Purer Zufall? Stets klemmt bei den Senioren die Ergebnis-Übermittlung

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Mönchengladbach/Krefeld, 01. Juli 2018)
Purer Zufall oder blanke Absicht?  Es ist schon sehr seltsam, dass ausgerechnet bei den Senioren/innen immer wieder irgendwie und irgendwo die Ergebnisübermittlung klemmt. Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Sei‘s drum. Erst auf - nicht unsere - Nachfrage beim DLV-Referat Kommunikation & Medien, namentlich Silke Bernhart, hieß es, dass „technische Probleme“ für den Ausfall des Live-Tickers verantwortlich seien. Erst viel später wurde auf der Verbandsnetzseite darauf hingewiesen und noch später der entsprechende Link auf dem Weg ins Nirwana entfernt. Übrigens: Bei der parallel stattfindenden U23-DM in Heilbronn funktioniert die zeitnahe Darstellung der Resultate, gibt es sogar einen Live-Stream. Na sowas! Neidisch könnte man(n)/frau werden.

Schlechte Karikatur einer Ergebnisliste

Aber damit vom Schauplatz der „ewigen Talente“ in Mönchengladbach  aus dem Gruselkabinett von Pleiten, Pech und Pannen noch nicht genug. In der Gesamt-Ergebnisliste von gestern Abend, die das ohnehin schon vorhandene Durcheinander noch größer macht (warum nicht en bloc nur vom zweiten Tag?) tauchen alle sechs Kugelstoßer der M70 (Wettkampf-Ende 17.30 Uhr) in dieser ganz schlechten Karikatur einer Online-Ergebnisliste der Marke SELTEC mit „ogV“ (= ohne gültigen Versuch) auf. Demnach hatte dieses Sextett also 36 ungültige Versuche fabriziert, konnten keine Medaillengewinner und Platzierte gekürt werden. Das war, wie sich denken lässt, natürlich Nonstop Nonsens.

Kapitaler Bock vom Wettkampfbüro

Wobei wir diesmal nicht dem Softwareanbieter aus Bad Vöslau in Österreich die Schuld in die Sportschuhe schieben wollen. Den kapitalen Bock hat irgendjemand im Wettkampfbüro geschossen. Da ich an dem schmutzigen Geschäft mit der Kugel beteiligt war und die Resultate folglich kannte, habe ich nach einem schönen Abendessen im benachbarten Tennisklub zusammen mit meinem langjährigen Sportfreund Ralf Unger, seiner Frau Christine und meiner persönlichen Regierungschefin Elke wieder daheim im von Tor zu Tür nur 25 Kilometer entfernten Krefeld nicht als Erstes in die Ergebnisliste geschaut. Das brauchte ich auch gar nicht. Es lagen bereits diesbezügliche Mails zu diesem baren Unsinn vor, teilweise als „schlechter Witz“ bezeichnet, und der Anrufbeantworter quoll über. Was allein in meinem Falle beweist, dass sich viele Vereinsvertreter, Freunde und Bekannte für einen interessieren. Das multipliziert sich hier aber mal sechs. Ganz zu schweigen von den vielen neutralen Kiebitzen bundesweit.

Einmal mehr dem pathologischen Helfersyndrom gefrönt

Da wollte ich, nicht nur meinetwegen, bei meinem ausgeprägten, fast schon pathologischen Helfersyndrom für Abhilfe sorgen. Zunächst habe ich um 21 Uhr die in der Ausschreibung für die Titelkämpfe genannte Mobilnummer angerufen, bei der angeblich Sorgen, Beschwerden und Kümmernisse vorgetragen werden können.  Der Ruf ging heraus, es meldete sich jedoch auf der anderen Seite der Leitung niemand. Daraufhin habe ich um 21.10 Uhr schon erwähnte Frau Bernhart angemailt. Gut, die hat natürlich als Medienschaffende auch irgendwann mal Feierabend. Doch sie mailte um 23.08 Uhr (da schlief ich bereits selig und süß mit der Medaille um den Hals; Späßle g’macht!), dass sie zur Fehlerbehebung zuständigkeitshalber einen Hartmut Hense in Mönchengladbach verständigt habe. Bereits elf Minuten danach kam ihr „Kurzes Update“ mit diesem Original-Wortlaut: „
Die Ergebnisse waren wohl am Schluss der Veranstaltung nicht mehr/noch nicht eingegeben worden. Die Resultate werden geprüft und morgen aktualisiert nachgereicht. Sobald wir die neue Liste haben, tauschen wir sie bei uns aus.“

