Trail: Ein Wettbewerb, den die Senioren-Welt nicht wirklich braucht

Kommentar

Unter uns gesagt

(Port Muniz auf Madeira/Krefeld, 16. November 2020)
Trail streng genommen ein Wettbewerb, den die Senioren-Welt der Leichtathleten nicht wirklich braucht. Was ist das überhaupt? Den Begriff kannte ich bisher im Zusammenhang mit Moto-Cross-, Mountainbike- und MTB-Rad-Rennen. Nunmehr tauchte er im zweiten Abschnitt der Senioren-Europameisterschaften für Läufer und Geher auf. Heißt ins Deutsche vom DUDEN-Fremdwörterbuch übersetzt erst mal lapidar „Wanderpfad“. Das Übersetzungsprogramm von deepl.com gibt noch Wanderweg und alternativ Pfad, Weg, Spur her. Pilze werden die Teilnehmer/innen da nicht gesucht und gesammelt haben. Vielmehr sind sie im hügeligen Gelände gelaufen, so gut sie konnten. Und damit es sich auch wirklich lohnte und der sich gerne zur Schau stellende EMA-Präsident Kurt Kaschke mit Wahl-Wohnsitz Assafora auf dem portugiesischen Festland nicht schon wieder selber die Laufschuhe schnürte wie vorher als Hinterbänkler beim Straßen- und Berglauf, waren 31 Kilometer zu absolvieren.

Wahre Medaillenflut schwappte über die wenigen Teilnehmer/innen herein

Das nahmen acht Seniorinnen von W35 bis 60 in Angriff. Die Schnellste aus der W40 benötigte nach der verlinkten Ergebnisliste 3:58,23 Stunden, die Langsamste aus der W55 passierte weit abgeschlagen nach 6:09,27 Stunden das Ziel. Aber alle waren nach der Schinderei zufrieden und glücklich. Denn dank der verschiedenen Altersklassen gab es für jede eine Medaille. Eine Deutsche befand sich nicht darunter.
Bei den Senioren waren es ungefähr dreimal so viele, exakt 23 so genannte „Finisher“. Doch auch hier schwappte  zur Belohnung eine wahre Medaillenflut von 19 an der Zahl über sie herein. Das spanische Schlusslicht der M65 war in 6:41,25 sogar noch länger unterwegs als sein weibliches Pendant. Er konnte allerdings kein relativ einfach zu habendes Edelmetall abgreifen, da es hier noch drei weitere Mitstreiter gab.

Sportlicher Wert, Aufwand und Ertrag in krassem Missverhältnis

Die Frage nach dem sportlichen Wert dieser Veranstaltung dürfte sich erübrigen. Und ob nach dieser Premiere eine weitere Auflage bei viel Aufwand und minimalem Ertrag bei mehr Offiziellen als Aktiven Sinn macht, ist gehörig in Zweifel zu ziehen und sollte ernsthaft diskutiert werden. Klar, alle Dekorierten, darunter fünf Germanen, werden das durch ihre rosarote Brille anders sehen. Doch unter dem dicken Strich war diese Mickey-Mouse-EM im Trail der ominöse Griff ins Klo. Eben nicht nur wegen der bereits zuvor zu beklagenden massenhaften Verletzungen der AHA-Regeln (Abstand – Hygiene – Alltagsmaske), über die wir mehrfach in Worten und untrüglichen, entlarvenden Bildern berichtet haben, und der Anstand den Gastgebern gegenüber mit Füßen getreten worden ist. Gleichwohl schauten (fast) alle vor Ort tatenlos zu oder richtiger: weg.

EMA-Beauftragter auch „oben ohne“

Inklusive des früheren DLV-Seniorensprechers und heutigen Media Manager der European Masters Athletics (EMA). Kunststück: Posierte der Hobby-Knipser aus Jülich im Rheinland auf seiner Abkupferungs-, Verharmlosungs- und Verlinkungsnetzseite doch selber ungeheuer wichtig mit Kamera vor der Brust in „freier Wildbahn oben ohne“ auf der zu Portugal gehörenden Insel Madeira. Nochmal: Da ist ab 01.August 2020 im Freien außerhalb der Wettbewerbe uneingeschränkt und ausnahmslos die Maskenpflicht angesagt.
Eindeutiger und ultimativer geht’s nicht, ist kein bisschen Platz für eigenes Ermessen!