Einmal mehr offenbart der DLV seinen haarsträubenden Dilettantismus

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Krefeld,  09. Dezember 2017)
 Da irrt David Deister in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite gewaltig. Schlampig formuliert, schlecht informiert und überhaupt nicht recherchiert. Schon die Überschrift „Wählen Sie erstmals Ihre ,Senioren-Leichtathleten des Jahres‘ 2017“ suggeriert, dass hier etwas revolutionär Neues stattfinden würde. Dieser honigblühende Unsinn setzt sich im ersten Satz des Textes (immerhin wird die Überschrift durch den Inhalt getragen) mit „In diesem Jahr sucht der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) erstmals die ,Senioren-Leichtathleten des Jahres‘ 2017“ munter fort. Helfen wir dem auf Ruheständler Jörg Erdmann folgenden Frischling im Umgang mit der Ü30-Generation in unserer bekannt missionarischen Art auf die Sprünge. Das auch noch zum Nulltarif, derweil beim DLV nix umsonst zu sein pflegt. Obendrein kann es als Auffrischung für unsere Stammbesucher und Gelegenheitsgäste nicht schaden.

„Masters-Wahl“ eine Idee von Torsten Carlius und Dieter Massin

Diese Idee zu einer „Masters-Wahl“ geht in einem Gemeinschaftswerk zurück auf die damaligen Präsidenten der Senioren-Spitzenverbände in der Welt und Europa, Torsten Carlius  aus Schweden und Dieter Massin (im Bild) aus Ahlen in Westfalen. Sie waren es, die im Jahre 2004 die „Best Master of the Year“ (siehe Awards) aus der Taufe gehoben haben. Massin adaptierte diese hohe ideelle Auszeichnung ab 2005 in Europa und Deutschland. Der Westfale war hier zu Lande zugleich der Initiator. Transportiert wurde es durch den Sportverlag Meyer & Meyer in Aachen mit den Publikationen SELAplus, einem monatlich erscheinenden Print-Magazin, und SELAnetz, einem frei zugänglichen Internet-Portal. Federführend wurden das analoge und digitale Medium aufgrund seiner  profunden Fachkenntnisse sowie weitreichenden Kontakte bis 2013 von Massin bearbeitet. Bis dahin ist auch die Senioren-Wahl in einem vorwiegenden Votum der Leser durchgeführt worden. Die Ehrung erfolgte jeweils in einem nicht von den Organisatoren zu verantwortenden Akt der Lieblosigkeit im Rahmen der nächstjährigen Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften „zwischen Supp‘ und Gemüs‘“ unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit von einem offiziellen DLV-Vertreter.

Prozedere ab 2014 in alleiniger Regie des DLV
 
Also schon ab 2014 ist das Prozedere, an dem immer wieder mal unzulänglich herumgedoktert wurde, in die alleinige Regie des Dachverbandes übergegangen. Zuletzt durften von Aktiven Vorschläge unterbreitet werden, die dann von einer Kommission von Pseudo-Experten mit (un-)schöner Regelmäßigkeit über den Haufen geworfen worden sind und folglich teilweise abstruse Entscheidungen gebar. Was nun wirklich sowie einzig und allein neu an dem Verfahren ist, dass ausschließlich die Leser der  DLV-Netzseite online über ihre Auserkorenen abstimmen und somit eine mehrheitsfähiges Ergebnis auf eine breitere Basis gestellt wird. Das ist fraglos ein Riesenfortschritt.

Mehrkampf- und Weitsprung-As Klemens Grißmer schnöde übergangen
 
Es gibt jedoch weiterhin einen kapitalen Haken an der Geschicht‘: Wieder ist es ein Gremium von vermeintlichen Fachleuten, die je zehn nominierte Senioren und Seniorinnen zur Wahl stellen. Und schon scheiden sich die Geister. Mehrzahl! Denn damit stehe ich nach inzwischen vielen geführten Gesprächen mit Sportkameraden/innen nicht mutterseelenalleine da. Ohne jetzt großartig an den jeweiligen „Top ten“ herummäkeln zu wollen (was leicht möglich wäre), fällt jedoch geradezu gravierend auf, wer sich nicht darunter befindet. Nämlich Zehnkämpfer Klemens Grißmer (*12.11.1951) von der TSG Oberursel, der beim hochkarätigen Ereignis der 20.Senioren-Europameisterschaften 2017 im dänischen Aarhus einen mit 8.205 Punkten phantastischen Weltrekord in der M65 aufstellte. Er pulverisierte förmlich die acht Jahre alte Bestmarke (7.837) seines Landsmannes Rolf Geese (*1944) aus Göttingen.
Der Hesse aus der Nähe von Frankfurt hatte zuvor  bei der Hallen-WM im koreanischen Daegu ebenfalls die globale Bestmarke von Geese im Fünfkampf auf 4.637 Punkte verbessert. Dazu steigerte er über 5,38 im Einzelwettbewerb und 5,48m innerhalb des Mehrkampfes  zweimal den Hallen-Weltrekord im Weitsprung.
Alles schon vergessen? Dann einfach mal im Archiv nachschauen oder nicht verzagen, LAMPIS fragen! Und noch eines: Der 100-m-Sprint mag die Krone der Leichtathletik sein, aber die Zehnkämpfer werden wegen ihrer enormen Vielseitigkeit nicht von ungefähr und völlig zu Recht bei ihrem strapaziösen Zwei-Tage-Werk als „Könige der Athleten“ gefeiert.
Traurig genug, daran erst erinnern zu müssen. Alles Kleister, Herr Deister, oder Achtung bei der Berufswahl!