Ein nicht stattgefundener Karneval, dem viel Gutes abzugewinnen ist

(Krefeld, Aschermittwoch, 17.Februar 2021) Nun haben wir Aschermittwoch, an dem nach bereits gestern erwähntem Lied vermeintlich alles vorbei sein soll. Stopp! Lediglich der Karneval und die Schwüre von Treue. Hat es jemandem geschadet, außer dem entgangenen Spaß an der Freud, dass die so geheißene „Fünfte Jahreszeit“ seit dem Elften im Elften 2020 bis zum gestrigen Veilchendienstag Corona-bedingt nicht stattgefunden hat? Eher das Gegenteil ist der Fall! Keine Alkoholleichen, keine handgreiflichen Streitigkeiten gefühls- wie tatsächlich besoffener Platzhirsche um die Gunst der holden Weiblichkeit, keine zerbrochenen Ehen und Partnerschaften, keine Einsätze der Dienstleister von Polizei, Feuerwehr und medizinischen Kräften. Und selbst der Tierschutz ging nicht leer aus, blieben keine traumatisierten, sonst in Rosenmontagszügen von der Prinzengarde und wem noch eingesetzten Pferden zurück. Das alles ist uns einen Tusch, Applaus und Klatschmarsch wert!!!

Eine „Aschekreuz to go“ als hausgemachte Blasphemie

Wessen christliche Einstellung es gebietet, der hole sich trotz seiner nicht begangenen kleinen und großen Sünden heute, in welcher Form und wo auch immer möglich, zur Einleitung der sechswöchigen Fastenzeit das Aschekreuz ab. Und da „Not“ bekanntlich erfinderisch macht, bieten einige Pfarreien – kein  verspäteter Karnevalsscherz – das „Aschekreuz to go“ an: Mit Asche im Tütchen zum selber bekreuzigend auf die Stirn malend. Wer’s braucht? Für mich ist das hausgemachte Blasphemie der Kirche, die ohnehin aufgrund sattsam bekannter Vorfälle sowie geflissentlichem Weggucken und Wegducken einen verdientermaßen miserablen Ruf hat (aber auch der verpflichtet, ist der erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert!), das mit massenhaften Austritten und dadurch bedingten steuerlichen Mindereinnahmen im wahren Wortsinne bezahlen muss.
Was uns betrifft, werden wir ab morgen wieder zum stark eingedampften Tagesgeschäft, zusammen mit dem Schnee in Krefeld dahingeschmolzenen Themen querbeet durch den Nachrichtenwald zurückkehren. Versprochen!

Wettkämpfe via Fernsehen als Alternative für Amateursportler auf Entzug

Kolumne

Fern(ge)sehen

(Cortina d’Ampezzo/Pokljuka/Krefeld, 16. Februar 2021) Noch ist zumindest bis zum morgigen Aschermittwoch, an dem nach rheinischem Liedgut von Jupp Schmitz, der just gestern an Rosenmontag 120 Jahre alt geworden wäre (in Wirklichkeit ist er 90-jährig am 26.März 1991 in Köln verstorben), alles vorbei ist, kalendarisch heute mit Veilchendienstag noch ein bisschen Karneval. Allerdings in coronären Zeiten wie diesen höchstens virtuell und (un-)heimlich von verantwortungslosen privaten Feierbiestern.
Mithin gehen auch wir noch nicht wieder zur Tagesordnung über, die zudem in unserem originären Bereich lupenreiner Amateursportler der (Senioren-)Leichtathletik herzlich wenig zu bieten hat. Während wir munter tagtäglich weiterberichten, gleichwohl bisweilen mit allgemeinverbindlichen, indes hoffentlich interessanten, informativen und unterhaltsamen Beiträgen, stellen die einschlägigen Netzseiten der Verbände von global bis regional ausgesprochene Informationswüsten mit gaaanz viel Sand im Getriebe dar. Zugegeben: Große Sprünge mit leerem Beutel nach Känguruart sind bei eindimensionaler Ausrichtung auch sehr schwierig, wenngleich kein entschuldigender Freifahrtschein.

