Hochspringerin Jungfleisch und beide Sprintstaffeln im Finale

(Tokio/Krefeld, 05. August 2021) Wer hätte das gedacht? Wahrscheinlich nicht einmal sie selbst. Die bislang formschwache Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch, zuletzt bei den „Baden-Württembergischen“ lediglich über 1,80m, wuchs heute Nacht MESZ in der Qualifikation (gefordert 1,95m) im Tokioter Nationalstadion förmlich über sich hinaus. Die Stuttgarterin überbot ihre bisherige Saisonbestleistung (1,90m) um fünf Zentimeter auf 1,95m und erreichte als Gesamtvierte das Finale. Das kann sich die in dieser Saison permanent unterbelichtete Imke Onnen (1,88m) bestenfalls von der Teilnehmer-Tribüne ansehen. Die 27-Jährige belegte mit 1,86m unter 31 Springerinnen lediglich den 25. Platz. Als mit 1,92m bisherige deutsche Bestenlisten-Erste durfte und darf die 16-jährige Johanna Göring (Salamander Kornwestheim) dies alles nur zuhause am Fernseher oder im Internet-Livestream betrachten. Hätte seinerzeit der da noch klügere Fachverband DLV und das Nationale Olympische Komitee (NOK) genauso engstirnig gehandelt, wäre Ulrike Meyfarth als ebenfalls 16-Jährige just mit 1,92m nicht 1972 Olympiasiegerin in München geworden.

Beide deutsche Sprintstaffeln im Finale

Finale heißt es auch für beide Sprintstaffeln mit dem Bundesadler auf dem vom Design gestreiften Einheitstrikot des us-amerikanischen Ausrüstungssponsors Trikot, der laut Werbung jeden Vorteil zu nutzen pflegt. Das 4x100-m-Quartett der Frauen mit Rebekka Haase, Alexandra Burghardt, Tatjana Pinto und der höchst umstrittenen, tatsächlich zum Einsatz kommenden Bestenlisten-17. „Ersatzfrau“ Gina  Lückenkemper gewann den zweiten Vorlauf in der Saisonbestzeit von 42,00 Sekunden mit der per Saldo drittschnellsten Zeit aller 16 National-Teams. Doch vor frühreifen Medaillen-Spekulationen wird gewarnt. Die in Summe fünftplatzierten Jamaikanerinnen liefen nicht in ihrer Paradeformation. Auch die durch die Bank läuferisch stärker besetzten Schweizerinnen werden um Bronze noch ein gewichtiges Wort mitreden, das sinnbildlich an einem seidenen Faden hängen wird.
Die Männer zogen mit ihren Team-Kameradinnen 90 Minuten später gleich, erreichten in der Besetzung Julian Reus, Joshua Hartmann, Deniz Almas und Lucas Ansah-Peprah in 38,06 Sekunden über die Zeitschnellsten-Regelung als Gesamtsechste den Endlauf. Darin wird die bröckelnde, einstige Sprint-Weltmacht USA nicht vertreten sein.

Kugelstoß-Weltrekordler Ryan Crouser erneut Olympiasieger, wer auch sonst?!

Na klar, als ehemaliger Kugelstoßer darf die Entscheidung in dieser Disziplin der „schweren Jungs“ in meiner morgendlichen Reportage nicht fehlen. Weltrekordler Ryan Crouser (23,37m) aus den USA war der eindeutige, überragende Chef im Ring. Fünf seiner sechs gültigen Versuche hätten zum Olympiasieg vor seinem Landsmann Josef „Joe“ Kovacs (22,60m) und dem Neuseeländer Tomas Walsh (22,47m) gereicht. Übrigens exakt die gleiche Reihenfolge wie vor fünf Jahren in Rio de Janeiro. Der enorm sichere und konstante Drehstoßer Crouser hob sich mit dem Olympischen Rekord und weltrekordnahen 23,30m seine Tagesbestweite für den finalen sechsten Durchgang auf. Einfach famos, der urwüchsige Brocken von 2,01m Körpergröße und 145 Kilo Gewicht. Der sechste Platz war bereits für 21,00m zu haben, für den Einzug unter die besten Acht reichten 20,73m. Das hätten Experten nach der aktuellen Weltbestenliste wohl auch nicht vermutet. Das Frühstück ist eben im Olympischen Dorf offenbar nicht so gehaltvoll wie daheim. Dort wird sich vermutlich David Storl angesichts dieser Weiten auch ein wenig geärgert haben. – Alle Resultate der heutigen Morgen-Veranstaltung.