Ein Bayer-Urgestein verließ nach 45jähriger Mitgliedschaft den Verein

(Krefeld, 04. Januar 2016) Ein Bayer-Urgestein verließ nach 45-jähriger aktiver Mitgliedschaft den Verein. Kugelstoß-Spezialist Axel Hermanns (*1944) kehrt nach nunmehr einem halben Jahrhundert zu den Wurzeln zurück: dem KTSV Preußen Krefeld, wo er im April 1966 nach dem Ende seiner Bundeswehrzeit in Koblenz als Spätberufener mit der Leichtathletik begann. Er kam ursprünglich vom Mannschaftssport. Zunächst spielte er bis zur C-Jugend Fußball beim BV Union Krefeld, danach Eishockey beim Krefelder EV (KEV) von 1936. Dort brachte er es in A-Jugend immerhin bis zur NRW-Auswahl. Wobei anzumerken bleibt, dass seinerzeit im schnellsten Teamsport auf diesem Globus noch die bayerischen Vereine mit dem EV Füssen, EC Bad Tölz und SC Riessersee den Ton angaben. Ungeachtet dessen wurde sein Klub 1952 Deutscher Meister. Das hat den damals siebenjährigen Knirps freilich noch nicht inspiriert. Vielmehr lieferte die Eishockey-Weltmeisterschaft 1955 die Initialzündung, die in seiner Heimatstadt ein Riesenereignis war und vor 10.000 Zuschauern in der proppenvollen Krefelder Rheinlandhalle den finalen Klassiker Kanada  Sowjetunion (5:0) erlebte.


Bei der Bundeswehr fürs Kugelstoßen entdeckt

Just beim Bund ist Hermanns für das Kugelstoßen entdeckt worden. Mit Technik Marke Eigenbau wurde er Brigade-Meister in dieser Disziplin und Dritter der Divisionsmeisterschaften. 11,98 Meter war 1965 seine Weite. Ausbaufähig bei entsprechender Technik und Steigerung der Kraft, wie ein erfahrener Kampfrichter vom Fach, nicht von der Bundeswehr, befand. Die Animierung reichte (siehe oben). Kürzen wir es ab: Gleich im ersten offiziellen Wettkampf stieß der Krefelder beim traditionsreichen Süchtelner Bergfest 13,11m. Die Leistungssprünge wurden kleiner. Aber er steigerte sich bis 1976 bei einer Körpergröße von 1,87 Meter und einem Gewicht von 92 bis 96 Kilogramm kontinuierlich Jahr für Jahr, mithin elf in Serie, bis auf seine Lebens
bestleistung von 16,90 m. Auf der Jagd nach der für die „zweite, steroidfreie Reihe“ begehrenswerten 17-Meter-Marke bestritt er in der Saison 1976 sage und schreibe 49 (!) Wettkämpfe. Einmal gleich drei an einem Tag.
Mittlerweile startete er mit der Zwischenstation CSV Marathon Krefeld (1969 und '70), wo er mit 15,28m immer noch den Vereinsrekord hält, seit 1971 für den damaligen FC, heutigen SC Bayer 05 Uerdingen. Er war langjähriger Kapitän der Uerdinger Bundesliga-Mannschaft, hat nahezu alle Asse aus dieser Zeit kennen gelernt und unterhält bis heute freundschaftliche Kontakte zum einstigen Wahl-Mainzer Alwin J. Wagner aus Melsungen bei Kassel. Den müssen wir an dieser Stelle nicht näher vorstellen.

Unverwüstliches Stehaufmännchen nach vielen Verletzungen

Hermanns ist das Paradebeispiel dafür, dass Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen auch zum Ziel führen können. Seine größten Erfolge durch manch schwere Verletzung kurz vor und nach der Jahrtausendwende (lebensbedrohlicher Sportunfall bei der Hallen-EM 1999 in Malmö, 82 Wochen mit einem Bandscheibenvorfall arbeitsunfähig außer Gefecht, Außen- und Innenmeniskus im linken Knie gerissen, Riss der linken Achillessehne, Ruptur der rechten Tricepssehne) beeinträchtige sportliche Laufbahn feierte er als unverwüstliches Stehaufmännchen bei den Senioren. Rein an Titeln gemessen, Halle  und Freiluft saldiert: 20mal Nordrheinmeister, zehnmal NRW-Meister, achtmal Deutscher Meister, sechsmal Europameister und als absolute Krönung 2012 Hallen-Weltmeister im mittelfinnischen Jyväskylä in der M65 mit dazu passenden 13,65m. Ganz 
nebenbei" wurde er für den Leichlinger TV startend siebenmal nationaler Senioren-Meister beim Rasenkraftsport im artverwandten Steinstoßen. Als spätes Glanzlicht bezeichnet er den NRW-Hallenrekord der M65 mit 14,83m, den er 2009 keinem Geringeren als Ferdinand „Fred“ Schladen (*1939; persönliche Bestleistung 20,40m aus 1972) vom LC Bonn abnehmen konnte, der ihn bis dahin mit 14,49m hielt.
Mittlerweile bestritt der bevorzugt die Kugel stoßende Sportjournalist allein in seiner Paradedisziplin 1.106 Wettkämpfe. Ganz zu schweigen von Diskus, Speer, seltener Hammer und in jüngeren Jahren Mehrkämpfen bis hinauf zum Zehnkampf. Das war sozusagen die „Aufnahmeprüfung“ beim FC Bayer. Für Trainer-Legende Norbert Pixken war keiner ein echter Leichtathlet, der nicht mindestens einen Zehnkampf in seiner Vita vorweisen konnte.
Bemühen wir nochmals den Zeitraffer: Wer solange mit einem Verein verbandelt war, in der Außendarstellung und Innenwirkung soviel für ihn leistete, der verlässt den nicht aus lauter Jux und Dollerei, nur um im stark fortgeschrittenen Leistungssportalter zu seinen Ursprüngen zurück zu kehren. Es hat heftig geknirscht im Gebälk, sodass sich der gebürtige Zufallswestfale (geboren in Bad Oeynhausen) von Krefelder Geblüt zu diesem gravierenden Schnitt und Schritt veranlasst sah. Schmutzige Wäsche will er gleichwohl nicht öffentlich waschen, sagt jedoch unverblümt: „Es bleibt ein Blick zurück im Zorn.“
Kommenden Sonntag wird er nach 48 Jahren bei den NRW Open" in Düsseldorf erstmals wieder im Preußen-Trikot in den Ring gehen. Es wird natürlich eins im neuen, aktuellen Design sein.