Als Erklärungsversuch eine fromme Lüge präsentiert

Das, liebe Frau Bernhart, ist eine fromme Lüge, die freilich nicht Sie zu verantworten haben. Denn unmittelbar nach der M70 fand noch ab 18 Uhr, Ende etwa 18.30 Uhr, das Kugelstoßen der W60 statt. Die Resultate der sechs fortgeschrittenen Mädels sind alle fein säuberlich aufgeführt. Auch die W70, ebenfalls zu Sechst, die erst um 19 Uhr (!) begonnen hat, kam ebenfalls anstandslos vor. Nun will ich daraus nicht konstruieren, dass sich einer an mir, der ich in meiner Eigenschaft als Sportjournalist vermutlich beim DLV auf dem Index stehe, sein Mütchen kühlen wollte. Schließlich waren noch fünf völlig Unverdächtige beteiligt. Ohnehin sollten Person und Sache stets stringent voneinander getrennt werden. 
Wer Zeit und Lust hat, sich durch den Gemischtwarenladen namens Ergebnisliste zu wurschteln, der klicke diese Verlinkung an. Unsererseits werden wir das erst wieder nach dem ultimativen Schluss der dreitägigen Veranstaltung tun. Denn es gibt auch noch ein Leben neben der Leichtathletik.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag mit oder ohne Fußball-WM, es darf auch gerne die Formel 1 sein oder nicht sein, und eine die zweite Jahreshälfte einleitende schaffens- wie ereignisreiche 27. Kalenderwoche!

Erster Tag der DM: Deutsche Rekorde durch Eva Nohl und Roland Heiler

(Mönchengladbach/Krefeld, 30. Juni 2018) Es ist alles wie fast immer bei Deutschen Senioren-Meisterschaften. Der veranstaltende DLV erfüllte abermals seine Bringschuld einer zeitnahen Ergebnis-Ermittlung für die vielen Interessenten unter den daheimgebliebenen Aktiven, aber auch der Presse bundesweit nicht. Fehlanzeige den lieben langen ersten Wettkampftag gestern im Rheydter Grenzlandstadion beim angekündigten Live-Ticker. Der gastgebende Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) stellte gestern um 20.32 Uhr auf seiner Netzseite eine Ergebnisliste (wieder in einem unzumutbaren wilden Durcheinander) online. Da müssen aber alle potenziellen Kiebitze erst einmal drauf kommen. Irgendwann hoppelte die Dachorganisation hinterher. Alles in allem ein Armutszeugnis der Extraklasse. Aber mit der stärksten Fraktion im Verband von über 400.000 Mitgliedern oder fast 50 Prozent kann man es ja machen. Dafür gibt es unsere virtuell höchste Auszeichnung: Den Mann im Mond mit Schlafmütze. Glückwunsch oder gute Besserung! Inzwischen verlautbarte, dass es „technische Probleme“ gewesen sein sollen. Wer’s glaubt, wird selig.

Neue Oberflächenbeschichtung machte einigen zu schaffen

Gut gemeint hatte es das Sportamt der Stadt Mönchengladbach. Es versah den Diskusring auf der optisch sehr schönen Anlage hinter der überdachten Haupttribüne und den Hammerwurfring im Außenbereich gegenüber dem Hinterein-/ausgang Breite Straße (die zweite Wurfanlage oberhalb der Stehtribüne auf der Gegengerade musste dem „DM-Dorf“ mit Catering et cetera weichen) mit einer brandneuen Oberflächenbeschichtung. Einige Werfer/innen kamen sich vor wie auf Schmierseife. Die Resultate hier wie da spiegeln das allerdings nicht zwingend wider. Der noch 79-jährige Roland Heiler (*20.12.1938) von der LAG Obere Murg steigerte seinen erst wenige Wochen jungen eigenen deutschen Rekord (40,26m) im Diskuswurf der M80 auf 41,74m, übertraf damit die Siegerleistungen der M70 und 75. Letzlich auch den weiterhin bestehenden Weltrekord (41,13m) des Schweden Östen Edlund, für den nach sinnvoller internationaler Regelung das Jahr der neuen Altersklasse bereits vollendet sein muss. Die hochüberlegene Eva Nohl (*1948) verbesserte die nationale Bestmarke im Hammerwurf der W70 auf 39,15m. Der mir namentlich nicht bekannte Stadionsprecher verhaspelte sich in diesem Zusammenhang, sprach einmal vom Rekord, verbesserte sich dann spornstreichs auf deutsche Bestleistung. Eine völlig schizophrene, bei den Senioren/innen vom DLV befohlene unterschiedliche Sprachregelung. Die der glücklicherweise morgen scheidende Seniorensprecher auf seinem Internet-Portal im Kadavergehorsam mit unschöner Regelmäßigkeit nachäfft.

