-Meisterschaften am kommenden Wochenende mit 51 km wesentlich weniger. Und dennoch erfahren diese Titelkämpfe mit 1.301 potenziellen Teilnehmern/innen aus 750 Vereinen bei 2.406 Starts einen außerordentlich starken Zuspruch. Das liegt in etwa auf der sehr guten Resonanz im geografisch zentraler gelegenen thüringenschen Leinefeld-Worbis bei der DM 2016 mit 1.307 Gemeldeten aus 666 Klubs bei 2.510 beabsichtigten Starts. Real waren es 1.164/618/2.144.

Noch ein bisschen tiefergreifende Zahlenkosmetik

Bei der Gelegenheit noch ein bisschen tiefergreifende Zahlenkosmetik für die gerade in der Leichtathletik zahlreich angesiedelten Freunde der Statistik. Die M50 bei den Senioren und die W50 beim gemeinhin schöneren Geschlecht generieren mit 116 respektive 86 Bewerbern die meisten Startwilligen. Eine abermals zutreffende Binsenweisheit, dass die Strecken von 100 bis 400 Meter den insgesamt, also männlich und weiblich, größten Andrang erfahren (242, 226, 192). Dann aber folgt schon der Diskuswurf (186), der bei unserer originären Klientel vor Kugel, Speer (beide 169) und Hammer (124) vorne liegt. Die nach Meinung vieler, freilich nicht aller Fachleute technisch wohl anspruchsvollste Disziplin Stabhochsprung (da haben etliche in technischer Perfektion mit vier Drehungen auch den Hammerwurf im Blickpunkt) bildet traditionell vor dem Dreisprung (73) mit 59 „Himmelsstürmern“ und solchen die sich die dafür halten in 15 Altersklassen das Schlusslicht. In der W45 und M80 heißt es wenigstens die Anfangshöhe zu überspringen, um den Titel abzugreifen. Der Medaillenstandard muss allerdings auch noch erfüllt werden.
Versteht sich peripher, dass noch eine mit Namen gefüllte Vorschau auf dieser Welle und an dieser Stelle erscheint.

Österreich: Jose Oberhauser stieß mit 120,21m Universum-Allzeit-Rekord

(St. Pölten/Krefeld, 23. Juni 2018) Eifrige Netzarbeiter, wozu ich notgedrungen beim leidigen Studium von kilometerlangen Ergebnislisten gehöre, stoßen bisweilen auf Begebenheiten die auch einem Kuriositäten-Kabinett entnommen sein könnten. So soll bei den Offenen Österreichischen Meisterschaften der Masters in St.Pölten Jose(f) Oberhauser aus dem Mehrkampf-Mekka Götzis im Kugelstoßen der M65 im fünften Versuch den Universum-Allzeit-Rekord von 120,21m gestoßen haben. Folgerichtig ist diese Leistung mit PB/SB (muss nicht näher erläutert werden) ausgewiesen. Doch Spaß beiseite. Es handelt sich selbstredend um eine veritable Freud’sche Fehlleistung. Gemessen an seinen übrigen ausnahmslos gültigen Versuchen ist getrost davon auszugehen, dass der mir persönlich bekannte selbst ernannte „Jose“ 10,21m erzielte, ihm die zwei vor der null dazwischen gebastelt wurde. Kleine Ursache, große Wirkung. Schon allein insofern, als wir ihm ansonsten keine Zeile gewidmet hätten.

Zoltan Fabian aus Ungarn brillierte mit 64,02m im Hammerwurf der M45

Es gab bei den zweitägigen Titelkämpfen mit internationaler Beteiligung auch wirklich gute Leistungen. Dazu schreibt unser hammerwerfender „Ösi“-Repräsentant Gottfried Gassenbauer (im Bild) aus Wien im Telegrammstil: „Es war eine perfekt organisierte Meisterschaft. Mehrere Wurfanlagen für Kugel und Diskus, klare Vorgaben welche Gruppe wann stößt/wirft, keine Zeitverzögerungen. Siegerehrungen sofort nach dem Wettbewerb, schwungvolle Abendveranstaltung für die Teilnehmer. Bestes Ergebnis aus Werfsicht: Zoltan Fabian (*1969), Ungarn, mit 64,02m im Hammerwurf der M45."

Däne Tom O.Jensen gewann zwei All-Star-Wertungen

Dem fügen wir noch an, dass der weithin bekannte dänische Wurf-Allrounder Tom O.Jensen (*1960) das Angenehme, den Besuch bei seinem „Spezi“ Gassenbauer, mit dem Sportlichen verband. Er gewann in der M55 die All-Star-Wertungen mit Diskus (47,47m) und Hammer (49,80m), wurde dazu Zweiter im Kugelstoßen (11,86m). Es soll sich ausnahmslos um persönliche Bestleistungen gehandelt haben. Da melden wir allerdings in seinem bereits vierten Jahr der M55 ernsthafte Zweifel an.  
Und „Gassi“ selber feierte in der M60 mit blanken 55 Metern einen eher unterbelichteten nationalen Einstand (dieselbe bekloppte Regelung wie beim DLV) mit dem 5-Kilo-Hammer. Allerdings sei zu seiner Ehrenrettung erwähnt, dass er als Leitender Direktor des Sportcenter Donaucity momentan beruflich sehr stark eingespannt ist, sein Arbeitstag häufig erst gegen 22 Uhr endet. Aber als ungekrönter Meister der gezielten Vorbereitung wird der noch 59-Jährige bis zur Senioren-WM in Malage als dann ziemlich frischer echter „Sechziger“ (*17.08.1958) sicherlich noch ein paar Meter drauflegen.
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