Heute von 12 bis 16 Uhr Sportschau mit Alpin-Ski und Biathlon

Was macht also die bis auf Heimtraining zur Untätigkeit verdammte Ü30-Generation, erst recht die nicht mehr Werktätigen in Anstellung oder Selbständigkeit jenseits Sechzig? Sie schauen sich halt Wettkämpfe im Fernsehen an. Das liebe lange Wochenende werden wir von morgens bis abends mit Wintersport in allen denkbaren Variationen auf Schnee und Eis berieselt. Und die Weltmeisterschaften im Alpin-Ski in Cortina d’Ampezzo (Dolomiten/Italien) und im Biathlon in Poklujuka (Slowenien) bescheren uns vorerst auch unter der Woche Live-Berichterstattungen via Pantoffelkino. Beispielsweise heute von 12 bis 16 Uhr in der ARD von beiden Austragungsorten.

Aufreizend gewandete ARD-Moderatorin

Da gibt es für bekennende Anhänger dieser oder jener Sportart wieder ordentlich was auf die Augen und Ohren. Das „Erste“, bei dem wir angeblich in der ersten Reihe sitzen, präsentierte uns vorigen Sonntag mit Moderatorin Stepanhie Müller-Spirra vom MDR eine ähnliche Dauerschwadroneurin mit nassforschen, elendig langen Überleitungen zwischen den wechselnden Schauplätzen wie Allzweckwaffe Jessica Wellmer (RBB). Die blondgelockte, langmähnige Dame mit dem Doppelnamen war im knallgelben, längsgerippten, hautengen ihre Weiblichkeit betonenden Pulli ziemlich aufreizend gewandet (ist das jetzt sexistisch, was jede/r sehen konnte?). Obwohl ich alles andere als prüde, total lesbisch und demzufolge selbst im fortgeschrittenen Mannesalter gegen weibliche Reize (noch) nicht immun bin (Appetit holen ist erlaubt, gegessen wird zuhause), fand ich das an der Stelle reichlich deplatziert. Das hätte auch eine Schleichwerbung für „Germany‘s Next Topmodel“  oder sonst was gewesen sein können.

Bei Reporter Dexne drohen Tinnitus-Gefahr und rausfliegende Membranen 
  
Achtung, so denn heute beim Biathlon wieder Christian Dexne als Reporter am Mikrofon sitzt: Vorsorglich den Ton weit herunterdrehen. Der Mann weiß offensichtlich nicht, dass wir all das sehen, was er kommentiert. Vielleicht sagt der zuständige Redakteur dem C.D. das mal, bevor der an sein Mundwerk geht?!. Wann immer es nur etwas spannender wird, schwillt sein (Stimm-)Organ begeistert-empathisch zum Orkan an, drohen latente Tinnitus-Gefahr und die Membranen aus den Lautsprechern zu fliegen. Dazu versteigt er sich mitunter entgegen der gebotenen öffentlich-rechtlichen Wortwahl in Boulevard-Jargon. „Is‘ der bekloppt? Was ist das denn für eine Serie?“, entfuhr es ihm lauthals zu der fehlerfreien Schnellfeuereinlage in 17,3 Sekunden im ersten Stehendschießen des späteren Titelverteidigers Émelien Jaquelin aus Frankreich beim 12,5-km-Verfolgungsrennen.
Also schön tapfer, positiv und gesundheitlich „negativ“ bleiben!

Eine absolute kalendarische Rarität: Valentinstag trifft Karneval

(Krefeld und die Republik/Valentinstag, 14. Februar 2021) Es ist mehr so eine kalendarische Rarität, dass sich der fix auf den 14.Februar terminierte Valentinstag und sich der am zeitlich beweglichen Osterfest (Aschermittwoch ist stets 46 Tage vor Ostersonntag) orientierende Karneval treffen. Just heute ist er, der auf langes Brauchtum zurückgehende Tag der Verliebten, Verlobten und Verheirateten, sich gegenseitig ihre Zuneigung zu bekunden, und folglich mittig eingebettet in die so genannten drei tollen Tage von Karneval.
Selbst für berufsmäßig ausgerichtete Jecken und Narren auf Zeit sowie deren große Anhängerschaft speziall an Rhein und Main stellt sich allerdings die Qual der Wahl nicht, welchem Ereignis der Vorzug gegeben werden soll(te). Corona erweist sich, wie für unzählige andere Anlässe, als Spaßbremse in Sachen Narretei und ausgelassener Feierei bis der Arzt kommt. Der Vernunft und dem erhöhten, unverantwortbaren Infektionsrisiko gehorchend schon vor dem erneut verlängerten „Lockdown“ (Abriegelung) ersatzlos gestrichen. Immerhin zum Wohle aller Ordnungskräfte von Polizei, Feuerwehr, einschlägigen Rettungsdiensten wie DRK, Malteser, Johanniter et cetera und ärztlicher Rufbereitschaft. Zumindest dafür. Das spart Gelder, die ohnehin nicht mehr da sein können. So ziemlich alles hängt im übertragenen Sinne längst am Tropf.