Des einen Leid, ist der anderen Freud‘

Es gab viele weitere gute Leistungen bei Stoß und Wurf, die wir bei dieser „Anreißmeldung“ zwangsläufig nicht alle erwähnen können. Dafür sei auf das Suchspiel, auch Ergebnisliste genannt, hingewiesen. Noch zwei Fakten mit vier Athleten: Sehr stark die 55,51m von Helmut Maryniak (*1968) vom 1.FC Passau im Diskuswurf der M50. Derweil meldete sich der haushohe Favorit Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhachingsich via Facebook verletzt ab. Der Weltklasse-Senior machte damit in der M55 im Kugelstoßen (14,82m) den Weg frei für Robert Ingenbleek (*1963) von der LG Eder und im Diskuswurf (48,46m) für den früheren 65-m-Werfer Olaf „Olli“ Többen (*1962) vom Pulheimer SC, der als Trainer und Fitness-Studioleiter des PSC nur noch gelegentlich die 1,5-Kilo-Scheibe in die Hand nimmt und wegwirft.

Senioren-DM mit 329 Entscheidungen an den drei Meistereschaftstagen

(Mönchengladbach/Krefeld, 29. Juni 2018) Jetzt geht sie also los, die Heerschau der „ewigen Talente“ von teilweise noch nicht vollendeten 35 bis 93 Jahren (Paul Nobbe aus Mayen) bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften von heute bis Sonntag im schmucken Rheydter Grenzlandstadion in Mönchengladbach. Dabei stehen in den drei Tagen, man lese und staune, insgesamt 329 (!) Entscheidungen auf dem prall gefüllten Programm. Eine gewaltige logistische Herausforderung für die bewährte Veranstaltungsleiterin Gisela Stecher (im Bild) und ihren großen Mitarbeiterstab vom gastgebenden Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) hinter den Kulissen sowie an den jeweiligen Wettkampfstätten. Die Eröffnung um 10 Uhr ist ausnahmslos den Senioren mit Hammerwurf (M65), Hochsprung (M70), Kugelstoßen (M75) und Diskuswurf (M85/90) vorbehalten). Insofern ist uns/mir im gestrigen Beitrag ein veritabler Schnitzer unterlaufen, dass die dreitägigen Titelkämpfe mit einem kapitalen Lady-Kracher im Kugelstoßen der W50 beginnen werden. Das ist erst morgen um 10.30 Uhr. Keine Entschuldigung, aber zumindest eine Erklärung (siehe 329), dass bei dermaßen vielen Bäumen schon mal der Wald übersehen werden kann.

Allein die Fraktion Stoß/Wurf besetzt alle 23 Altersklassen

Einen kompletten Medaillensatz muss der veranstaltende Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) indes nicht bereithalten. In 18 Wettbewerben sind die Gemeldeten buchstäblich konkurrenzlos. Von wegen „Kugel, Diskus, Speer und Hammer sind bei uns der große Jammer“. Ein traurig‘ Lied, dass in den Klubs schon zu meinen mit Patina belegten Zeiten als kugelstoßender Jungspund gesungen wurde. Für die öffentliche Wahrnehmung und veröffentlichte Darstellung stimmt es leider immer noch. Genau deshalb gibt es im nunmehr zehnten Jahr LAMPIS, das Internet-Portal von, aber nicht nur für Senioren-Werfer/innen. Deshalb sei nicht ohne Stolz angemerkt, dass allein die Fraktion Stoß/Wurf alle 23 Altersklassen besetzt.  Außer beim Hammerwurf sogar in den oberen Jahrgängen mit mindestens zwei Startwilligen, also noch einem echten Wettstreit um den Titel.

Angeblich soll es einen Live-Ticker geben

Sei aus unserem Bereich stellvertretend noch auf drei interessante Bewerbe hingewiesen, die international hochklassige Leistungen versprechen. Wenngleich jeweils mit haushohen, normalerweise unschlagbaren Favoriten, die aus Ober- und Niederbayern kommen. Wurf-Allrounder Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching wird mit Kugel (16 Uhr) und Diskus (18.45 Uhr) sein nationales Meisterschaftsdebüt in der M55 und Helmut Maryniak (*1968) vom 1.FC Passau im Diskuswurf der M50 (15 Uhr) abliefern. Diesmal habe ich ganz genau in den Zeitplan geschaut.
Für alle weiteren Details sei nach eigenem Gusto auf die Meldelisten verwiesen. Und noch ein weiterer Tipp für die mehrheitlich Daheimgebliebenen, indes unsererseits selbstredend ohne Gewähr: Es soll unter nachfolgender Verlinkung einen Live-Ticker geben. Aber derartig vollmundige Ankündigungen haben sich insbesondere bei den Senioren schon allzu oft als Rohrkrepierer erwiesen. Dazu nicht sehr ermutigend, dass der Software-Anbieter SELTEC heißt. Das krause Durcheinander der erwähnten Meldlisten lässt (un-)schön grüßen! Doch sollen nach deren Aussage ja bundesweit die Anwender schuld sein. Fehler-Analyse leicht gemacht!

