Andy Dittmar der "Mr. Fantastic, Mr. Bombastic" beim Kugelstoßen

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(Gotha/Krefeld, 16. Januar 2016) Obschon diese Erkenntnis rückblickend betrachtet beileibe nicht neu ist, hat das Attribut auch noch aktuelle Geltung in der Gegenwart: Der „Bär“ von einem Mann, auf 1,96 m Körpergroße gute verteilte 140 Kilo schwer, ist ein Phänomen. Er scheint irgendein Rezept gefunden zu haben, die biologische Uhr auf den Sport gemünzt ein wenig langsamer ticken zu lassen, bringt mit seinen 41,5 Jahren immer noch Leistungen auf einem geradezu verblüffend hohen Niveau. Dabei hat Andy Dittmar vom Klub „Basketball in Gotha“ (BiG) seine semi-professionelle Karriere neben der – weiterhin ausgeübten – Tätigkeit als Marketingleiter bei der AOKplus in seiner Heimatstadt am 31.August 2009 beim Kugelstoß-Meeting in Kösteritz beendet. Statt fünf bis sechs Trainingseinheiten wöchentlich gönnt sich der Häuslebauer, Ehemann und Vater von drei Kindern (eine Tochter zwei Söhne, in dieser Reihenfolge) im schulpflichtigen Alter von neun bis 15 Jahren allenfalls noch die Hälfte davon.
Das hindert ihn freilich bei seinen dosierten Auftritten nicht daran, seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit Weiten jenseits 18 Meter abzuliefern. Egal ob mit oder ohne Dach über dem Kopf. Erst vergangene Woche stieß der imposante Gentleman in kurzen Hosen bei einem Hallenmeeting des Thüringer Leichtathletik-Verbandes (TLV) in Erfurt zum Saisoneinstand mal „eben“ 18,26m. Das liegt lediglich neun Zentimeterchen unter seinem deutschen Hallenrekord (18,35m), den er am 01.März 2015 an selber Stelle aufgestellt und Fred Schladen (*1939) vom LC Bonn abgenommen hatte, den der als Qualitätsmerkmal 32 (!) Jahre mit 18,1
2m in seinem Besitz gehabt hatte. „Das war für den Anfang gar nicht so schlecht“, meinte Dittmar nach dem Wettkampf in charmanter Untertreibung. „Ich war zwar ganz guter Dinge, dass ich aber auf Anhieb die 18-Meter-Marke recht deutlich übertreffen konnte, war zumindest eine kleine Überraschung!“


Halle in Erfurt keineswegs Andys „Wohnzimmer“

Dabei bezeichnet er die Quasi-Heimanlage in der Nachbar- und Landeshauptstadt keineswegs als sein „Wohnzimmer“. Nicht seine Aussage, aber dennoch stimmig: Der Untergrund des ambulanten Holzrings ist sehr glatt, der Sektor ist für seine Weiten zu eng, die Anlage in der hinteren Hallenecke ist eine finsteres Loch mit Barbeleuchtung, die dunkelblauen Gymnastikmatten werden in aller Regel im Radiusverlauf nicht mit Metermarkierungen versehen, so dass praktisch ins Nirwana gestoßen wird. Dass der Mensch an sich visuell veranlagt ist und das Auge nicht nur mit isst, hat sich bis zu den meisten Veranstaltern bis hin zu Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften aufwärts noch nicht herum gesprochen. Mal sehen, was Mitte Februar vor Ort geschieht? 
Ungeachtet all dessen hat der doppelte Big-Andy (Klub und eigene Größe) just dort passend zur Weite am 20.02.2000 mit 20,02m die 7,26 Kilogramm schwere Kugel erstmals in der Halle über 20 Meter gewuchtet. Und fast 16 Jahre später, im fünften Lebensjahrzehnt stehend, hat er immer noch die 18 Meter im Köcher. Einen neuerlichen Beweis kann er bereits heute Abend (Beginn 17 Uhr) antreten. Da geht er bei den Thüringer Hallenmeisterschaften an den Start. Nicht bei den Senioren, sondern in der Männerklasse, wird hier, Zweifel ausgeschlossen, seinen insgesamt 45. Landestitel in Halle und Stadion einfahren. Wobei sich lediglich die Frage stellt, mit welchem Vorsprung er gewinnt und ob vielleicht wieder ein Rekord herausspringt?
Zuzutrauen ist es ihm jedenfalls, dieser Zierde für die deutsche und internationale Senioren-Szene weit über die Fraktion Stoß/Wurf hinaus. Denn mit der Zwischenstation Hallen-DM der Ü 35-Generation geht der 
Mr. Bombastic, Mr. Fantastic" beim schmutzigen Geschäft mit der Kugel bei den Hallen-Senioren-Europameisterschaften im italienischen Ancona (29. März – 03. April 2016) im Bierzelt" (wir berichteten) in den Ring, strebt sein viertes EM-Gold unter’m (Hallen-)Dach an.
Wiewohl noch Zukunftsmusik schwerlich vorstellbar, dass ihm das jemand streitig machen kann.