Trauerredner erschien nach "Weckruf" mit 55-minütiger Verspätung!

(Krefeld/Grevenbroich, 25. September 2015) Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Eine noch mal ganz andere Dimension erfährt es, wenn eine nicht unwesentliche Person zu einer Bestattung zu spät kommt und die rund 100-köpfige Trauergemeinde zwangsweise in den Wartestand versetzt. Sofern es überhaupt einen günstigen Stern gibt, unter dem eine Beisetzung stehen kann, stand die des einstigen Hammerwerfers Alfred Ginzkei (*19.07.1964, † 13.09.2015) gestern auf dem Friedhof in  Grevenbroich-Elsen unter einem denkbar schlechten. Der Trauerredner war nicht pünktlich um 11 Uhr erschienen, musste erst durch das Beerdigungsinstitut telefonisch an den Termin erinnert werden und tauchte darob mit 55-minütiger Verspätung am Ort der Handlung auf.
Wenngleich er sich gefühlte tausendmal mit einer fadenscheinigen Begründung, er stünde unter Medikamenten und hätte nur ein paar Stunden geschlafen, dafür entschuldigte, ist sein ungebührliches Verhalten durch absolut nichts zu rechtfertigen. Nicht vor dem An- und Gedenken an den Verstorbenen und nicht vor der Trauergesellschaft, die, so noch berufstätig, sich nur für einen bestimmten Zeitraum frei genommen hatte. Der Mann hätte eigentlich zur Buße an alle Beteiligten Schmerzensgeld zahlen müssen. Bei aller Unbill war es noch geradezu ein Glücksfall, dass in der Friedhofskapelle nicht um 11.30 und 12 Uhr die nächsten Trauerfeierlichkeiten angesetzt waren.
Beschämend war es zudem, dass aus der Werferszene des näheren geografischen Umfeldes lediglich Ginzkeis Trainingspartner Bernd Liebke, Det Beckers und der Verfasser anwesend waren. Da hätte der stets zuvorkommende, hilfsbereite und freundliche ehemalige Kumpel eine größere Anteilnahme aus diesen Kreisen verdient gehabt. Das ist schließlich keine Frage der sportlichen Klasse des Verstorbenen, sondern seiner Persönlichkeit und des – nicht vorhandenen – Anstandes der allzu vielen Verweigerer.
Aber das muss jeder mit seinem mehr oder weniger strapazierbaren Gewissen ausmachen, falls nicht sehr triftige Gründe für die Abwesenheit vorlagen, dem Toten die letzte Ehre zu erweisen.