Wieder "Jugend forscht" auf dem Plakat von Senioren-Meisterschaften

(Mönchengladbach/Krefeld, 29. Juni 2018) Stell‘ dir vor, es sind Deutsche Senioren-Meisterschaften in der Leichtathletik und kein interessierter normaler Zuschauer weiß davon. Unvorstellbar? Denkste! So gesehen und geschehen bei den Titelkämpfen an diesem Wochenende in Mönchengladbach. Keine Plakatierung auf den Litfaßsäulen, nicht einmal irgendwo im unmittelbaren Dunstkreis des Rheydter Grenzlandstadions. Dazu muss schon das Innere der Arena betreten werden. Da weist eine etwas größere „Briefmarke“ im DIN-A-3-Format auf dieses Ereignis hin.

Grafische Gestaltung von einem Kindergarten-Zögling

Allerdings bedarf es schon eines genaueren Hinsehens, um danach und darob auf eine Senioren-Meisterschaft bis zu 93-Jährigen zu kommen. Abermals springt einem als Modell der geschätzt 16-jährige Hürdensprinter entgegen. Es darf gemutmaßt werden, dass die grafische Gestaltung beim DLV in Darmstadt von einem Kindergarten-Zögling stammt. Diese verhöhnende Karikatur eine Plakats taugt nicht einmal für den Party-Keller, die heimische „Folterkammer“, damit ist jetzt nicht das Schlafzimmer gemeint, oder die Gäste-Toilette. Soll aber einen Euro kosten, obwohl es geschenkt noch zu teuer wäre.

Margit Jungmann: „Da könnte ich mir ein treffenderes Motiv vorstellen!“

Der Zufall wollte es, dass mir just heute Vormittag bei der Abholung meiner Startunterlagen die Bundesausschuss-Vorsitzende und WMA-Vizepräsidentin Margit Jungmann (im Bild) aus Rehlingen über den Weg lief. Natürlich habe ich sie nach gegenseitig freundlicher Begrüßung (kein Quatsch, man(n)/frau muss Person und Sache voneinander trennen können) auf diese Missgeburt einer ohnehin restlos verpuffenden Werbebotschaft angesprochen: „Da könnte ich mir auch ein treffenderes Motiv vorstellen“, antwortete sie frank und frei mit dem Unterton der Machtlosigkeit. Als ob es nicht unter den Seniorinnen und Senioen attraktive und zudem erfolgreiche „Eyecatcher“, um es im DLV-Deutsch auszudrücken, geben würde. Das Fragezeichen am Satzende können wir uns getrost schenken. Denn sie gibt es in Hülle und Fülle. Da kann ich mir als alter Fahrensmann in meiner Doppelfunktion als kugelstoßender Sportjournalist allemal ein Urteil erlauben.

Familien-Angehörige und Freunde von Aktiven werden zur Kasse „gebeten“

Alles das ist stümpferhaft und geringschätzend in höchster Vollendung. Aber ganz wichtig 5 Euro Eintritt vom existenziell nicht vorhandenen neutralen Beobachter verlangen. Es sind letztendlich die Familien-Angehörigen und Freunde der Aktiven, die zur Ader gelassen werden. Doch das hatten wir schon. Irgendwie muss bei den Totengräbern in Darmstadt die ungeliebte Senioren-Leichtathletik doch kaputt zu kriegen sein. Dazu gehört auch, dass der angekündigte Live-Ticker bis zur Online-Stellung dieses Beitrages um 16.30 Uhr nicht funktionierte. Startlisten – das war’s. Leider, und darauf liegt die Betonung, sollten wir mit unserer düsteren Vorahnung richtig liegen.

