Ein Stelldichein der Weltklasse heute beim 13. PSD-Bank-Meeting

(Düsseldorf/Krefeld, 06. Februar 2018)  Ganz großes Kino für die 2.500 Zuschauer live vor Ort in der Leichtathletikhalle im Arena Sportpark in Düsseldorf und  jene vor dem Pantoffelkino des Spartensenders EUROSPORT. Hoffentlich mit Frontmann Sigi Heinrich am Mikrofon, der auch schon auf dem langen Flugweg zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea)  sein könnte.
Das PSD-Bank-Meeting erlebt heute Abend seine 13. Auflage. Da es zur sechs Veranstaltungen umfassenden IAAF World Indoor Tour gehört, präsentiert es jede Menge Hochkaräter unter den insgesamt 129 Athleten/innen aus aller Herren Länder mit Ruf und Geltung in der Szene. Dabei bietet die Speisekarte mit elf Gängen so ziemlich für jeden Geschmack einen besonderen (Augen-)Schmaus. Konkret werden sieben Wettbewerbe bei der mutmaßlichen Krone der Schöpfung und vier beim angeblich schwachen Geschlecht dargeboten. Sonstige Attribute verkneift man(n) sich heutzutage besser, um nicht noch in der falschen Schublade zu landen.

Kugelstoßen nach zuletzt 2015 wieder im Programm

Und das Schöne daran: Kugelstoßen ist nach zuletzt 2015 wieder im Programm. Nicht irgendwo in einer
finsteren Ecke mit Barbeleuchtung, sondern qua Rampenlicht im Herzen der Halle auf einer ambulanten Anlage auf der 60-m-Geraden vom Start Richtung Ziel stoßend. Kleiner Wermutstropfen: Das ursprünglich in diesem Weltklasse-Sextett vorgesehene deutsche Zugpferd David Storl (*1990) wird bei diesem Spektakel fehlen.  Der 27-Jährige „hat Rücken“, hieß es in einer Meldung auf dem Internet-Portal des DLV. Eine taktische Verletzung? Fakt ist jedenfalls, dass der einstige Kugelstoß-Wunderknabe,  2011 mit damals 21 Jahren der jüngste Weltmeister der Geschichte bei den Männern, der 2013 den Titel verteidigte, seiner einstigen Klasse mächtig hinterherhinkt. Lediglich 20,37m  stehen bei ihm derzeit zu Buche. Das stieß er schon 2009 bei seiner U20-Abschiedsvorstellung „Fliegende Kugeln im Advent“ am 19.Dezember in Rochlitz. Dort attackierte er zunächst mit der noch altersgemäßen 6-Kilo-Kugel die 23-m-Marke und schlug anschließend mit dem 7,26 Kilo schweren Gerät den arrivierten Platzhirsch Ralf Bartels deutlich mit 20,40 zu 19,45m. Zugleich die Einleitung der Wachablösung, wie sich noch herausstellen sollte.

Ein Trainerwechsel soll es nunmehr richten

Machen wir uns nix vor: „Storli“, obwohl mittlerweile im ehedem vermeintlich besten Alter für Kugelstoßer stehend, stagniert nicht nur nach seiner (bisherigen?) absoluten Bestleistung von 22,20m am 09.Juli 2015 im schweizerischen Lausanne, es geht vielmehr stetig bergab. Der vorläufig absolute Tiefpunkt war der nicht nur für ihn restlos enttäuschende zehnte Platz (20,80m) bei der letztjährigen WM im Olympiastadion von London, wo er 2012 mit 21,86m Silber gewann. Nach dem Debakel der beinahe unvermeidliche Griff zum Strohhalm, die Trennung von Bundes- und Heimtrainer Sven Lang. Als probates Allheilmittel hat es sich bislang nicht erwiesen. Der ohnehin mit seiner traditionellen Rückenstoßtechnik a la Parry O'Brien scheinbar aus der Zeit gefallene Storl hätte in seiner aktuellen Verfassung im Konzert der Asse im großen Dorf an der Düssel zwei Tag vor Altweiber keinen Blumentopf gewinnen können.

Whiting & Co. machen Jagd auf den Meeting-Rekord

Angeführt wird das illustre Feld vom Hallen-Doppel-Weltmeister Ryan Whiting aus den USA, dem Sieger von 2015. Beim höchstwahrscheinlichen Fallen des Meeting-Rekords (21,31m) seines Landsmannes Christian Cantwell (im Bild) hat sich der US-Boy vor allem mit Tomas Stanek (Tschechien), dem neuen Wunderknaben Konrad Bukowiecki (Polen), Stipe Zunic (Kroatien) und Tsanko Arnandov (Portugal) auseinander zu setzen. Die deutschen Farben anstelle von Storl vertritt der 22-jährige Patrick Müller vom SC Neubrandenburg. Er verbesserte sich unter Sven Lang nach der Umstellung auf die Drehstoßtechnik um 96 Zentimeter auf 20,14m. Die gilt es bestenfalls bei dieser für ihn wohl noch nicht erlebten speziellen Atmosphäre vor großem Publikum zu steigern. Freilich ein Drahtseilakt zwischen motivierend und lähmend.
Die weiteren Höhepunkte und übrigen Details auf der Veranstalter-Netzseite.