Senioren-EM: (K)ein Fall für Commissario Gudio Brunetti

Kolumne

Moment mal

(Jeselo, Eraclea, Caorle/Lausanne/Krefeld, 17. Oktober 2019)
Getrost könnte man Donna Leons Werk „Die dunkle Stunde der Serenissima“ umbenennen in „Die dunkle Stunde des Il Presidente“ und damit den miles&more-Vorsitzenden Kurt Kaschke (im Bild) von der European Masters Athletics (EMA) mit Briefkastenadresse in Lausanne/CH ins Spiel bringen. In einer nie dagewesenen Euphorie wurden von ihm, dem „Il Presidente“, die Europa-Meisterschaften der Ü35-Generation angeblich in Venedig (später klammheimlich in Venetien umbenannt) angekündigt. Dazu griff der Vielreisende auf Verbandskosten selber in die Tastatur und berichtete im Vorfeld über geschönte Rekordzahlen, Rekordteilnahmen von allen (Gast-)Kontinenten, sogar Dopingbetrüger aus den Vereinigen Staaten von Amerika wurden namentlich genannt und bekamen einen Sonderstatus (wir berichteten).

Ursprüngliche adriatische Euphorie-Welle schnell gestrandet

‚Il Presidente‘ überschlug sich förmlich. Doch dann merkte er, dass auch Venedig außerhalb seiner touristischen Attraktion ein Ort wie jeder andere ist. Es hätte dem Meilen-Sammler bei seinen zahlreichen Besuchen (zusammen mit seinen Kollegen) eigentlich auffallen müssen, was sich hinter der Lagunenstadt in der weitläufigen Region an der norditalienischen Adriaküste mit den drei wahrhaftigen Schauplätzen in Wirklichkeit abspielte. War’s wohl auch. Flugs fuhr er seine adriatische Euphorie-Welle auf null zurück, schob in häufig praktizierter Manier seine Adjutanten in Frontstellung und gab fortan seine Anweisungen digital auf dem WhatsApp-Kanal weiter, vermied es bei den täglichen Meetings selbst aufzulaufen, um nicht zumindest einmal das Wort „Entschuldigung“ in den Mund nehmen zu müssen. Auch das sonst so übliche Dankeschön am Ende einer Meisterschaft an die Verantwortlichen der Organisation und die vielen Helfershelfer blieb aus. Kein Sterbenswort. Blamabel in höchster Potenz!

Büchse der Pandora mit allen Übeln blieb geschlossen

Statt selbstherrlicher Tanz- und a-cappella-Einlagen bei Siegerehrungen wären ein Kontakt zum Athleten und eine ausreichende Recherche, wo der Hase im Pfeffer liegt, jederzeit angebracht gewesen. In der „dunklen Stunde“ blieb Il Presidente vornehm in seiner Dunkelkammer. Donna Leons Vorzeige-Italiener Commissario Guido Brunetti und die charmante Sekretärin Elettra schaffen das im Handumdrehen, was „Il Presidente“ mit allen digitalen Kanälen, dem ‚Canale Presidente‘ einmal ausgenommen, nämlich Ordnung ins Geschehen zu bringen. Viele Fälle hätte er (KK) im Handumdrehen, also zwischen Spaghetti und Espresso wie die Romanfigur Brunetti lösen können, wenn er die Büchse der Pandora mit allen Übeln geöffnet hätte, statt täglich das (stumme) Spieglein an der Wand mit seinem Konterfei zu befragen.