Heutige Totensonntag letzte in der Reihe von fünf Gedenktagen

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld und anderswo, 22. November 2020)
Obschon der heutige Totensonntag in erster Linie unsere rund 21,7 Millionen Mitbürger der evangelischen Kirche anspricht, hängt der große Rest von etwa 61,3 Millionen Andersgläubigen und Atheisten (dazu dürfen auch Ungläubige in Sachen Corona gerechnet werden) mit am Fliegenfänger. Es ist aufgrund der allgemeinen Gemengelage in vielerlei Beziehung ein ziemlich toter Sonntag. Dazu kommt – allerdings jahreszeitgemäß – ein nahezu flächendeckend grauseliges Wetter. Aber angeblich gibt es das ja nicht, sondern lediglich die falsche Bekleidung, die sich ändern lässt. Freilich wollen wir nicht noch obendrauf an dieser Stelle und Ätherwelle des „World Wide Web“, kurz Internet genannt, zu allem Überdruss Schwermut erzeugen wo Frohmut, mindestens aber Gleichmut angezeigt wäre.
Die gute Nachricht: Immerhin haben wir heute Abend um 24 Uhr diesen Schlauch von gleich fünf düsteren Gedenktagen hinter uns gelassen; die schlechte: Es bleibt noch ein bisschen November-Tristesse übrig, die nahtlos in den Winter-Blues übergeht. Aber in dieser Hinsicht haben wir schon in etlichen Beiträgen gute
Ratschläge kluger, studierter Köpfe vom Fach mit unserem pathologischen Helfersyndrom weitertransportiert.      

Einfach mal sein kommunikatives Verhalten überdenken

Stichwort: Es geht in mancherlei Gesichtspunkten und Blickwinkeln mit Lebenserfahrung und einigermaßen gesundem Menschenverstand  auch ohne wissenschaftliche Erkenntnisse. Schließlich bedarf es keiner diplomierter Psychologen oder gar promovierter Psychiater in diesen coronären Zeiten der Verarmung sozialer Kontakte sein eigenes Handeln mal zu überdenken und im Bedarfsfalle neu einzunorden. Schließlich hat nicht jeder das Glück jenseits der Fünfzig noch im Familienverbund mit Frau/Mann, Teens und Twens sowie womöglich Eltern/Großeltern in einem Mehr-Generationen-Haus unter einem Dach zu leben.
Die meisten sind halt zu zweit oder gar allein. Da gilt es sein kommunikatives Verhalten schlichtweg auf den Prüfstand zu stellen. WhatsApp, E-Mail, SMS – alles schön und gut für die schnelle Nachrichtenübermittlung. Doch schlussendlich ein blutleeres, lebloses, eben mausetotes Medium. Einfach mal wieder zum Telefonhörer greifen, es darf auch ein Smart- oder I-Phone sein. Damit ist jetzt nicht die einschlägige Werbung „Ruf mich an!“ von speziellen Gunstgewerblerinnen (gibt’s auch für Frauen) gemeint, sondern Verwandte, Freunde und gute Bekannte.

Ein Telefonat erweitert den Horizont und lässt die Zeit wie im Fluge vergehen

Gerne solche, mit denen schon länger kein direkter oder mittelbarer Kontakt bestanden hat. Dort entwickelt sich Rede und Gegenrede, erweitert den Horizont und lässt die Zeit wie über den Wolken im Fluge vergehen. Und als Beweis, dass ich hier keine leeren Worthülsen für das Phrasenschwein absondere: Aus Anlass des Achtzigsten von Werfer-Urgestein und Wahl-Sauerländer Hans Röcken, den ich noch aus seiner Zeit am Niederrhein in Kamp-Lintfort seit über ein halbes Jahrhundert kenne, habe ich ihm nicht nur eine Glückwunsch-Mail geschickt und auf LAMPIS eine kleine Laudatio gewidmet, sondern zudem tags darauf angerufen. Werfern untereinander pflegt nie der Gesprächsstoff auszugehen. Fast eine geschlagene Stunde haben wir uns angeregt unterhalten, gegenseitig die symbolischen Bälle zugeworfen. Nachahmens- und empfehlenswert für den jeweils persönlichen Mikrokosmos!

Gesund, tapfer und zuversichtlich bleiben

Ehe ich jedoch noch als Oberlehrer der Nation abgestempelt werde, verkneife ich mir (vorerst) weitere Lebens- und Binsenweisheiten. Also in diesem Sinne einen möglichst schönen (Toten-)Sonntag, eine infektionsfreie 48.Kalenderwoche, die in den 1.Advent mündet, dazu auch sonst, gesund, tapfer und zuversichtlich bleiben, sich auch von einer drohenden Verlängerung und Verschärfung des „Soft-Lockdowns“ (Teil-Abriegelung) tunlichst nicht unterkriegen lassen!!!