Trautes Heim, Glück zu zweien

Freilich sind die Möglichkeiten in Sachen Valentinstag bei geschlossenen Restaurants, Bistros, Gaststätten, Kneipen um die Ecke, Bars und Discotheken in dieser Hinsicht ebenfalls bei geschlossenen Rolläden komplett runtergedimmt. Aber wenigstens dürfen in einigen Bundesländern heute Vormittag Floristen öffnen, um zumindest Blumen sprechen zu lassen. Ein Schokoladenherz oder sonstige süße Nervennahrung für zweibeinige Naschkatzen konnte auch schon vorher besorgt werden.
Also: Einen schönen Spaziergang, wenn’s der Wohnsitz hergibt in einer Winterlandschaft, und ansonsten trautes Glück daheim zu zweien bei einem gemütlichen Abendessen und womöglich anschließenden lebendigen Umschlägen.
Viel Spaß an der Freud', bei was auch immer!

Stellt euch vor es ist Karneval und keiner geht, vielmehr darf hin

(Krefeld/Rosenmontag, 15. Februar 2021) Stellt euch vor, liebe Leser/innen, es ist Karneval und keiner geht, richtiger: darf hin. Und das an Rosenmontag, dem bei den unzähligen Jecken auf Zeit höchsten inoffiziösen rheinischen Feiertag außerhalb all der vielen tatsächlichen Feste. Aber auch bis auf einige Diasporen in weiten Teilen der seit 1990 größer gewordenen Nation. Für die Hartgesottenen der Narrenzunft der ultimative Super-GAU.
Da kann man(n)/frau sich schon mal die Dröhnung geben. Und siehe da, ob nun Zufall oder Absicht: ALDI-Feinkost hatte rechtzeitig zu den ehedem drei tollen Tagen die kultige mexikanische Biersorte „Corona“ (heißt aus dem Spanischen übersetzt Krone) wieder im Angebot. Karamba, Karacho, ein bis sechs Corona. Von wegen
Sixpack". Irgendwann verlieren sich eben diesbezügliche Berührungsängste mit dem gleichnamigen Virus. Allerdings leider auch bei unverbesserlichen Querdenkern, Ignoranten, Verweigerern und Leichtfertigen dieser Welt und in Deutschland. Sie allesamt sind es, die eine schnellere Eindämmung der Pandemie verhindern und die jeweiligen Regierungen zu restriktiven, unpopulären Maßnahmen zwingen.

Bloß keine Trübsal blasen und irgendwie Sport treiben

Erst mal Schwamm drüber. Schließlich will ich zum eigentlichen Höhepunkt des Straßenkarnevals, mancherorts auch Veilchendienstag wie im zu Krefeld benachbarten Mönchengladbach, keine Trübsal blasen und verbreiten. Doch: Selbst beim dicksten Fell könnte und kann eingedenk geschlossener Sportanlagen, Fitnessstudios, der nicht vorhandenen Aussicht auf Wettkämpfe unterm Hallendach, fehlender sozialer Kontakte zu Artgenossen unter ambitionierten Amateursportlern der (Senioren-)Leichtathletik Schwermut aufkommen. Erst recht bei jenen der Ü75-Generation, bei denen – glücklicherweise unbestimmbar – nicht mehr so viel auf dem Zentimetermaß des Lebens übrig ist. Eingeräumt, dass es mir bisweilen auch auf den Geist geht. Doch als unverbesserlicher Berufsoptimist mit dem Gemüt eines stets satten Fleischerhundes bin ich davon (bislang) weitgehend verschont geblieben. Spazierengehen, Walking, Jogging, Heimtraining mit dem eigenen Körper und Hilfsmitteln geht immer. Davon haben wir in entsprechenden Beiträgen bereits einiges aufgezeigt. Bleibt „nur“ der innere Schweinehund zu überwinden.  