Heiko Wendorf eine gute Wahl

Eingedenk unserer komfortablen Lage, keine Neutralität wahren zu müssen, ergreifen wir für die anstehenden Wahlen zu den beiden DLV-Seniorensprechern (es gibt auch nur zwei Kandidaten) unverblümt Partei für Heiko Wendorf (*1970) vom Eisenacher LV in Thüringen. Der Wirtschaftsjurist ist als bekennender Kugelstoßer ein Späteinsteiger (seit Oktober 2016) und bereits zweimal als Veranstalter eines in der Region viel beachteten Kugelstoß-Meetings in Erscheinung getreten. Dazu ist er inzwischen ein guter Freund von Andy Dittmar aus Gotha, mit dem er gelegentlich gemeinsam trainiert. Mit einem signalroten Wahlzettel hat jeder Verein, unabhängig von der Anzahl der Gemeldeten, eine Stimme. Wer mehr auf sich vereinigt, wir der Sprecher der beiden Interessenvertreter.

Senioren-DM für Teilnehmer als Ablenkung vom WM-Aus der Elitekicker

(Mönchengladbach/Krefeld, 28. Juni 2018) Tragen wir vielen Fußball-Anhänger unter den Leichtathleten das zu befürchtende frühzeitige WM-Aus der deutschen Nationalelf in Putin-Land mit Fassung. Sehen wir das kommende Mehr an Freizeit positiv, nicht ständig vor der Glotze zu sitzen, picken uns fortan die vermeintlichen Leckerbissen heraus und schauen dem Treiben auf dem Rasen emotionslos ganz entspannt vom Sessel aus zu. Sofern das beim Dauergesabbel der teil- und zeitweise marktschreierischen Dampfplauderer, insbesondere bei der ARD (Gerd Gottlob,Steffen Simon), möglich ist. Aber gegen latente Tinnitus-Gefahr lässt sich ja die Tonlautstärke minimieren.
Fein raus sind jene potenziellen 1.301 Teilnehmer/innen und ihre zahlungspflichtige mehr oder weniger große Begleitung (Eintritt 6 Euro), denen bei den morgen im Rheydter Grenzlandstadion in Mönchengladbach beginnenden dreitägigen Deutschen Meisterschaften der Ü35-Generation erst einmal Ablenkung verschafft wird.

Gleich ein Lady-Kracher zum Auftakt der Titelkämpfe

Durch die mit Swarowski-Steinen umrandete kostbare Werferbrille betrachtet, denn Leichtathletik ist weitaus mehr als (nur) laufen und springen, gibt es zum Auftakt um 10 Uhr gleich einen Lady-Kracher: Das Kugelstoßen (3kg) der W50 mit zwölf Gemeldeten. Die im letzten Jahr der Altersklasse stehende etablierte und renommierte Platzhalterin Jana Müller-Schmidt (*1964) von der SG Osterholz bekommt gehörige Konkurrenz in Aufrückerin Claudia Kodel (*1968) vom OSC Berlin. Die gute Jana scheint mit ihrer Meldeleistung von 14,57m von Anfang April in Delmenhorst mutmaßlich unschlagbar. Doch die aktuellere Form von den „Norddeutschen“ am 16. Juni in Büdelsdorf weist sie indes „lediglich“ mit 13,89m aus. Hingegen ist bei Kodel beim hinlänglich beschriebenen Melde-Bingo diesmal täuschen und tarnen andersherum angesagt. Sie taucht mit 12,09m aus dem Vorjahr auf, die sie jedoch in der W45 zwangsläufig mit der 4-Kilo-Kugel erzielt hat.

Ein heißer Tanz um das „Goldene Kalb“ zu erwarten

Allerdings können wir vom Fach den Bluff enttarnen. Wie Wurf-Allrounder und Lampis-Gastautor Torsten Lange hautnah bei den Offenen Pfalzmeisterschaften Anfang Juni in Edenkoben miterlebte, hatte die großgewachsene, sehr austrainiert wirkende gastierende Berliner Neu-Fünfzigerin in der W50 folgende Serie: 12,97, 13,11, 13,19, 14,12m, -, - . Und nun wird es für Kenner richtig interessant: Die ersten drei Versuche absolvierte sie aus dem Stand, lediglich den vierten Durchgang mit Angleiten. Auf den Rest verzichtet sie, um womöglich vor der DM die eigenen Trauben nicht noch höher zu hängen. Die Karten werden also in Mönchengladbach völlig neu gemischt, und es kann ein verdammt heißer Tanz um das „Goldene Kalb“ werden. Für alle die Zeit haben, lohnt es sich mal hinter der Tribüne auf der Kugelstoß-Anlage reinzuschauen. Zumal es für die Aktiven
coram publico" weitaus mehr Spaß macht und die letzten Reserven herauskitztelt. Geht mir jedenfalls so.