Vermeintliche Senioren-EM in Venedig ist eine gigantische Mogelpackung

Kolumne

Moment mal

(Venedig/Jesolo/Eraclea/Caorle/Krefeld, 05. Juni 2019)
Was stimmt eigentlich an und bei den 21.Senioren-Europameisterschaften bis hin zum Termin außerhalb der Schulferien vom 05. bis 15.September 2019 in Venedig? Einmal abgesehen vom Arbeitstitel genau genommen nichts. Selbst der vermeintliche Schauplatz ist eine gigantische Mogelpackung. Was draufsteht, ist nicht drin. Denn mit der Attraktivität und Anziehungskraft der Lagunenstadt an der italienischen Adria wird ein veritabler Etikettenschwindel betrieben. Was, bitte schön, sollte in der Stadt selber an sportlichen Wettbewerben stattfinden, deren Gesamtfläche zu 62 Prozent aus Wasser und der Rest aus fraglos imposanten Bauwerken früherer Epochen besteht?  Eine hypothetisch-rhetorische Frage. Allenfalls Kugelstoßen mittels einer ambulanten Anlage zum Gaudi der Touristen und zum Ärgernis der unendlich vielen Tauben auf dem weltberühmten Markusplatz. Erkenne sie, die Ironie! Die Stadtväter haben sich ohnehin schon der geharnischten Proteste eines Großteiles ihrer 261.300 Einwohner wegen des Massentourismus‘ von 33 Millionen Menschen im Jahr (im Schnitt 90.411 täglich) zu erwehren. Dem begegnen sie seit Mai 2019 mit 3 Euro Eintritt pro Person. Ob's hilft den friedlichen Ansturm mit Vernichtungscharakter einzudämmen?

EM-Schaupläzte 41, 43 und 80 Kilometer von Venedig entfernt

Zurück zur EM. Die eigentlichen Orte der Handlung dieser dezentralen Titelkämpfe liegen in den mehr oder weniger weit entfernten Orten Jesolo (41 km), Eraclea (43 km) und Caorle (80 km). Und dahin geht es immer schön die auch in der Nachsaison vollgestopfte Küstenstraße entlang. Wer sein Hotelbett in Venedig bucht, der ist angeschmiert. Aber egal wo: Es ist in aller Regel jede Menge Fahrtätigkeit zu absolvieren sowie Zeit, Geld und Nerven zu investieren. Bringen wir es schon jetzt auf den Punkt: Das allein in Betracht gezogen, kann eine EM-Teilnahme ruhigen und reinen Gewissens nicht empfohlen werden. Und das ist noch ausgesprochen zurückhaltend formuliert.

Bei der WM-Bewerbung fiel die Lagunenstadt folgerichtig durch

Nicht von ungefähr hat die damalige Findungskommission der World Masters Athletics (WMA) mit dem seinerzeitigen Präsidenten Stan Perkins (Australien) und „Vize“ Margit Jungmann aus Rehlingen an der Spitze die WM-Bewerbung von Venedig für 2018 durchs Raster fallen lassen und stattdessen Málaga (Spanien) den Zuschlag gegeben. Das kann dem Kontinental-Fürsten Kurt Kaschke (Gütersloh) als Präsidenten der European Masters Athletics (EMA) unmöglich entgangen sein. Schließlich ist der 64-jährige Funktionär nebenbei auch WMA-Delegierter und dürfte im steten Austausch mit seiner Landsfrau Jungmann stehen. Da muss er beim Votum für „Venedig“ von deren Schönheit wohl restlos geblendet gewesen sein. Er hätte bei der Besichtigung der wirklichen Wettkampfstätten mal auf den Tachometer schauen und sich die Lokalitäten für Lauf, Sprung und Wurf genauer ansehen sollen. Auch da müssen Tomaten oder sonst was (wir hüten uns wiederzugeben, was böse Zungen behaupten) auf den Augen seinen Blick stark getrübt haben. 

Wie soll bloß das Stadion in Caorle rechtzeitig fertig werden?

Denn der Richtung Felsbrocken mutierende Stein des Anstoßes kommt erst noch. Das Stadion in Caorle hat sich vor zwei Jahren als sportliche Schrott-Immobilie dargestellt. Und an diesem Zustand hat sich bis zur Erstellung des untenstehenden Fotos vor wenigen Tagen im Mai 2019 (!) nichts geändert. Es gehört im Land wo der Papst seinen Amtssitz hat schon sehr viel Gottvertrauen und noch mehr Leichtgläubigkeit dazu, dass daraus innerhalb von drei Monaten eine EM-würdige und –reife Anlage entstehen soll. Normalerweise müssten bei K.K. sowie seinen Vasallen und von ihm ernannten Handlangern alle Alarmglocken schrillen.
Nix von alledem auf der EMA-Netzseite. Da werden potenzielle EM-Starter durch Stillschweigen in Sicherheit gewogen und für dumm verschlissen. Das lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Skandalös von vorne bis hinten, geradezu perfide! Wenn’s schiefgeht, und danach sieht es verdächtig aus, müsste Kaschke in seine Verantwortung genommen und mit Regressansprüchen nur so überschüttet werden.