EMA-Präsident Kurt Kaschke: Wenn das Ego zum Zentrum verkommt

Kolumne

Moment mal

(Jesolo/Krefeld, 09. September 2019)
 Sehnsüchtig hat der Präsident des kontinentalen Senioren-Leichtathletikverbandes European Masters Athletics (EMA) auf den Beginn der Europameisterschaften der Ü35-Generation im Großraum Venetien gewartet. Drei Gründe waren Anlass der Sehnsucht von Präsidialherr Kurt „Kuddel“ Kaschke (*1955) aus dem westfälischen Gütersloh: Die Selbstdarstellung während der Generalversammlung mit eigenem Schulterklopfen ob der tollen, aber niemals sicht-/nachweisbaren Erfolge seiner Amtsführung, die eigene Teilnahme als Ausdruck der Basis-nahen Verbundenheit zu seinen Schutzbefohlenen aus aller Herren Länder und die Gelegenheit bei Siegerehrungen a cappella Nationalhymnen singen zu können.

„Kuddel on Tour“ geht gleich zum Kugelstoßen in die Bütt

Teil 1 der Trilogie wird sich der selbstverliebte „Trump für Arme“ (Keiner liebt mich so wie ich) in den nächsten Stunden erfüllen. Er wird um 11.30 Uhr im Stadion von Jesolo das 24-köpfige Kugelstoßfeld der 60-Jährigen auffüllen und – die Hoffnung stirbt zuletzt – zumindest optisch ein besseres Ergebnis erzielen wollen als der erbärmliche Hinterher-Jogger bei der Stadion-WM 2015 in Frankreich als 53. und  Letztplatzierter über 100m (21,52 sec.!), bei der Straßenlauf-EM 2015 in Italien und der Berglauf-EM 2017 in seiner Wahlheimat Portugal. Bei seinem neuerlichen Auf- oder Fehltritt hat er mit der Fantasieleistung von 10,00 Meter gemeldet. Wenngleich er damit für nichts eine Rolle spielen wird, außer der des Hinterbänklers, kann er sich immerhin mit dem Finnen Vesa Lappalainen (Meldeleistung 9,75m) einen auskeulen, den er bei seiner Wiederwahl 2017 in Aarhus (Dänemark) auf andere Weise zum Gegner hatte. Gewissermaßen treffen hier erbitterte Intimfeinde aufeinander.  

Welcher Selbstdarstellungsakt wird diesmal „geboten“?

Die Basisnähe ist Kaschke also in mehrerlei Hinsicht gewiss und stärkt den (Zeit- und Termin-)Rücken für Siegerehrungen. Hier wird sein Befehl als Schirmherr der EM lauten, das Schaltpult auszustellen, den Anwesenden einen „Tonausfall“ signalisieren, damit er, der „Präses“ höchstpersönlich, einem Opernstar nachempfunden (was sonst?) die Nationalhymne a cappella singen kann. Vielleicht ist dieses Mal die portugiesische Hymne an der Reihe, nachdem er noch jüngst bei der Hallen-WM 2019 im polnischen Torun die irische zum Besten gab, nachdem er zuvor mit seinem Solotänzchen zu „Twist again“ (wir berichteten) das Publikum zu Beifallsstürmen hingerissen hatte. So jedenfalls seine hausgemachte Wahrnehmung zur Befriedigung seines Egos.
Dann fehlt in der Trilogie nur noch die Generalversammlung, wo der Seniorenoberste alle Register ziehen wird, um auf die Erfolge seiner hörigen EMA-Mannschaft zu verweisen. Egal, wo sich K.K. aus G. in D. auch gerade aufhält, sein Ego steht immer im Zentrum. Bleibt abzuwarten, wann er eine Einladung nach Washington ins Weiße Haus bekommt. Schließlich haben Charaktere wie er und des Narzissten-Kollegen aus den Vereinigten Staaten eines gemein(sam): die Realität ist für Beide in weite Ferne entrückt. Der heimische Spiegel ist ihnen stets näher. Märchenhaft näher. Eben vollkommen irreal.