DLV ist elendig lange der flotten Musik tatenlos hinterher gelaufen

(Erfurt/Krefeld, 27. Oktober 2020) Ohne gleich ins oberste Regal zu greifen vom Propheten, der im eigenen Lande nichts gilt, „predige“ ich nachweislich seit dem Bestehen von LAMPIS (06.Dezember 2009) immer wieder mal öffentlich, dass der ach so innovative Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die technische Entwicklung im Kugelstoßen restlos verschlafen hat. Da ist bis vor nicht allzu langer Zeit in U-Kader-Lehrgängen sogar noch die Wechselschritt- oder Angehtechnik gelehrt worden, richtiger: entleert. Finsterstes Mittelalter! Der einstige Wunderknabe und ehemalige zweifache Weltmeister David Storl (*1990) vom SC DHfK Leipzig wurde mit da nicht einmal 30 Jahren von Ex-Gewichtheber und MDR-Sportkommentator Marc Huster in Anbetracht seiner antiquierten Rückenstoßtechnik nach Parry O’Brien als Dinosaurier des Kugelstoßens bezeichnet (siehe unsere derzeitige Glosse). Derweil dreht sich die absolute Weltklasse jenseits 22 Metern, zu der er schon länger nicht mehr gehört, ausnahmslos buchstäblich im Kreise.

Alexander Baryschnikow gilt als Erfinder der Drehstoßtechnik
 
Die Drehstoßtechnik machte der als ihr Erfinder geltende Sowjetrusse Alexander Baryschnikow bereits vor 44 (!) Jahren bekannt, der damit am 10.Juli 1976 in Colombes (Frankreich) mit 22,00 Meter Weltrekord stieß und zugleich offiziell anerkannt als erster Mensch die 22 vor dem Komma knackte. Brian Oldfield aus den USA stieß zwar 1975 mit 22,86m deutlich weiter. Doch da er seinerzeit als Berufssportler galt und fernab jeglicher Doping-Kontrollen in einer US-Profi-Liga tingelte, wurde diese Leistung von den damaligen Gralshütern des olympischen Amateurgedankens nicht in die Statistik des Weltverbandes IAAF (heute World Athletics/WA) aufgenommen.

Sperling: „Im Spitzenbereich sind wir weit weg von der Weltspitze“
 
Nun wird dem DLV mit seiner angeblich weltweiten Strahlkraft nicht eingedenk Husters flapsiger Aussage mit ernsthaftem Hintergrund ein Lichtlein aufgegangen sein. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass er durch den Storl-Kronprinzen Steven Richter (*2003) vom LV 90 Erzgebirge auf den Trichter kam und die längst überfälligen Zeichen der Zeit erkannte. Der 17-jährige Jungspund verbesserte den Sachsen-Rekord der U18 von „Storli“ aus 2007 (21,40m), der mal Jahrgangs-Weltrekord war, drehstoßend auf 21,68m. Der Trainer dahinter ist Christian Sperling (im Bild), der sich seit fünf Jahren intensiv mit diesem dynamischen, weitenträchtigeren Stil beschäftigt und nunmehr als Bundestrainer des Nachwuchses von seinem Verband auf Werbetour für seine interessierten Kollegen in den Vereinen geschickt worden ist. Anfang Oktober „zwitscherte“ der 41-Jährige am leibhaftigen Objekt von U20-Kugelstoßer Kevin Reim (WSG Schwarzenberg-Wildenau) in Theorie und Praxis neun Lernwilligen in der Leichtathletikhalle in Erfurt etwas vor (siehe Link). O-Ton Sperling:
„Im Spitzenbereich sind wir weit weg von der Weltspitze. Es geht nur über die Basisarbeit, jeden Landesverband anzusteuern und bei den Trainern das Interesse für die Drehstoßtechnik zu wecken.“
Fürwahr! Die Dachorganisation ist schon viel zu lange der flotten Musik tatenlos staunend hinterher gelaufen.

Kleines Rätsel am Rande harrt der Auflösung

Übrigens widmete das Online-Portal des Spartensenders „Sport1“ dem sehr ambitionierten Sperling-Paradeschützling Steven Richter eine lesenswerte große bebilderte Personen-Geschichte unter dem Titel 
Der Tabubrecher aus dem Erzgebirge". Das verbinden wir mit einem Quiz. Wer aus der Szene entdeckt darin einen kleinen sachlich-fachlichen Fehler und lässt es uns wissen? Da wir es so oder so auflösen, werden wir auch die Namen derer nennen, die regelkundig sind und denen er aufgefallen ist.