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

So, werden wir dem Tag angemessen mit einer Anleihe noch ein klitzekleines bisschen lustig. Wobei hier die These bemüht werden muss „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, also der Anspruch daran nicht allzu hoch angesiedelt ist. Der ehemalige DLV-Senioren(ver)sprecher und verkapptes Verbandssprachrohr Alfred Hermes (*1946) aus der einstigen Reaktorgemeinde Jülich im Rheinland, eben ein waschechtes Feierbiest, verstieg sich auf seiner Abkupferungs-, Verlinkungs- und Verharmlosungsnetzseite an Karnevalssamstag mit der Überschrift „Aus der Bütt“ zu diesem dürren, staubtrockenen Kalauer: Stoppt ein Wirrologe einen Jogger: „Vorsicht, bitte Abstand zur Schule halten!" Der Jogger verdutzt: „Warum?" Die Antwort: „Dort wird laufend gelüftet!"
Selten so gelacht: Helau, Alaaf, Klatschmarsch, Kamelle, Mariechen – tanz, de Prinz kütt! Für Nicht-Rheinländer: ... Der Prinz kommt!

Angeblich frauenfeindliche Äußerung kostete Olympias LOC-Chef den Job

Glosse

Neben der Spur

(Tokio/Krefeld, 13. Feburar 2021)
Corona macht’s möglich. Allenthalben und allerorten werden die Menschen dünnhäutiger. Wer nicht schon genug Probleme an allen Ecken und Enden hat wie IOC-Präsident Thomas Bach (im Bild), dem werden sie halt von außen noch zusätzlich aufgestülpt. Der Chef des Lokalen Organisationskomitees der Olympischen (Nachhol-)Spiele in Tokio und ehemalige japanische Premierminister Yoshirō Mori, 83 Jahre, ist gestern von seinem Amt zurückgetreten. Aufgrund des Sturms der Entrüstung, einen - ausnahmsweise mal in Englisch - Shitstorm (zu gut Deutsch: Scheißsturm), den er im Land der untergehenden Sonne mit seiner angeblich frauenfeindlichen Äußerung entfachte, Frauen in Gremien diskutierten zu lange und hielten den Betrieb auf. Manche Medien bezeichneten dies gar als sexistisch. Geht’s noch oder interpretiere ich armer Tor trotz aller sprachlichen Geflissenheit dieses Wort falsch?

„Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch“ gehört auf den Index

Egal! Wenn das schon anzüglich gewesen sein soll, gehört in Deutschland der Spruch aus Volkes Mund „Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch“ schnurstracks auf den Index. Mittlerweile sind wir soweit, dass die vermeintliche Krone der Schöpfung dem schönen Geschlecht, außer es wäre die eigene Lebensabschnittsgefährtin, nicht mal mehr ein Kompliment machen darf. Der ein- für allemal als Schwerenöter gebrandmarkte und generalverdächtige Boris Becker (*1967) kann ein garstig‘ Lied davon singen. Der 1985 noch 17-jährig jüngste Wimbledon-Sieger der Tennishistorie hatte als Co-Kommentator von EUROSPORT bei den US-Open 2020 in New York City eine Stuhlschiedsrichterin als – sinngemäß – Hingucker bezeichnet. Hübsch hat er sie meiner Erinnerung nach genannt, kann auch ein „sehr“ davor gestanden haben.
Achtung: Satire: Wie  verwerflich, schlüpfrig, geradezu obszön ist das denn. Igittigitt und dreimal pfui Teufel! Diese verdammte Seuche für einen Moment mal ausgeklammert: In welcher Welt leben wir eigentlich gerade? Aber zum Kehraus noch eine leicht abgewandelte Plattitüde: Schlimmer geht irgendwie immer!
Ein bisschen mehr Gelassenheit in allen Lebenslagen (Liebeslagen verkneife ich mehr jetzt, könnte ja sexistisch sein) ist dringend geboten.