EMA/WMA verramschen Sportlerehrungen nach dem Gießkannenprinzip

Glosse

Neben der Spur

(Lausanne/Krefeld, 10. Januar 2019)
Ehre, wem Ehre gebührt. Schön, wenn dieser aussagestarke Spruch immer und überall stringent angewendet würde. Der weltweite Senioren-Dachverband World Masters Athletics (WMA) und seine kontinentalen Organisationen gehen den umgekehrten Weg der Verramschung von Auszeichnungen. Derzeit am abschreckenden Beispiel bei der European Masters Athletics (EMA) zu beobachten und beklagen.
Da gibt es den besten Senior männlich und weiblich gleich in den sieben Disziplingruppen Sprint, Mittelstrecke, Langstrecke, Sprung, Stoß/Wurf, Mehrkämpfe und Gehen. Und geht es nach dem Muster der WMA, womit zu rechnen sein dürfte, wird darauf noch der/die Beste und lauter Besten in der Kategorie „Overall“ gestülpt. Also grob verdenglischt so ‘ne Art Überall-Master.
Beschränkter geht`s nimmer mehr. Doch Moment!

Warum nicht noch auf alle Altersklassen herunterbrechen?

Vorschlag zur Güte, um wirklich eine flächendeckende, gerechte Regelung zu kreieren: Wie wäre es damit, die ohnehin schon aberwitzige Konstruktion auf alle Altersklassen von M/W35 bis endlos herunter zu brechen respektive zu erweitern? Bei der Fraktion Stoß/Wurf ließe sich der größeren Chancengleichheit wegen noch zwischen Rechts- und Linkshändern unterscheiden. Denkbar wären hier auch Gewichtsklassen bis und über 100 Kilogramm. Merken die Denker, Lenker und Macher eigentlich nicht, dass sie die in allen möglichen Bereichen um Reputation ringende Senioren-Leichtathletik noch stärker in Misskredit und Verruf bringen? Einfältige Frage: Natürlich nicht!

EMA sorgt für allgemeine Verunsicherung

Hinzu kommt, dass die EMA mit den sukkzessiven Veröffentlichungen der „Besten“ auf ihrer Netzseite für allgemeine Verunsicherung sorgt. Beginnend mit dem 31.Dezember 2018 wurde in zwei verschiedenen Beiträgen ohne die Nennung der Kategorie zunächst die Französin Pétra Bajeat bedacht. Die Aufzählung ihrer Erfolge im Hoch- und Weitsprung suggeriert und impliziert zweifelsfrei, dass es sich um die Disziplingruppe Sprung handeln muss(te). Nun taucht sie aber am 08.Januar 2019 just da nochmal zusammen mit „Stabi“ Wolfgang Ritte (inzwischen als Deutschlands Bester benannt) als männliches Gegenstück auf (wir berichteten). Der ebenfalls an Silvester abgefeierte lettische Alleskönner Valdis Cela (M70) käme sowohl für die Sparten Mehrkampf als auch Sprung in Betracht. Da Letzteres an Ritte ging, wissen wir spätestens im Nachhinein, dass Cela, wie von uns gemutmaßt, für die „Combined Events“ (Mehrkämpfe aller Art) auserkoren worden ist.

Pétra Bajeat doppelt-gemoppelte Beste? Geht Marianne Maier etwa leer aus?

Bei Bajeat rätseln wir jedoch weiter. Oder wurde sie gar für Sprung und Mehrkampf ausgezeichnet? Folglich eine doppelt-gemoppelte Beste. Das wiederum wäre eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber der Österreicherin Marianne Maier (im Bild). Die stellte nämlich bei der WM in Malaga einen neuen Weltrekord im Siebenkampf der W75 auf, garniert von den Titeln im Hürdensprint und Kugelstoßen, ebenfalls mit globalen Bestmarken. Bajeat soll bei den nationalen Meisterschaften mit 4.596 Punkten einen neuen Europarekord im Siebenkampf der W50 erzielt haben. Den hält jedoch laut am 01.November 2018 aktualisierter EMA-Rekordliste Barbara Gähling vom LT DSHS Köln mit 6.456 Punkten.

Ein heilloses Durcheinander

Da steige noch eine/r durch? Und wer das alles jetzt nicht verstanden haben sollte, der muss sich nicht grämen. Es liegt nicht an ihm/ihr. Mal sehen, wer noch für  Sprint gekürt wird? Und noch spannender: Wer darf sich „Überall-Master“ nennen? Gewissermaßen die einzig wahren Besten, der Primus inter pares (weibliche Form mir nicht bekannt)! Kommen die aus dem bisherigen Kreis oder spuckt das Personal-Bingo völlig neue Figuren aus?
Festzuhalten bleibt, dass hier entgegen allen sonstigen Gepflogenheiten bei Sportlerehrungen nach dem Gießkannenprinzip verfahren wird.