Ehrungen: Welch ein Kontrast zwischen Österreich und Deutschland!

Kommentar

Unter uns gesagt

(Wien/Erfurt/Krefeld, 12. Februar 2020)
Da es noch so schön nah und authentisch ist, werfen wir einen Blick voraus auf die – welch ein Wort in dem Zusammenhang – Ehrung  der deutschen Senioren-Leichtathleten des Jahres 2019. Sie müssen sich geradezu klein und erbärmlich vorkommen, wenn sie gestern auf Lampis gelesen und auf 162 Fotos gesehen haben, wie unseren österreichischen Nachbarn auch ihre beiden besten Masters gebührend feiern und hochleben lassen. Das hat fürwahr etwas mit Wertschätzung und Anerkennung zu tun, sie genauso zu behandeln wie die ausgezeichneten Athleten/innen in den jüngeren Leistungsklassen. Davon kann sich der nach eigener, allzu hochtrabender, selbstbeweihräuchernder Angabe ach so innovative Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nicht nur eine dicke Scheibe abschneiden. Besser, er nimmt sinnbildlich gleich die ganze Wurst.

Eine lieb- und würdelose „Zeremonie“

Derweil werden Silke Schmidt (*1959/W60) von Mettmann Sport und mein ehemaliger Teamkamerad Herbert E.Müller (*1929/M90; jeweils im Bild) von der LAV Bayer Uerdingen/Dormagen im Rahmen der Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften vom 28.Februar bis 01.März 2020 in Erfurt irgendwann während laufender Wettbewerbe unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit am Rande der Bande „ausgezeichnet“. Wenn’s hoch kommt, erfolgt während des feuchten Händedrucks eines zweitrangigen ehren- oder hauptamtlichen DLV-Funktionärs sowie der Übergabe von Blumenstrauß und Urkunde eine Ansage über die Hallen-Lautsprecher. Lieb- und würdeloser geht es nimmer mehr. Das kommt nicht einem Affront verdächtig nahe, das ist einer.

Auszeichnung abschaffen oder in berufenere Hände übergeben

Aus jahrelanger eigener Erfahrung weiß ich, dass Aktive drumherum viel zu sehr mit sich selbst beschäftig sind und von dem "Festakt" keinerlei Notiz nehmen. Noch viel weniger, dass der ohnehin umstrittene DLV-Präsident Jürgen Kessing (im Bild) sich aus der Provinz von Bietigheim-Bissingen mal auf Schönwetter machend in die aus seiner Sicht vermutlich noch tieferen Niederungen der Senioren-Leichtathletik herablassen würde. Aber der tummelt sich ja lieber an den großen Schauplätzen der einstigen, mächtig in Verruf gekommenen olympischen Kernsportart und gibt da – nett formuliert – eigenartige Statements ab.
Ehrlicher wäre es, auf eine solche Auszeichnung gänzlich zu verzichten oder sie in berufenere Hände zu übergeben. Denn auch das Auswahlverfahren gehörte auf den Prüfstand und geändert. Auch in der Hinsicht könnte eine Anleihe in Österreich genommen werden. Wofür haben wir eine EU?
So ist's zu unseren alpenländischen Vorzeige-Nachbarn ein Kontrastprogramm und Armutszeugnis ohnegleichen. Schlechterdings unterirdisch!