Ein allzu frommer Wunsch, dass dieser Spuk bald vorbei sein könnte

Kolumne

Moment mal

(Alzey/Krefeld, 18. März 2020)
Soweit wir im überschaubaren Rahmen in unserem Fenster Veranstaltungen auf erfahrungsgemäß empfehlenswerte Wettkämpfe hinweisen, haben wir die selbstverständlich im Blick. Zwei weitere davon sind allerdings wegen der Corona-Krise der Vernunft und dem Diktat der jeweiligen Landesverbände gehorchend buchstäblich von der Bildfläche verschwunden. Das sind die beiden Werfertage des TV Alzey (21.März) und des SV Rot-Weiß Schlafhorst in Übach-Palenberg bei Aachen (28.März 2020). Da bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt und ein bisschen Optimismus in diesen trüben Zeiten grundsätzlich nicht schaden kann, geht der hammerwerfende Chef-Organisator Lutz Caspers (im Bild) zunächst davon aus, dass das größere Werfermeeting mit Wurf-Fünfkampf am 25.April 2020 im Wartbergstadion im rheinhessischen Alzey stattfinden kann. Schön wär‘s, wenn der Spuk dann vorbei ist. Ein frommer Wunsch. Erhebliche Zweifel sind angebracht.

Armin Laschet: „Es geht um Leben und Tod!“

Denn längst nicht überall ist die Einsicht angekommen, äußerste Vorsicht walten zu lassen, sich und seine Mitmenschen zu schützen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) brachte es eingedenk weiterhin rasant steigenden Infizierten in seinem Bundesland gestern mit drastischen Worten auf den Punkt: „Es geht um Leben und Tod – so einfach ist das. Und so schlimm.“ Er rief abermals dazu auf, soziale Kontakte möglichst zu meiden und zu Hause zu bleiben. Aber wie soll das bis in letzter Konsequenz funktionieren? Wenn wir schon keine Hamsterkäufe tätigen sollen, nicht als Alternative verhungern wollen, müssen wir halt gelegentlich beim Lebensmittel-Discounter und Bäcker unseres Vertrauens einkaufen gehen. Wie will ich da bei aller eigenen Vor- und Fürsorge ernsthaft verhindern, dass mich einer der vielen Hirntoten, die immer noch unterwegs sind (siehe sprunghaft steigende Zahlen), unvorhersehbar aus nächster Nähe hustend oder niesend anprustet? Illusorisch!

Es muss blitzartig und flächendeckend die Vernunft Einzug halten

Wenn die Unvernünftigen und ewig Gestrigen sich nicht blitzartig und flächendeckend an die Vorsichtsmaßnahmen halten, laufen auch wir schnurstracks, wie schon in vielen anderen europäischen Ländern, auf eine Ausgangssperre, also Hausarrest, hinaus. Und das Fernsehen ist inzwischen auch kein Quell der Ablenkung des Abschaltens durch Einschalten mehr. Auf allen Sendern, die auf Krawall gebürsteten Privaten mit ihren
Trash- und Chrash-Shows" ausgenommen, von morgens bis abends rauf und runter stetig neue Horror-Nachrichten jedweder Art, vor allem zu Corona.
Wer da nicht depressiv, zumindest trübsinnig wird, muss ein verdammt dickes Fell haben. Mittlerweile lasse ich die Glotze weitestgehend aus, informiere mich so gut wie erforderlich in der Tageszeitung, höre Musik, lese ein Buch und schwinge mich, solange ich noch darf, täglich aufs Rad, fahre für zwei bis drei Stunden bei flottem Tempo (Durchschnitt jenseits von 20km/h) mein Immunsystem im wahrsten Wortsinne ankurbelnd fernab der Zivilisation durch Wald und Flur. Momentan noch mit Einkehrschwung an einem lauschigen Plätzchen auf einen Cappuccino. Nicht zu vergessen, dass ich mich natürlich auch mit meiner ganz persönlichen Regierungschefin während der gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten und darüber hinaus unterhalte. Jedoch tunlichst nicht über den Coronavirus.